Logo Kräuterbuch

Frauenmantel

Alchemilla vulgaris

Foto vom FrauenmantelDer Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) ist eine in der Naturheilkunde sehr bekannt Pflanze, die bereits seit dem Mittelalter eine große Rolle spielt. Als Heilpflanze wird die auch Liebfrauenmantel bezeichnete Art vor allem bei Frauenbeschwerden und leichteren Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts verwendet. In der freien Natur kann der Frauenmantel mit seinen gesägten und nierenförmigen Blättern an feuchten Wiesen und Bachläufen gefunden werden. Eine schöne Besonderheit sind die Tautropfen, die an der Oberfläche der Frauenmantelblätter zu beobachten sind.

Steckbrief von Frauenmantel
Botanischer NameAlchemilla xanthochlora
PflanzenfamilieRosengewächse
Weitere NamenLiebfrauenmantel, Sinau, Allerfrauenheil, Mutterkraut
Aussaatzeit / PflanzzeitOktober-Januar
BlütezeitMai-August
ErntezeitApril-August
Standortsonnig bis halbschattig; feuchte und nährstoffreiche Böden
Verwendung als HeilkrautMagen-Darm-Beschwerden, Menstruationsstörungen, Blutreinigung, Wundheilung, Aphthen
Verwendung als GewürzkrautWildkräutersalaten, Wildkräutersuppen

 Inhaltsverzeichnis

Pflanzenmerkmale und Systematik des Frauenmantels

Herkunft und Vorkommen des Frauenmantels

Der Frauenmantel kommt ursprünglich aus Osteuropa und Asien. Heute ist die Pflanze wild in vielen Ländern Westeuropas, darunter Frankreich, Großbritannien, Griechenland und auch in Deutschland verbreitet.

In der Natur wird er häufig an feuchten Wiesen oder in Hanglage gefunden, wobei sowohl sonnige als auch halbschattige Lagen toleriert werden. Größere Wildbestände der Pflanze können vorwiegend in Gebirgslagen, seltener in flacheren Lagen gefunden werden. In den letzten Jahren wird der Frauenmantel auch häufiger als Zierpflanze an öffentlichen Plätzen oder in Blumenrabatten angebaut.

Systematik von Alchemilla vulgaris

Der Gemeine Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae) und ist mit anderen Kräutern wie Mädesüß, Odermennig oder Weißdorn direkt verwandt. Pflanzensystematiker haben die Gattung des Frauenmantels (Alchemilla) in sieben generelle Sektionen eingeteilt. Zudem existieren 13 Sektionen, um allein die europäischen Sippen zu beschreiben. Da die einzelnen Frauenmantelarten teils sehr unterschiedlich aufgebaut sind, musste diese Einteilung von Pflanzensystematikern vorgenommen werden. Der Gelbgrüne sowie der Gemeine Frauenmantel sind der Sektion Alchemilla zugehörig.

Neben dem Gemeinen Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) sind in Mitteleuropa noch die folgenden Arten von Bedeutung:

  • Weicher Frauenmantel (Alchemilla mollis)
  • Gelbgrüner Frauenmantel (Alchemilla xanthochlora)
  • Alpen-Frauenmantel (Alchemilla alpestris)

In der Botanik wird der Gemeine Frauenmantel häufig auch als Spitzlappiger Frauenmanteil bezeichnet.

Merkmale des Frauenmantels

Der Frauenmantel ist eine mehrjährige bzw. ausdauernde krautige Pflanze. Sie erreicht Wuchshöhen zwischen 40 und 50 cm. Die Pflanze bildet einen kriechenden, verholzten und recht dunklen, teils schwarzen Wurzelstock aus.

Ein besonderes Merkmal sind die kleinen, glasklaren Tropfen, die aus den Blättern heraus transpiriert werden. Diese Tropfen werden als Guttationstropfen bezeichnet, wodurch sich im Übrigen auch der Name Alchemilla ableitet. Die Wissenschaftler im Mittelalter waren erstaunt über das natürliche Destillat und bezeichneten den Frauenmantel daher auch als Alchemistenkraut.

Ein weiteres besonderes Merkmal des Frauenmantels sind seine ründlich, teils nierenförmigen und gelappten Blätter. Die Blätter sind auf der Unterseite leicht behaart und meist zwischen 5 und 15 cm breit. Die Frauenmantelblätter sind an den ebenfalls leicht behaarten Stielen befestigt, die meist eine flache Innenseite aufweisen. Der Stängel ist meist von hellgrüner Farbe, eher ründlich und aufrecht wachsend.

Blatt vom Frauenmantel
Die typisch gelappten Frauenmantelblätter tragen oft Verdunstungstropfen auf der Blattoberfläche

Die Blüten des Frauenmantels sind, wie der Name bereits andeutet, gelblich grün und in recht dichten Blütenständen angeordnet. Die einzelnen Stände enthalten wiederum mehrere lockere Blütenrispen. Die einzelnen Frauenmantelblüten sind nur wenige Millimeter breit und selten behaart. Die Blütezeit des Frauenmantels ist zwischen Mai und August zu erwarten.

Blüte vom Frauenmantel (Alchemilla xanthochlora)
Die kleinen, gelbgrünen Blüten sind charakteristisch für den Frauenmantel (Alchemilla xanthochlora)

Ab September ist die Fruchtreife zu erwarten. Dort bilden sich aus den Blüten kleine unscheinbare Nussfrüchte aus. Jede einzelne Frucht besitzt einen kleinen Kelch mit Pappus, der vor allem der Ausbreitung durch vorbeistreifende Tiere dient.

Frauenmantel - Aussaat und Pflege

Der Frauenmantel gilt aufgrund seiner untypischen Blattform auch als beliebte Zierpflanze. Zudem wird das Kraut auch mitunter als Heilpflanze im eigenen Garten angebaut. Der Anbau von Frauenmantel ist verhältnismäßig einfach, wenn die wesentlichen Grundlagen zur Pflege und Nährstoffversorgung eingehalten werden.

Standort: Das Kraut benötigt sonnige bis halbschattige Standorte und eher feuchte und nährstoffreiche Böden. Die Böden sollten zudem durchlässig sein. Bei sehr lehmhaltigen Böden wird empfohlen, die Erde mit etwas Quarzsand oder Lavagranulat zu lockern.

Anbau von Frauenmantel
Frauenmantelpflanzen auf einem Beet

Aussaat: Beim Aussäen von Frauenmantel ist darauf zu achten, dass die Samen Frostkeimer sind und entsprechend Kälte zur Keimung benötigen. Im Freiland kann mit der Aussaat bereits zwischen Oktober und Januar begonnen werden. Die Keimtemperatur beträgt ca. 14 °C. Empfohlen wird, die Samen in einer Schale an einem geschützten Platz einzuarbeiten. Die Schale darf nicht austrocknen. Auf eine regelmäßige Feuchtigkeit muss bei der Anzucht strikt geachtet werden. Im Frühjahr können die kleinen Pflänzchen dann an den gewünschten Ort pikiert werden. Pro laufender Meter sollten nicht mehr als fünf Pflanzen eingebracht werden. Ein Anbau auf dem Balkon ist grundsätzlich möglich. Allerdings sollten für Kübelkulturen eher weite Töpfe bzw. Pflanzgefäße gewählt werden, da die Pflanze über die Zeit einen kriechenden Wurzelstock entwickelt.

Vermehrung: Der Frauenmantel lässt sich sowohl gut per Samen anziehen, als auch per Teilung vermehren. Wer wilden Frauenmantel in seiner Umgebung hat, kann auch einige wenige Pflanzen direkt entnehmen und in den Garten einpflanzen. Die Pflanzen säen sich ziemlich schnell selbst aus und neigen bei nicht sachgerechter Pflege sogar zum Überwuchern. Die Pflanzen können auch durch Teilung vermehrt werden. Die Teilung sollte allerdings bevorzugt in den Monaten Dezember und Januar vorgenommen werden. Die Sommermonate sollten vermieden werden, da die Pflanze sonst unkontrolliert wachsen kann, insofern die Pflanze Samen trägt oder nicht ordentlich entsorgt wird.

Düngen: Beim Umsetzen der kleinen Kräuter sollte ein bereits leicht vorgedüngter Standort gewählt werden. Um den Frauenmantel optimal mit Nährstoffen zu versorgen, eignen sich Kompost oder pelletierter Rindermist. Nach der Erntezeit sowie im Spätherbst sollte der Boden ebenfalls noch mal gedüngt werden, da Alchemilla zu den eher nährstoffzehrenden Kräutern gehört.

Schädlinge und Krankheiten: Frauenmantel gilt als sehr widerstandsfähige Pflanze, die nur selten von Schädlingen heimgesucht wird. Bei übermäßiger Wasserversorgung, die zur Staunässe tendiert, kann Wurzelfäule auftreten. Zu üppiges Gießen sowie zu geringe Pflanzabstände können unter Umständen auch Falschen und Echten Mehltau begünstigen.

Ernte: Für den Hausgebrauch können zur Blütezeit sowohl die Blätter als auch Blüten geerntet werden. Als Wintervorrat können die Blätter getrocknet werden.

Pflege: Frauenmantelkraut ist in der Regel recht pflegeleicht. Die Pflanze sollte jedoch nach der Blüte, meist gegen August, kräftig zurückgeschnitten werden.

Verwendung von Frauenmantel

Frauenmantel wird meist bevorzugt als Heilkraut eingesetzt und findet nur selten in der Küche als Würzkraut Anwendung.

Frauenmantel als Küchenkraut

Frauenmantel hat einen leicht bitteren, säuerlichen aber dennoch angenehmen Geschmack. In der Küche wird das Kraut dennoch nur sehr selten verwendet. Ab und an werden Frauenmantelblätter in Wildkräutersalaten oder Wildkräutersuppen verwendet. Für Suppen und Salaten sollten stets nur die frischen Blätter verwendet werden. Trockene Blätter haben ein sehr strenges Aroma und schmecken leicht anders. Am besten eignen sich für den Verzehr die jungen Blätter in den Frühjahrsmonaten.

Das Kraut wird außerdem manchmal für Erfrischungsgetränke genutzt. Obstfrüchte wie Äpfel, Birnen oder Kirschen können mit kaltem Frauenmantelwasser vermischt werden. Dabei wird Frauenmantelkraut zunächst gekocht und anschließend gekühlt.

Der Verzehr größerer Mengen an Frauenmantel kann aufgrund der hohen Anteile an Gerbstoffen unter Umständen zu Übelkeit führen. Dies trifft vor allem bei Menschen zu, die einen empfindlichen Magen haben.

Frauenmantel als Heilkraut

In der heutigen Naturheilkunde wird der Frauenmantel vor allem bei Magen- und Darmbeschwerden sowie bei einigen Frauenbeschwerden verwendet. Die verwendeten Pflanzenteile beschränken sich auf das Kraut und den Blüten. Die Wurzel hingegen findet heute keine Verwedung mehr.

Bereits im frühen Mittelalter zählte der Frauenmantel zu einer sehr geschätzten Heilpflanze. Die Anwendungsgebiete des berühmten Heilkrauts erstrecken sich von Magen-Darm-Beschwerden über Frauenbeschwerden bis hin zu äußeren Anwendungen. Auch für kosmetische und pflegende Anwendungen werden die Blätter der Pflanze gelegentlich verwendet. Hier kommt das Kraut meistens als Badezusatz oder vereinzelt auch als Creme zum Einsatz.

Das Kraut war auch Hildegard von Bingen wohlbekannt, die es vorzugsweise bei typischen Frauenleiden einsetzte. Paracelsus hat es für die Wundheilung und gegen Entzündungen eingesetzt. Die entzündungshemmende Wirkung wird im Übrigen auf die hohen Anteile von Gerbstoffen in der Pflanze zurückgeführt.

In vielen älteren Kräuterbüchern des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit wird der Frauenmantel meist als Sinau oder Sinnaw bezeichnet. Ob es sich dabei um den heute häufigeren verwendeten Gelbgrünen Frauenmantel (Alchemilla xanthochlora) oder dem Spitzlappigen Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) handel, kann nicht eindeutig geklärt werden.

Im Kräuterbuch von P.A. Matthioli wurde der Frauenmantel vor allem als Heilpflanze zur Wundheilung eingesetzt. Auch gegen Epilepsi (Fallsucht) fand das Kraut scheinbar Verwendung.Genutzt wurden sowohl die Blätter als auch die Wurzel des Krauts, die meist zu Salben, Pflaster oder Tinkturen verarbeitet wurden.

Darstellung des Frauenmantels im alten Heilpflanzenbuch
Beschreibung des Frauenmantels im Kräuterbuch von P. A. Mattioli

Sowohl der Gelbgrüne als auch der Spitzlappige Frauenmantel haben zahlreiche heilkundlich interessante Inhaltsstoffe. Hauptsächlich bildet die Heilpflanze Gerbstoffe, Flavonoide und Bitterstoffe aus. Besonders hoch ist mit ca. 6 bis 8 Prozent der Gerbstoffgehalt in den Blättern der Pflanze. Die Gesamtheit der enthaltenen Wirkstoffe zeigt vor allem die folgenden Heilwirkungen:

  • verdauungsfördernd
  • entzündungshemmend
  • krampflösend
  • blutreinigend
  • aquaretisch (wassertreibend)
  • schmerzstillend
  • antibakteriell
  • antioxidativ
  • adstringierend (zusammenziehend)

In der heutigen Volksmedizin und Naturheilkunde wird der Frauenmantel u.a. für folgende Beschwerden und Krankheiten verwendet:

Gegen Frauenleiden wie Menstruationsschmerzen und PMS wird Frauenmantel meist als Tee eingesetzt, um Beschwerden zu lindern. Dabei lässt sich sowohl das getrocknete Kraut als auch ein Mix weiterer Heilkräuter verwenden. Für die Mischung eigener Kräutertees können z.B. neben Frauenmantel noch Schafgarbe, Zitronenmelisse und Johanniskraut genutzt werden. Die Kräuter sollten hier im Verhältnis 2:1:1:1 aufgeteilt werden. Es empfiehlt sich Frauenmantelkraut oder den Kräutermix etwa 10 Minuten ziehen zu lassen und abzudecken. Mehr als zwei bis drei Tassen täglich sollten täglich nicht getrunken werden.

Weitere Anwendung findet das Frauenmantelkraut in Gurgellösungen. Die entzündungshemmende Wirkung soll leichte Mundbeschwerden, wie z.B. Aphten verträglicher machen.

Nebenwirkungen und Hinweis: Frauen, die sich in der Schwangerschaft befinden, sollten auf Frauenmantelkraut gänzlich verzichten. Da das Kraut krampflösend wirkt, könnte es zu Komplikationen mit der Gebärmutter (Frauenmantel stimuliert die Gebärmutter!) kommen.

Frauenmantel kaufen - Was gibt es zu beachten?

Frauenmantel gibt es meist als getrocknetes Kraut oder als fertige Teemischung zu kaufen. Die Preise sind meist etwas höher als andere Kräuter, da der Frauenmantel verhältnismäßig weniger angebaut werden, als die großen Heilkräuter. Kilopreise bis zu 40 EUR sind dabei keine Seltenheit. Beim Kauf sollte darauf geachtet werden, dass die Kräuter nicht zu alt sind und aromaversiegelt verpackt sind.

Fertige Pflanzen gibt es meist selten zu kaufen. Der Gelbgrüne Frauenmantel sowie der Spitzlappige Frauenmantel, die auch für die meisten therapeutischen Anwendungen verwendet werden, finden sich oft bei einigen spezialisierten Kräuterhändlern sowie ab und an auf Pflanzenmärkten. Mit etwas Glück lassen sich die Samen der Art Alchemilla xanthochlora erwerben.

Hinweis zu medizinischen Inhalten:
Die hier vorgestellten Inhalte geben lediglich einen Überblick über die medizinische Nutzung. Sie stellen keine Empfehlung zur Anwendung dar. Bitte suchen Sie daher immer das Gespräch mit einem Arzt oder Apotheker.
         
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Bewertung positiv Bewertung negativ
Unsere aktuelle Kräuterbuch-Empfehlung

Heilkräuterbuch zum Nachschlagen von Apotheker M. Pahlow Das große Buch der Heilpflanzen: Gesund durch die Heilkräfte der Natur
Eines der besten Übersichtswerke über Heilpflanzen und deren Anwendungen. Auf über 500 Seiten werden mehr als 400 einheimische und fremdländische Heilpflanzen erklärt.

Details zum Buch
angeboten bei Amazon


Weitere Gewürz- und Heilkräuter aus unserem Lexikon:

Beliebte Gewürzkräuter
Bärlauch
Bärlauch im Kräuterlexikon

Das pikante Gewürzkraut ist im Frühjahr ein beliebtes Gewürzkraut für Pestos und Quarkgerichte


Liebstöckel
Liebstöckel im Kräuterlexikon

Die auch als Maggikraut bekannte Pflanze wird vor allem für Suppen und Eintöpfe verwendet.


Oregano
Oregano im Kräuterlexikon

Die bekannteste Dostart mit seinem markenten Aroma ist unverzichtbar in der mediterranen Küche.


 
Asiatische Heil- und Gewürzkräuter
Brahmi
Brahmi im Kräuterlexikon

Die Inhaltsstoffe des Brahmis können die Gedächtnisleistung signifikant steigern und Schlafbeschwerden lindern.


Jiaogulan
Jiaogulan im Kräuterlexikon

Als Kraut der Unsterblichkeit kann der Jiaogulan womöglich Erschöpfungen lindern und den Kreislauf stärken


Vietnamesischer Koriander
Vietnamesischer Koriander im Kräuterlexion

Der aus Südostasien stammende vietnamesische Koriander ist ein hervorragendes Gewürzkraut.