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Kapuzinerkresse

Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Die Kapuzinerkresse ist eine Pflanze, die sich vielerorts mit ausufernden Ranken und leuchtenden Blüten in Gelb-, Orange- und Rottönen zeigt. Dabei können Kapuzinerkressen mehr als nur schön auszusehen. Der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde hat die Kapuzinerkresse zur Arzneipflanze des Jahres 2013 gekürt, denn die medizinisch bedeutenden Inhaltsstoffe der Kapuzinerkresse haben sich in Untersuchungen wirksam im Kampf gegen Bakterien, Pilze und Viren erwiesen.

Steckbrief von Kapuzinerkresse
Botanischer NameTropaeolum majus
PflanzenfamilieKapuzinerkressengewächse
Weitere NamenInkakresse, Salatblume, indische Kresse, Kapernblume
Aussaatzeit / PflanzzeitMärz-Mai
BlütezeitMai-Oktober
ErntezeitMai-Oktober
Standortsonnige bis halbschattige Standorte mit feuchten und nährstoffreichen Böden
Verwendung als Heilkrautgrippale Infekte, Harnwegsinfekte, Bronchitis, Muskelschmerzen
Verwendung als GewürzkrautSalate, pur, als Kapernersatz, Frischkäse, Quarks

Inhaltsverzeichnis

  1. Pflanzenmerkmale und Systematik der Kapuzinerkresse
    1. Herkunft und Vorkommen der Kapuzinerkresse
    2. Systematik der Kapuzinerkresse
    3. Merkmale der Kapuzinerkresse
  2. Kapuzinerkresse aussäen und pflegen
  3. Kapuzinerkresse und deren Verwendung
    1. Kapuzinerkresse in der Küche
    2. Kapuzinerkresse als Heilkraut
  4. Kapuzinerkresse kaufen – Was gibt es zu beachten?
  5. Weiterführende Literatur

Pflanzenmerkmale und Systematik der Kapuzinerkresse

Herkunft und Vorkommen der Kapuzinerkresse

Die Kapuzinerkresse kam im späten 17. Jahrhundert nach Europa. Davor kannte man die Pflanze nur in einigen Ländern Südamerikas, darunter unter anderem Chile, Mexiko und Bolivien. Es wird angenommen, dass bereits die Inkas der Pflanze großen Wert zugeschrieben haben. Ab Anfang des 17.Jahrhunderts ist die Kapuzinerkresse, genauer gesagt die große Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus), in Europa kultiviert worden. Heute ist die Pflanze in vielen Ländern der Erde als Zier- und Medizinpflanze verbreitet.

Systematik der Kapuzinerkresse

Im Reich der Botanik stellen Kapuzinerkressen eine Besonderheit dar. Kapuzinerkessen gehören zur Familie der Kapuzinerkressengewächse (Tropaeolaceae). Verfolgt man die entfernte Verwandtschaft, so lassen sie sich der Ordnung der Kreuzblüterartigen zuordnen. Die Familie der Kapuzinerkressengewächse besteht nur aus einer einzigen Gattung. Dennoch ist die Gattung der Kapuzinerkressen sehr artenreich. Heute sind etwa 90 Arten bekannt, von denen die bekannteste die Große Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) ist. In Südamerika hat die knollige Kapuzinerkresse (Tropaeolum tuberosum) noch einen relativ großen Stellenwert als Nahrungspflanze.

Merkmale der Kapuzinerkresse

Die große Kapuzinerkresse ist eine ein- bis mehrjährige Pflanze, wobei Kapuzinerkressen unter den klimatischen Bedingungen in Deutschland nur eine Vegetationsperiode wachsen. Der Grund für die verkürzte Lebensdauer liegt unter anderem in den niedrigen Temperaturen unserer Winter begründet. Frost und Minustemperaturen verträgt die Kapuzinerkresse nicht.

Ein Kennzeichen der Kapuzinerkresse ist das ausgeprägte Längenwachstum. Einige Pflanzen erreichen eine Höhe von bis zu drei Metern. Dabei winden sich die Ranken der Kapuzinerkresse um Vieles wie zum Beispiel Zäune, Bäume, Gitter oder Rosenrankhilfen. Dem gegenüber stehen Sorten, die vergleichsweise buschig und niedrig wachsend sind, aber ein ebenso üppiges und kompaktes Blätterkleid bilden wie rankenden Kapuzinerkressen.

Die Blätter der Kapuzinerkresse sind mit einem Durchmesser von 3 bis 10 cm etwa doppelt so groß wie die Blüten. Auffällig, und damit einfach für die Bestimmung von Kapuzinerkressen, ist die Blattform. Die Blätter sind fast rund bis leicht kantig, vom Zentrum des Blattes aus verlaufen die Blattachsen strahlenförmig und wachsen wechselständig an der Ranke. Ebenfalls charakteristisch ist die Blattoberfläche von Kapuzinerkressen. Bei Regen perlen die Regentropfen wie bei Lotusblumen ab.



Der Duft der Kapuzinerkressen offenbart sich erst, wenn man Blüten oder Blätter von der Mutterpflanze abschneidet. Der Geruch ist intensiv „grün“, leicht streng. Anders verhält es sich mit dem Geschmack der Kapuzinerkresse. Sowohl die Blüten als auch die Blätter sind essbar und schmecken pikant-pfeffrig und angenehm scharf.

Die Farbe der Blüten variiert zwischen gelb, orange und rot. Oft finden sich alle Farben in einer Blüte in Form von Zeichnungen oder Tupfen gemeinsam wieder. Die Blüte selber besteht aus fünf Kelchblättern, die an der Unterseite der Blüte von fünf Kronblättern eng umschlungen werden und denen ein spitz zulaufender Sporn gegenübersteht. Von der Seite betrachtet ähnelt die Blüte mit Blütenhäubchen und Sporn an eine Zipfelmütze wie man ihn von der Kopfbedeckung von Kapuzinermönchen kennt. Aufgrund dieses Vergleichs wurde der Name Kapuzinerkresse geboren. Die Silbe Kresse hingegen ist auf den scharfen Geschmack zurückzuführen. Kresse stammt aus dem althochdeutschen Sprachschatz und wird mit scharf, pfeffrig übersetzt. Die Blütezeit der Pflanze liegt meist zwischen Ende Mai bis Anfang Oktober. Nach der Blütezeit bildet die Kapuzinerkresse harte Kapselfrüchte.



Kapuzinerkresse aussäen und pflegen

Die Kapuzinerkresse ist eine ziemlich anspruchslose Pflanze. Der Standort für das beste Wachstum ist sonnig, wobei auch Halbschatten vertragen wird. Der Boden sollte nährstoffreich und leicht feucht sein. Trockene und zu sandige Böden sollten vermieden werden oder zumindest mit Bodenhilfsstoffen wie Kompost oder Bentonit verbessert werden.

Die Kapuzinerkresse zählt zu den Dunkelkeimern. Ende Mai werden die Samen im Freiland ausgesät und vorsichtig etwa 2 cm in die Erde gedrückt. Bereits nach einer Woche, spätestens nach zwei Wochen zeigen sich erste Keimblätter, die schon bald zu einer imposanten Rankpflanze gedeihen. Wer die Kapuzinerkresse vorziehen möchte, fängt damit im März auf der Fensterbank an. Zum Vorziehen sollte Anzuchterde mit organischem Anteil verwendet werden.

Mit dem Gießen sollte man es nicht übertreiben. Dennoch sollte dafür gesorgt werden, dass die Pflanzen bzw. der Boden immer etwas befeuchtet ist. Zuviel Wasser führt zu unnötig viel Stress, die dazu führen kann, dass die Blüte Schaden nimmt. Staunässe verträgt die Kapuzinerkresse ebenso wenig wie Trockenheit.

Auf Dünger kann in der Regel verzichtet werden. Sollte die Kapuzinerkresse keine Blüten tragen, könnte das an einer Überdüngung liegen. Normalweise blüht die Kapuzinerkresse sehr üppig und ausdauernd von Ende Mai bis zum ersten Frost. Wenn die Pflanze in relativ nährstoffreichem Boden gepflanzt worden ist, bedarf es keiner zusätzlichen Düngung.

Ein Problem, was viele betrifft, die Kapuzinerkresse im Garten oder auf dem Balkon anbauen, sind Blattläuse. Wohl kaum eine andere Pflanze wird so stark und häufig von schwarzen Blättläusen befallen wie die Kapuzinerkresse. Allerdings bedeutet das auch, dass benachbarte Pflanzen selten oder weniger von Blattläusen angezogen werden. Einhalt kann man den Blattläusen mit natürlichen Mitteln wie Brennnesseljauche oder Nützlingen wie Florfliegen und Larven von Marienkäfern gebieten. Als Geheimtipp gegen schwarze Blattläuse gilt auch Kieselgur, welches mit einer dünnen Lage an der Kapuzinerkresse angebracht werden kann. Nützlinge und Kieselgur können heutzutage in Onlineshops erworben werden.

Kapuzinerkresse und deren Verwendung

Kapuzinerkresse in der Küche

Wie weiter oben im Text bereits erwähnt ist der Geschmack der Kapuzinerkresse sehr intensiv und pfeffrig, etwas schärfer als Gartenkresse. Der Grund für die Schärfe sind Senfölglykoside, die auch gesundheitsfördernde Eigenschaften haben.

In einigen Teilen Südamerikas ist die Kapuzinerkresse ein Lebensmittel. Jedoch handelt es sich um eine bestimmte Sorte namens Tropaeolum tuberosum alias knollige Kapuzinerkresse, die Knollen im Wurzelbereich bildet - ähnlich wie Kartoffeln. Die Kapuzinerkressenknollen werden gekocht oder getrocknet verzehrt, sind kohlenhydratarm und ein wertvoller Vitamin C-Spender.

Von der für gewöhnlich in den heimischen Gärten angebauten Großen Kapuzinerkresse sind neben den Blüten auch die Blätter, Knospen, Früchte und Samen essbar. Vor allem die essbare Blüte der Kapuzinerkresse gewinnt zunehmend an Popularität, da sie in (Wildkräuter-)Salaten nicht nur dekorativ wirkt, sondern auch durch die pikante Geschmacksnote überzeugt. Die Blätter werden ebenfalls roh gegessen, entweder in Rohkostsalaten, als Zutat für Kräuterquark oder als Belag auf Brot. Die Knospen hingegen finden als Kapern-Ersatz Verwendung. Dafür werden die ungespritzten Knollen mit Wasser abgespült und zusammen mit Salz, Essig und Wasser kurz aufgekocht. Die noch warme „Brühe“ wird mit den Knospen in ein sauberes Glasgefäß gefüllt und fest verschlossen.

Ähnlich simpel ist das Rezept für die Herstellung eines Essigs mit den Blüten der Kapuzinerkresse. Die unbehandelten Blüten werden mit Apfelessig soweit bedeckt, dass die Blüten komplett in der Flüssigkeit schwimmen; anderenfalls könnte sich Schimmel bilden. Anschließend wird das Gefäß fest verschlossen und an einen dunklen Platz gestellt. Die einsetzende Verfärbung des Essigs ist hierbei vollkommen normal. Die Farbe gleicht dann in etwas der der Blüten. Wichtig zu beachten ist, dass die Essig-Blüten-Mischung einmal am Tag gut geschüttelt wird. Nach ungefähr vier Wochen ist der Essig fertig und hat den Geschmack der Kapuzinerkresse angenommen.

Kapuzinerkresse als Heilkraut

In alten europäischen Kräuterbüchern der Frühzeit und des Mittelalters wird die Kapuzinerkresse aufgrund ihrer amerikanischen Herkunft nicht erwähnt. Spanische Überlieferungen zu Beginn der frühen Neuzeit liefern jedoch Hinweise, dass die Pflanze als Heilkraut bereits bei den Inka weit verbreitet gewesen ist. Der spanische Arzt Francisco Hernandez war der erste Europäer, der die Kressenart beschrieb und festhielt, dass die Pflanze vor allem bei Hautkrankheiten und äußeren Verletzungen verwendet wurde.

Die Kapuzinerkresse wurde zur Arzneipflanze des Jahres 2013 gewählt und hat in der Naturheilkunde recht große Bedeutung. Die Heilwirkung der Pflanze ist u.a. an den antibiotischen, antiviralen und antimykotischen Eigenschaften begründet, die vor allem durch die enthaltenden Senfölglykoside hervorgerufen wird.

Heute kommt die als Tropaeolum major bezeichnete Heilpflanze vor allem für die Behandlung der folgenden Beschwerden und Krankheiten in Betracht:

  • bakterielle Infektionen
  • Harnwegsinfekte
  • Atemwegsinfekte
  • Nasennebenhöhlenentzündung
  • grippale Infekte
  • Bronchitis
  • Muskelschmerzen
  • Wundheilung

In Versuchen mit getrockneter und frischer Kapuzinerkresse konnte nachgewiesen werden, dass die Pflanze Bakterien, Viren und Pilzen (darunter auch Candida) abtötet und dabei ähnlich effektiv sein kann wie Antibiotika [1, 2]. Diverse Studien [1] konnten antibakterielle Wirkungen u.a. auf Escherichia coli, Staphylokokken, Salmonellen sowie Pseudomonas in Laborversuchen nachweisen. Auf die antibiotische Wirkung vertrauten seinerzeit schon frühe Kulturen in den Heimatländern der Kapuzinerkresse. Um offene, entzündete Wunden zu behandeln, wurde ein Blatt auf die betroffenen Areale gelegt, was zu einer recht schnellen Wundheilung geführt haben soll. Heute sind es vor allem bakterielle Infektionen im Urogenitaltrakt und Atemwegsinfekte für die das Heilkraut genutzt wird.

In der westlichen Medizin werden als Einsatzgebiete insbesondere bakteriell induzierte Harnwegsinfekte, grippale Infekte und auch Nasennebenhöhlenentzündungen genannt. Als Hausmedizin kann die Pflanze bei Erkältungsbeschwerden verwendet werden. Hierfür bieten sich beispielsweise ein Tee aus zerriebenen Kapuzinerkresseblättern an. Etwa zwei Teelöffel pro halber Liter genügen hier völlig. Der Tee sollte mit lauwarmen Wasser übergossen werden und für etwa 10 Minuten ziehen bevor er zwei bis dreimal täglich getrunken wird. Grundsätzlich soll der regelmäßige Verzehr von frischen Blüten (und auch Blättern) helfen, das Immunsystem zu stärken und grippalen Effekten vorzubeugen. Die Empfehlung liegen hier bei etwa 40 Gramm am Tag.

Ein weiterer Anwendungsfall für die Nutzung der Kapuzinerkresse sind äußere Beschwerden wie Muskelschmerzen. Die enthaltenden Senfölglykoside werden durch körpereigene Enzyme in so genannte Benzylsenföle umgewandelt und verursachen eine leichte Gewerbereizung welche durchblutungsfördernd ist. Für die Behandlung sind u.a. Extrakte aus Kapuzinerkresse in einigen Apotheken erhältlich.

Einige Studien (z.B. [1]) erwähnen, dass die in der Kapuzinerkresse enthaltenden Glucatropaeoline neben desinfizierenden bzw. antibakteriellen Eigenschaften auch krebshemmende Eigenschaften aufweisen.

Auch für die traditionelle chinesische Medizin (TCM) hat die Kapuzinerkresse Bedeutung. Dort wird sie u.a. bei leichten Erschöpfungszuständen, fehlendem Antrieb, leichten Depressionen und auch bei Infektionen der oberen Atemwege sowie der Harnwege verwendet.

Kapuzinerkresse kaufen – Was gibt es zu beachten?

Aufgrund der steigenden Beliebtheit der Pflanze, werden Kapuzinerkresse und bestimmte Produkte in vielen Formen angeboten. Frische Kapuzinerkressen sind meist selten zu finden, gelegentlich können sie jedoch in größeren Gartenmärkten oder in speziellen Feinkostgeschäften gefunden werden. Beim Kauf sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die Pflanze frei von schwarzen Blattläusen ist. Außerdem sollte die Erde weder zu feucht noch zu trocken sein, da die Pflanze sonst schnell Schaden nehmen kann.

Samen von Kapzinerkresse können in verschiedenen Formen in den meisten Baumärkten, Pflanzencentern und Onlineshops gekauft werden. Die Preise hierfür sind mittlerweile sehr moderat und liegen etwa bei 1 EUR pro Tüte. Meist kann zwischen rankenden und kriechenden Arten ausgewählt werden

Für medizinische Anwendungen sind im Handel sowohl Tabletten als auch Dragees zu bekommen. Die Tabletten sollten die Extrakte der Pflanze enthalten und nicht überlagert sein. Einige Hersteller bieten spezielle Präparate an, die u.a. als pflanzliches Antibiotika bezeichnet werden. Diese enthalten neben Kapuzinerkresse noch Meeretichextrakt und nutzen für die medizinische Wirkung die wirksamen Senfölglykoside. Die Preise hierfür sind verhältnismäßig hoch. In vielen Produktbewertungen wird jedoch von guten Ergebnissen gesprochen.

Weiterführende Literatur

  • [1] Butnariu, M. und C. Bostan (2011): Antimicrobial and anti-inflammatory activities of the volatile oil compounds from Tropaeolum majus L. In:African Journal of Biotechnology. Vol: 10, S. 5900-5909
  • [2] http://www.presse.uni-wuerzburg.de/einblick/single_special/artikel/kapuzinerk/
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