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Wiesenknopf

Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Foto vom WiesenknopfDer Große Wiesenknopf gilt als altes Heilkraut, das vor allem bei Blutungen sowie zur Wundheilung eingesetzt wurde. Die zu den Rosengewächsen zählende Pflanze wird heute meist nur noch im Rahmen alternativer naturmedizinischer Anwendungen genutzt. Der Große Wiesenknopf ist eine weit verbreitete Pflanze. Sie zählt bei einigen Hobbygärtnern auf Grund ihrer schlichten Schönheit auch als Geheimtipp im Garten.

Pflanzenmerkmale und Systematik des Großen Wiesenknopfs

Herkunft und Vorkommen des Wiesenknopfs

Der Große Wiesenknopf kommt in vielen Ländern Europas und Asiens vor. So ist das Kraut in einem breiten Band von Westfrankreich bis Südostchina anzutreffen. In Nordamerika ist es durch den Menschen eingeschleppt worden und somit auch vereinzelt zu finden. Die Pflanze wächst hervorragend in Grünlandzonen, aber auch vereinzelt in trockenen Zonen (z.B. in Vergesellschaftung mit Salbei). Sie besiedelt sowohl das Flachland, als auch Bergregionen bis zur submontanen Stufe.

Systematik des Großen Wiesenknopfes

Der Große Wiesenknopf zählt zur Familie der Rosengewächse und ist damit verwandt mit anderen wichtigen Heilkräutern, wie z. B. dem Mädesüß oder dem Odermennig. Die Gattung Wiesenknopfe (Sanguisorba) zählt etwa 30 Arten, von denen der Große (Sanguisorba officinalis) und der Kleine Wiesenknopf (Sanguisorba minor) wohl die bedeutendsten sind.

Weitere synonyme Namen des Großen Wiesenknopfs sind: Blutströpfchen, Herrgottsbärtlein, Sperberkraut, Wiesenbibernelle, Falsche Bibernelle und Blutkraut. Für den Kleinen Wiesenknopf wird häufig der Name Pimpinelle verwendet.

Merkmale des Großen Wiesenknopfes

Der große Wiesenknopf ist eine so genannte Halbrosettenstaude und erreicht eine Wuchshöhe zwischen 60 und 100 cm. Die Wuchshöhe hängt stark von den Standortbedingungen ab. Die Pflanze ist mehrjährig und winterhart. Die robusten Wurzeln des Krauts haben eine dunkelbraune bis rostähnliche Farbe und können tief in den Boden hineinragen (Tiefwurzler).

Die Blätter des Großen Wiesenknopfs haben meist eine hell- bis sattgrüne Farbe und zeichnen durch eine filigrane Fiederung aus. Die Blattunterseite erscheint häufig blaugrün. Der Blattrand ist deutlich gesägt. Die Blätter selbst stehen sich wechselständig gegenüber und sehen meist eine leicht v-förmig aus. Sowohl Blätter als auch Stängel sind nicht behaart.

Zur Blütezeit, die in der Regel von Mitte Juni bis Mitte September dauert, bildet der große Wiesenknopf herrliche dunkelrote Blüten aus. Die ährenähnlichen Blütenköpfe enthalten bis zu 40 Einzelblüten und sind meist zwischen 2 und 6 cm lang. Die Blüten sind zwittrig. Im Anschluss an die Blüte bilden sich zur Fruchtreife kleine hell- bis dunkelbraune Nussfrüchte aus, die etwas schrumpelig aussehen.

Blüte vom Großen Wiesenknopf
Der große Wiesenknopf bildet attraktive Blütenköpfe mir rosa Einzelblüten aus

Der Wiesenknopf ist für viele Insekten eine sehr beliebte Pflanze, darunter Schmetterlinge, Bienen und Ameisen.

Großer Wiesenknopf - Aussaat und Pflege

Der Große Wiesenknopf stellt einige, aber keine unlösbaren Ansprüche an Standort, Boden und Pflege. In seiner natürlichen Umgebung bevorzugt die Pflanze einen sonnigen bis halbschattigen Standort mit nährstoffreichen, humosen, feuchten und dichten Böden. Für die Kultivierung sollten sandige und leichte Böden, ebenso wie das Austrocknen des Bodens vermieden werden. Optimal sind Gartenböden, die leicht kalkhaltig und feucht sind, aber keine Staunässe bilden.

Die Aussaat des großen Wiesenknopfs im Freiland sollte zwischen Ende Februar und Anfang April erfolgen. Das Kraut ist ein Kaltkeimer. Da die Samen Licht zum Keimen benötigen (Lichtkeimer), sollten diese nicht mehr als 1 cm in den Boden gedrückt werden. Der Abstand zwischen den Samenkörnern sollte wenigstens 20 x 20 cm sein. Geringe Abstände können unerwünschte Nährstoffkonkurrenz sowie vermehrten Schädlingsbefall zur Folge haben.

Das Kraut muss zur Winterzeit nicht unbedingt ins Haus geholt werden und kann somit im Freien überwintern. Der Wiesenknopf verträgt Frost bis zu -20 °C, einige Quellen berichten sogar von bis zu -25 °C.

Gedeiht die Pflanze auf nährstoffreichen Böden, genügt es, lediglich zum Beginn der Gartensaison zu düngen. Gute Dünger sind Kompost oder Dung, die im Frühjahr unter die Erde gemischt werden kann. Bei weniger nährstoffreichen Böden sollte die Düngergabe häufiger erfolgen. Gut geeignet sind Langzeitdünger, wie Düngerpellets oder Guano.

Balkon- und Topfbepflanzung: Die Kultivierung auf dem Balkon ist durchaus möglich, sollte aber in geeigneten Kübeln oder breiteren Töpfen geschehen. Die Wurzeln bilden mitunter recht stattliche Ausläufer. Es empfiehlt sich, den Wiesenknopf auf dem Balkon nicht länger als zwei Jahre zu kultivieren.

Wer die Pflanze nutzen möchte, sollte die jungen Blätter im April und Mai für die Küche und das Kraut zu Beginn der Blüte für Tees verwenden. Für Heilzwecke wird auch die Wurzel geerntet, die direkt im Anschluss an der Luft getrocknet werden sollte. Übermengen können gut in Essig oder Öl konserviert werden.

Verwendung von Großer Wiesenknopf

Der Wiesenknopf ist ein altes Heilkraut, welches heute bei alternativen Heilverfahren Anwendung findet. Gelegentlich werden junge Triebe auch zur Zubereitung von Salaten verwendet.

Wiesenknopf in der Küche

Der Große Wiesenknopf als Küchenkraut ist eher von geringer Bedeutung. Gelegentlich werden junge Triebe des Krauts für Wildkräutersalate verwendet. Häufiger in der Küche anzutreffen ist der Kleine Wiesenknopf (Sanguisorba minor), der im Handel unter dem Namen Pimpinelle angetroffen wird. Dieser hat einen kräftigen und gurkenähnlichen Geschmack. Durch die enthaltenden Gerbstoffe schmeckt das Kraut zudem leicht bitter. Pimpinelle selbst ist Bestandteil der berühmten Frankfurter Grünen Soße.

Für die Zubereitung von Speisen wird daher empfohlen, eher jüngere Blätter und Triebe zu verwenden. Je älter der Wiesenknopf wird, umso bitterer wird der Geschmack. Der Großer Wiesenknopf weist recht hohe Gehalte an Vitamin C auf.

Die Blätter beider Wiesenknopf-Arten eignen sich hervorragend für die Zubereitung von Kräuterquark und Kräuterbutter. Auch das Würzen von klaren Suppen kann eine interessante Erfahrung sein. Zu beachten ist jedoch, dass die Blätter immer nach dem Kochen beigefügt werden, da das Aroma beim Kochen schnell verfliegt.

Großer Wiesenknopf als Heilkraut

Der Große Wiesenknopf wirkt auf verschiedener Weise. Die Inhaltsstoffe des Heilkrauts haben v.a. eine blutstillende, entzündungshemmende, harntreibende, antioxidative und adstringierende Wirkung. Diesen Eigenschaften folgend wird das Kraut in der Naturheilkunde als sanftes Mittel zur Wundheilung, als Blutstiller sowie für die Behandlung von Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum verwendet. Weitere Anwendungsmöglichkeiten sind Verdauungsbeschwerden wie Blähungen und Durchfall sowie Frühjahrsmüdigkeit.

Der Wiesenknopf war bereits in der Antike und sowie im Mittelalter bekannt. In den meisten historischen Kräuterbüchern wird die Pflanze erwähnt, wobei nicht eindeutig geklärt ist, ob der große oder der kleine Wiesenknopf gemeint ist. Im Kräuterbuch von P.A. Matthioli, ein Arzt und Botaniker aus Italien im 16. Jahrhundert, wird der Wiesenknopf übrigens als Herrgottsbärtlen bezeichnet. Schon in dieser Zeit waren die blutstillende Wirkung des Heilkrauts sowie die positiven Effekte bei der Wundheilung bekannt. Auch heute wird der Wiesenknopf noch von ländlichen Bewohnern in Russland und Südchina für genau diese Zwecke verwendet.

Großer Wiesenknopf in altem Kräuterbuch
Darstellung des Wiesenknopfs im Kräuterbuch von Matthioli

Dargereicht wird der Wiesenknopf als Tee, als homöopathisches Mittel (Sanguisorba) oder als Frischkraut. Pur kommt der Große Wiesenknopf meist zur Blutstillung zum Einsatz, mitunter auch in Verbindung mit Ackerschachtelhalm. Gelegentlich sollen frische Blätter auch eine Linderung gegen Sodbrennen verschaffen. Der Tee wird bei Entzündungen im Hals- und Rachenraum verwendet, wobei hier ausschließlich das Kraut Anwendung findet.

Der Große Wiesenknopf wird gelegentlich auch in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) verwendet. Dort wird er beispielsweise bei blutenden Hämorrhoiden oder blutigen Durchfällen verabreicht. Als Organbezug gibt die TCM die Verbindung Dickdarm und Leber an.

In einigen Studien wird ein Effekt gegen bösartige Tumorzellen diskutiert [1]. So konnten u.a. in Laborversuchen (mit Wurzelextrakte vom großen Wiesenknopf) nachgewiesen werden, dass bestimmte Inhaltsstoffe (v.a. Polysaccharide) im großen Wiesenknopf Tumorzellen zum Absterben bringen.

Hinweis: Eine Überdosierung mit Wiesenknopf bzw. eine Behandlung über einen längeren Zeitraum ist zu vermeiden, da dies zu Übelkeit oder anderen Magenbeschwerden führen kann. Bei unklarer Sachlage sollte ein Arzt oder Naturheilkundler befragt werden.

Wiesenknopf kaufen - Was gibt es zu beachten?

Der Große Wiesenknopf ist in einigen größeren Pflanzencentern gelegentlich als Zierpflanze zu finden. Den kleinen Wiesenknopf gibt es mitunter als Frischkraut in einigen regionalen Märkten zu kaufen, v.a. auf Märkten in Hessen - nicht zuletzt aufgrund der Beliebtheit der Frankfurter Grünen Soße, dessen Rezept auf den kleinen Wiesenknopf als Zutat setzt. Wer auf große Wege verzichten will, kann frische Pflanzen auch im Onlinehandel bzw. auf Onlinemarktplätzen erwerben. Dort kann man vorgezogene Pflanzen kaufen, die sich bequem im Beet oder auf dem Balkon umtopfen lassen. Die Preise liegen bei etwa 2,50 bis 4 EUR pro Topfpflanze.

Für die Anwendung als Heilkraut bieten einige kleinere Hersteller auch getrockneten und geschnittenen Wiesenknopf an. Die Preise liegen mit 5 bis 7 EUR pro 100 Gramm allerdings eher im mittleren Preisniveau.

Insofern die Bedeutung dieses Krauts auf der Heilwirkung liegt, sollte unbedingt der große Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) erworben werden, da sich die Inhaltsstoffe gegenüber dem kleinen Wiesenknopf (Sanguisorba minor) unterscheiden. Für die Anwendung in der Küche oder als Zierpflanze wird meist der kleine Wiesenknopf verwendet, der im Handel meist unter dem Namen Pimpinelle zu finden ist.



Weiterführende Literatur

  • [1] Zhang, Lin et al. (2012): Antioxidant and immunomodulatory activities of polysaccharides from the roots of Sanguisorba officinalis. In: International Journal of Biological Macromolecules, Vol. 51, S. 1057-1062.
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