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Natternkopf

Echium vulgare

Foto vom Natternkopf

Der Gewöhnliche Natternkopf (Echium vulgare mit seinen schönen blauen Blüten zählt zu einem unserer häufigsten Wildkräuter. Die Blätter des Raublattgewächses sind grundsätzlich essbar, werden aber aufgrund der enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide oft gemieden. Als Heilpflanze wird der Natternkopf gelegentlich gegen Hautbeschwerden genutzt. Natternköpfe haben einen hohen ökologischen Nutzen, da die Pflanze eine beliebte Nektarpflanze von Bienen und Hummeln ist.

Steckbrief von Natternkopf
Botanischer NameEchium vulgare
PflanzenfamilieRauhblattgewächse
Weitere NamenBlauer Natternkopf, Blauer Heinrich, Stolzer Heinrich
Aussaatzeit / PflanzzeitFebruar - März
BlütezeitMai - August
ErntezeitJuni - September
Standortsonnige Lagen mit durchlässigen und nährstoffarmen Böden
Verwendung als HeilkrautFurunkel, äußere Entzündungen, trockene Haut, Depressionen
Verwendung als Gewürzkrautfür Quarks, Frischkäse, Salate

 Inhaltsverzeichnis

Pflanzenmerkmale und Systematik des Natternkopfes

Namensherkunft

Im Kräuterbuch von P. A. Matthioli lassen sich Hinweise auf die Namensgebung des Natternkopfes finden. Dort ist von einem Nicander (Nikandros aus Kolophon) die Rede, der das Kraut nachdem er „von einer Natter an seinem Knie gestochen ward“, als Alcibius bezeichnete. Der botanische Gattungsname Echium leitet sich vom griechischen Wort ekhis ab. Damit wurde im Altgriechsichen eine Schlangenart bezeichnet, die zur Gruppe der Natter- und Vipernartigen gehört. Weiterhin wird erwähnt, „das sein Samen der Gestalt nach einem Schlangenköpffle ähnlich ist“.

Synonyme Namen des Natternkopfes sind Stolzer Heinrich, Himmelbrand und Wilde Ochsenzunge.

Herkunft und Vorkommen des Natternkopfes

Der Gewöhnliche Natternkopf stammt höchstwahrscheinlich aus dem südlichen Europa und hat sich von dort aus in Mittel- und Westeuropa ausgebreitet. Die Pflanze ist invasiv und wurde seit dem 19. Jahrhundert auch in Amerika und im westlichen Asien als Neophyt eingeschleppt. Die Pflanze besiedelt als Pionierböden, Brachflächen und Ruderalflächen. Sie ist in der Natur häufig an Wegrändern, Bahndämmen sowie allgemein an sandigen und kiesigen Standorten zu finden.

Systematik von Echium vulgare

Der Gewöhnliche Natternkopf (Echium vulgare) gehört zu Raublattgewächsen (Boraginaceae). Die Pflanze ist verwandt mit dem Borretsch (Borrago officinials), dem Beinwell oder dem Lungenkraut verwandt.

Die Gattung der Natternköpfe (Echium) zählt heute mehr als 60 Arten, wobei die meisten dieser Arten in der Mittelmeerregion bzw. auf den Kanaren beheimatet sind.

Merkmale vom Natternkopf

Der Natternkopf ist eine typisch krautige Pflanze, die Wuchshöhen zwsichen 50 und 100 cm erreichen kann. Die Pflanze ist zwei- oder mehrjährig und an trockene Standorte angepasst. Im Boden entwickelt die Pflanze zum Teil tiefe Wurzeln mit hellbrauner Färbung. Von der Hauptwurzel gehen in der Regel einige wenige Seitenwurzeln ab.

Die Blätter des Natternkopfs sind schmal bis lanzettlich geformt und an allen Stellen stark behaart. Die Größe der Blätter nimmt von unten nach oben hin gesehen ab. Die Grundblätter sind in einer Rosette angeordnet. Eine auffällige Blattaderung ist nicht festzustellen. Die Blätter sind jeweils wechselständig am ründlichen und grob behaarten Stängel zu finden.

Blätter vom Natternkopf
Natternkopfblätter sind lanzettlich und haben eine eher raue Oberfläche

Der Natternkopf bildet auffallend blau bis dunkelblau gefärbte Blüten aus. Zu Beginn der Blütenausbildung sind diese jedoch noch rosa gefärbt. Aus den trichterförmigen Blüten ragen zudem violette Staubblätter heraus, die sich farblich von den Kronblättern deutlich unterscheiden. Die Blütezeit ist meist von Anfang Mai bis Ende August zu erwarten. Der Natternkopf ist eine beliebte Bienenweide für viele Insekten, darunter verschiedene Bienen- und Hummelarten.

Blüte vom Natternkopf
Der Natternkopf bildet blau gefärbte Blüten aus, die ein Magnet für viele Insekten sind

Zur Zeit der Fruchtreife (Mitte Augusten bis Ende September) bilden sich aus den Blüten so genannte Klausenfrüchte, die meist braun gefärbt sind und in vier Teilfrüchte unterteilt sind. Dort sind jeweils mehrere etwa 1 mm breite, hellbraune und leicht perforierte Samen enthalten.

Aussaat, Anbau und Pflege

Standort

Der Natternkopf ist ein an trockene und sonnige Standorte angepasst. Er bevorzugt durchlässige, sandige, lockere und eher nährstoffarme Böden. Das Raublattgewächs toliert oft jedoch auch nährstoffreiche Böden, was in städtischen Bereichen oft beobachtet werden kann. Bei der Kultivierung im Freiland sollte der jeweilige Bodenabschnitt mit mineralischen Substraten (Quarzsand, Zeolithsand, Lava) vermischt werden, insofern nur lehmige Böden vorhanden sind.

Die Pflanze wurzelt relativ tief ins Erdreich, was bei der Standortwahl (Balkon, Freiland) beachtet werden sollte. Das Substrat darf nicht zu sauer sein, daher bei Bedarf leicht kalken.

Aussaat

Die Aussaat der Natternkopfsamen ist Kälte erforderlich. Die Pflanze ist ein Kaltkeimer. Die Pflanze kann ab Anfang Februar ins Freiland oder auf dem Balkon ausgesät werden. Eine Vorkultur ist nicht notwendig und wird auch nicht empfohlen. Bei Folgeaussaaten können die Samen direkt an Ort und Stelle belassen werden. Die Pflanze ist zudem Dunkelkeimer. Bei der Aussaat sollten die Samen etwa 2 bis 3 cm ins Substrat eingedrückt werden. Die Keimdauer beträgt meist zwischen 8 und 16 Tagen.

Natternkopf kann auch im Topf angebaut werden. Aufgrund der etwas längeren Wurzeln sollte eher tiefe Töpfe bzw. Kübel gewählt werden.

Gießen

Auch wenn der Natternkopf an trockene Standorte angepasst ist, sollte die Erde nach Möglichkeit niemals vollständig austrocknen. Prinzipiell kann immer dann gegossen werden, wenn die obersten 3 bis 5 cm des Substrats trocken sind. Ein schwerer Pflegefehler ist jedoch zu häufiges Gießen, vor allem wenn dies zu Staunässe führt.

Düngen

Der Natternkopf benötigt nur wenig Nährstoffe. Im Freiland sind zusätzliche Gaben von Dünger meist nicht erforderlich. Wächst die Pflanze als Topfkultur, sollten einige wenige Gaben Dünger in die Erde mit eingearbeitet werden. Hier genügt etwa ein Zyklus von 8 bis 10 Wochen. Flüssigdünger nur sehr sparsam verwenden. Wenn die Pflanze zuviel Nährstoffe erhält, bildet die Pflanze eventuell keine oder nur wenige Blüten aus.

Pflege

Wächst die Pflanze im Topf oder Kübel sollte diese gelegentlich gekürzt werden. Hier gilt zu beachten, dass die Natternkopfwurzeln bis zu 2 Meter tief wurzeln können. Im Freiland benötigen Natternköpfe für gewöhnlich keine gesonderte Pflege mit Ausnahme von der Schädlingsvisite.

Krankheiten und Schädlinge

Relativ häufig befallen Blattläuse den Natternkopf. In den meisten Fällen ist dies nicht weiter problematisch. Bei zu häufigem Befall empfiehlt sich ein Ackerschachtelhalmsud oder die Nutzung von Marienkäferlarven.

Überwinterung

Der Natternkopf ist in der Regel zweijährig. Nach Ausbildung der Blüten geht die Pflanze ein. Die Pflanze ist an unser Klima angepasst, so dass keine Überwinterungsmaßnahmen getroffen werden müssen.

Verwendung von Natternkopf

Der Natternkopf wird in der Küche und als Heilkraut heute nur noch selten verwendet. Meistens haben vor allem Gärtner Freude an dieser Pflanze, da sie viele wichtige Insekten anlockt und hübsch anzusehen ist.

Verwendung als Küchenkraut

Natternkopf ist ein typisches Wildkraut, dessen Pflanzenteile in Maßen dosiert grundsätzlich essbar sind. Genießbar sind vor allem die folgenden Pflanzenteile:

  • Blätter: Zubereitung als Gemüse oder in Wildkräutersalaten
  • Samen: sind sehr ölreich und können ebenfalls in Nuss-Bratlingen verarbeitet werden.
  • Blüten: Als Dekoration in Obstsalaten, Kuchen oder Torten

Die Blätter des Natternkopfs lassen sich als Spinat zubereiten und haben einen gurkenähnlichen Geschmack. Der Gurkengeschmack ist hier jedoch bei weitem nicht so ausgeprägt wie beim Borretsch. Für die Zubereitung werden vor allem die jungen Blätter verwendet. Die Blätter werden in Salzwasser mit anderen Kräutern ziehen gelassen und anschließend klein gehackt sowie gedünstet. Weitere Verwendung finden die jungen Blätter gelegentlich in Wildkräutersalaten.

Ist der Natternkopf giftig?

Leider ist in den letzten Jahren unsachlich berichtet worden, so dass viele Nutz- und Teepflanzen direkt als giftig beschrieben wurden. Dies ist nicht ganz korrekt. Richtig ist, dass die Pflanze und damit auch die Blätter Pyrrolizidinalkaloide enthalten. Größere Mengen sollten daher nicht verzehrt werden, da diese leberschädigend sein können. Ebenso sollten Menschen mit Leberkrankheiten vorsichtshalber den Genuss der Pflanze meiden.

Verwendung als Heilkraut

Der Natternkopf findet für medizinische Anwendungen in Deutschland kaum Beachtung. Heute wird vom Gebrauch der Blätter aufgrund der enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide auch abgeraten.

In der Vergangenheit wurde die Pflanze jedoch als Heilkraut verwendet. In einigen Kräuterbüchern (z.B. P.A. Matthioli) wird die Pflanze als „Wilde Ochsenzunge“ beschrieben. Empfohlen wurde der Natternkopf u.a. bei der Wundheilung von Schlangenbissen.

Natternkopf im alten Kräuterbuch
Beschreibung des Natternkopfes im Kräuterbuch von P.A. Mattioli

Die Blätter des Natternkopfes enthalten zahlreiche Flavonoide, Schleimstoffe und Gerbstoffe, die verschiedene Wirkungen auf unseren Organismus ausüben können [2, 3].

Wirkung des Natternkopfes
  • antibakteriell
  • hustenlösend
  • harntreibend
  • wundheilungsfördernd
  • hautregenerierend

In einigen wissenschaftlichen Studien werden antidepressive Eigenschaften untersucht. Dabei zeigten Untersuchungen positive Effekte durch Verwendung von Blättern und Stängeln [1]. Inwiefern Rückschlüsse auf den menschlichen Organismus getroffen werden können, bleibt derzeit aber unsicher. Klinische Studien hierzu existieren derzeit nicht.

Das Kraut wird in der Naturheilkunde gelegentlich und unterstützend für die Behandlung äußerlicher Erkrankungen wie Hautentzündungen, bzw. speziell bei Furunkeln verwendet. Verwendung finden hier vor allem die ölreichen Samen. Die Anwendung begründet sich durch den Anteile an Gamma-Linolensäuren. Selten findet man daher Natternkopf auch in hautpflegenden Cremes in diversen Kosmetika. Linolensäuren wirken dabei grundsätzlich entzündungshemmend.

Nebenwirkungen und Anwendungsbeschränkungen: Der Gewöhnliche Natternkopf enthält wie die meisten anderen Arten der Familie der Raublattgewächse Pyrrolidizinalkaloide. Höhere Anteile finden sich vor allem in den Blättern und Stängeln, während die Samen kaum betroffen sind. Da die Alkaloide in größeren Mengen toxisch auf die Leber und Nieren wirken können, sollte die Pflanze nicht eigenständig verwendet werden.

Natternkopf kaufen - Was gibt es zu beachten?

Fertige Pflanzen sind aufgrund des Wurzelverhaltens der Pflanze wohl kaum zu finden. Einige Hersteller von Saatgut und Sämereien bieten jedoch Saatgut vom Natternkopf an. Wer den bei uns häufig vorzufindenden gewöhnlichen Natternkopf kultivieren möchte, sollte auf den botanischen Namen Echium vulgare achten. Neben diesen werden mitunter noch deutlich mehr Natternkopfarten angeboten.

Da der Natternkopf keine Wirtschaftspflanze ist und bei uns auch nicht für bestimmte Zwecke angebaut wird, finden sich nur wenige Produkte, die Natternkopfbestandteile nutzen. Das Öl der Samen wird gelegentlich für Hautpflegeprodukte verwendet und soll dort entzündungshemmende Eigenschaften aufweisen. Einige Anbieter verkaufen auch reines Echiumöl, was aufgrund seiner Seltenheit jedoch verhältnismäßig teuer ist.

Literaturnachweise

  1. Moallem, S. A. et al. (2007): Evaluation of Antidepressant Effects of Aerial Parts of Echium vulgare on Mice. In: Iranian Journal of Basic Medical Sciences, Vol. 10, Nr. 3, S. 189-196
  2. Trpevski, M. et al. (2007): Phenolic and Flavonoid Contents of some Medicinal Plants from Jablanica Mt., Republic of Macedonia. Proceedings of the III Congress of Ecologists of the Republic of Macedonia with International Participation, 06-09.10.2007, Struga. Special issues of Macedonian Ecological Society, Vol. 8, Skopje
  3. Karakas, F. P. et al. (2012): Biological Screening of various medicinal plant extracts for antibacterial and antitumor activities. In: Turkish Journal of Biology, Vol. 36, S. 641-652.
Hinweis zu medizinischen Inhalten:
Die hier vorgestellten Inhalte geben lediglich einen Überblick über die medizinische Nutzung. Sie stellen keine Empfehlung zur Anwendung dar. Bitte suchen Sie daher immer das Gespräch mit einem Arzt oder Apotheker.
         
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