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Kräuter im Topf anbauen und pflegen

Kräutertöpfe stehen in vielen Wohnungen auf dem Balkon oder auf der Fensterbank. Küchenkräuter wie Basilikum, Dill oder Oregano können somit bei Bedarf frisch geerntet und verarbeitet werden. Kräuter im Topf benötigen jedoch eine etwas andere Pflege als solche im Kräutergarten. Hier erfahren Sie, worauf es ankommt, um lange Freude an den würzigen Pflanzen zu haben.

Kräuter pflanzen auf engstem Raum – Der Anbau im Topf

Auch auf engstem Raum können Kräuter gut und ertragreich wachsen. Der Anbau der würzigen Pflanzen in einem Topf oder Pflanzkasten ist vielerorts schon zu einer Kultur geworden. Platz finden die Kräutertöpfe u.a. auf dem Balkon, im Hinterhof oder zur Not auf dem Fensterbrett.

Kräutertopf auf dem Balkon
Kräuter in Töpfen eignen sich hervorragend für den Balkon

Um Kräuter erfolgreich im Topf anzupflanzen und diese über die Zeit zu pflegen, sollte man sich immer fünf wichtige Fragen stellen:

  • In welcher Erde oder Substrat sollen meine Kräuter wachsen?
  • Ist das gewünschte Kraut überhaupt für eine Topfkultur geeignet?
  • Wie tief wurzelt das Kraut und welches Pflanzgefäß benötige ich?
  • Braucht das Kraut viel Sonne oder fühlt es sich im Schatten wohl?
  • Welche Pflege braucht die Pflanze in Bezug auf Gießen und Düngen?

Erden und Substrate für Topfkulturen

Erden erfüllen ganz bestimmte Aufgaben, die für jede Pflanze überlebenswichtig ist. Sind die Erden bzw. Substrate für die Kräuter nicht geeignet, minderwertig oder zu alt, wird sich dies an der Qualität der Pflanzen direkt bemerkbar machen.

Im groben kann man drei Grundtypen von Erden für Kräuter unterscheiden:

  • sandige Erden: Erden mit einem hohen Anteil an Sand sind durchlässig für Wasser und Nährstoffe. Sie ermöglichen eine hohe Durchwurzelbarkeit und zeigen eine gute Bodenbelüftung. Viele mediterrane Kräuter lieben sandige Erden.
  • lehmige Erden: Erden mit einem hohen Anteil an Lehm oder Schluff sind schwer und nur begrenzt durchlässig. Diese Erden können gut Feuchtigkeit und Nährstoffe speichern und eignen sich oft für Kräuter, die Schatten oder Halbschatten lieben.
  • Mischerden: Besteht eine Erde sowohl aus sandigen bzw. durchlässigen Anteilen als auch aus lehmigen, liegt eine Mischerde vor. Sie ist in der Regel gut durchlässig für Wasser, aber auch in der Lage einige Zeit Nährstoffe zu speichern. Meist wachsen Basilikum oder Petersilie in diesen Erden prächtig.

Beispiel: Können Thymian und Bärlauch in derselben Erde gedeihen?

Sowohl der Thymian als auch der Bärlauch unterscheiden sich nicht nur geschmacklich stark voneinander, sondern auch von ihren Vorlieben in punkto Standort, Feuchtigkeit und Erde.

Der Thymian in freier Natur mag besonders vollsonnige Lagen, die meistens durch schnelle Trockenheit geprägt sind. Das Kraut wächst außerdem bevorzugt in sandigen, teils sogar steinigen und nährstoffarmen Substraten. Der Bärlauch hingegen fühlt sich im Schatten unter Bäumen besonders wohl. Er ist deutlich hungriger nach Nährstoffen und liebt feuchte Böden.

Würde man nun einen Bärlauch in eine eher sandige und durchlässige Erde pflanzen, würde er ziemlich schnell verdursten und verhungern. Die Wurzeln können nur noch sehr begrenzt Nährstoffe und deutlich weniger Wasser aufnehmen, da der sandige Boden zu durchlässig ist.

Welche Kräuter eignen sich für den Topf?

Es gibt mittlerweile unzählige Kräuterpflanzen, und meist noch einmal genauso viele unzählige Sorten. Die meisten Kräuter kann man problemlos im Topf oder im Kübel anpflanzen und kultivieren. Ob und welche Kräuter geeignet sind, hängt von folgenden Faktoren ab:

  • Wurzeltiefe: Die Wurzeltiefe der Pflanze entscheidet v.a. darüber, wie tief der Topf sein sollte
  • Umweltvorlieben: Kann das Kraut in unserer kühlgemäßigtem Klimazone überhaupt wachsen?
  • Größe und Wachstum der Pflanze: Wächst die Pflanze langsam genug, um nicht alle paar Monate umtopfen zu müssen?
Beliebte Kräuter für den Topf
KrautWurzeltiefeStandortKräutererdeTopfgröße 1)
Bärlaucheher flachNord- bis Ostlagenährstoffreich, humos, feucht10x20x15 cm
Basilikumeher flachSüd- bis Westlage, sonnig, windgeschützthumos, nährstoffreich und durchlässig15x25x25 cm
LavendelmittelSüd-, Ost- und Westlage, sonnigeher sandig, durchlässig25x30x30 cm
Majoraneher flachSüd, Ost- und Westlage, eher sonnigeher nährstoffarm, etwas humos15x10x10 cm
Oreganoeher flachSüd, Ost- und Westlage, sonnigeher nährstoffarm, etwas humos und sandig15x10x10 cm
Pfefferminzeflach bis mittelWest- und Ostlagehumos, mäßig feucht, nährstoffreich20x20x15 cm
RosmarinmittelSüdlage, sonnig bis vollsonnigeher sandig, durchlässig25x25x30 cm
Salbei, EchtermittelSüd- bis Westlage, sonnig bis vollsonnigeher sandig, durchlässig25x30x30 cm
WaldmeisterflachNord- bis Ostlage, windgeschütztnährstoffreich, lehmig, feucht10x20x15 cm
Zitronenmelisseeher flachSüd, Ost- und Westlagenährstoffreich, durchlässig, feucht10x20x15 cm

1) Topfgröße (HxBxT) bezieht sich jeweils auf die ausgewachsene Kräuterpflanze sowie einer normalen Pflanzenzahl; als Mindestgröße zu verstehen

Kräutertöpfe kaufen oder lieber selbst ziehen?

Wenn man als Hobbygärtner auf den Geschmack gekommen ist, besteht oft der Wunsch, selbst Kräuter zu ziehen. Es wird zwar meist einfacher erscheinen Kräutertöpfe im Supermarkt oder im Pflanzencenter zu kaufen. Eine eigene Anzucht aus Samen ist jedoch meist vorteilhafter.

Vorteile selbstgezogener Kräuter
  • meist besseres Aroma
  • frei von Kunstdüngern
  • nachhaltiges Wachstum statt schneller Aufzucht
  • preiswerter als gekaufte Töpfe

Bei der Aufzucht von Kräuterpflanzen aus Samen sind neben dem Substrat auch die Keimbedingungen und die Aussaatzeiten zu berücksichtigen. Beachtet man die meisten Punkte der Aussaathinweise, kann eigentlich wenig schief gehen.

Welcher Topf ist der richtige?

Die Frage nach dem richtigen Gefäß ist wichtig für den Anbau von Kräutern. Ein zu kleiner Topf führt meist dazu, dass sich Kräuter nicht mehr richtig ausbreiten können. Die Wurzeln dann zu lang, wodurch die Pflanze nicht mehr ausreichend Nährstoffe und Wasser aufnehmen kann. Ein guter Kräutertopf hat demnach immer eine passende Höhe für das Längenwachstum der Wurzel und Breite für das Blattwachstum.

Auch beim Material und bei der Form gibt es Unterschiede. Viele mediterrane Kräuter wie Oregano oder Thymian begnügen sich meist mit kleineren Töpfen und auch gedeihen prächtig in kleineren Töpfen. Viele Doldenblütler wie Dill oder Petersilie sollten jedoch eine etwas andere Höhe aufweisen.

Wichtige Punkte bei Auswahl von Töpfen für den Kräuteranbau
  1. Hat der Topf eine ausreichende Höhe und Breite?
  2. Ist am Topf ein Abzugsloch?
  3. Bietet der Topf auch für das Wachstum des Krauts genügend Platz?
Pflanztöpfe für Kräuter - Infografik
Mögliche Pflanztöpfe für Kräuter

Die Pflege von Küchenkräutern in Töpfen

Topfpflanzen benötigen in der Regel etwas intensivere Pflege als solche, die im Garten wachsen. Das liegt daran, dass der Platz in den Töpfen begrenzt ist und Nährstoffe schneller durch Gießen oder Regen ausgewaschen werden. Außerdem verliert die verwendete Topferde nach und nach an Qualität.

Der richtige Standort - Balkon oder Fensterbrett

Im Topf können Kräuter sowohl auf dem Balkon, auf der Terrasse oder auf dem Fensterbrett angebaut werden. Wichtig ist die Lage, da Kräuter individuelle Anforderungen an Sonnenscheindauer und Wasserbedarf haben.

Unterscheidung von Topfkräutern je nach Lage
  • Schattenkräuter: Kräuter wie Bärlauch oder Waldmeister lieben schattige Plätze und fühlen sich in Nord- und Ostlagen besonders wohl. Diese Kräuter sollten kaum bis gar nicht der Sonne ausgesetzt werden.
  • Halbschattenkräuter: Borretsch, Kerbel oder Pfefferminze wollen zwar ein paar Stunden von der Sonne berieselt werden, aber nicht dauerhaft. Diese Pflanzen wollen den Großteil des Tages einen schattigen bis halbschattigen Platz haben und fühlen sich in West- und Ostlagen wohl.
  • Sonnenkräuter: Viele mediterrane Kräuter wie Lavendel, Rosmarin oder Salbei sind von Natur aus an die pralle Sonne angepasst. Sie legen Wert auf eine südliche Lage und wachsen auch nur dort besonders üppig.
Mediterrane Kräutertöpfe
Mediterrane Kräuter wie Rosmarin oder Lavendel fühlen sich in einer Südlage am Wohlsten

Beispiel für einen Pflanzfehler: Rosmarin, der im Schatten wächst

Wachsen die Kräuter an einer völlig unnatürlichen Lage, werden sie krank und gehen ein. Ein Rosmarin der im Schatten steht, kann aufgrund des fehlenden Sonnenlichts kaum Photosynthese betreiben. Dadurch steht dem Kraut dann deutlich weniger Energie zur Verfügung. Diese Kräuter reagieren meist kurz durch ein schnelles Wachstum in die Länge.

Durch dieses Längenwachstum versucht der Rosmarin irgendwie an Sonnenlicht zu gelangen. Die Stängel, die entstehen, werden allgemeinhin als Angststängel bezeichnet. Da es ihm im Schatten allerdings kaum gelingen wird Sonnenlicht zu ergattern, stirbt der Rosmarin schleichend ab.

Gießen

Das wohl leidigste Thema überhaupt dürfte das Gießen sein. Wer jedoch frische und gesunde Kräuter ernten möchte, dem bleibt nichts weiter übrig, als den Wasserbedarf seiner Pflanzen abzuschätzen. Einige Pflanzen wie Zitronenmelisse oder Pfefferminze verzeihen es oft, wenn man sie mal vergisst zu gießen. Andere wie Basilikum oder Waldmeister reagieren jedoch meist schnell mit Blattverlust.

Gießen von Topfkräuter - Welche Kräuter wie oft?
  • wenig gießen: Viele mediterrane Kräuter wie Bohnenkraut, Salbei oder Oregano sind genügsam und müssen nicht täglich gegossen werden. Diese Kräuter sind an trockene Standorte angepasst.
  • mäßig gießen: Einige Kräuter wollen immer in einer leicht feuchten Erde wohnen. Hierzu zählen viele Doldenblütler wie Kerbel, Petersilie, Anis oder Kümmel.
  • viel gießen: Kräuter, die vor allem im Schatten wachsen, haben meist einen hohen Wasserbedarf. Hierzu zählen z.B. Bärlauch, Brunnenkresse oder Waldmeister. Hier sollte die Kräutererde niemals vollkommen austrocknen.

Tipp: Auch Kräutertöpfe können gemulcht werden. Das Mulchen sorgt meist für einen geringeren Wasserbedarf, weil an der Topfoberfläche weniger Wasser verdunstet. Einjährige Kräuter wie Kerbel oder Dill kann man Zuschlagstoffen wie Vermiculit oder Heu mulchen, während mehrjährige Kräuter gern etwas robustes wie Lavasand oder Bims mögen.

Düngen

Viele Kräutertöpfe benötigen meist etwas mehr Dünger, da viele Nährstoffe ausgewaschen werden. Es gibt jedoch auch einige wenige Kräuter, die keinen zusätzlichen Stickstoffdünger benötigen. Ein Beispiel hierfür ist das Currykraut, das lediglich mit etwas Magnesiumkalk versorgt werden sollte.

  • Biologische Dünger sind besonders wertvoll: Leichtere Düngemittel wie Wurmhumus oder Kompost enthalten viele wichtige Nährstoffe und sind für fast alle Kräuter geeignet
  • Organische Dünger sollten als Standard genommen werden, falls biologische Dünger nicht erhältlich sind
  • Magnesiumkalk bzw. eine Kalkdüngung wird für fast alle mediterranen Kräuter empfohlen
  • Topfkräuter sollten meist alle 6 bis 8 Wochen dezent gedüngt werden. Mediterrane Kräuter können jedoch nach Bedarf gedüngt werden.

Schneiden

Bei guter Allgemeinverfassung müssen vitale Kräuter eigentlich nur selten verschnitten werden. Einige Halbsträucher wie Rosmarin oder Lavendel sollten jedoch von braunen oder trockenen Stellen befreit werden, da sie der Pflanze nur unnötig Kraft rauben.

Sollen Topfkräuter nahezu das ganze Jahr über geerntet werden, macht es häufig Sinn von aromatischen Kräutern wie Basilikum oder Pfefferminze die Blüten abzuschneiden. Dadurch erhalten sie meist ihr bekanntes Aroma. Während der Blütezeit werden nämlich oft deutlich weniger ätherische Öle ausgebildet, da die Pflanze einen Großteil der Energie in die Blütenbildung investiert.

Erde austauschen

Einer der häufigsten Pflegefehler bei Topfkulturen ist die Verwendung einer falschen, minderwertigen oder alten Kräutererde. Auch Topferden verlieren nach und nach ihre Qualität und sollten ausgetauscht werden. Durch das meist vermehrte Gießen werden viele mineralische Bestandteile der Erde ausgewaschen. Dadurch können Nährstoffe und auch Wasser nicht mehr an den Bodenteilchen haften bleiben.

Wann sollte Kräutererde ausgetauscht werden?

Es empfiehlt sich immer dann die Erde im Topf auszuwechseln, wenn folgende Phänomene festgestellt werden:

  • Wasser bleibt lange auf der Oberfläche und fließt nicht mehr richtig ab
  • Wasser sickert zu schnell durch
  • Die Erde ist sehr kleinkörnig
  • Die Kräutererde ist älter als 3 Jahre

Kräutertöpfe überwintern

Einige Kräuter sind an unser gemäßigtes Klima nicht gewöhnt und zeigen nur eine geringe Frosttoleranz. Sinken die Temperaturen unter einen gewissen Punkt, kann das Wasser nicht mehr richtig geleitet werden und der Stoffwechsel der Pflanze funktioniert nicht mehr richtig. Diese Kräuter benötigen zum Winter einen wärmeren Platz. Hierzu gehören, insofern keine winterharte Sorten beschafft wurden, folgende Kräuter:

  • Basilikum
  • Currykraut
  • Lavendel
  • Olivenkraut
  • Rosmarin, falls nicht winterhart
  • Salbei, falls nicht winterhart
  • Zitronenverbene
Jiaogulan wird im Topf überwintert
Topfkräuter wie Jiaogulan werden im Winter an einem warmen Ort überwintert

Für die Überwinterung der kältesensiblen Kräuter gibt es mehrere Möglichkeiten.

Überwinterungsmöglichkeit für Kräutertöpfe
  • Fensterbänke: Wachsen die Kräuter bereits auf der Fensterbank müssen keine Maßnahmen getroffen werden. Falls sensible Balkonkräuter ins Haus müssen und Platz in der Wohnung ist, sind Fensterbänke ideale Orte.
  • Balkon: Wachsen die Kräuter auf dem Balkon, können die meisten Kräuter auch direkt dort überwintert werden. Voraussetzung ist, dass der Balkon windgeschützt ist und die Außentemperaturen nicht unter -5 °C kommen. Sind tiefere Temperaturen zu erwarten, können die Kräuter auch in Jutesäcke eingepackt werden.
  • Keller: Mehrjährige Kräuter, die ihre Blätter zum Herbst hin abwerfen, können auch im Keller überwintern. Hierzu gehört z.B. die Zitronenverbene.
  • Treppenhaus: Besteht die Möglichkeit einige Pflanzen ins Treppenhaus zu verlagern, sollte diese Möglichkeit in Betracht gezogen werden. Voraussetzung ist, dass der jeweilige Platz lichtdurchflutet ist.

Weitere Informationen zum Zhema Überwintern gibt es in unserem Artikel Kräuter winterfest machen.

         

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