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Pimpinelle

Pimpinelle (Sanguisorba minor) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Foto vom Kleinen Wiesenknopf - PimpinelleDie Pimpinelle oder Kleiner Wiesenknopf ist ein bekanntes Gewürzkraut, das in der Küche vor allem für Saucen, Salate oder Käsespezialitäten verwendet wird. Die Blätter der Pimpinelle sind gesund und enthalten vor allem Vitamine, Mineralstoffe und Gerbstoffe. In der Heilkunde wird die Pflanze jedoch nur selten gebraucht.

Pflanzenmerkmale und Systematik der Pimpinelle

Die Pimpinelle ist in der Botanik als Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor) bekannt. Sie wird gelegentlich auch als Falsche Bibernelle oder Pimpernelle bezeichnet.

Herkunft und Vorkommen der Pimpinelle

Das ursprüngliche Herkunftsgebiet der Pimpinelle ist Mittel- und Südeuropa. Sie ist in Deutschland und Österreich folglich eine heimische Pflanze, die vor allem nährstoffarme und eher trockene Standorte bevorzugt. Oft besiedelt sie Böschungen, Brachflächen, Wegränder oder Ödland als Pionierpflanze.

Pimpinellen sind heute von Nordeuropa (Skandinavien) bis ins nördliche Afrika zu finden. In Gebirgslagen sind sie meist, je nach Gebirgslage, bis auf 1200 Metern anzutreffen. Die Pflanze ist über die Jahre durch menschlichen Einfluss auch in entfernte Regionen eingeschleppt worden. So findet man sie heute wild in vielen Teilen Amerikas sowie teilweise auch in Australien und Neuseeland.

Systematik von Sanguisorba minor

Der Kleine Wiesenknopf oder Pimpinelle (Sanguisorba minor) gehört zur artenreichen Familie der Rosengewächse (Rosaceae), zu der unter anderem auch der Odermennig und das Mädesüß gehören. Die Gattung der Wiesenknöpfe (Sanguisorba) zählt etwa 25 Arten. Größere Bekanntheit hat neben der Pimpinelle auch der Große Wiesenknopf, der ebenfalls als Gewürz- und Heilpflanze Verwendung findet.

Es gibt einige wenige Unterarten des Kleinen Wiesenknopfs, die sich meist nur am Fruchtstand unterscheiden lassen. Hierzu gehören

  1. Sanguisorba minor ssp. minor (die bei uns heimisch vorkommende Unterart)
  2. Sanguisorba minor ssp. balearica (im nördlichen Mittelmeergebiet vorkommende Unterart)
  3. Sanguisorba minor ssp. verrucosa (in südlichen Mittelmeer vorkommen Unterart)

Merkmale der Pimpinelle

Pimpinelle ist eine mehrjährige bzw. ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen zwischen 30 und 60 cm erreicht. Im Boden bildet die Pimpinelle tiefreichende rot- bis dunkelbraune Pfahlwurzeln aus, die sich seitlich weit verzweigen können. Die Pflanze ist ein Tiefwurzler.

Die Blätter der Pimpinelle haben eine fiedrige Form mit gesägten Blatträndern. Wie für Rosengewächse üblich, sind die Pimpinellenblätter stets paarig bzw. gegenseitig am runden hellgrünen bis bräunlichen Stängel angeordnet. Die Pflanze ist eine typische Halbrosettenpflanze, die im ersten Jahr ihres Lebens, eine grundständige Blattrosette ausbildet.

Blätter der Pimpinelle
Die gegenständigen und gefiederten Blätter der Pimpinelle (Sanguisorba minor)

Pimpinellen bilden zur Blütezeit, die in der Regel zwischen Ende Mai und Mitte August zu erwarten ist, kugelförmige Blütenköpfe. Jeder Blütenkopf, der eine rundliche bis zylindrische Form aufweist, besteht aus zahlreichen getrenntgeschlechtlichen Blüten. Im oberen Bereich befinden sich die weiblichen, meist rosa bis rosarot gefärbten Blüten. Mittig befinden sich vereinzelte zwittrige Blüten und im unteren Bereich die männlichen Blüten, die sich durch stark herunterhängende Staubbeutel kenntlich machen. Die Blüten der Pimpinelle sind jeweils vierzählig.

Blüte einer Pimpinellenpflanze
Pimpinellen bilden kugelförmige Blütenköpfe mit rosafarbenen Einzelblüten

Im Anschluss an die Blütezeit, bilden sich aus den Pimpinellenblüten becherartige Früchte, die mehrere bräunliche, deutlich strukturierte Samen enthalten.

Pimpinelle – Aussaat, Anbau und Pflege

Die Pimpinelle oder Kleiner Wiesenknopf ist in den letzten Jahren wieder stärker in den Fokus gerückt und wird gern als Gartenpflanze angebaut. Der Anbau des charmanten Rosengewächses ist einfach zu bewältigen. Auch die Pflege der Pflanze gestaltet sich einfach, insofern Standortbedingungen und Nährstoffvorlieben eingehalten werden.

Standort: Die Pimpernelle mag vor allem sonnige und warme Standorte, wobei unter Umständen auch halbschattige Standorte toleriert werden. An halbschattigen Standorten wird die Pflanze jedoch selten hoch wachsen und kaum aromatische Blätter ausbilden. Der Boden sollte eher nährstoffarm, locker und kalkhaltig sein. Nach Möglichkeit sollte der Boden gut Feuchtigkeit speichern können. Eher lehmige Böden können mit einem feuchtigkeitsspeicherndem Substrat wie Bimssand oder Zeolith durchmischt werden.

Aussaat: Die Aussaat der Pimpinellesamen kann von Anfang April bis Mitte Juni erfolgen. Da die Keimtemperatut mindestens 15 °C beträgt, sollte erst dann ausgesät werden, wenn keine Frosttage mehr zu erwarten sind. Die Samen werden direkt ins Freiland gesät und lediglich leicht angedrückt. Pimpinelle ist ein Lichtkeimer! Der Saatabstand sollte etwa 5 cm betragen. Die Samen regelmäßig gießen und feucht, aber nicht nass, halten. Die Keimdauer beträgt normalerweise zwischen 12 und 21 Tagen. Nach Keimung sollte der Bestand ausgedünnt werden, so dass der maximale Pflanzabstand zwischen den Pflanzen mindestens 20 cm voneinander beträgt.

Pimpinelle ist für Topfkulturen eher weniger geeignet. Sollte die Pflanze dennoch auf dem Balkon angebaut werden, sind sehr tiefe Töpfe (mehr als 40 cm Höhe) zu bevorzugen, da die Wurzeln sonst keinen ausreichenden Platz zur Entwicklung haben.

Düngen: Als Schwachzehrer benötigt die Pimpinelle nur sehr wenig Nährstoffe. Dies sollte auch unbedingt berücksichtigt werden, da die Pflanze auf Überdüngung sehr sensibel reagiert und weiche Triebe sowie blasse Blätter entwickelt. Es genügt vollkommen, im Frühjahr einige wenige Gaben Kompost in die Erde zu mischen. Auch schwache natürliche Dünger wie Kaffeesatz oder sehr geringe Mengen Rindermist können verwendet werden. Wächst die Pflanze als Kübelkultur genügt ein schwacher Kräuterdünger, der ein- bis zweimal jährlich in geringer Menge eingearbeitet wird.

Gießen: Da die Pimpinelle eher mäßig feuchte Böden mag, sollte der Boden bzw. die Erde auch regelmäßig gegossen werden. Staunässe ist aber in jedem Fall zu vermeiden, da dies zu Wurzelfäule und zum Absterben der Pflanze führen kann. Feuchtigkeitsspeichernde Zugschlagstoffe (Blähton, Bims, Zeolith), die etwas tiefer (bis 30 cm) eingearbeitet werden, können vor allem an heißen Tagen viel Arbeit ersparen. Ansonsten sollte an sehr heißen Tagen dafür gesorgt werden, dass der Boden nie vollständig austrocknet.

Krankheiten und Schädlinge: Prinzipiell ist die Pimpinelle eine sehr robuste Pflanze. Das Rosengewächs wird zwar gelegentlich von Blattläusen befallen, diese machen der Pflanze in den meisten Fällen nichts aus. Bei üppigem Befall können die Läuse abgewaschen werden oder mit einer Brennnesseljauche behandelt werden. Gelegentlich können Pimpinellen mit Rost befallen werden. Der Pilz tritt meist nach milden Wintern mit folgenden feucht-warmen Sommern auf. Die Rostpilze zeigen sich durch kleine orangerote Punkte an den Blättern. Aus ökologischer Sicht verbleibt dann lediglich das Aussortieren der Pflanze mit anschließendem Verbrennen. Bei zu hoher Trockenheit kann es zu dem zum Befall von Echtem Mehltau kommen.

Überwinterung: Als heimische Pflanze ist die Pimpernelle an unser Klima gewohnt. Es müssen keine Überwinterungsmaßnahmen erfolgen. In vielen Fällen überdauert die Pflanze sogar als wintergrüne Halbrosette.

Verwendung von Pimpinelle

Pimpinelle als Küchenkraut

Das Kraut bzw. die Blätter der Pimpinelle gelten als hervorragendes Küchenkraut. Der Geschmack von Pimpinelle ist sehr würzig, dezent nussartige, hat ein leicht gurkenähnliches Aroma sowie eine dezent bittere Unternote. Das Aroma ist in der Regel intensiver, wenn die Pflanze nicht blüht.

Bei der Verwendung von Pimpinelle sollten die Blätter am besten keiner hohen Temperatur ausgesetzt werden. Der gurkenähnliche Geschmack verliert sich zunehmend beim Erhitzen. Die Blätter der Pflanze sollten daher immer nur nach dem Kochen oder grundsätzlich ungekocht genutzt werden.

Pimpinelle ist einer der Hauptzutaten der Frankfurter Sauce sowie der Nordhessischen Grünen Sauce, bei der außerdem noch Kräuter wie Kerbel, Borretsch, Petersilie und Sauerampfer noch zugegeben werden. Die Saucen werden grundsätzlich kalt zu Kartoffeln, Eiern oder verschiedenen Fleischgerichten serviert.

Pimpinelle in Frankfurter Grüne Sauce
Pimpinelle ist eines der Zutaten der rankfurter Grünen Sauce (Foto: Fotokombuese / fotolia.com)

Die Blätter lassen sich zerkleinert auch hervorragend in Frischkäse und Kräuterquark verarbeiten. Hier sollten jedoch Produkte mit höherem Fettanteil gewählt werden, so dass sich das Aroma der Blätter auch entsprechend entfalten kann. Neben Pimpinelle kommen dann noch Schwarzer Pfeffer, ein Schuss Limettensaft sowie etwas Salz dazu. Grundsätzlich lässt sich mit Frischkäse und Quark hervorragend experimentieren.

Auch in verschiedenen Salaten lässt sich das Kraut gut verwerten. Beispielsweise eignet sich Pimpinelle hervorragend in Gurken- und Tomatensalaten. Auch gemischte Salate mit Kartoffeln machen in Verbindung mit Petersilie eine gute Figur.

Pimpinelle sollte immer frisch verwendet werden. Zum Trocknen ist das Kraut grundsätzlich nicht geeignet, da ein Großteil des wertvollen Aromas verloren geht. Pimpinelle die nicht gebraucht wird, kann mit einer Kräuterhacke zerkleinern, in einen Aufbewahrungsbehälter (kleine Dosen, Tüten) geben und in den Kühlschrank oder Tiefkühlschrank zum Einfrieren stellen. Die Aufbewahrung im Kühlschrank ist allerdings begrenzt, da das Kraut nach höchstens einer Woche verzehrt werden sollte. Eingefroren hält das Kraut bis zu einem halben Jahr.

Pimpinelle als Heilkraut

Im Gegensatz zum Großen Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) wird der Kleine Wiesenknopf bzw. Pimpinelle (Sanguisorba minor) nur selten in der Pflanzenheilkunde eingesetzt. Dennoch verfügt die Pflanze über interessante Inhaltsstoffe, die eine Heilwirkung begründen. Außerdem ist der Verzehr der Pflanze, vor allem durch die enthaltenen Mineralstoffe und Vitamine sehr gesund.

Sowohl der Große als auch der Kleine Wiesenknopf wurden als Heilpflanze zwar in älteren Kräuterbüchern beschrieben, allerdings waren nur wenige Anwendungen bekannt. Beide Pflanzen wurden synonym verwendet. Im Kräuterbuch von Matthioli wird das Kraut vor allem gegen Menstruationsbeschwerden und Fisteln empfohlen.

Darstellung von Großer und Kleiner Wiesenknopf
Illustration des Großen und Kleinen Wiesenknopfs im Kräuterbuch von Matthioli

In der modernen Heilpflanzenkunde wird Pimpinelle nur selten verwendet. Dennoch verfügen die einzelnen Pflanzenbestandteile über interessante Inhaltsstoffe, die einen positiven Effekt auf unseren Organismus haben. Pimpinelle verfügt u.a. über nennenswerte Anteile an Gerbstoffen, Flavonoiden, Bitterstoffen und ätherischen Ölen. Unter den ätherischen Ölen ist vor allem das Linalool vorherrschend [1]. Insgesamt kann Pimpinelle die folgenden Heilwirkungen aufzeigen:

  • krampflösend
  • entzündungshemmend
  • verdauungsfördernd
  • tonisierend
  • entwässernd

Die in der Pflanze enthaltenden Wirkstoffe sind u.a. für die Linderung folgender Beschwerden oder Krankheiten zu gebrauchen:

  • Magen- und Darmbeschwerden
  • Frühjahrsmüdigkeit
  • Anregung des Stoffwechsels
  • Durchfall
  • Blähungen
  • Hautbeschwerden
  • Sonnenbrand

Es sind nur wenige Rezepte oder Anwendungsempfehlungen zur Einnahme von Pimpinelle bekannt. In der Volksmedizin werden sowohl die Blätter als auch die Wurzel verwendet. Die hauptsächlichen Darreichungsformen sind ein Tee aus den Blättern sowie ein Sud aus den Wurzeln der Pflanze.

Ein Pimpinellentee kann vor allem gegen leichtere Magen- und Darmbeschwerden sowie die Verdauungstätigkeit anregen. Dies ist wohl vor allem durch die enthaltenen Gerbstoffe und Bitterstoffe zu erklären. Für einen Tee können 4 bis 5 Teelöffel frisches Kraut bzw. Blätter mit heißem, aber nicht kochend heißem Wasser übergossen werden. Zu heißes Wasser inaktiviert die Gerbstoffe. Der Tee sollte etwa 6 bis 10 Minuten ziehen, bevor er schluckweise vor den Mahlzeiten getrunken wird.

Die Blätter der Pimpinelle enthalten höhere Anteile des Flavonoids Quercetin. Dieser Stoff sowie einige weitere Begleiter können womöglich eine Rolle bei der Bekämpfung seltener Krebsarten haben, die auf eine Überversorgung des Peptids Plasmin zurückzuführen ist. Extrakte von Pimpinelle konnten in Laborversuchen die Ausbreitung von Tumorzellen hemmen [2]. Ob und inwiefern dies für eine zukünftige Krebsmedikation nutzbar ist, müssen weitere Untersuchungen klären.

Nebenwirkungen und Anwendungshinweise: Nebenwirkungen beim Verzehr von Pimpinelle sind nicht zu erwarten.

Pimpinelle kaufen – Was gibt es zu beachten?

Aufgrund der zunehmenden Beliebtheit der Pimpinelle als Gewürzkraut, gibt es im Handel verstärkt Saatgut sowie Frischpflanzen im Angebot. Getrocknete Pimpinellenblätter, z.B. für heilkundliche Anwendungen, werden hingegen nicht angeboten. Dies ist wohl daran zu erklären, dass die Pflanze naturheilkundlich kaum im Fokus steht und getrocknete Produkte nicht zum Würzen geeignet sind.

Samen der Pimpinelle werden von den meisten bekannten Saatgutherstellern angeboten. Neben einfachen Samen können auch Seed Balls oder Sammelsaatgut erworben werden, um alle Küchenkräuter für die Zubereitung der Frankfurter Grünen Sauce selbst ziehen zu können. Die Preise für Pimpinellensamen liegen zwischen 0,90 EUR und 2,00 EUR und sind damit verhältnismäßig günstig.

In einigen Pflanzenmärken sind auf Frischpflanzen zu erhalten. Diese sollten auf Rost und Mehltau untersucht werden. Zu beachten ist, dass die Pflänzchen schnell ins Freiland oder einem tiefen Pflanzgefäß umgesetzt werden, da die Wurzeln einen großen Entfaltungsspielraum brauchen.

Literaturhinweise

  • [1]: Esmaeli, A. et al. (2010): Chemical Constituents oft he Essential oil of Sanguisorba minor Scop Leaves. In: Journal of Medical Plants, Vol. 9, Nr. 35, S. 67 – 70.
  • [2]: Cuccioloni, M. et al. (2012): Sanguisorba minor extract suppresses plasmin-mediated mechanisms of cancer cell migration. In: Biochimica et Biophysica Acta (BBA), Vol. 1820, S: 1027-1034, https://doi.org/10.1016/j.bbagen.2012.02.002
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