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Wildkräuter und Heilpflanzen bestimmen

Von Frühling bis Herbst lassen sich zahlreiche Kräuter am Waldrand, auf Wiesen, an Ufern oder an Wegen finden. Darunter finden sich viele Heil- und Gewürzkräuter, die die Menschen schon seit Jahrhunderten verwenden. Bei der Vielzahl an Kräuterpflanzen ist es oft nicht einfach zu wissen, welches Kraut vor einem wächst. Mit ein wenig Übung und Vorwissen lassen sich viele Wildkräuter jedoch einfach bestimmen.

Grundlagen der Pflanzenbestimmung

Wildkräuter bzw. Pflanzen im Allgemeinen zu bestimmen, ist nicht immer einfach. Viele Kräuter, haben stets ähnlich sehende Gegenspieler, die mitunter giftig sein können. Die Pflanzenbestimmung wird umso schwieriger, je weniger Erkennungsmerkmale verfügbar sind. Beispielsweise lassen sich Kräuter am besten bestimmen, wenn Blätter und Blüten voll ausgebildet sind. Im Frühjahr, wenn viele Kräuter noch keine Blüten- oder Fruchtstände ausgebildet haben, gestaltet sich die Erkennung eines Krauts deutlich schwieriger. Typische Erkennungsmerkmale sind u.a.:

  • Blattform (z.B. oval, eiförmig, herzförmig etc.)
  • Blattrand (z.B. glatt, gesägt, gefiedert etc.)
  • Blütenfarbe
  • Blüteneigenschaften (z.B. Anzahl Kronblätter, Anzahl Kelchblätter etc.)
  • Blütenstand (z.B. Traube, Dolde, Ähre etc.)
  • Stängelform (z.B. vierkantig, glatt, behaart etc.)
  • Fruchtstände (z.B. Kapselfrucht, Steinfrucht, Beerenfrucht)
  • Duft (z.B. Geruch der Pflanze, Blütenduft)
  • Standort der Pflanze

Blattformen und Blattränder bestimmen

Die Blattform und die Gestaltung des Blattrands sind neben dem Stängel die wichtigsten Bestimmungskriterien. Sie sind meist immer vorhanden und können leicht zugeordnet werden. Die Blattform kann beispielsweise eiförmig, lanzettlich oder wie beim Rosmarin nadelförmig sein. Blattränder können glatt, leicht oder stark gesägt sein, wie beispielsweise bei der Taubnessel. Neben diesen beiden Kriterien kann auch die Blattdicke, Blattstruktur, Länge und Breite der Blätter oder die Ausbildung von Blatthaaren (Drüsenhaaren) bei der Bestimmung behilflich sein. In der folgenden Tabelle erhalten Sie einen Überblick über die wichtigsten Blattformen.

Kräuterbot. NameBlattformBlattrandDrüsenhaare
BärlauchAllium ursinumeiförmigglatt und leicht gewelltnein
BasilikumOcimum basilicumeiförmigglatt und leicht gewelltnein
Beinwell, echterSymphytum officinalelanzettlich bis zungenförmigglatt und leicht gewelltborstig behaart
FenchelFoeniculum vulgarehaarförmigglattnein
Frauenmantel, gelbgr.Alchemilla xanthochloranierenförmig bis ründlichgezähnt, fünf- bis elflappigselten
Löwenzahn, gew.Taraxacum sect.eiförmig bis eilanzettlichgezähnt bis eingeschnittennein
Odermennig, gew.Agrimonia eupatoriagefiedertgekerbtja, auf Blattunterseite
OlivenkrautSantolina viridisnadelförmigwülstignein
OreganoOriganum vulgarelänglich eiförmigglattnein
ThymianThymus vulgariselliptischglattnein
WaldmeisterGalium odoratumschmal-lanzettlich bis elliptischglatt und rauMikrohaare

Blattformen bestimmen
Typische Wildkräuter und ihre unterschiedlichen Blattformen

Blüten und Blütenstände bestimmen

Form, Farbe, Struktur und Größe der Blüte sind neben dem Blütenstand oft die besten Bestimmungshilfen. Viele Kräuter auf Feld und Wiese lassen sich in den meisten Fällen exakt anhand der Blüten und Blütenstände zuweisen. Bei einigen Pflanzen lassen sich womöglich nur Gattungen ausmachen. Beispielsweise lassen sich der Echte Thymian (Thymus vulgaris) und der Quendel (Thymus serpyllum) nicht auf die Schnelle zuordnen. Erst bei genauerem Hinsehen würde auffallen, dass die Anordnung der Blüten in ihrer Gesamtheit kugelförmig ist und die des Thymians eher etwas traubiger. Außerdem sind die Einzelblüten des Quendels meist deutlich kleiner als die des Thymians.

Will man tiefer in die Bestimmungslehre eintauchen, müssen die Blüten weiter unterteilt werden. Hier spielen u.a. die Anzahl der Kron- und Kelchblätter, die Symmetrieebene des Blütenbaus sowie das Vorhandensein von Narbe und Stempel eine große Rolle. Auch besondere Blütenmerkmale wie beispielsweise Öldrüsen können behilflich sein. Beispielsweise lässt sich das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) eindeutig von vielen anderen Johanniskrautarten unterscheiden, da sowohl die Blätter als auch die Blüten viele kleine Punkte aufweisen, die die Öldrüsen darstellen.

Echtes Johanniskraut mit Öldrüsen
Die schwarzen Punkte auf den gelben Blüten sind ein eindeutiges Indiz für das Echte Johanniskraut (Hypericum performatum)

Zur Bestimmung von Pflanzen anhand der Blüten müssen die folgenden Blütenbestandteile genauer untersucht werden:

  • Kronblätter
  • Kelchblätter
  • Staubblätter
  • Narbe
  • Griffel
  • Blütenstiel
  • Behaarung

Blütenbestandteile zur Bestimmung
Blütenmerkmale bzw. –bestandteile von Borretsch (Borago officinalis)

Kann man die Blütenbestandteile zuordnen, ist es Von Vorteil, wenn man einige der großen Pflanzenfamilien kennt. Viele Familien haben gleiche oder zumindest sehr ähnliche Blütenanordnungen und -merkmale, mit dem die Identifizierung des Krauts anhand eines Bestimmungsführers deutlich einfacher ist. Für das ungeübte Auge sieht die Schafgarbe beispielsweise wie ein Doldenblütler aus. Betrachtet man die Einzelblüten jedoch etwas genauer, so erkennt man die klassischen Blütenkörbe, die typisch für Korbblütler sind.

Blütenformen und Pflanzenfamilien
Übersicht der neun wichtigsten Pflanzenfamilien und typische Vertreter mit ihren Blüten

In der folgenden Tabelle stellen wir die bekanntesten Pflanzenfamilien vor, aus denen die wichtigsten Heil- und Gewürzkräuter stammen.

PflanzenfamilieBeispiele bekannter KräuterBlütencharakteristik
WegerichgewächseSpitzwegerich, Breitwegerich, Echtes Leinkrautmeist zwittrig, meist 5 Kelchblätter, meist 5 Kronblätter, meist 4 Staubblätter
LippenblütlerEchter Thymian, Quendel, Gundermann5 Kelchblätter, 2 Kelchlippen, meist 5 Kronblätter, Blütenröhre
DoldenblütlerWiesenkümmel, Dill, Wilde Möhre5 Kronblätter, 5 Kelchblätter, i.d.R. radiärsymmetrisch, meist Doppeldolde als Blütenstand
KorbblütlerLöwenzahn, Ringelblume, SchafgarbeBlütenstand ist körbchenartig, Kronblätter zu Röhre verwachsen, Kelchblätter häufig nicht direkt zu erkennen oder zu Haarkranz umgewandelt
NelkengewächseLichtnelke, Seifenkraut, Vogelmiereradiärsymmetrische Blüten, fünfzählig, freier oder verwachsener Blütenkelch, Kronblätter immer frei, Staubblätter fast immer zehnzählig
RaublattgewächseBeinwell, Borretsch, gew. NatternkopfBlütenstand meist Doppelwickel, Fruchtanlagen meist verwachsen, Blüten behaart
GeißblattgewächseArznei-Baldrian, Karde, Rote Spornblumemeist verzweigte Blütenstände, doppelte Blütenhülle, Kronblätter meist röhrig verwachsen
HülsenfrüchtlerRotklee, Färber-Ginster, Süßholzhäufig traubiger bis ähriger Blütenstand, radiärsymmetrische oder zygomorphe Blüten, doppelte Blütenhülle
FuchsschwanzgewächseMelde, Wiesen-Storchschnabel, Guter HeinrichtBlüten fünf- bis achtzählig, krautige Blütenhülle, Staubbeutel mit zwei bis vier Pollensäcken
HahnenfußgewächseEisenhut, Küchenschelle, Scharbockskrautvier bis viele Hüllblätter, meist viele Staubblätter, meist traubiger oder ähriger Blütenstand, radiärsymmetrische Blüten
RosengewächseBlutwurz, Mädesüß, Odermennigdoppelte Blütenhülle, meist traubige bis rispige Blütenstände, meist fünfzähliger Kelch, Kronblätter meist weiß, meist 10 bis 20 Staubblätter

Neben den optischen Blütenbestandteilen ist der Blütenduft häufig ein eindeutiges Erkennungsmerkmal. Die Echte Kamille beispielsweise lässt sich anhand des typischen Kamillendufts, der beim Zerreiben der Blüten entsteht, zweifelsfrei bestimmen. Gleiches gilt für die Blüten des Mädesüß, die einen honigsüßen Duft verströmen.

Stängel bestimmen

Neben Blüte und Blatt ist der Stängel ein weiteres Pflanzenorgan, das sich genau beschreiben und zuordnen lässt. Viele ähnlich aussehende Wildkräuter lassen sich häufig anhand Ihrer Stängel klar voneinander unterscheiden. Die folgenden Eigenschaften spielen dabei eine besondere Rolle:

  • Farbe (z.B. hellgrün, dunkelgrün, oliv, braun)
  • Form (z.B. viereckig, rund, dreikantig)
  • Länge
  • Behaarung (z.B. nicht behaart, spärlich behaart, flaumig behaart)
  • Verholzung (z.B. vollständig verholzt, teilweise verholzt, nicht verholzt)
  • sonstige Merkmale (z.B. Flecken)

In freier Natur lässt sich beispielsweise der Ackerschachtelhalm ziemlich exakt von seinem giftigen Verwandten dem Sumpfschachtelhalm unterscheiden. Während der Stängel des Ackerschachtelhalms nur einfache Knoten (Nodi) ohne Verzierung finden, sind die Knoten des Sumpfschachtelhalms mit deutlich bräunlichen Zacken verziert.

Schachtelhalm bestimmen
Der Stängel vom Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) im Vergleich zum Sumpfschachtelhalm (Equisetum palustre)

In jedem guten Bestimmungsführer finden sich daher auch immer Angaben zu den Stängeln. Sie geben weitere wertvolle Hinweise darauf, um welche Art oder zumindest Pflanzengattung es sich handelt. Die genaue Betrachtung der Stängel ist vor allem wichtig, wenn Kräuter keine Blüten tragen oder Fruchtstände nicht zu erkennen sind.

Fruchtstände und Früchte bestimmen

Nach der Blütezeit entwickeln alle Pflanzen ihre spezifischen Fruchtstände und Früchte. Die Bestimmung anhand des Fruchtstands bzw. der Früchte ist häufig nicht die einfachste Art. Mitunter sind nämlich kaum noch Blätter an einer Pflanze zu finden, die ein wichtiges Indiz für die Zuordnung eines Krauts ist. Wichtig für die Bestimmung von Wildkräutern anhand ihrer Früchte ist die Kenntnis der verschiedenen Fruchtformen. Unterschieden werden folgende Fruchtarten:

FruchtformBekannte Kräuter
KlausenfrüchteBeinwell, Gewöhnlicher Natternkopf
HülsenfrüchteRotklee, Färber-Ginster
Achänen (Nussfrüchte bei Korbblütlern)Löwenzahn, Huflattich
SpaltfrüchteGroße Bibernelle, Fenchel
KlettfrüchteWaldmeister, Odermennig
NussfrüchteMädesüß, Kuhschelle, Guter Heinrich
KapselfrüchteWeinraute, Johanniskraut

Fruchtstände verschiedener Wildkräuter
Fruchtstände bekannter Kräuterpflanzen

Wie schwierig sich die Pflanzenbestimmung anhand von Fruchtmerkmalen ist, zeigt sich beispielsweise bei der Unterscheidung des Echten Mädesüß (Filipendula ulmaria) mit dem Kleinen Mädesüß (Filipendula vulgaris). Beide Arten bilden zwar Nussfrüchte mit relativ gleicher Farbe aus. Jedoch sind die Früchte des Echten Mädesüß balgartig und auffällig gekrümmt. Das kleine Mädesüß hingegen hat längliche, gerade Nüsschen.

Pflanzenstandort und Boden

Der Standort an dem die Pflanze wächst sowie der Boden bzw. die Bodeneigenschaften können weitere Hinweise darüber geben, um welche Pflanzenart oder zumindest Pflanzengattung es sich handelt. Viele Pflanzen haben Vorlieben, was den Standort betrifft. Während Kräuter wie Thymian oder Beifuß eher sonnige Plätze mit trockenen und nährstoffarmen Böden mögen, bevorzugen Bärlauch und Pfefferminze eher halbschattige Standorte mit feuchteren und nährstoffreichen Böden.

Die Standorteigenschaften, allem voran die Bodeneigenschaften und Nährverfügbarkeit, lassen sich mit etwas Erfahrung schnell einordnen. Eine schnelle und gute Möglichkeit ist das Auffinden von Zeigerpflanzen. Eine der bekanntesten Zeigerpflanzen ist die Brennnessel. Sie gibt Hinweise darauf, dass es sich um einen stickstoffreichen und humosen Boden handelt. In der folgenden Tabelle geben wir einen einführenden Überblick über bekannte Zeigerpflanzen.

Pflanze / WildkrautZeigerwert / Bodeneigenschaften
Ackerschachtelhalmverdichteter Boden mit Staunässe, kalkarmer Boden, tonig bis lehmige Bodenart
Brennnesseltypischer Stickstoffzeiger, hohe Nährstoffverfügbarkeit, meist kalkreicher und humusreicher Boden
HasenkleeBoden immer sandig, meist Anzeiger für saure und kalkarme Standorte
Löwenzahnhumusreicher Boden, teilweise auch verdichtete Böden, hohe Nährstoffverfügbarkeit (meist sehr stickstoffreich und kalkreich)
Quendel (Feldthymian)Anzeiger für trockene, nährstoffarme Böden mit höherem Sandanteil
Sauerampfersaurer Boden pH-Wert, Böden meist humos mit höherem Stickstoffanteil
Spitzwegerichkalkarmer Boden mit hohem Nährstoffanteil
Wilde MöhreAnzeiger für stickstoffarme Böden, Bodenart meist sandig und wenig humos

Doch was hilft es bei der Bestimmung, wenn man die Vorlieben anderer Pflanzen kennt? Nehmen wir uns hierfür ein Beispiel. Der Wiesen-Kerbel (Anthriscus sylvestris) findet sich immer an stickstoffliebenden, nährstoffreichen bis überdüngten Standorten mit humosen Böden finden. Der Wiesen-Kerbel ähnelt sehr der Hunspetersilie oder dem Schierling. Findet sich in der Nähe eine Brennnessel, so kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass es sich um einen Wiesen-Kerbel handelt.

Bestimmungshilfen und Bestimmungsführer

Bestimmungshilfen anfertigen

Geht man häufiger auf Kräuterwanderungen ist es von Vorteil, sich seine eigenen Bestimmungshilfen anzulegen. Neben dem Fotografieren können auch eigene Herbarien angelegt werden. Unter einem Herbarium versteht man eine eigene Sammlung an echten Pflanzen, von denen die ganze Pflanze oder einige Pflanzenteile getrocknet und archiviert werden. Jede Pflanze wird anhand des botanischen Namens, dem Sammlungszeitpunkt und dem Sammelort dokumentiert.

Das Anlegen eines Herbariums hilft dabei, sich bestimmte Pflanzenarten und auch -gattungen genau einzuprägen. Außerdem hat man über die Zeit ein eigenes Kompendium mit dem Wildkräuter und andere Pflanzen dann meist selbst leicht bestimmt werden können. Es empfiehlt sich jedoch eine eigene Ordnung zu überlegen, mit dem sich die Pflanzen schnell und gezielt identifizieren lassen. Mögliche Formen der Ordnung bzw. Sortierung sind:

  • nach Pflanzenfamilie
  • nach Blütenfarbe
  • nach Blattform
  • alphabetische Sortierung nach Pflanzenart

Bestimmungsführer

Ein guter Bestimmungsführer ist sowohl für ungeübte als auch geübte Kräuterwanderer eine Bereicherung. Je nach Kenntnisstand gibt es gute Einführungswerke, die viele Bilder und Schemas verwenden, als auch professionelle botanische Bestimmungsführer (z.B. Schmeil-Fitschen), die eine exakte Zuordnung der Pflanze anhand von Blüten-, Blatt- und Standorteigenschaften ermöglichen.

Für Einsteiger eignen sich Werke, die nicht mehr als 300 Wildkräuter umfassen und die Bilder von Blättern und Blüten enthalten. Bestimmungsführer mit bis zu 300 Pflanzen enthalten meist jene Kräuter, die ohnehin häufig vorkommen. Insofern ein Großteil dieser Pflanzen dann ohne diese Bestimmungshilfe erkannt worden sind, kann man sich an die professionelle Variante herantasten.

Neben bebilderten Büchern gibt es auch mehr oder weniger gute Bestimmungsapps. Sie enthalten meist viele Pflanzen und eignen sich durchaus für die Feldbestimmung. Grundsätzlich sollten aber nur solche Apps gewählt werden, die auch eine gute Navigation und ein schnelles Suchen ermöglichen. Nichts ist ärgerlicher, als minutenlanges Suchen nach einer möglichen Pflanze. In der Praxis sind jedoch Bücher mitunter etwas handlicher und praktikabler.


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