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Blutwurz

Potentilla erecta

Foto vom BlutwurzDie Blutwurz oder Tormentill ist eine sehr alte Heilfplanze, die für zahlreiche Beschwerden verwendet werden kann. Die Wurzeln des Blutwurzes werden bei Zahn- und Rachenentzündungen, bei Durchfallerkrankungen oder zur Wundheilung verwendet. Liebhaber von Likörem schätzen Blutwurz als verdauungsfördernde Spirituose mit erdigem und bitterem Geschmack.

Steckbrief von Blutwurz
Botanischer NamePotentilla erecta
PflanzenfamilieRosengewächse
Weitere NamenTormentill, Tormentillwurz, Blutwurzel, Natternwurz, Rotwurz
Aussaatzeit / PflanzzeitSeptember-März
BlütezeitMai-Oktober
ErntezeitSeptember-November
Standortvollsonnig bis sonnig; trockene, eher sandige und nährstoffarme Böden
Verwendung als HeilkrautMagen- und Darmbeschwerden, Erkältungen, Entzündungen des Zahnfleischs, Wundheilung, Reisekrankheit
Verwendung als Gewürzkrautfür Spirituose (Blutwurzlikör)

Inhaltsverzeichnis

Merkmale und Systematik von Blutwurz (Tormentill)

Herkunft und Vorkommen der Blutwurz

Die Blutwurz ist nahezu in ganz Europa verbreitet. Die berühmte Heilpflanze ist daher sowohl in den Ländern Skandinaviens, als auch in den südeuropäischen Ländern (Portugal, Spanien, Italien) anzutreffen. Spärlicher ist die auch als Tormentill bezeichnete Pflanze in nordasiatischen Staaten sowie in Grönland zu finden.

Blutwurz wächst vor allem auf Heiden, nährstoffarmen Wiesen, an lichten Waldböschungen und Waldrändern. Vor allem in Heiden gilt sie als typbegleitende Art. Sie gilt als Zeigerpflanze für stickstoffarme Böden.

Systematik vom Potentilla erecta

Blutwurz (Potentilla erecta) gehört zur artenreichen Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Zu dieser Pflanzenfamilie gehören u.a. auch andere bekannte Nutzkräuter wie der Odermennig, der Frauenmantel oder das Mädesüß.

Im engeren Sinne zählt die Blutwurz zur Gattung der Fingerkräuter (Potentilla), welche etwa 400 bis 500 Arten umfasst. In Mitteleuropa sind vor allem das Gänsefingerkraut (Potentilla anserina) sowie das Kriechende Fingerkraut (Potentilla reptans) von Bedeutung.

Weitere bekannte synonyme Namen der Pflanze sind Tormentill, Tormentillwurzel, Rotwurz, Siebenfinger oder Aufrechtes Fingerkraut.

Merkmale von Blutwurz

Die Blutwurz ist eine ausdauernde bzw. mehrjährige und typisch krautige Pflanze. Sie erreicht Wuchshöhen zwischen 10 bis maximal 40 Zentimeter. Charakteristisch sind ihre ausgedehnten bräunlichen und verholzten Wurzelstöcke, die hier als Rhizom (Überdauerungsorgan) bezeichnet werden. Diese Rhizome können unter Umständen einen Durchmesser von bis zu 4 cm haben. Beim Aufschneiden des Wurzelstocks verändert sich das weiße Wurzelfleisch in eine rötliche Farbe. Diesen Umstand verdankt die Blutwurz ihren Namen.

Die Blätter des Tormentills werden in Rosettenblätter und Stängelblätter untergliedert. Die in der Blattrosette sitzenden Blätter sind stark gezähnt, während die Stängelblätter meist etwas filigraner fächerförmig angeordnet aussehen. Alle Blätter des Blutwurzes weisen eine eher dunkelgrüne Färbung auf. Sowohl die Stängel als auch die Blätter sind intensive mit Drüsenhaaren besetzt. Die Stängel sind leicht rötlich bis rotbraun gefärbt und mehrästig.

Blätter von Blutwurz
Blätter und Stängel von der Blutwurz

Die leuchtend gelben Blüten der Blutwurz wachsen an den Blattachseln (Nodien) heran. Meist blüht das Rosengewächs zwischen Ende Mai bis Ende Oktober. Der Durchmesser einer einzelnen Blüte beträgt nur selten mehr als einen Zentimeter. Die Blütenform erscheint leicht herzförmig. Die Färbung der Blüten ist im oberen Bereich meist gelb und geht zum Blütengrund in ein Orange über.

Blüte vom Blutwurz
Die leuchtend gelben Blüten des Blutwurzes zeigen immer vier Kronblätter

Im Anschluss an die Blütezeit entwickeln sich im Zuge der Fruchtreife kleine Nussfrüchte, die die hellbraunen und leicht ründlichen Samen enthalten.

Anbau, Aussaat und Pflege

Blutwurz spielt als Zierpflanze keine große Rolle und wird nur verhälntismäßig selten angebaut. Meist findet sich die Blutwurz in Gärten, die einen eigenen Heilpflanzenbereich oder einen ausgeprägten Steingarten haben. Die Pflanze eignet sich jedoch gut als Bodendecker in Gärten mit kargen Böden, zumal der Anbau und die Pflege keinen Umstand bedeuten.

Standort

Als Standortbedingungen gelten vollsonnige bis sonnige Standorte mit eher trockenen, sandigen, durchlässigen und nährstoffarmen Böden als optimal. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass der Boden bzw. die Erde einen möglichst niedrigen pH-Wert (unter 6) hat. Lehmige Gartenböden, kalkhaltige Erden sowie handelsübliche Blumenerden sind für die Kultivierung des Tormentills nicht zu empfehlen und sollten mit Sand durchmischt werden.

Aussaat

In unseren Breiten kann Blutwurz direkt ins Freiland oder alternativ auf dem Balkon ausgesät werden. Optimal für die Direktsaat von Tormentill sind die Monate September bis Mitte März. Eine Vorkultur ist allerdings auch möglich und sollte zwischen Anfang Februar und Ende März durchgeführt werden. Die Blutwurz ist ein Kaltkeimer und benötigt zur Keimung Temperaturen zwischen +4 °C und -4 °C.

Bei der Aussaat der Blutwurzsamen sollte auf einem Pflanzabstand von mindestens 25 x 25 cm geachtet werden. Der Anbau im Topf ist möglich, allerdings sollte ein etwas tieferer Topf gewählt werden, da der Wurzelstock tief wurzelt.

Überwinterung

Blutwurz gilt als winterharte Pflanze und benötigt keine besondere Behandlung an kalten Tagen. Die oberirdischen Pflanzenteile sterben zum Spätherbst ab. Die Pflanze selbst überdauert in Form ihres Wurzelstocks.

Gießen

Als Trockenspezialist benötigt die Blutwurz nur wenig Wasser und muss auch nicht regelmäßíg gegossen werden. Ausnahmen bilden sehr heiße Tage sowie Topfkulturen. Blätter die durch Trockenheit herabhängen, regenerieren sich in der Regel schnell.

Düngung

Die Blutwurz ist ein Überlebenskünstler unter den Wildkräutern und braucht nur verhältnismäßig wenig Nährstoffe. Im Gartenbeet sollte im ersten Jahr nicht oder nur sehr wenig gedüngt werden (höchstens mit Kompost). Im Folgejahr kann man einmalig in den Frühjahrsmonaten einige kleine Gaben leichte organische Dünger (Düngerpellets, verdünnte Kräuterjauche) untermischen.

Ernte

Von der Blutwurz werden in der Regel die Wurzelstöcke geerntet. Diese können ab dem zweiten Wuchsjahr ausgegraben werden. Die darüber- und darunterhängenden Wurzeln sollten entfernt werden. Optimaler Zeitpunkt zum Ernten der Blutwurzrhizome sind die Monate Oktober und November.

Verwendung von Blutwurz

Die Blutwurz wird in erster Linie als Heilkraut verwendet. In der Küche bzw. als Genussmittel ist heute meist nur noch Blutwurzlikör bekannt.

Verwendung als Küchen- und Gewürzkraut

Blutwurz ist in der Küche heute nahezu bedeutungslos. Im frühen Mittelalter wurde die Wurzel des Krauts jedoch u.a. für einige Süßspeisen verwendet. Matthioli publizierte ein Rezept für Blutwurz, indem Tormentillpulver mit zerstoßenem Muskat, Eigelb und Hafermehl vermischt und zu Kuchen geformt wurden.

Tatsächlich haben die Wurzeln nach dem Kochen einen leicht süßlichen Geschmack nach Pastinake, allerdings mit einem bitteren Unterton.

Die größte Bedeutung haben die Wurzeln der Blutwurz zur Herstellung von Blutwurzschnaps. Hierfür werden neben Blutwurzpulver meist noch Nelken, Kandiszucker, Zimt und Kardamom beigemengt. Als Grundlage dient in der Regel ein guter Wodka. Einige Spirituosenhersteller (z. B. Penninger) stellen Blutwurzlikör auch in größeren Mengen her.

Verwendung als Heilkraut

Die Blutwurz ist heute in der Phytomedizin bzw. in der alternativen Heilkunde ein sehr beliebtes Heilkraut. Die Wurzeln der Pflanze und deren Heilwirkung sind jedoch seit Antike bekannt.

In der Heilkunde des Mittelalters ist die Blutwurz ein wichtiger Bestandteil gewesen, die für zahlreiche Beschwerden verwendet wurde. In nahezu allen alten Kräuterbüchern finden sich zahlreiche Anwendungsvorschläge und Rezepturen. Damals wie heute lag der Fokus auf Nutzung der Tormentillwurzel.

In den Kräuterbüchern von Matthioli und Leonard Fuchs wurden die Wurzeln des Blutwurzes u.a. gegen die Pest, bei Schwierigkeiten des Harndrangs, zur Vermeidung frühzeitiger Geburten, gegen Scharlach und gegen Fieber verwendet. Äußerlich wurde die Blutwurz hauptsächlich zur Blutstillung genutzt, was auch seinen Namen begründen dürfte. Ferner wurde das berühmte Heilkraut bei Menstruationsbeschwerden, zur Wundheilung und bei nicht näher bezeichneten Augenproblemen verwendet. Dargereicht wurden die Wurzelzubereitungen entweder als Saft, Kuchen (Tormentillkuchen), gesottener Wein oder Tee. Auch Anwendungen von Blutwurz mit Sauerampfer waren wohl häufig.

Heilwirkung von Blutwurz
Beschreibung der Heilwirkung des Blutwurzes im mittelalterlichen Kräuterbuch

Dem Tormentill kommt auch heute noch eine große Bedeutung in der Naturheilkunde zu. Es existieren zahlreiche Hausmittel, die vor allem bei Beschwerden im Rachen- und Mundraum zum Einsatz kommen. Besondere Beachtung finden die in der Wurzel erhaltenen Gerbstoffe. Hier spielt v.a. der Stoff Ellagitannin mit bis zu 22 Prozent Anteilen an den Gesamtinhaltsstoffen größte Beachtung [3]. Außerdem sind in der Wurzel ätherische Öle, Harze und Saponine enthalten. Aufgrund der enthaltenden Inhaltsstoffe werden der Blutwurz folgende Heilwirkungen zugeschrieben [1,2,3]:

  • antibakteriell
  • adstringierend (zusammenziehend)
  • schmerzlindernd
  • immunstimulierend
  • antiallergisch
  • blutstillend

Diese Wirkungen erlauben eine recht vielseitige Anwendung in der Pflanzenheilkunde. Blutwurz bzw. Tormentill wird heute in vielen Teilen der Welt für zahlreiche Krankheiten und Beschwerden eingesetzt. Zu diesen zählen u.a.

  • Zahnfleischentzündungen
  • Schleimhautreizungen
  • Entzündungen und Schmerzen im Mund- und Rachenraum
  • Mandelentzündung
  • Magen- und Darmbeschwerden
  • Hämorrhoiden
  • Wundheilung
  • Verbrennungswunden
  • Reisekrankheit
  • Blähungen

Dargereicht werden kann Tormentill als Tee, als Tinktur oder als Pulverdroge. Medizinisch von Interesse sind ausschließlich die Wurzeln der Pflanze. Die Wurzeldroge wird im heilkundlichen Bereich als Rhizoma oder Radix Tormentillae bezeichnet.

Für einen Blutwurztee (Menge: 200 ml) werden 1 bis 1,5 Teelöffel Wurzelpulver benötigt, die mit kochend heißem Wasser übergossen werden. Die Europäische Arzneimittel-Agentur gibt als Tageshöchstmenge 12 Gramm an [2]. Der Tee sollte für etwa 8 bis 10 Minuten ziehen, bevor er in kleineren Schlücken getrunken wird. Bei Beschwerden im Mund- und Rachenraum genügt es, wenn der Blutwurztee als Mundspülung verwendet wird, d.h. dass ein Gurgeln des Tees in dem Fall ausreicht.

Als bequeme Alternative zum Tee kann auch auf eine Blutwurztinktur zurückgegriffen werden, die in den meisten Apotheken sowie vielen Onlinegeschäften erhältlich sind. Die korrekte Bezeichnung dieser Tinktur lautet Tinctura Tormentillae.

Bei der Anwendung einer Behandlung mit Blutwurz sollte die Tagesdosis 12 Gramm bei Tees (Infus) täglich nicht überschreiten. Wird eine Abkochung dargereicht, sollte diese gemäß EMA 6 Gramm nicht überschreiten. Eine Behandlung mit Blutwurz sollte nicht länger als zwei Wochen durchgeführt werden.

Die Blutwurz ist eine der Hauptzutaten für die als Schwedenkräuter oder Schwedenbitter bezeichneten Naturheilmittel.

Im Gegensatz zu vielen anderen bekannten Heilkräutern, existieren nur vereinzelte klinische Studien zum Einsatz von Blutwurz. Dies ist daher bedauerlich, da die Verwendung von Tormentillwurzeln eine schonende Behandlung vieler Krankheiten bedeuten kann, die auch für den schulmedizinischen Bereich eine wichtige Rolle spielen kann. Es bleibt daher zu hoffen, dass die Blutwurz in Zukunft eine größere Beachtung finden wird.

Nebenwirkungen und Anwendungsbeschränkungen: Blutwurz kann bei Überdosierung zu Magenbeschwerden führen. Es sollten daher immer nur die empfohlenen Verzehrmengen eingehalten werden. Ursache sind die hohen Gerbstoffgehalte. Besteht Unsicherheit in der Behandlung sollte ein Arzt oder Heilpraktiker befragt werden. Sollten Durchfallerscheinungen auftreten, die länger als zwei Tage andauern, ist umgehend ein Arzt zu konsultieren!

Blutwurz kaufen - Was gibt es zu beachten?

Der Handel bietet mittlerweile eine Vielzahl unterschiedlicher Blutwurz-Produkte an. Die Palette reicht von Saatgut über verschiedene Arzneipräparate wie Kapseln, Blutwurz-Tinkturen oder getrockneten und geschnittenen Tormentillwurzeln. Frische Pflanzen werden nur äußerst selten angeboten und sind wenn, dann nur in ausgewählten Pflanzencentern oder im Onlinehandel erhältlich.

Blutwurzsamen gibt es in zahlreichen Onlineshops und Marktplätzen zu relativ günstigen Preisen zu bekommen. Da die Samen recht unproblematisch zu lagern sind, gibt es hier nicht sonderlich viel zu beachten.

Für die Anwendung von Blutwurz als Heilpflanze stehen u.a. geschnittene Blutwurzprodukte zur Verfügung, mit der die Zubereitung eigener Heiltees möglich ist. Daneben gibt es auch fertige Tinkturen, Gurgellösungen oder spezielle Teemischungen zu erwerben.

Für die Zubereitung von Blutwurzlikör gibt es in Kräuterfachgeschäften spezielle Ansatzmischungen zu kaufen, durch die sich relativ einfach eigene Spirituosen aus Tormentill herstellen lassen. Die Mischungen sind zwar meist relativ teuer, dafür aber recht ergiebig.

Beim Kauf von Blutwurzprodukten gibt es eine Verwechslungsgefahr mit dem Kanadischen Blutwurz, die durch den botanischen Namen Sanguinaria canadensis beschrieben wird. Auch diese gilt als Heilpflanze. Dieser Blutwurz wird jedoch meist im Bereich von Schmerztherapien und Erkältungskrankheiten verwendet.

Literaturhinweise und verwendete Quellen

  1. Melzig, M. F. und Böttger, S. (2020): Tormentillae rhizoma – Review for an Underestimated European Herbal Drug. In: Planta Medica, Vol. 86, DOI: 10.1055/s-00000058
  2. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) (2010): Community herbal monograph on Potentilla erecta. In: Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC).
  3. European Scientific Cooperative on Phytotherapy / ESCOP (2013): Tormentillae rhizoma. In: ESCOP Monographs, ISBN 978-1-901964-09-7
Hinweis zu medizinischen Inhalten:
Die hier vorgestellten Inhalte geben lediglich einen Überblick über die medizinische Nutzung. Sie stellen keine Empfehlung zur Anwendung dar. Bitte suchen Sie daher immer das Gespräch mit einem Arzt oder Apotheker.
         
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