Logo Kräuterbuch

Quendel

Thymus pulegioides

Foto vom QuendelDer Quendel (Thymus pulegioides) ist der kleine Bruder des Thymians. Beide Pflanzen gehören zwar zur selbeN Gattung, dennoch hat der Quendel gegenüber dem Thymian einige Unterschiede, die vor allem im Aroma zu suchen sind. Der auch als Feldthymian bekannte Quendel ist eine bedeutende Heilpflanze, macht aber auch in der Küche als Gewürz eine gute Figur.

Steckbrief von Quendel
Botanischer NameThymus pulegioides
PflanzenfamilieLippenblütler
Weitere NamenArznei-Thymian, Breitblättriger Thymian, Feldthymian, Immenkraut, Wilder Thymian,
Aussaatzeit / PflanzzeitApril - Mai
BlütezeitJuni - September
ErntezeitMai - August
Standortsonnig bis vollsonnig mit sandigen, lockeren und nährstoffarmen Standorten
Verwendung als HeilkrautErkältung, grippale Infekte, Sodbrennen, Reizhusten, Rheuma
Verwendung als GewürzkrautFleisch, Fisch, Kartoffelspeisen, Salate, Eierspeisen

Inhaltsverzeichnis

Pflanzenmerkmale und Systematik vom Quendel

Herkunft und Vorkommen des Quendels

Der Quendel ist eine in Mitteleuropa heimische Kräuterpflanze, im Gegensatz zum Echten Thymian, der aus dem Mittelmeerraum stammt. Die Pflanze ist an karge Landschaften angepasst und zeigt nur geringe Ansprüche an den Standort. Quendel ist auf trockenen Wiesen, Wegrändern und Brachflächen anzutreffen. Auch Hochgebirge besiedelt Thymus pulegioides, je nach Lage, in Höhen zwischen 1300 und 2000 Metern. Aufgrund der weiträumigen Verbreitung nennt man Quendel je nach Vorkommen auch Feldthymian und Bergthymian.

Die Pflanze ist heute nahezu in ganz Europa verbreitet. Einige wild wachsende Exemplare können heute bis in den asiatischen Raum beobachtet werden. In Nordamerika wurden Quendel als Neophyt eingeschleppt.

Exkurs: Woher kommt der Name Quendel?

Der Name des Quendels (Thymus pulegioides) wird recht häufig mit dem Echten Thymian (Thymus vulgaris) oder mit der Familie der Thymiane gleichgesetzt. Recherchen älterer Literatur (z.B. Matthioli) sowie in der modernen Heilpflanzenliteratur meinen mit dem Quendel jedoch tatsächlich die vorgestellte Art. Früher wurde außerdem der Sand-Thymian (Thymus serpyllum) als Quendel bzw. Quendelkraut bezeichnet. Das hat seine Ursache darin, dass beide Arten (Thymus pulegiodes und Thymus serpyllum) damals unter einer Art zusammengefasst wurden. Einige Internetquellen bezeichnen daher den Sand-Thymian fälschlicherweise als Quendel.

Systematik von Thymus pulegioides

Der Quendel ist ein Vertreter der Lippenblütlergewächse (Lamiaceae) und gehört ferner der Unterfamilie Nepotoideae (Minzeartige) an. Diese Unterfamilie beherbergt viele weitere bekannte Gewürz- und Heilkräuter wie Basilikum, Bohnenkraut, Lavendel, Ysop oder Melisse.

Die Gattung der Thymiane (Thymus) umfasst mehr als 210 Arten. Neben dem Quendel (Thymus pulegioides) ist der Echte Thymian (Thymus vulgaris) noch von großer Bedeutung.

Weitere Namen, die mitunter verwendet werden, sind Arznei-Thymian, Breitblättriger Thymian, Rauschkraut und Wilder Zimt.

Merkmale des Quendel-Thymians

Quendel ist ebenso wie der Echte Thymian eine mehrjährige, frostbeständige Pflanze. Der Wuchs ist kriechend, so dass Quendel regelrecht Teppiche ausbildet. Im Vergleich zum Echten Thymian verholzt die Pflanze nicht so stark und wird mit einer Wuchshöhe von ca. 10 bis 15 cm maximal wadenhoch. Trotz des eher kriechenden Wuchses ist Quendel ein Halbstrauch.

Die Blätter des Quendels sind verglichen mit dem Gartenthymian etwas kleiner. Die Blattform kann als lanzettlich beschrieben werden. Die Blattlänge erreicht maximal 1,5 Zentimeter. Zudem fühlen sich die Blätter des Wilden Thymians glatt an und haben eine kräftige grüne Farbe, während der Echte Thymian eher mit einem silbrig-grünen Blattwerk ausgestattet ist.

Ein weiterer Unterschied zwischen Thymian und Quendel sind die Blüten. Diese sind beim Quendel ebenfalls filigraner, sitzen aber genau wie beim Echten Thymian am Ende der Blätterzweige. Auffällig ist die Anordnung der trichterförmig mündenden bis zu einem Zentimeter kleinen Blüten, die eine Kugel bestehend aus mehreren Blüten bilden. Die Blütenfarbe des Quendels variiert. Am häufigsten kommen zartrosa bis violette Blüten vor. Die Blütenfarbe kann aber mitunter auch weiß oder ein kräftiges Pink sein. Die Blütezeit ist meist in den Monaten Juni bis Ende September zu erwarten.

Blüten vom Quendel
Quendel bildet meist violette Blüten mit langen Staubbeuteln aus

Nach Bestäubung und Befruchtung des Quendels entwickeln sich aus den Blüten kleine Nussfrüchte. Die Pflanze wird im Übrigen besonders gerne von Bienen heimgesucht und gilt als beliebte Bienenweide.

Aussaat, Anbau und Pflege

Auch wenn der Wilde Thymian einst als Wildpflanze galt, gibt es immer mehr Händler, die vorgezogenen Quendel in Töpfen oder als Samen anbieten.

Standort und Bodenansprüche

Quendel hat nur geringe Ansprüche an den Standort. Am besten wächst der Arzneithymian an einem sonnigen bis vollsonnigen Platz. Perfekt sind sandige und nährstoffarme Böden. Lehmige bzw. dichte Böden sollten mit Sand, Lavasand oder feinem Kies durchmischt und aufgelockert werden. Wichtig ist, dass das Wasser ungehindert abfließen kann und keine Staunässe entsteht.

Aussaat

Quendel lässt sich relativ einfach anbauen. Für die Aussaat auf dem Fensterbrett werden die Samen ab Ende März vorgezogen, auf die Anzuchterde gestreut und vorsichtig festgedrückt. Quendel ist ein Lichtkeimer. Die Keimdauer bis zum Erscheinen der ersten Quendelpflänzchen beträgt meist 14 bis 21 Tage. Sobald die Nachtfröste nach den Eisheiligen Ende Mai vorbei sind, können die Pflänzchen in den Garten gepflanzt oder auf dem Balkon ausgesetzt werden.

Auch eine direkte Aussaat im Freiland ist möglich. Hierzu eignen sich die späten Maitage. Längere Nachtfröste vertragen die Keimlinge meist nicht besonders gut. Beim Anbau sollte ein Pflanzabstand von wenigstens 15 x 15 cm eingehalten werden. In Kräuterspiralen kann der Quendel problemlos an der obersten Stelle angebaut werden. Die Pflanze kann außerdem problemlos in Hochbeeten angepflanzt werden. Dort harmoniert sie hervorragend mit anderen mediterranen Kräutern.

Vermehrung

Quendel lässt sich einfach über Triebe vermehren. Dazu schneidet man junge, kräftige Triebspitzen einer Mutterpflanze ab und steckt sie in Erde.

Bei erfolgreicher Wurzelbildung bzw. wenn die die aus Samen gezogenen Pflanzen angewachsen sind, bildet Quendel schon bald üppige Rasen. Deshalb eignet sich die Thymianart auch zur Begrünung von Dächern oder für den Steingarten.

Dünger

Dünger benötigt Quendel nicht oder nur wenig, genau wie eine weitere Behandlung. Wird der Thymian über mehrere Jahre angepflanzt, reicht etwas Kompost im Folgejahr meist aus.

Gießen

Als angepasster Spezialist für trockene Standorte, braucht der Quendel nicht regelmäßig gegossen werden. Insofern die Erde sehr trocken erscheint, sollte diese jedoch sparsam bewässert werden. Zu hohe Wassermengen sollten vermieden werden, da dies Krankheiten begünstigt.

Zurückschneiden

Normalerweise ein Rückschnitt nicht erforderlich. Lediglich im Frühjahr kann man die Pflanze etwas zurückschneiden, um der Verholzung entgegenzuwirken.

Krankheiten und Schädlinge

Beim Quendel handelt es sich um eine sehr robuste Thymianart, die aufgrund ihrer hohen Gehalte an ätherischen Ölen nur selten von Fressfeinden heimgesucht wird. Ist die Pflanze geschwächt, können in seltenen Fällen Zikaden die Blätter bevölkern. In den meisten Fällen können diese abgebraust werden. Es empfiehlt sich jedoch zu prüfen, ob die Erde nicht eventuell zu nass oder die Pflanzabstände zu gering sind.

Überwintern

Im Winter müssen für den Feldthymian im Gegensatz zu vielen mediterranen Kulturthymianen keine besonderen Vorkehrungen getroffen werden. Quendel ist sehr frosttolerant, was die Vorkommen im frostigen Sibirien auch eindrucksvoll belegen.

Verwendung von Quendel

Der Quendel hat leider nicht die Berühmtheit seines großen Verwandten, dem Thymian. Dennoch kann er für die gleichen Zwecke eingesetzt werden. Als Heilkraut ist er dem Echten Thymian vorzuziehen, da die Art eine höhere Konzentration an ätherischen Ölen hat (daher auch Arznei-Thymian genannt).

Verwendung als Gewürzkraut

Verglichen mit dem Echten Thymian ist der Geschmack von Quendel etwas weniger pikant, dafür jedoch meist etwas schärfer. Der Unterschied der Aromen von Quendel und Echtem Thymian wird besonders deutlich, wenn man an beiden Kräutern riecht. Quendel kann für die gleichen Gerichte und Speisen verwendet werden wie der verwandte Gartenthymian.

Verwendungszwecke von Quendel in der Küche

Quendel passt zu reichhaltigen und deftigen Fleischgerichten ebenso gut wie zu Fisch, Salaten und Kartoffelgerichten. Verwendet werden neben den zarten Blättern auch die Blüten. Die Blätter können sowohl frisch als auch getrocknet verarbeitet werden. Einbußen im Aroma sind nicht zu erwarten.

Soll bei gebratenen Speisen ein dezentes Quendelaroma erzielt werden, empfiehlt es sich ein bis zwei Zweige im Öl mit anbraten zu lassen. So gelangt das Aroma ins Öl und wird vom Fleisch oder Gemüse entsprechend aufgenommen. Das Kraut harmoniert hervorragend mit Bohnenkraut, Oregano oder Ysop.

Verwendung als Heilkraut

Quendel spielte bereits in der Antike und im Mittelalter eine große Rolle. Hildegard von Bingen behandelte mit dem Feldthymian Husten und Erkrankungen der Bronchien sowie verschiedene (nicht näher definierte) Frauenleiden. Im Kräuterbuch von P.A. Matthioli wurde Quendel u.a. bei Bluthusten, zur Entgiftung von Schlangenbissen und Wurmbefall, bei Kopfschmerzen und bei Husten. So steht im Original z.B.:

  • “Der Geruch des Quendels thut dem Hirn wol“
  • Quendel mit Süßholz oder Honig / Anis und Wein gesotten / reinigt die Brust von dem zähen Husten / und stillt den kalten Harn

Hieronymus Bock erwähnte in seinem Kräuterbuch (1560) zudem die Behandlung von Lungen-, Leber- und Milzleiden sowie für die Stärkung des Magens. Angewendet wurde der Quendel in Form von Quendelessig, in Wein gesotten, in Verbindung mit Honig oder als Tee.

Quendel im Kräuterbuch
Arzneithymian (Quendel) im Kräuterbuch von P. A. Matthioli

Quendel tritt zugunsten des höheren Anteils an Thymol, einem Bestandteil des ätherischen Öls der Thymiane, im Echten Thymian zurück. Thymol wurde eine antibakterielle und desinfizierende Wirkung nachgewiesen, die vor allem in der unterstützenden Behandlung von Erkältungskrankheiten genutzt wird. Desweiteren ist Quendel reich an Gerbstoffen und Bitterstoffen, die vor allem für den Fettstoffwechsel unterstützen und somit Verdauungsbeschwerden lindern können.

Wirkung von Quendel
  • antibakteriell
  • auswurffördernd
  • entzündungshemmend
  • krampflösend
  • leicht schmerzlindernd
  • leicht verdauungsfördernd

Der Quendel findet demnach Anwendung bei folgenden Erkrankungen:

  • Erkältungsbeschwerden und grippalen Infekten
  • Bronchitis
  • leichteren Magen- und Darmerkrankungen
  • Sodbrennen
  • Reizhusten
  • Blähungen
  • Rheuma

Der Feldthymian kann verschieden dargereicht werden. Quendel wird häufig bei Erkältungskrankheiten als Zutat in Reizhustentees verwendet. Für einen Quendeltee genügt es, etwa 2 Teelöffel voll Quendelkraut mit 250 ml Wasser zu übergießen und für 8 bis 10 Minuten ziehen zu lassen. Pro Tag sollten nicht mehr als 2 bis 3 Tassen getrunken werden. Beste Ergebnisse lassen sich erzielen, wenn der Quendeltee ungesüßt getrunken wird.

Darreichungsformen von Quendel
  • Quendeltee
  • als Sirup
  • Quendeltropfen
  • Inhalationsbad bzw. Dampfbäder mit Quendelöl

Quendel kaufen - Was gibt es zu beachten?

Quendel ist im Handel eher selten anzutreffen. Frische Pflanzen finden sich gelegentlich in größeren Pflanzencentern sowie bei einigen Onlinehändlern. Die Pflanzen sollten robust sein und frei von Schädlingen. Achten Sie auf kleine weiße Punkte oder braune Blattstellen. Auch sollte die Erde in Töpfen nicht feucht sein, da die Pflanze sonst Gefahr läuft, Wurzelschäden davon zu tragen. Neben frischen Pflanzen bieten einige größere Hersteller von Saatgut mittlerweile auch Quendelsamen an, so dass sich die Pflanzen auch zuhause oder im Garten kultivieren lassen. Meist sind Pflanzen und Samen etwas teurer als der echte Thymian.

Getrocknetes Quendelkraut gibt es in vielen Kräuterläden sowie auf einigen Online-Marktplätzen. In Supermärkten ist es praktisch nicht anzutreffen, da für die Würzung von Speisen meist der echte Thymian verwendet wird. Quendelkraut ist jedoch preiswert zu erhalten. Die Kräuter sollten aromatisch duften und aromadicht verschlossen werden.

Hinweis zu medizinischen Inhalten:
Die hier vorgestellten Inhalte geben lediglich einen Überblick über die medizinische Nutzung. Sie stellen keine Empfehlung zur Anwendung dar. Bitte suchen Sie daher immer das Gespräch mit einem Arzt oder Apotheker.
         
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Bewertung positiv Bewertung negativ
Unsere aktuelle Kräuterbuch-Empfehlung

Heilkräuterbuch zum Nachschlagen von Apotheker M. Pahlow Das große Buch der Heilpflanzen: Gesund durch die Heilkräfte der Natur
Eines der besten Übersichtswerke über Heilpflanzen und deren Anwendungen. Auf über 500 Seiten werden mehr als 400 einheimische und fremdländische Heilpflanzen erklärt.

Details zum Buch
angeboten bei Amazon


Weitere Gewürz- und Heilkräuter aus unserem Lexikon:

Beliebte Gewürzkräuter
Bärlauch
Bärlauch im Kräuterlexikon

Das pikante Gewürzkraut ist im Frühjahr ein beliebtes Gewürzkraut für Pestos und Quarkgerichte


Liebstöckel
Liebstöckel im Kräuterlexikon

Die auch als Maggikraut bekannte Pflanze wird vor allem für Suppen und Eintöpfe verwendet.


Oregano
Oregano im Kräuterlexikon

Die bekannteste Dostart mit seinem markenten Aroma ist unverzichtbar in der mediterranen Küche.


 
Asiatische Heil- und Gewürzkräuter
Brahmi
Brahmi im Kräuterlexikon

Die Inhaltsstoffe des Brahmis können die Gedächtnisleistung signifikant steigern und Schlafbeschwerden lindern.


Jiaogulan
Jiaogulan im Kräuterlexikon

Als Kraut der Unsterblichkeit kann der Jiaogulan womöglich Erschöpfungen lindern und den Kreislauf stärken


Vietnamesischer Koriander
Vietnamesischer Koriander im Kräuterlexion

Der aus Südostasien stammende vietnamesische Koriander ist ein hervorragendes Gewürzkraut.