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Kräuter für Balkon und Terrasse - Eine Übersicht

Viele Kräuterliebhaber haben ihr eigenes kleines Kräuterparadies auf dem heimischen Balkon. Die Vorteile liegen auf der Hand: Wer Kräuter für Speisen, Tee, Wellness oder Gesundheit anpflanzt, hat bei Bedarf auch frische und aromatische Pflanzen für den Eigenverbrauch. Außerdem verschönern viele Kräuterpflanzen den Balkon, lassen dessen Umfeld im Sommer angenehm duften und bieten vielen nützlichen Insekten eine wertvolle Heimat. Wer allerdings Kräuter auf dem Balkon anpflanzen möchte, sollte sich zunächst einige Gedanken über den eigenen Standort machen und wissen, welche Pflanzen überhaupt geeignet sind.

Balkonkräuter - Anbautipps und geeignete Kräuter

Es gibt zahlreiche Kräuter, die sich einfach und ohne großen Zeitaufwand auf dem Balkon oder auf der Terrasse anpflanzen lassen. Wichtig für einen erfolgreichen Anbau ist, die jeweiligen Standortvorlieben und Nahrungsansprüche der jeweiligen Kräuterpflanzen zu kennen. Um Sie zu motivieren, möchten wir Ihnen vorab einige Vorteile zeigen, warum sich der Anbau der aromatischen Pflanzen lohnt:

  1. Sie haben immer frische Kräuter im Sommer für die Küche
  2. Frische und selbst kultivierte Kräuter schmecken meist deutlich aromatischer
  3. Sie tun etwas für die biologische Vielfalt und bieten Insekten eine wertvolle Nahrungsquelle
  4. Sie verschönern Ihren Balkon und erfreuen sich an den Düften und an den Blüten

Pflanzkasten für Balkonkräuter
Viele Kräuter lassen sich bequem in einem Pflanzkasten anbauen (Foto: DarwelShots / fotolia.com)

Lage und Standort des Balkons

Bevor überhaupt geplant wird, welche Kräuter angebaut werden sollen, muss geklärt sein, welche Lage der Balkon hat, welche Sonnenverhältnisse herrschen und wie der kleine Kräutergarten angeordnet werden soll.

Die klassische Südausrichtung dürfte bei den meisten ganz oben im Kurs stehen. In der Regel versprechen Balkone auf der Südseite die besten Sonnenverhältnisse, insofern die Sonne nicht durch andere Gebäude oder größere und dichte Bäume verdeckt bleibt. Die Südseite heißt für den Balkongärtner, dass zwar viele Pflanzen angebaut werden können, diese aber häufig auch durch vermehrtes Gießen und Düngen einen erhöhten Pflegebedarf haben. Grundsätzlich sollten jedoch auch einige schattige Seiten geschaffen werden, da vor allem im Sommer die Mittagssonne dafür sorgen kann, dass einige Pflanzen verbrennen.

Im krassen Gegensatz verspricht ein Balkon mit Nordausrichtung die geringste Sonnenausbeute. Doch auch Besitzer eines Nordbalkons müssen nicht zwangsweise auf Kräuter verzichtet, auch wenn sie sich deutlich einschränken müssen. Wasser verdunstet hier meistens bedeutend langsamer, weswegen das Gießen auf die Morgenstunden gelegt werden sollte, damit die Erde in den späten Abend- und Nachtstunden nicht zu nass ist und Staunässe fördert.

Balkone auf West- oder Ostseite sind bei relativ freier Bebauung ideal für viele Kräuterpflanzen. Besitzer von Westbalkonen haben im Gegensatz zur ostseitigen Variante die Sonneneinstrahlung in den Nachmittags- und Abendstunden. Hier besteht meist ein gutes Schatten- und Sonnenverhältnis, wobei die Westbalkone etwas intensivere Sonnenstrahlung haben. Die Verdunstungsleistung ist etwas geringer als auf Südbalkonen, wodurch die Kräuter nicht ganz so häufig gegossen werden müssen. Auf solchen Balkonen gedeihen vor allem Kräuter, die halbschattige Standorte lieben.

Pflanzgefäße für Balkonkräuter

Für den eigenen Kräutergarten auf dem Balkon werden auch entsprechende Pflanzgefäße benötigt. Neben den üblichen viereckigen Balkonkästen kommen auch verschiedene Pflanztöpfe zur Anwendung. Zu beachten ist die Tiefe der Töpfe und Kästen. Einige Kräuter wie Dill und Liebstöckel wurzeln beispielsweise relativ tief. Hier würden relativ flache Pflanztöpfe dafür sorgen, dass diese Kräuter nicht optimal wachsen oder aber einen größeren Pflegeaufwand (Gießen, Düngen) zur Folge haben.

Einige Hersteller bieten für Besitzer größerer Balkons und Terrassen auch spezielle Kräuterspiralen an. Diese sind vor allem für diejenigen geeignet, die viele Kräuter mit unterschiedlichen Anbaubedingungen auf engem Raum anpflanzen wollen. Wer mit dem Gedanken spielt sich eine zu beschaffen, sollte sich über Aufbau der Kräuterspirale, Pflanzzonen und Pflege auseinandersetzen.

Neben Töpfen, Kübeln und Kästen gibt es auch ausgefallene Ideen, wie die frischen Kräuter präsentiert werden können. Gute Beispiele hierfür sind spezielle Kräuterregale oder Kräuterampeln. Vor allem Letztere eignen sich hervorragend für eher kleinere Balkone, da sie die Oberfläche bzw. Nutzfläche deutlich vergrößern.

Tipps zur Auswahl passender Pflanzgefäße für Kräuter

  • Pflanzkästen können hervorragend an Brüstungen angebracht werden. Dort erhalten sie meist Regen und Wind, was den Pflegeaufwand häufig erleichtert.
  • Töpfe und Kübel sind meist für das Balkoninnere oder für Stellflächen auf äußeren Fensterbänken geeignet. Diese lassen sich universell einsetzen.
  • Kräuterampeln bestehen meist aus Plastik oder ton und enthalten mehrere Öffnungen. Sie sind für kleinere Balkone geeignet und bieten viel Platz.
  • Kleinere Kräuterspiralen bieten Platz für Kräuter mit unterschiedlichen Ansprüchen. Diese sind jedoch eher etwas für größere Balkone.

Geeignete Erden und Substrate für Balkonkräuter

Im Gegensatz zum eigenen Garten stehen Kompost und Mutterboden nicht zur Verfügung. Meist werden normale Blumenerden oder handelsfertige Kräutererden für die Balkonkräuter verwendet, die meist aus Torf und einigen beigemischten Düngern bestehen. Für viele Blühpflanzen mögen solche Erden nutzbar sein, viele Kräuter stellen jedoch einige Ansprüche an das Substrat. Mediterrane Kräuter wie Rosmarin, Lavendel oder Bohnenkraut benötigen eher sandige und durchlässige Böden und sollten daher auch nicht in solchen Erden wachsen. Kräuter, die für den Nordbalkon geeignet sind (z.B. Pfefferminze, Knoblauchsrauke), haben allerdings mit solchen Erden meist keine Probleme.

Wer unbedingt torfhaltige Blumenerde verwenden will, sollte diese mit einigen Zuschlagstoffen vermischen, um Drainage und Belüftung des Substrats zu verbessern. Gut geeignete Substratzuschläge sind Sand, Bims, Lavakies oder Zeolith. Bims und Lava bieten zudem noch eine gute Versorgung mit einigen wichtigen Elementen (z.B. Eisen, Magnesium). Das Mischungsverhältnis der Erde hängt immer vom Kraut selbst ab. Rosmarin, Salbei oder Thymian sollten bis zu 35 Prozent solcher Zuschlagstoffe enthalten. BeI Kräutern wie Dill, Estragon oder Melisse sollte es weniger sein (etwa 15 bis 20 Prozent).

Wenn möglich, können und sollten auch torffreie Erden für den Anbau auf dem Balkon genutzt werden. Sie sind nicht nur deutlich umweltfreundlicher, sondern bieten auch einige Vorteile. Torf ist von Natur aus nährstoffarm und neigt dazu schnell auszutrocknen. Torffreie Erden bestehen hingegen meist aus Rindenhumus, Kompost sowie einigen Zuschlagstoffe wie Sand. Vor allem für Balkone, wo die Erde im Kübel schnell durch Sonne austrocknet, könnten torffreie Erden viel Stress ersparen.

Geeignete Kräuter für Balkon und Terrasse

Es empfiehlt sich zunächst eine Übersicht zu verschaffen, welche Kräuter auf welcher Balkonseite angebaut werden können. Es hilft dabei zunächst zu wissen, ob und welche Kräuter sonnige, halbschattige oder schattige Standorte vertragen.

In der folgenden Tabelle geben wir einen kleinen Überblick über Kräuter, die für den Anbau auf dem Balkon geeignet sind. Wir gehen dabei speziell auch noch mal ein, wie tief diese Wurzeln und welches Substrat für diese optimal ist und hoffen Ihnen damit, eine kleine Entscheidungshilfe zu geben.

Krautgeeignet für BalkonseiteWurzeltiefeErde
BärlauchNord, Ostmittelnährstoffreich, locker
BasilikumOst, West, Südmitteleher nährstoffreich, etwas Sand
BorretschOst, West, Südtiefnährstoffarm, feucht, locker
BrunnenkresseNord, Ostmittelnährstoffreich, feucht
BohnenkrautWest, Südmittelnährstoffarm, durchlässig
DillOst, West, Südtiefnährstoffreich, aufgelockert
JiaogulanOst, West, Südmittelnährstoffreich, leicht feucht
KerbelOst, West, Süd (mit Schatten)mitteleher nährstoffreich, durchlässig, humos
Liebstöckel (Maggikraut)Ost, West, Süd (mit Schatten)mitteleher nährstoffreich, lehmig, etwas gekalkt
KnoblauchsraukeNord, Osttiefnährstoffreich, locker
MajoranOst, West, Südflacheher nährstoffarm, locker, kalkhaltig
OdermennigOst, Westtiefnährstoffarm, locker, kalkhaltig
OreganoOst, West, Südflacheher nährstoffarm, locker, kalkhaltig
PetersilieOst, West, Süd (mit Schatten)tiefeher nährstoffreich, locker
RosmarinWest, Südtiefnährstoffarm, durchlässig
SalbeiWest, Südmittelnährstoffarm, durchlässig
SauerampferOst, West, Südflach (bildet Rhizome)nährstoffreich, eher feucht
Shiso (Perilla)West, Süd (etwas schattig)mittelnährstoffreich, durchlässig, feucht
PfefferminzeWest, Südmittelnährstoffreich, mäßig feucht, locker
ThymianOst, West, Südflachnährstoffarm, durchlässig
ZitronenmelisseOst, West, Süd (mit Schatten)flacheher nährstoffreich, locker

Nicht für Balkon und Terrasse geeignet sind Kräuter, die tiefe Wurzeln (Tiefwurzler) oder einen ausgeprägten Wurzelstock haben. Die meisten Artemisien, u.a. Estragon, Wermut oder Eberraute bringen nicht viel Freude als Balkonkräuter. Auch Pimpinelle, Mädesüß oder das Currykraut eignen sich nur bedingt. Einige Kräuter, wie z.B. Liebstöckel, kann man zwar anbauen. Allerdings ist hier meist nach einer Vegetationsperiode Schluss, da die Begrenzung der Wurzeln ein weiteres Wachstum verhindern.

Kräuter auf dem Balkon
Lavendel ist ein beliebtes Kraut auf Balkon und Terrasse

Neben der Wurzel gibt es auch einige Kräuter, die fast magisch anziehend auf Blattläuse wirken. Ein bekanntes Beispiel ist der Borretsch, der recht häufig befallen wird. Bekommt man die Blattläuse nicht in den Griff, können andere Kräuter und Pflanzen sehr schnell gefährdet werden.

Düngen und Gießen der Kräuter

Um das Beste aus Ihren Kräutern herauszuholen, müssen die Pflanzen natürlich auch optimal mit Düngern und Nährstoffen versorgt werden. Gegenüber einem Kräutergarten müssen Balkonkräuter meist öfter und intensiver versorgt werden. Der Hintergrund ist, dass Nährstoffe und Wasser aus Töpfen und Kübeln stärker ausgewaschen werden.

Beim Gießen der Kräuter sollte strikt darauf geachtet werden, welcher Kräutertyp angebaut wird. Viele mediterrane Kräuter wie Lavendel, Thymian oder Rosmarin sind an trockene Standorte angepasst und können mitunter, je nachdem wie alt die Pflanzen sind, auch längere Trockenphasen überdauern. Kräuter die an schattige Standorte angepasst sind, reagieren hingegen schon nach kürzeren Trockenphasen mit Stress und verkümmern schnell. Kräuter wie Bärlauch, Pimpinelle oder Knoblauchrauke zeigen dies schnell durch herunterhängende Blätter.

Wie oft die Balkonkräuter gedüngt werden müssen, hängt ebenfalls vom Kräutertyp ab. Auch hier ist es meistens so, dass Pflanzen die an eher sonnigen Standorten wachsen, deutlich weniger Nährstoffe benötigen als schattige Kräuter. Allerdings gibt es hier durchaus einige Ausnahmen. Beliebte Kräuter wie Basilikum, Sauerampfer oder Zitronenmelisse haben eher einen hohen Nährstoffbedarf. Je nach Topfgröße kann in zwischen Spätfrühling und Sommer etwa alle vier bis acht Wochen ein handelsüblicher Kräuterdünger verarbeitet werden. Meist danken es diese Pflanzen mit üppigen Wachstum. Kürzere Zeiträume sollten eher unterbleiben. Wird nämlich zu oft gedüngt, wird das Säuremileu in der Erde verändert wodurch Wurzelbrand auftreten kann. Die Folge wäre ein schnelles Ende des Krauts.

Tipps zum Düngen und Gießen von Kräutern:

  • Standortvorlieben der Kräuter unbedingt beachten - Hierzu sollten unbedingt die Hinweise auf der Aussaatanleitung oder bei frischen Pflanzen am Etikett beachten
  • Viele mediterrane Kräuter wie Bohnenkraut, Thymian, Oregano, Rosmarin, Salbei oder Ysop benötigen verhältnismäßig wenig Wasser und wenig Dünger
  • Gewürzkräuter aus der Familie der Doldenblütler, z.B. Anis, Dill, Fenchel, Kümmel oder Petersilie sollten niemals vollständig austrocknen
  • Typische heimische Kräuter wie Bärlauch, Brunnenkresse, Löwenzahn, Spitzwegerich oder Sauerampfer haben einen höheren Nährstoffbedarf

Überwintern von Balkonkräutern

Zur Pflege der Kräuter gehört auch das fachgerechte Überwintern. Einige Kräuterpflanzen, die eher wärmere Klimate gewohnt sind, benötigen einen frostfreien Platz. Hierzu gehören u.a. mediterrane Pflanzen oder solche, die in tropischen oder subtropischen Regionen zuhause sind.

Viele einheimische Kräuter sowie Pflanzen, die an kalte Klimate gewohnt sind, brauchen in dem Fall keine Unterstützung. Die oberirdischen Pflanzenteile sterben zum Winter hin zunächst ab. Im kommenden Frühjahr treiben Blätter und neue Pflanzenteile dann wieder aus.

Kräuterpflanzen, die nur eine geringe Frosttoleranz aufweisen, müssen entweder ins Haus, in den frostfreien Keller, ins Treppenhaus (wenn erlaubt) oder in einem geschützten Bereich im Balkon überwintert werden. Einen geschützten Bereich kann man schaffen, in dem man eine Ecke herauspickt, wo die Töpfe bequem mit Gartenvlies und Jutesäcke eingehüllt werden können. Wichtig ist, dass die Kräuter im Winter auch von Zeit zu Zeit gegossen werden. Übrigens: Die Töpfe sollten relativ dicht an der nächsten Wand stehen. Durch Heizungswärme sind diese Bereiche, je nach Dämmung, in der Regel etwas wärmer als die Umgebungstemperatur. Weitere Informationen zum Überwintern von Kräutern erhalten sie in unserem Artikel Kräuter winterfest machen.

In der folgenden Übersicht zeigen wir Ihnen, welche Ihrer Balkonkräuter winterhart sind.

Winterharte Kräuter - Übersicht

  • Bärlauch
  • Currykraut (bis -8 °C)
  • Estragon
  • Goldmelisse
  • Jiaogulan
  • Lavendel (ältere Pflanzen)
  • Löwenzahn
  • Oregano
  • Petersilie
  • Pfefferminze
  • Salbei (je nach Sorte)
  • Sauerampfer
  • Schnittlauch
  • Thymian
  • Waldmeister
  • Winterbohnenkraut
  • Zitronenmelisse

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