Karde

Dipsacus fullonum

Foto der Karde Die Wilde Karde ist nicht nur für Hobbygärtner eine hübsch anzusehende Pflanze. Vor allem in den Wurzeln und Blättern der Karde stecken zahlreiche Inhaltsstoffe, die in der Volksheilkunde sowie bei naturheilkundlichen Verfahren angewendet werden. Von besonderem Interesse ist dabei die Kardenwurzel, die u.a. bei Hautkrankheiten, Gelbsucht, Magen- und Darmbeschwerden und sogar bei Borreliose eingesetzt wird.

Steckbrief von Wilde Karde
Botanischer NameDipsacus fullonum
PflanzenfamilieKardengewächse
Weitere NamenKardendistel, Kardenwurzel, Wald-Karde, Weberdistel, Kratzkopf
Aussaatzeit / PflanzzeitMärz-April
BlütezeitJuni-September
ErntezeitMai-Juni
Standortsonnig bis halbschattig; lehmige, kalkreiche und leicht feuchte Böden
Verwendung als HeilkrautBorreliose, Hautbeschwerden, Fisteln, Rheuma, Gelenkschmerzen, Gallenbeschwerden
Verwendung als GewürzkrautLiköre, Wurzelpulver als Beimengung zu Backwaren

Inhaltsverzeichnis

Pflanzenmerkmale und Systematik der Wilden Karde

Herkunft und Vorkommen der Wilden Karde

Die Wilde Karde kommt vermutlich ursprünglich aus dem mediterranen Raum und hat sich über einen Zeitraum von mehreren hundert Jahren ohne Zutun des Menschen im mitteleuropäischen Raum verbreitet. Heute ist sie u.a. in der Türkei, in einigen Ländern Nordafrikas, auf den Kanaren sowie in vielen mittel- und südeuopäischen Ländern zu finden.

Die Pflanze wird häufig auf lehmigen Brachflächen, aufgegebenen landwirtschaftlichen Flächen sowie auf Ufern und Wegen gefunden. Da sie lehmige Standorte bevorzugt, gilt sie auch als Zeigerpflanze für Lehmböden. Sie ist vorwiegend im Flachland sowie im hügeligen Land bis 800 Meter anzutreffen.

Systematik von Dipsacus fullonum

Die Wilde Karde gehört heute zur Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae) und ist verwandt mit bekannten Pflanzen wie dem Baldrian oder dem Wohlriechenden Geißblatt. Vor 2012 wurde die Karde noch in eine eigene Familie (Kardengewächse) einsortiert. Diese bildet heute eine Unterfamilie innerhalb der Pflanzenfamilie der Geißblattgewächse.

Die Gattung (Dipsacus) umfasst ungefähr 20 verschiedene Arten, wobei neben der hier beschriebenen Wilden Karde (Dipsacus fullonum) auch die Weber-Karde (Dipsacus sativus) sowie die Behaarte Karde (Dipsacus pilosus) bekannt sind. Die Weber-Karde wird ab und an noch zur Herstellung von Naturstoffen (z.B. Filz) eingesetzt, wohingegen die Behaarte Karde gelegentlich als Zierpflanze in Gärten zu bestaunen ist.

Weitere Namen der Wilden Karde sind Wald-Karde, Kardendistel oder Kardenwurzel.

Wilde Karde erkennen und bestimmen - Merkmale

Die Wilde Karde ist eine zweijährige und typisch krautige Pflanze, die Wuchshöhen zwischen 110 und 200 Zentimetern erreichen kann. Die Pflanze ähnelt aufgrund ihrer stachligen Blütenstände der Distel. Ebenso auffällig sind die großen Kardenwurzeln, die eine gelblich-weiße Farbe aufweisen. Die Wurzeln selbst werden selten größer als 40 Zentimeter und haben mehrere seitliche Ausläufer.

Blüte der Wilden Karde
Darstellung einer Wilden Karde zur Bestimmung der einzelnen Pflanzenteile (Zeichnung)

Blätter und Stängel

Im ersten Jahr bildet die Wilde Karde eine Blattrosette aus. In diesem Jahr werden wichtige Nährstoffreserven ausgebildet, die die Pflanze für die Wachstumsphase im zweiten Jahr dringend benötigt. Die Blätter der Rosette sind filigran gezähnt und haben eine lanzettliche Form. Die Blätter, die dem Stängel entspringen, wachsen paarweise zusammen und weisen im Gegensatz zu den Grundblättern eine deutliche Kerbung auf.

Blüten

Besonders auffällig ist die Karde bei der Ausbildung ihrer Blüten. Die Blütezeit findet in der Regel zwischen Mitte Juni und Anfang September statt. Dann bildet die Karde weißliche bis violette Blütenblatter aus, die in einem bis zu 10 cm großen, eiförmig und länglichen Blütenkopf (Blütenstand) sitzen. Dieser Blütenstand hat eine Vielzahl an stacheligen und borstigen Hüllblätter, die an die distelähnliche Form erinnern.

Wilde Kardenblüte
Die Blüte einer Wilden Karde

Früchte und Samen

Zur Fruchtreife bilden sich die Blüten zum Fruchstand um. An diesem Fruchtstand entstehen dunkle Nussfrüchte, von der jede Nuss nur einen Samen enthält. Im Übrigen kann eine einzelne Pflanze bis zu 2000 Samen produzieren. Karden sind beliebte Pflanzen für Insekten, allen voran für Hummeln, Bienen und Schmetterlinge.

Fruchtstand der Wilden Karde
Fruchtstand einer Wilden Karde

Karde - Anbau, Aussaat und Pflege

Die Karde ist verhältnismäßig einfach anzubauen, wenngleich unbedingt die Standortvorlieben der Pflanze beachtet werden sollten.

Standort und Boden

Die Karde bevorzugt sonnige Standorte, toleriert jedoch auch halbschattige Standorte. Der Boden sollte einen hohen Lehmanteil aufweisen und stets mäßig feucht gehalten werden. Auf Böden mit höheren Sandanteilen wird der Erfolg in der Regel ausbleiben. Das Kraut ist kalkliebend, so dass bei kalkarmen Standorten zusätzliche Gaben von Gartenkalk eingebracht werden sollten.

Aussaat

Die Aussaat der Wilden Karde erfolgt im Frühjahr von Ende März bis Mitte April. Optional kann auch im Frühherbst ausgesät werden. Die Samen sollten direkt im Freiland ausgesät werden, da eine Kultur auf dem Balkon schwierig und kaum zu empfehlen ist. Im Beet sollte zwischen den einzelnen Pflanzen ein Abstand von 35 bis 40 cm eingehalten werden. Die Keimdauer kann unter Umständen bis zu 30 Tagen betragen.

Wer es in seinem Garten etwas wilder mag und Insekten etwas gutes tun möchte, kann auch über das Anlegen einer Wildkräuterwiese nachdenken. Insofern der Boden nicht zu sandig ist und gut Feuchtigkeit speichert, sollte die Wilde Karde unbedingt berücksichtigen. Sie ist ein Magnet für Insekten und gibt auch im Spätherbst vielen Vögeln wertvolles Futter.

Gießen

An die Wasserversorgung haben Karden recht hohe Ansprüche. Die Böden sollten nach Möglichkeit niemals vollständig austrocknen. An sehr heißen Tagen sollte unter Umständen zweimal gegossen werden. Der Boden in 10 bis 20 Zentimetern Tiefe sollte nach Möglichkeit immer leicht bis mäßig feucht sein.

Düngen

Im ersten Jahr, wenn sie ihre Rosettenblätter ausbildet, bedarf es keiner zusätzlichen Düngung. Im Folgejahr genügt es meist, etwas organischen Langzeitdünger oder hochwertigen Kompost in die Erde einzuarbeiten.

Pflege

Bei guten Standortbedingungen benötigt die Karde nur wenig zusätzliche Pflege. Wichtigster Punkt ist eine kontinuierliche Wasserversorgung. Im zweiten Jahr, nachdem die Karde geblüht hat, stirbt sie ab.

Krankheiten und Schädlinge

Die Karde ist eine sehr robuste Pflanze, die selten von Schädlingen befallen wird. Typische Krankheiten kommen eher selten vor. Gelegentlich werden jüngere Pflanzen von der Großen Rosenblattlaus befallen. Diese Blattlausart ist relativ hartnäckig und lässt sich mit den meisten Insektiziden nicht bekämpfen. Einen guten Erfolg versprechen jedoch Marienkäfer oder Marienkäferlarven, die den Befall eindämmen..

Überwinterung

Die Wilde Karde ist als einheimisches Wildkraut sehr frosttolerant, verträgt Temperaturen von bis zu -35 °C und gilt als ausgesprochen winterfest. Überwinterungsmaßnahmen müssen somit nicht getroffen werden.

Verwendung der Wilden Karde

Die Karde in der Küche

Für die Verwendung von Speisen und Gerichten ist die Wilde Karde nur von geringer Bedeutung. Gelegentlich wird die Kardenwurzel zur Herstellung von Likören verwendet. Auch gibt es einige Rezepte, bei denen Kardenpulver in Backwaren wie Brot, Kuchen und Kekse eingearbeitet wird. Dort dient es allerdings meist nicht der geschmacklichen Verfeinerung, sondern zur begleitenden Therapie bestimmter chronischer Erkrankungen wie z.B. Borreliose.

Die Karde als Heilkraut

Die Kardendistel war bereits im Altertum sowie im Mittelalter ein bekanntes und häufig verwendetes Heilkraut gegen eine Vielzahl von Erkrankungen. Verwendung fanden hierbei sowie Kardenblätter als auch die Kardenwurzel. Im Kräuterbuch von P. A. Matthioli wurden Kardenblätter zusammen mit Essig auf den Bauch gelegt, um Durchfälle zu behandeln. Außerdem wurde es bei Gelbsucht ( Es heylet und vertreibet auch alle gelbe / braune Flecken unter den Augen) und bei Mundfäule verwendet.

Karde im Kräuterbuch
Beschreibung der Wilden Karde im Kräuterbuch von Matthioli

Heute werden Kardenblätter und Kardenwurzeln sowohl bei inneren als auch äußeren Beschwerden verwendet. Hauptsächliche Anwendungsbereiche sind Erkrankungen und Beschwerden der Verdauungsorgane, Wundheilung sowie diverse Hautkrankheiten. Im Speziellen werden folgende Beschwerden naturheilkundlich mit Wilder Karde behandelt oder deren Symptome gelindert:

  • kleinere Wunden
  • Warzen
  • Gerstenkörner
  • Fisteln
  • Hautflechten
  • kleinere Hautgeschwüre
  • Dermatosen
  • Gelbsucht
  • kleinere Leberbeschwerden
  • Magenschwäche
  • Gallenbeschwerden
  • allgemeine Verdauungsstörungen
  • Reizmagen
  • Rheuma
  • Gelenkschmerzen
  • Borreliose

Viele der Krankheiten und Beschwerden, für die die Karde in der Volksmedizin von Bedeutung waren, sind wissenschaftlich nicht ausreichend untersucht worden. Nachvollziehbar ist es jedoch, dass die Wilde Karde aufgrund ihrer Inhaltsstoffe - allen voran Saponine, Glykoside und Kaffeesäure - entzündungshemmende, harntreibende, schweißtreibende und antioxidative Eigenschaften aufweist [1].

Eine besondere Bedeutung erfährt die Wilde Karde in der naturheilkundlichen Behandlung von Borreliose. Zur Anwendung kommen hier meist Tinkturen aus der Kardenwurzel. In der Regel werden 3 mal täglich zwischen 20 und 30 Tropfen über einen Zeitraum von bis zu vier Wochen eingenommen. Der Zeitraum der Behandlung beträgt etwa ein Jahr, wobei dazwischen immer wieder Pausen einzuhalten sind. Einige Studien konnten unter bestimmten Umständen tatsächlich eine Wachstumshemmung der Bakterienart Borrelia burgdorferi unter Laborbedingungen beobachten [1, 2].

Nebenwirkungen: Bei sachgemäßer Anwendung sind derzeit keine Nebenwirkungen bekannt. Unter Umständen kann ein leichter Juckreiz bei längerer Einnahme beobachtet werden, der in der Regel jedoch kein ernsthaftes Problem darstellt.

Ökologie

In der Natur ist die Dipsacus fullonum eine sehr wertvolle Insektenpflanze, die eine große Anziehung auf Insekten wie Wildbienen (darunter Hummeln), Tagfalter und Schwebfliegen ausübt. Die vielen kleinen Blüten enthalten hohe Anteile von Nektar, an die die Insekten leicht gelangen.

Die Wilde Karde ist eine Feuchtigkeits- und Frischeanzeiger sowie eine Zeigerpflanze für nährstoffreiche und kalkreiche Standorte. Sie stellt an ihren Standort einige Ansprüche, weswegen die Bestände in den letzten Jahren auch mehr und mehr zurückgehen. Hintergrund ist, dass viele geeignete Kardenflächen oftmals Bau- oder Ackerflächen weichen.

Dort wo sie wächst, ist sie oftmals mit Beifuß, Disteln, Kratzdisteln und Leinkraut vergesellschaftet.

Kardenblätter und Kardenwurzel kaufen - Was ist zu beachten?

Die Karde ist ein recht beliebtes Naturheilmittel und ist folglich auch im Fachkräuterhandel sowie vereinzelt in Reformhäusern anzutreffen. Kardenwurzel gibt als geschnittenes Produkt sowie als fertige Tinkturen oder Essenzen. Kardenblätter sind hingegen etwas seltener und meist nur in speziellen Onlineshops oder auf Nachfrage in der Apotheke zu erhalten.

Beim Kauf von Tinkturen und Essenzen ist im Grunde das Mindesthaltbarkeitsdatum zu beachten. In der Regel können die Produkte zwei Jahre nach Abfüllung gelagert werden. Wer Tinkturen aus Kardenwurzeln verwendet, sollte die Flüssigkeiten vor direktem Sonnenlicht und zu hohen Zimmertemperaturen schützen (dunkel und kühl lagern!).

Frische Pflanzen gibt es nur selten zu kaufen. In einigen ausgewählten Pflanzenfachcentern oder im Versandhandel können allerdings Kardensamen gekauft werden. Hier sollte immer auf den botanischen Namen geachtet werden, da es mehr als 20 verschiedenen Kardenarten gibt.

Es empfiehlt sich immer, Schmerzen oder Krankheiten, die nach Anwendung nicht besser werden, von einem Arzt untersuchen zu lassen. Unerfahrene Anwender sollten bei mittleren und schweren Beschwerden vor einer Behandlung einen Arzt oder Apotheker konsultieren.

Literaturhinweise und verwendete Quellen

  1. Mundt. S. (2022): Dipsacus fullonum L. – die Wilde Karde. In: Zeitschrift für Phytotherapie, Vol. 43, S. 43-48, DOI: 10.1055/a-1406-4335
  2. Liebold, T., Straubinger, R.K., Rauwald, H.W. (2011): „Growth inhibiting activity of lipophilic extracts from Dipsacus sylvestris Huds. Roots against Borrelia burgdorferi s. s. in vitro“. In: Pharmazie, Vol. 66, S. 628-630. DOI: 10.1691/ph.2011.0887
  3. Niehoff, T. (2020):
    Hinweis zu medizinischen Inhalten:
    Die hier vorgestellten Inhalte geben lediglich einen Überblick über die medizinische Nutzung. Sie stellen keine Empfehlung zur Anwendung dar. Bitte suchen Sie daher immer das Gespräch mit einem Arzt oder Apotheker.

         

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