Kräuter in der Haarpflege

Kräuter in Shampoos, Spülungen und Haarwasser sind keine neue Erfindung. In der heutigen Zeit, wo der Fokus immer mehr und häufiger auf natürliche Rohstoffe und Nachhaltigkeit gesetzt wird, finden immer mehr Zutaten Verwendung in Pflegeprodukten. Galt Kräuter-Haarpflege in der Vergangenheit als verstaubt und nur in Bioläden oder Reformhäusern zu bekommen, besinnen sich immer mehr Hersteller von konventionellen Shampoos und Spülungen auf die pflegende Wirkung von Kräutern.

Haare waschen mit Kräutern

Schöne Haare sind seit Menschengedenken ein Ziel vieler. Die Geschichte zeigt, dass Haarpflege in den unterschiedlichen Epochen immer wieder anders praktiziert wurde. In Zeiten, als Wasser als verpönt und krankmachend eingestuft wurde, bediente man sich Puder, um Talg aufzusaugen, trug Perücken und sprühte allerhand Parfüm in die Haare, um den unangenehmen Geruch von ungewaschenem Haar zu übertünchen.

Es dauerte viele Jahrhunderte, bis auch Mediziner erkannten, dass Haare nicht nur ein Symbol der Schönheit sind, sondern auch dass Pflege der Haare und Kopfhaut für die Gesundheit wichtig ist. Der Arzt Alfred Baumgarter (1862 bis 1924) betonte: "Die Haare sollte man also pflegen, aber nicht dadurch, daß man fleißig Oel darauf schmiert, sondern den Kopf gehörig wäscht, nicht täglich, jedoch öfter"[1]. Im 19 Jahrhundert war das Mittel der Wahl beim Haarewaschen Seife. Zeitgleich kam der Trend auf, Haarwaschwasser aller Couleur und dem persönlichen Bedürfnis entsprechend anzuwenden. Haarwaschwässer versprachen allerhand: von der einfachen Reinigung der Haare bis hin zur Stärkung der Haare und dem Entgegenwirken von Haarausfall und setzten auf Rosmarin, Brennnessel, Rosen, Lorbeer, Arnika und Pfefferminze als Zutaten[2].

Viele Haarwaschwässer waren Heißaufgüsse bzw. abgkühlter Tee, die mit Essig oder Spiritus zwecks längerer Haltbarkeit versetzt wurden. Baumgarten empfahl Brennnesselhaarwasser als tägliche Einreibung bei Haarausfall oder lichter werdenden Stellen, um das Haarwachstum anzuregen. Ein Produkt, das heute noch in den Drogerien angeboten wird.

Rosmarintee, dem in den sozialen Medien aktuell viel Aufmerksamkeit geschenkt wird, ist ein altbewährtes Mittel, um "dem Haare ein glänzendes Aussehen" zu verleihen, während Klettenwurzel "als haarwuchsförderndes Mittel" angepriesen wird und Pfefferminztee - genau wie Rosmarintee derzeit hoch im Trend - zur Behandlung von fettigem Haar angeraten wird[3].

Wichtige Inhaltsstoffe für die Haarpflege

Die Vielzahl der bekannten Kräuter hat unzählige verschiedene Inhalts- und Wirkstoffe. Für die Haarpflege sind insbesondere die folgenden Wirkstoffgruppen relevant:

  • Saponine
  • Gerbstoffe
  • Schleimstoffe
  • Kieselsäure
Kräutershampoo für Haarpflege
Kräutershampoos stellen eine meist nachhaltigere und verträgliche Alternative in der Haarpflege dar

Saponine - Waschen mit Pflanzen

Lange Zeit, bevor zum Haarewaschen angenehm schäumende, parfümierte Shampoos oder Seifen zum Einsatz kamen, waren saponinhaltige Pflanzen von besonderer Bedeutung.

Saponine sind chemische Verbindungen, die in den Wurzeln, Samen und Blättern vieler Pflanzen vorkommen, in Verbindung mit Wasser aufschäumen und in der Lage sind, Schmutz und Fett zu lösen. Gleichzeitig wirken viele Saponine antibakteriell, antifungizid sowie zum Teil hormonstimulierend.

Neben dem Seifenrindenbaum und Waschnüssen zählt das Echte Seifenkraut zu den bekanntesten saponinhaltigen Pflanzen, aber auch viele Kräuter verfügen über hohe Anteile an Saponinen. Hierzu zählen u.a. die folgenden Kräuterpflanzen:

Seifenkraut in der Haarpflege
Das Seifenkraut ist ein bekanntes Wildkraut und enthält hohe Anteile an Saponinen

Kräuter und die Wirkung auf die Haare

Die Mehrzahl der derzeit im Drogeriesegment erhältlichen Haarpflegeprodukte mit Kräutern setzt allerdings weniger auf die reinigende Funktion von Seifenkraut, sondern auf die Effekte von Kräuterextrakten, die den unterschiedlichen Bedürfnissen von Kopfhaut und Haar angepasst sind.

Die wichtigsten Inhaltsstoffe von Kräutern, die dabei zum Tragen kommen, sind Gerbstoffe und Schleimstoffe.

Gerbstoffe wirken auf das Haar adstringierend, zusammenziehend. Beim Haarewaschen wird die Schuppenschicht eines jeden einzelnen Haares durch die Tenside (= waschaktive Substanzen, die für Schaum und Reinigung sorgen, z.B. Sodium Laureth Sulfate, Sodium Lauryl Sulfate, Sodium Coco Sulfate, Coco Glucoside) aufgeraut. Gerbstoffe legen die Schuppenschicht wieder an und sorgen so dafür, dass das Haar glänzt.

Schleimstoffe hingegen überziehen das Haar mit einem natürlichen, glättenden Schutzfilm - vergleichbar mit Silikonen (z.B. Dimethicone, Cyclodimethicone, Polymethylsiloxan), Quats (Quaternium, Polyquaternium), Glycerin oder Polymeren. Jene Stoffe aus dem Labor sorgen nicht nur für Geschmeidigkeit, Glanz, Glätte und Frisierbarkeit, sondern können auch allergieauslösend sein, zu Reizungen führen und zudem eine Belastung für die Umwelt in Hinblick auf die Abbaubarkeit darstellen. Schleimstoffe aus der Natur, die in einigen Kräutern vorkommen, sind vor allem für geschädigtes, poröses und strapaziertes Haar meist geeignet.

Daneben können andere Inhaltsstoffe von Kräutern die Haarstruktur durch Kieselsäure stärken wie Ackerschachtelhalm (Zinnkraut), das Haarwachstum unterstützen, Haarausfall mindern, Juckreiz stillen, die übermäßige Fettproduktion regulieren und der Entstehung von Schuppen entgegenarbeiten.

Dennoch sind Kräutern genau wie konventionellen Shampoos und Spülungen Grenzen gesetzt. Eine kaputte Haarstruktur mit Haarschäden wie Haarbruch und Spliss lässt sich in der Regel nicht reparieren, wenn folgende Ereignisse eingetreten sind:

  • mechanischer Einwirkung (Haargummis, Spangen, Reibung an Kleidung)
  • Färben
  • Hitzeeinwirkung (Föhnen, Glätten, Lockenstäbe)
  • Umwelteinflüsse (Sonneneinstrahlung)

Weitere Einflussfaktoren, die in der Haargesundheit eine wichtige Rolle spielen, sind

  • Ernährung
  • genetische Veranlagung
  • Hormonhaushalt (z.B. Schwangerschaft, Wechseljahre, Schilddrüse, Testosteron)
  • jahreszeitlich bedingter Haarausfall im Frühjahr und Herbst als urzeitliches Relikt der Evolution des Menschen

Folgende Kräuter sind besonders häufig in Shampoos und Spülungen (Naturkosmetik und konventionelle Kosmetik) enthalten:

HaarproblemKräuter
SchuppenBeinwell, Ringelblume, Rosmarin, Weidenrinde, Wacholder, Thymian
GlanzlosKamille, Brennnessel, Zitronenmelisse, Ringelblume, Ackerschachtelhalm
Fettige HaareHuflattich, Rosmarin, Salbei, Minze
JuckreizKamille, Schafgarbe, Ringelblume
Empfindliche KopfhautKamille, Ringelblume, Lavendel, Spitzwegerich
HaarausfallBrennnessel, Rosmarin
HaarwachstumsförderndBrennnessel, Schafgarbe

Die optimale Kräuter-Haarpflege

Eine gesunde und ausgeglichene Kopfhaut, kräftiges und unbeschädigtes Haar sowie gesunder Glanz sind die drei Wünsche, die an Haarpflege gestellt werden,

Abhängig vom Kopfhauttyp und dem Haar im Speziellen - trocken, schuppig, empfindlich oder fettig - sollte bei der Auswahl des Shampoos Wert auf die oben genannten Kräuter gelegt werden. Während Shampoos in erster Linie zur Reinigung der Kopfhaut gedacht sind, übernehmen Spülungen und Produkte, die im Haar verbleiben, die Pflege der Haare.

Ein probates Mittel sind Kräuterspülungen oder Kräuterrinsen, die einfach herzustellen und dank Trocknung auch ganzjährig erhältlich sind.

Kräuterrinse - Für jedes Haar ist ein Kraut gewachsen

Eine Kräuterrisne ist ein Kräuterauszug, der in Wasser angsetzt wird und nicht ausgespült wird - wobei hierbei "Probieren geht über Studieren" gilt. Einige Haare kommen besser zurecht, wenn die Rinse als abschließender Schritt nach der Haarwäsche wieder ausgespült wird.

Kräuterrinsen bedürfen einiger Vorbereitungzeit. Am Einfachsten sind Kräuterspülungen, die als Tee angesetzt werden, ca. 10 min. ziehen und nach dem Abkühlen in den Haaren verteilt werden. Anders als bei cremigen Spülungen hat es sich bewährt, die Haare immer wieder in die Rinse zu tunken, oder die Rinse über den Kopf und die Haarlängen zu spülen, mit einem zweiter Schüssel aufzufangen und diese Schritte einige Male zu wiederholen.

Im Fall von Rosmarin und Ackerschachtelhalm ist etwas mehr Zeit notwendig. Die Kräuter im Topf ca. 20 min. köcheln lassen, damit die stärkende Kieselsäure freigesetzt wird, abkühlen lassen und spülen.

Welche Kräuter verwendet werden, bestimmen wieder Haar und Kopfhaut. Einige Rinsen werden lediglich in den Längen verteilt, andere auch auf die Kopfhaut aufgetragen. Der Vorteil von Rinsen: Die Wirkstoffe können sich besser entfalten, da diese nicht wieder ausgespült werden.

Eine Rinse aus Basilium oder Katzenminze verbessert die Kämmbarkeit. Kamille als Spülung schenkt Glanz. Oregano und Nachtkerze eignen sich für empfindliche Kopfhaut. Ein Guß mit Ackerschachtelhalm sorgt für Glanz, Geschmeidigkeit und kräftiges Haar.

Zudem können die Farbstoffe von Kräutern die eigene Haarfarbe mehr oder weniger beeinflussen. Die Effekte sind allerdings nicht mit dem Farbergebnis chemischer Tönungen sowie Färbungen oder der Färbewirkung von Henna, Indigo oder Katam vergleichbar.

Kamille und Katzenminze verleihen einen goldgelben Schimmer. Ringelblume tönt zart-rot. Rosmarin, Brennnessel und Salbei neutralisieren durch die grüne Farbe einen möglichen Rotstich und eine Spülung mit blauer Malve wirkt dem Gilbstich von ergrautem Haar entgegen. Die Farbveränderung ist oftmals nur minimal, verstärkt sich aber nach mehrmaliger Anwendung.

Generell wird die Wirkung von Kräuterrinsen häufig erst nach längerer Anwendungszeit sichtbar. Haarschäden können dennoch nicht repariert werden und auch nicht jedes Haar spricht auf eine Kräuterrinse an. Hinzu kommt der Aspekt der individuellen Verträglichkeit, beispielsweise sollte bei einer Allergie gegen Korbblüter keine Kamille verwendet werden.

HaarfarbeKräuter
Blondrotblond: Ringelblumeblond: Kamille, Ringelblume, Katzenminze
Brünett/braunRosmarin, Brennnessel, Salbei, Wacholder
RotOregano, Ringelblume
GrauMalve, Ringelblume

Weiterführende Literatur und Quellen:

  1. Baumgarten, A. (1895): Ueber Blutarmuth. IN: Populäre Vorträge gehalten in der Wandelbache zu Wörishofen
  2. Hirzel, H. (1892): Blumen-Haarwaschwasser. IN: Die Toiletten-Chemie
  3. Klencke, H. (1865): Haarpflege. IN: Hauslexikon der Gesundheitslehre für Leib und Seele
  4. Weinberger, R. (1846): Pflege und Erhaltung der Haare. IN: Die Haare des Menschen im gesunden und kranken Zustande und die bewährtesten Heilmittel gegen die Krankheiten, etc

       

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Kommentare zum Thema

Irène Kopp Schaller hat am 02.08.2020 um 12:31 Uhr geschrieben

Guten Tag

ich habe sehr viel Johanniskraut im Garten. Kann man ev. damit Haare färben? Mit heissen Wasser?
Brauche das J-Kraut für Tee und Oel.

Mit freundlichen Grüssen
Irène Kopp Schaller

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