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Baldrian

Valeriana officinalis

Blatt vom Baldrian Der Baldrian (Valeriana officinalis) ist eine bekannte heimische Wildpflanze und gleichzeitig Heilkraut. Die Wurzeln der Pflanze haben eine beruhigende und schlaffördernde Wirkung. Doch nicht nur als Heilpflanze ist der Baldrian berühmt. Auch als Zierpflanze oder Bienenstaude im Garten wird das Kraut häufig angepflanzt. In einigen Ländern ist er sogar ein beliebtes Gewürzkraut.

Steckbrief von Baldrian
Botanischer NameValeriana officinalis
PflanzenfamilieGeißblattgewächse
Weitere NamenValerian, Hexenkraut, echter Baldrian, Katzenkraut
Aussaatzeit / PflanzzeitMärz-April
BlütezeitMai-August
Erntezeitganzjährig (erst im zweiten Jahr)
Standortsonnige bis halbschattige Standorte mit durchlässigen und eher nährstoffreichen Böden
Verwendung als HeilkrautSchlafbeschwerden, Nervosität, Angst, Stress, Migräne, Magenbeschwerden
Verwendung als Gewürzkrautin der indischen Küche als Gewürz für Suppen

 Inhaltsverzeichnis

Pflanzenmerkmale und Systematik vom Baldrian

Herkunft und Vorkommen des Baldrians

Der Baldrian ist eine einheimische Pflanzenart die in ganz Europa bis hin ins östliche Russland verbreitet ist. Das Wildkraut zeigt eine hohe ökologischen Toleranz und ist heute bis nach Nordamerika, Australien und zum Teil Asien verwildert. In freier Natur findet man die Pflanze vor allem an Waldlichtungen und Waldrändern sowie auf feuchten und nährstoffreichen Wiesen.

Anbaugebiete mit wirtschaftlicher Bedeutung sind heute vor allem in Belgien, Holland und Osteuropa zu finden. In Deutschland wird Baldrian vor allem in Bayern und Thüringen wirtschaftlich angebaut.

Systematik von Valeriana officinalis

Der Echte Baldrian (Valeriana officinalis) gehört zur Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae). In der engeren Verwandtschaft gehört die Pflanze zur Gattung Baldriane, die mit mehr als 400 Arten verhältnismäßig artenreich ist. Bekannte Verwandte des Baldrians sind u.a. die Wilde Karde oder der bei uns häufig verzehrte Feldsalat, der eine Unterfamilie darstellt und ebenfalls zu den Baldriangewächsen zählt.

Weitere Arten aus der Gattung Baldriane, die eine ähnliche Bedeutung haben sind:

  • Echter Speik (Valeriana celtica)
  • Schmalblättriger Arznei-Baldrian (Valeriana wallrothii)
  • Indische Narde (Valeriana jatamansi)

Vom Echten Baldrian existieren noch einige Unterarten:

  • Schmalblättriger Baldrian (Valeriana officinalis ssp. tenuiflora): Eine gefährdete Art, die vor allem in Österreich und im Alpenvorland zu finden ist
  • Holunderblättriger Baldrian (Valeriana officinalis ssp. sambucifolia): Eine Unterart mit breiten Blättern, die vor allem in der Nähe von Fluss- und Bachläufen beheimatet ist

Namensherkunft - Baldrian und Valerian

Die botanische Bezeichnung verrät bereits sehr viel über die Eigenschaften des Baldrians. Der Gattungsname Valeriana leitet sich vom lateinischen Wort valere ab. Übersetzt bedeutet dieses Wort gesund. Die Artenbezeichnung officinalis stammt vom mittelhochdeutschen Wort Offizin. Damit wurden früher die Wirtschafts- und Verkäufsräume von Apotheken bezeichnet.

Der heutige Name Baldrian geht auf den Gott der Sonne und der Gerechtigkeit Balder zurück. Womöglich wurde der Name sinnbildlich verwendet, um zu suggerieren, dass der Baldrian jenen Menschen helfe, die Milde und Hilfe benötigten.

Merkmale von Baldrian

Der Echte Baldrian ist eine mehrjährige bzw. ausdauernde Pflanze, die je nach Standortbedingungen und Nährstoffverfügbarkeit Wuchshöhen zwischen 90 und 180 cm erreichen kann. Im Boden bildet das Geißblattgewächs helle, meist gelbe bis nahezu weiße Wurzeln aus, die mehrfach verzweigt sind und einen auffallend starken Geruch haben. Die Wurzeln reichen meist nicht sonderlich tief in den Boden. Da die Pflanze zur Winterzeit auf ihre Wurzeln reduziert sind und überdauert, werden diese hier als Rhizome bezeichnet.

Baldrian bildet hellgrüne bis mintgrüne Blätter aus, die eine lanzettliche Form mit gefiederten und leicht gesägten Blatträndern aufweisen. Die Größe der Blätter nimmt von unten nach oben ab. Die Blätter sind gegenständig am grünen, manchmal auch braunen bis rötlichbraunen Stängel angeordnet und schwach bis mäßig behaart. Einige Unterarten zeigen mitunter jedoch eine stärkere Behaarung.

Blätter vom Baldrian
Die grünen Baldrianblätter zeigen eine spitz zulaufende und meist lanzettliche Form

Zur Blütezeit bildet Valeriana officinalis weiße bis rosane Blüten aus, die einen angenehmen Duft verströmen. Die Blütezeit ist meist zwischen Ende Mai und Mitte August zu erwarten. Die einzelnen Blüten sind in einer Rispenblüte angeordnet, die auf dem ersten Blick jedoch an eine Dolde erinnern. Die zwittrigen Einzelblüten erreichen Durchmesser von bis zu 5 mm und enthalten jeweils 5 Kronblätter. Baldrianblüten sind begehrte Nektarpflanzen vieler Insekten, vor allem für Hummeln, Bienen und Schmetterlinge.

Blüten vom Baldrian
Die meist zartrosa gefärbten Baldrianblüten erscheinen meist zwischen Mai und August

Zur Fruchtreife bildet der Baldrian etwa 3 bis 5mm lange Nussfrüchte aus. Jede Nussfrucht ist behaart und enthält jeweils nur einen Samen. Die Samen selbst sind leicht tröpfchenförmig, auffallend geriffelt und von dunkelgelber bis brauner Färbung.

Anbau, Aussaat und Pflege

Baldrianpflanzen sind ideale Gartenstauden, die sich relativ einfach anbauen lassen und kaum Pflege benötigen. Die Pflanze ist nicht nur hübsch anzuschauen, sie bereichert auch Duftgärten und ist beliebt bei vielen Nutzinsekten wie Schmetterlingen und Bienen.

Bedingungen für den Anbau von Baldrian im Garten
Lichtsonnig bis halbschattig
Boden und Erdehumusreich, durchlässig, leicht feucht
Kalkbedarfnormal
pH-Wertschwach sauer bis neutral
Düngerbedarfgering bis mäßig
Wasserbedarferhöht
KeimtypLichtkeimer
winterhartja, bis -21 °C

Standort

Im Garten ist das Geißblattgewächs recht anspruchslos. Baldrian bevorzugt sonnige Standorte, toleriert jedoch auch halbschattige Plätze. Der Boden sollte humusreich, gut durchlässig, nährstoffreich und immer leicht feucht sein. Sehr lehmige Böden sollten mit etwas Sand aufgelockert werden, um die Durchlüftung und Wasserleitfähigkeit zu verbessern. Für Gärtner, die eher sandige Standorte haben, sollte der Boden mit entsprechenden Zuschlagstoffen wie Bentonit, Zeolit und Kompost behandelt werden. Sollen nur kleine Flächen mit Baldrian bepflanzt werden, so ist auch handelsübliche Blumenerde meist vollkommen ausreichend.

Aussaat

Die beste Zeit für die Aussaat der Baldriansamen sind die Monate März bis April. Die Samen können direkt auf die Gartenbeete oder Kübel gestreut werden. Die Samen sollten nur leicht angedrückt werden, das es sich um einen Lichtkeimer handelt. Direkt nach der Aussaat sollte das Substrat und die Samen angefeuchtet werden. Im Gartenbeet empfiehlt sich ein Pflanzabstand von ca. 40 cm zur jeweils nächsten Pflanze. Eine Vorkultur auf der Fensterbank oder im Minigewächshaus ist zwar möglich, meist aber nicht erforderlich. Eine Aussaat in Töpfen auf Balkon oder Terrasse ist ebenfalls möglich. Die Töpfe sollten allerdings etwas breiter sein, da sich die Wurzeln der Pflanze eher in die Breite als in die Tiefe entwickeln.

Bei der Auswahl der Samen sollte darauf geachtet werden, dass sie frisch sind. Baldriansamen, die älter als ein bis zwei Jahre alt sind, keimen nur noch verhältnismäßig selten.

Düngung

In puncto Nährstoffversorgung ist die Pflanze ebenfalls recht anspruchslos. Wächst der Baldrian im Gartenbeet, so genügt es vor der Bepflanzung die Erde mit einem organischen Dünger oder mit Kompost vorzudüngen. Ist die Erde nicht zu sandig, so wird in der Regel kein weiterer Dünger benötigt. Im Folgejahr sollte die Erde im Frühjahr dann erst wieder gedüngt werden. Wächst der Baldrian im Topf oder im Kübel, so sollte - je nach Größe der Pflanze - alle 4 bis 6 Wochen ein handelsüblicher Kräuterdünger verabreicht werden. Dieser sollte jedoch einen gewissen Anteil an Phosphor enthalten, da sonst die Blüte ausbleiben kann.

Gießen

Ein kontinuierliches Gießen ist der wohl wichtigste Teil der Pflege. Baldrian mag eine eher feuchte Umgebung, um optimal gedeihen zu können. Kurzfristige Trockenheit übersteht die Pflanze zwar meist problemlos, allerdings können längere heiße Tage ohne zusätzliche Wasserversorgung problematisch werden und zum Absterben der Pflanze führen. Baldrian hat kein sehr tiefes Wurzelsystem, wodurch es für das Kraut schwierig wird, Wasser aus tieferen Schichten zu erhalten. Optimal ist es, die Erde um den Baldrian immer leicht feucht zu halten.

Überwinterung

Baldrian ist winterfest. Blätter und Blüten fallen zum Herbst hin ab. Die Rhizome überdauern im Boden und bringen im Frühjahr wieder neue Blätter hervor. Für die Überwinterung sind keine besonderen Maßnahmen erforderlich.

Krankheiten und Schädlinge

Bei guter Pflege ist Baldrian meist eine sehr robuste Pflanze. Relativ häufige Störenfriede sind grüne und schwarze Blattläuse, die häufig die Blattachseln befallen. Da die Stängel der Pflanze recht stabil sind, lassen sich die Läuse meist abbrausen oder mit einem transparenten Klebeband ablösen. Selten können Baldrianpflanzen mit Mehltau befallen werden. Mehltau tritt meist dann auf, wenn die Pflanzen sehr dicht wachsen, die Außentemperaturen eher trocken sind und die Pflanze in zu nährstoffreichem Substrat wächst.

Ernte

Eine Ernte der Wurzel im ersten Jahr des Anbaus ist nicht möglich. Erst im zweiten Jahr lohnt es sich, die Wurzeln für Tees und andere Zwecke zu entnehmen. Geerntet werden können auch die Baldrianblüten, die ähnliche Zwecke wie die Wurzeln erfüllen.

Verwendung von Baldrian

Verwendung als Küchen- und Gewürzkraut

Der Baldrian ist in unseren Breiten kaum als Gewürz bekannt. Dennoch gilt er in einigen Ländern als begehrtes Gewürz. So wird die gemahlene Wurzel von Valeriana officinalis unter anderem in Indien und Pakistan zum Würzen von Suppen und Eintöpfen verwendet. Der Geschmack ist recht bitter mit einer leicht lieblichen Unternote und gilt in der europäischen Küche als nicht sonderlich begehrt.

Einige Rohkostfans ernten die ersten feinen Baldrianblätter nach dem Austreiben und verwerten diese wie Feldsalat. Der Geschmack ist recht ähnlich, was wohl auch daran liegt, dass Baldrian und Feldsalat miteinander verwandt sind. Vor allem die jungen Blätter und auch Blüten können in Wildkräutersalaten sparsam eingearbeitet werden. Der Geschmack der Blätter ist gurkenähnlich mit einer leicht bitteren Unternote.

Ebenfalls essbar sind die Samen. Diese haben einen dezent süßlichen Geschmack mit einer deutlichen herben Unternote. Sie eignen sich u.a für Gemüsesuppen sowie für Gebäck. Die Samen selbst können mitgekocht werden und verlieren kaum an Aroma.

Verwendung als Heilkraut

Die Anwendung von Baldrian in der Antike und im Mittelalter

Als Heilkraut blickt der Baldrian auf eine lange Geschichte zurück. Vor allem die Wurzeln der Pflanze waren schon in der Antike begehrte Arzneimittel. Viele Forschungen konnten zudem belegen, dass der Baldrian auch in vielen Ländern des heutigen Asiens bekannt und häufig eingesetzt wurde.

Interessanterweise wurde Valeriana officinalis damals für vollkommen andere Zwecke gebraucht als heutzutage. Aus den Kräuterbüchern des frühen und späten Mittelalters gibt es keine Hinweise, dass die Baldrianwurzel bei Schlafstörungen oder bei nervöser Unruhe verwendet wurde. In den Kräuterbüchern von P. A. Matthioli oder Hieronymus Bock (beide etwa Mitte 16. Jahrhundert) wird Baldrian bei Blähungen, Seitenstechen, Harnbeschwerden, Husten, Akne, Kopfschmerzen sowie Augenbeschwerden verwendet. Häufig wurde die Wurzel pulverisiert und mit Wein, Theriak oder anderen Kräutern wie Süßholzwurzel und Anis vermischt.

Heilanwendung von Baldrian im Mittelalter
Beschreibung von Valeriana officinalis im Kräuterbuch von P.A. Matthioli

Auch der Kräuterkundigen Hildegard von Bingen war Baldrian durchaus ein Begriff, auch wenn die Pflanze damals noch nicht ihren heutigen Namen hatte. Die damals als Valeriana id est denemarcha bezeichnete Arzneipflanze wurde eher bei Brustfellentzündung und bei einer als Vich (Vicht) bezeichneten Krankheit verwendet. Unter Vicht wird eine Art Vorkrebserkrankung (Präkanzerose) verstanden. Auch wenn einige Quellen heute davon sprechen, dass Hildegard von Bingen bereits die nervenschonende und schlaffördernde Heilwirkung von Baldrian kannte, so darf man dies getrost als Legende abtun. In ihren Büchern steht nichts dergleichen und auch nichts was darauf hindeuten würde.

Baldrian in der modernen Pflanzenheilkunde

Seit dem 18. Jahrhundert wurde Baldrian mehr und mehr als Beruhigungsmittel sowie zur Behandlung von Stress und Nervosität verwendet. Es gilt heute als eines der besten und am meisten genutzten pflanzlichen Sedativa. Verwendung findet dabei fast ausschließlich die Baldrianwurzel.

Frische Wurzeln von Baldrian
Pharmakologisch sind ausschließlich Baldrianwurzeln interessant

In den Wurzeln und Blüten des Baldrian kennt man heute mehr als 150 chemische Wirkstoffe. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Wirkstoffe einen synergetischen Effekt haben, d.h. dass sich die Wirkung des Baldrians erst durch das Zusammenspiel mehrerer Wirkstoffe zu erwarten ist. Die hauptsächlichen Inhaltsstoffe des Baldrians sind die ätherischen Öle Valenol, Valeriansäure, Valerensäure, weitere Stoffe aus der Gruppe der Valepotriate sowie eine wenige Alkaloide. Zusammengefasst haben die Inhaltsstoffe des Baldrians folgende Eigenschaften auf unseren Organismus:

  • schlaffördernd
  • beruhigend
  • angstlösend
  • spasmolytisch (entkrampfend)

Valerensäure beispielsweise hat eine spasmolytische, angstlösende sowie muskelentspannende Wirkung und wirkt direkt auf das Zentralnervensystem ein. Die schlaffördernden und entspannenden Eigenschaften des Baldrians gehen jedoch auf die Wechselwirkungen vieler anderer verschiedener Stoffe zurück (u.a. Valepotriaten), die in ihrer Gesamtheit heute noch nicht genau bekannt sind.

Sind die Valepotriate im krebserregend? - Eine Analyse

In einigen Quellen wird dargestellt, dass die enthaltenden Valepotriate ein gewisses krebserregendes Potenzial entfalten können. In den aktuellen Monographien der Europäischen Arzneimittelagentur [5] finden sich keine Hinweise darüber. Bemerkt wird, dass diese Stoffe ein gewissen cytotoxisches Potenzial entfalten können. Das bedeutet, dass die Stoffe in hohen Dosen einen schädlichen Einfluss auf die Zellen haben können.

Die meisten wissenschaftlichen Studien und Monographien bemerken jedoch, dass die Menge in Tees und Kapseln nicht ausreicht, um einen schädlichen Effekt zu verursachen. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass die Anwendungsbeschränkungen und täglichen Dosen eingehalten werden.

Baldrian wird jedoch auch für eine Vielzahl weiterer Beschwerden verwendet. In der Naturheilkunde wird Valeriana officinalis eingesetzt bei:

  • Angstzustände
  • Schlafstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Migräne
  • nervöse Unruhezustände
  • nervöser Magen
  • Stress
  • Blähungen
  • leiche Magen- und Darmbeschwerden
  • Harnbeschwerden
  • Beschwerden in der Menopause

Wird Baldrian zur Behandlung von Schlafstörungen bzw. Schlafschwierigkeiten verwendet, so belegen Studien eine optimale Dosis von 450 mg Baldrianextrakt. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass eine höhere Dosis nicht zu einer besseren Wirkung führt [1].

Die üblichen Darreichungsformen des Baldrians sind die folgenden:

  • Tee (getrocknete und zerkleinerte Wurzel)
  • Tabletten
  • Kapseln
  • Dragees
  • Tinkturen

Die häufigsten Darreichungsformen sind Baldriankapseln, -tabletten sowie ein Tee aus getrockneter und zerkleinerter Baldrianwurzel. In der Pflanzenheilkunde ist Baldrianwurzel ein wichtiger Bestandteil vieler Schlaftees. Häufig bestehen diese zusätzlich aus Melisse, Grüner Hafer, Hopfen oder Passionsblume. Es ist wissenschaftlich bereits nachgewiesen, dass beispielsweise Hopfen die Wirkung von Baldrian verstärkt und zu einer einer insgesamt besseren Schlafqualität führen können. Unter anderem kann die gesamte Schlafdauer erhöht, Effekte durch Koffein vermindert und das Erholungsempfinden durch gesunden Schlaf verbessert werden [4].

Darüber hinaus werden auch Kapseln, Tinkturen und Tabletten verwendet. Kapseln und Tabletten werden meist bei akuten Beschwerden eingenommen, beispielsweise wenn hoher Stress (z.B. Prüfungsangst, Vorstellungsgespräche) anstehen. Baldriantee hingegen wird meist bei Einschlafstörungen, allgemeiner und lang andauernder nervöser Unruhe oder bei psychisch bedingten Kopfschmerzen empfohlen.

Eine Alternative ist die Zubereitung eines Kaltwasserauszugs (Mazerat), die zwar aufwändiger aber zumeist deutlich wirksamer ist, als die Zubereitung mit heißem Wasser. Dies liegt darin begründet, dass einige Wirkstoffe des Baldrians bei Hitzeeinwirkung teilweise zerstört werden und somit nicht mehr zur Geltung kommen können. Bei der Zubereitung eines Baldrianmazerats wird empfohlen 3 Gramm der Droge für etwa 6 bis 8 Stunden im kalten Wasser ziehen zu lassen, im Anschluss leicht zu erwärmen (nicht kochen!) und dann zügig zu trinken.

Nebenwirkungen und Anwendungsbeschränkungen: Baldrian sollte nicht von Kindern unter 12 Jahren eingenommen werden. Sehr selten können Magen- und Darmstörungen durch den Verzehr eintreten. Die Anwendung von Baldrian sollte nicht länger als vier Wochen andauern. Bei erneuter Nutzung von Baldrian sollten wenigstens vier Wochen Pause liegen. Die maximale tägliche Dosis liegt gemäß Kommission E bei 3 Gramm Baldrianwurzel pro Tasse oder Extrakt. Schlafstörungen sowie andere psychische Beschwerden sollten grundsätzlich durch einen Arzt abgeklärt werden.

Baldrian kaufen - Was gibt es zu beachten?

Baldrian ist in vielerlei Hinsicht eine sehr begehrte Pflanze, weswegen der Handel auch unterschiedliche Produkte bereitstellt.

Frische Baldrianpflanzen sind meist nicht zu erhalten. Wer Baldrian zu Hause oder im Garten anpflanzen will, kommt recht unproblematisch an frische Samen heran. Die meisten Hersteller von Saatgut führen Baldriansamen in ihren Sortimenten. Achten Sie auf das Herstellungsdatum. Ältere Samen, die ein Jahr und älter sind, keimen meist deutlich schlechter als frische Samen die nicht älter als ein Jahr sind.

Wer Baldrian als Heilpflanze für Tees nutzen will, kann entweder bereits fertige Arzneiteemischungen oder pulverisierte bzw. zerkleinerte Baldrianwurzeln kaufen. Für welche Anwendung man sich entscheidet, hängt stark davon, welche Zubereitungsart gewählt wird. Für Kaltwasserauszüge, die meist besser wirken, sollten pulverisierte Wurzeln beschafft werden, die man selbst in Teefiltern befüllen kann. Fertige Mischungen enthalten meist noch andere Kräuter wie Zitronenmelisse oder Hopfen.

Wem die Tees zu aufwändig sind oder nicht schmackhaft genug sind, kann auch auf Kapseln und Dragees zurückgreifen. Hier bieten nahezu alle Hersteller freiverkäuflicher Medikamente entsprechende Baldrianprodukte an. Es gilt zu beachten, dass auch tatsächlich pulverisierte Baldrianwurzel in den entsprechenden Produkten enthalten ist und nicht nur Auszüge einzelner Wirkstoffe. Studien haben ergeben, dass es viele Wirkstoffe im Baldrian sind, die miteinander wechselwirken und erst dadurch ihre gewünschte Wirkung erzielen.

Neben Tees und Dragees können auch Tropfen oder Tinkturen erworben werden. Die Tinkturen enthalten meist Alkohol in Form von Ethanol. Der verwendete Alkohol ist notwendig, um die Inhaltsstoffe aus der Baldrianwurzel zu extrahieren. Wer auf alkoholische Extrakte verzichten will, dem bleibt nur der Tee oder eben Kapseln.

Verwendete Quellen und weiterführende Literatur:

  1. Barton, D.L. et al. (2011): The Use of Valeriana officialis (Valerian) in Improving Sleep in Patients Who Are Untergoing Treatment for Cancer: A Phase III Randomized, Placebo-Controlles Double-Blind Study. In: Journal of Supportive Oncology, Vol. 9, S. 24-31.
  2. Murti, K. et al. (2011): Pharmacological Properties of Valeriana Officinalis - A Review. In: Pharmacologyonline, Vol. 3, S. 641-646.
  3. Morteza, E. und A. Joorabloo (2012): Evaluation of Medicinal Plant Valerian (Valeriana Officinalis L.) Essential Oil Compositions Cultivated At Garmsar Zone in Iran. In: Journal of Pharmaceutical and Scientific Innovation. Vol. 3, S. 87-88.
  4. Choi, H.-S. et al. (2018): Valerian/Cascade mixture promotes sleep by increasing non-rapid eye movement (NREM) in rodent model. In: Biomedicine & Pharmacotherapy, Vol. 99, S. 913-920, doi: 10.1016/j.biopha.2018.01.159
  5. Europäische Arzneimittel-Agentur - EMA (2016): Assessment report on Valeriana officinalis L., radix and Valeriana officinalis L., aetheroleum. In: Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), EMA/HMPC/150846/2015.
  6. Bundesanzeiger (1990): Valerianae radix / Baldrainwurzel. In: Monographie des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)
Hinweis zu medizinischen Inhalten:
Die hier vorgestellten Inhalte geben lediglich einen Überblick über die medizinische Nutzung. Sie stellen keine Empfehlung zur Anwendung dar. Bitte suchen Sie daher immer das Gespräch mit einem Arzt oder Apotheker.
         
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