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Herzgespann

Herzgespann (Leonurus cardiaca) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Foto vom Echten HerzgespannDas Echte Herzgespann fällt durch seine charakteristischen Blüten und Blätter schnell ins Auge. Der imposante Lippenblütler, der auch als Löwenschwanz bezeichnet wird, ist ein wichtiges Heilkraut in der Naturheilkunde. Die im Kraut enthaltenen Inhaltsstoffe können u.a. nervös bedingte Herzbeschwerden, Beschwerden durch Schilddrüsenüberfunktion sowie leichte Angststörungen und Verstimmungen lindern. Früher wurden die Blätter des Herzgespanns sogar in der Küche verwendet.

Pflanzenmerkmale und Systematik des Echten Herzgespanns

Herkunft und Vorkommen vom Echten Herzgespann

Das Echte Herzgespann stammt ursprünglich aus Sibirien und breitete sich von dort bis in den west- und nordeuropäischen sowie nach Vorderasien Raum aus. In Deutschland wurde das Herzgespann in Bauern- und Klostergärten als Heilpflanze vielfach kultiviert. Die Pflanze ist daher heute in vielen Regionen verwildert anzutreffen, wenngleich ihr Bestand durch Landwirtschaft und Grünlandbewirtschaftung als gefährdet eingestuft wird.

Sie besiedelt vor allem trockenere Viehweiden, Unkrautfluren in Dörfern, Hecken sowie Schutt- und Brachflächen.

Systematik von Leonurus cardiaca

Das Echte Herzgespann (Leonurus cariaca) ist gehört zur großen Pflanzenfamilie der Lippenblütler (Lamiaceae). Die Art ist somit verwandt mit vielen weiteren Heil- und Gewürzkräutern wie dem Basilikum, dem Salbei oder dem Oregano. Die Gattung der Herzgespannpflanzen (Leonurus) umfasst etwa 50 bekannte Arten, die ausnahmslos in Europa oder Asien beheimatet sind. Neben dem Echten Herzgespann sind noch das Chinesische Mutterkraut (Leonurus japonicus) sowie das Sibirische Herzgespann (Leonurus sibirica bekannte Vertreter der Gattung, die ebenfalls in der Pflanzenheilkunde Verwendung finden.

Vom Echten Herzgespann gibt es zwei Unterarten, die sich in der Ausprägung der Blätter sowie in der Blatt- und Stängelbehaarung voneinander unterscheiden:

  1. Leonurus cardiaca ssp. cardiaca (Gewöhnliches Echtes Herzgespann)
  2. Leonurus cardiaca ssp. villosus (Zottiges Echtes Herzgespann)

Synonyme Namen sind Löwenschwanz, Herzkräutel oder Herzgold.

Merkmale des Echten Herzgespanns

Herzgespann ist eine mehrjährige und typisch krautige Pflanze, die Wuchshöhen zwischen 40 und 100 cm erreichen kann. Die Pflanze bildet im Boden ein meist kurzes und verholztes Wurzelwerk (eigentlich Rhizom) mit bräunlicher Farbe aus, an dem seitlich mehrere mehr oder weniger feiner Wurzelhaare abgehen.

Die Blätter des Echten Herzgespanns sind meist von hellgrüner Färbung. Sie haben eine teils herzförmige, gelappte Blattform mit deutlich gezacktem Blattrand. Der obere Bereich der Blätter ist stets dreigelappt. Alle Blätter sind bestielt und deutliche behaart. Die Herzgespannblätter sitzen jeweils gegenständig am vierkantigen, verästelten und ebenfalls behaarten Stängel.

Blatt vom Echten Herzgespann
Die gelappten Blätter des Echten Herzgespanns sind ein Charakteristikum

Zur Blütezeit, die meist zwischen Mitte Juni bis Anfang September stattfindet, bildet das Echte Herzgespann typische Lippenblüten mit zartrosaner bis purpurner Blütenfarbe aus. Die Blüten stehen entspringen jeweils den Blattachseln und wachsen aufrecht. Der Blütenstand ist eine Scheinquirle. Die Blütenkrone wird meist bis zu 10 mm lang und ist auffällig behaart. Die Blütenunterlippe ist stets dreiteilig. Die Herzgespannblüten wirken sehr anziehend auf Insekten.

Blüte vom Echten Herzgespann
Die einzelnen Lippenblüten stehen in einer Scheinähre

Während der Fruchtreife entwickeln sich ab September aus den Lippenblüten die typischen Klausenfrüchte. Diese sind meist becherförmig, haben eine braune Färbung und sind bis zu 3 mm lang. Diese enthalten die meist dunkelbraunen bis schwarzen Samen, die eine deutlich kantige und längliche Form aufweisen.

Herzgespann – Aussaat, Anbau und Pflege

Das Herzgespann ist eine sehr charmante Pflanze, die sich mit einfachen Mitteln anbauen lässt. Wird sie im Garten angebaut, danken es einem vor allem die Bienen, für die die Pflanze eine sehr gute Nahrungsquelle darstellt. Sie gilt als typische Bienenweide.

Standort: Herzgespann mag vor allem sonnige und warme Standorte mit eher stickstoffreichen, mäßig feuchten und durchlässigen Böden. Lehmige Böden sollten vor der Anpflanzung mit Zuschlagstoffen wie Quarzsand oder Lavasand vermischt werden, um die Bodenstruktur lockerer zu machen.

Aussaat: Die kantigen Herzgespannsamen werden am besten zwischen Anfang April bis Mitte Mai direkt ins Freiland ausgesät. Topfkulturen für die Aussaat auf Balkon und Terrasse sind grundsätzlich möglich, allerdings sollten dann eher tiefere Töpfe gewählt werden. Die Samen werden nur leicht auf das Substrat bzw. die Erde angedrückt, da Herzgespann ein Lichtkeimer ist. Der Pflanzabstand zwischen den einzelnen Pflanzen sollte wenigstens 35 x 35 cm betragen, da sonst zu hohe Nährstoffkonkurrenz herrscht und die Pflanzen krankheitsanfällig werden. Die Keimdauer bis zum Erscheinen der ersten Blätter beträgt meist zwischen 14 und 21 Tagen.

Soll die Erde in Topfkultur wachsen, kann eine handelsübliche Kräutererde verwendet werden. Reine Blumenerde sind meist zu nährstoffreich. Für die Anzucht genügt meist auch ein nährstoffarme Erde mit hohem mineralischem Anteil.

Herzgespann im Garten
Herzgespann im Garten lockt viele wichtige Insekten wie Bienen und Hummeln an

Düngen: Das Herzgespann hat zwar einen gewissen Bedarf an Stickstoff, ist grundsätzlich jedoch eher anspruchslos, was andere Nährstoffe betrifft. Steht im Garten hochwertiger Kompost zur Verfügung, genügt es, eine Handvoll davon im Frühjahr in die Erde zu mischen. Steht kein Kompost zur Verfügung, erfüllen Hornmehl oder Hornspäne auch ihren Zweck. Topfkulturen benötigen unter Umständen etwas mehr Dünger.

Gießen: Als Pflanze, die mäßig-feuchte Standorte bevorzugt, sollte das Herzgespann in bestimmten Abständen gegossen werden. An heißen Tagen mit ausbleibenden Niederschlägen sollte die Erde morgens oder abends ausgiebig bewässert werden. An mäßig warmen bis kühleren Tagen genügt in der Regel eine Bewässerung alle drei bis vier Tage. Staunässe sollte jedoch in jedem Fall vermieden werden. Kurze Trockenphasen ohne Wasser verzeiht das Herzgespann meistens.

Krankheiten und Schädlinge: Im Allgemeinen ist das Echte Herzgespann eine sehr robuste Pflanze. Bei Pflegefehlern oder minderwertiger Erde kann es jedoch zum Befall von Echtem Mehltau kommen. In seltenen Fällen können auch Spinnmilben die Blätter des Herzgespanns befallen. Dies ist meist dann der Fall, wenn die Pflanze längere Trockenphasen über sich ergehen lassen musste.

Überwinterung: Herzgespann ist kälteres Klima gewohnt. Überwinterungsmaßnahmen müssen folglich nicht getroffen werden. Die oberirdischen Pflanzenteile sterben im Herbst ab und treiben im Frühjahr wieder aus.

Verwendung von Herzgespann

Echtes Herzgespann als Küchenkraut

Heute wird das Echte Herzgespann nur noch selten als Gewürz verwendet. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit hat man die Blätter des Krauts jedoch häufig als Küchenkraut genutzt. Mit Herzgespannblättern wurden vor allem Hülsenfrüchte oder Hirsegerichte gewürzt, die vor allem der besseren Verdaubarkeit wegen Verwendung fanden.

Der Geschmack der Blätter ist aromatisch, leicht bitter und etwas harzig. Die Blätter des Herzgespanns harmonieren heute gut mit Weichkäse, Kartoffelgerichte oder Quark. Das Kraut sollte jedoch nur äußerst sparsam verwendet werden, da der Geschmack dominant ist.

Echtes Herzgespann als Heilkraut

In der heutigen Pflanzenheilkunde sind das Echte Herzgespann sowie auch weitere Herzgespannarten von hohem Interesse. Das blühende Kraut der Pflanzen kann vielseitig eingesetzt werden und steht auch im aktuellen Fokus einiger wissenschaftlichen Untersuchungen.

Herzgespann ist als Heilkraut erst in der jüngeren Pflanzenheilkunde ein Begriff. In älteren Kräuterbüchern (Matthioli, Leonhard Fuchs) wird die Pflanze zwar erwähnt, allerdings finden sich nur sehr spärliche Anwendungshinweise. Eine positive Wirkung auf das Herz scheint jedoch in der frühen Neuzeit schon bekannt gewesen zu sein. Im Buch von Matthioli wird beispielsweise erwähnt, dass gut gegen Herzklopfen und Herzzittern ist. Außerdem wurde es als harntreibendes Mittel und bei Frauenkrankheiten eingesetzt. Inwieweit das Kraut in der Antike Verwendung fand, ist heute kaum bekannt.

Herzgespann im alten Kräuterbuch
Beschreibung des Herzgespanns im Kräuterbuch von P. A. Matthioli

Die oberirdischen Pflanzenbestandteile (Blätter, Blüten) enthalten ein breites Spektrum unterschiedlicher Inhaltsstoffe, die zahlreiche medizinische Anwendungen begründen. Die hauptsächlichen Wirkstoffe der Pflanze sind Bitterstoffe bzw. Iridoidglykoside, Flavonoide wie Rutosid, Quercetin und Apigenin sowie verschiedene Labdane wie das Leocardin. In kleineren Mengen enthält die Pflanze außerdem ätherische Öle, Betaine und Gerbstoffe wie die Kaffeesäure. Durch diese Inhaltsstoffe zeigt das Echte Herzgespann folgende Wirkungen auf unseren Organismus:

  • krampflösend
  • beruhigend
  • blutdrucksenkend
  • belebend
  • immunmodulierend (das Immunsystem stärkend)
  • antioxidativ
  • schmerzlindernd

Der Anwendungsbereich des Herzgespanns reicht von psychischen Beschwerden, leichteren Herzbeschwerden die durch hohen Blutdruck oder Schilddrüsenbeschwerden ausgelöst werden bis hin zu chronischen Schilddrüsenleiden. In der Naturheilkunde wird das Echte Herzgespann vor allem bei folgenden Krankheiten und Beschwerden eingesetzt:

  • Linderung von Wechseljahresbeschwerden (u.a. Hitzewallungen, Herzklopfen)
  • nervöse Unruhezustände
  • leichtere Angststörungen
  • depressive Verstimmungen
  • Bluthochdruck
  • psychisch ausgelöste Herzbeschwerden
  • Schilddrüsenüberfunktion (unterstützend)
  • Magen- und Darmbeschwerden
  • Blähungen
  • Schlaflosigkeit

Bei bekannter Schilddrüsenüberfunktion kann Herzgespann, meist in Verbindung mit Baldrian und Wolfstrapp, eine fühlbare Linderung verschaffen. Hauptanwendungsgebiet sind jedoch nervös bedingte Herz- sowie Blutdruckbeschwerden, die teils jedoch auch durch Schilddrüsenerkrankungen verursacht werden können. Es ist wissenschaftlich mittlerweile gut untersucht, dass die Einnahme von Herzgespannpräparaten zu einer Verlangsamung der Herzfrequenz führen kann und den Blutdruck insgesamt senkt.

Neuere Studien zeigen zudem, dass Herzgespann möglicherweise schmerzlindernd wirkt. Dies ist dadurch zu erklären, dass einige Inhaltsstoffe die Blut-Hirn-Schranke überwinden können und somit bereits frühzeitig eine Schmerzlinderung erreichen können [2]. Welche Inhaltsstoffe hierfür verantwortlich sind, ist jedoch nicht abschließend geklärt.

Gebräuchliche Darreichungsformen sind vor allem Tees und Tinkturen. Für einen puren Herzgespanntee werden etwa 2 Teelöffel getrocknetes Kraut mit 250 ml sprudelnd heißem Wasser übergossen. Der Aufguss sollte mindestens 10 Minuten ziehen bevor er zwei bis dreimal täglich getrunken wird. Ein solcher Tee eignet sich vor allem bei Wechseljahresbeschwerden (Klimakterium) und n

Herzgespannkraut wird meist mit anderen Kräutern gemischt (Kombinationspräparat). Bei nervösen Unruhezuständen oder Schlafstörungen empfiehlt es sich, Herzgespann mit begleitenden Kräutern wie Baldrian, Melisse und Johanniskraut zu mischen. Die Ziehzeit des Tees bei Nervosität sollte jedoch zwischen 5 und 7 Minuten liegen.

Nebenwirkungen und Anwendungshinweise: In der Schwangerschaft darf Herzgespannkraut nicht eingenommen werden, da es die Aktivität der Gebärmutter stimuliert. Die Anwendung von mehr als drei Tassen in der bekannten Menge sollte nicht überschritten werden, da Herzgespann in höheren Mengen giftig ist. Bei sachgemäßer Anwendung sind kaum Nebenwirkungen zu erwarten. Im Zweifel ist jedoch bei Herzrhythmusstörungen oder unbekannten Schilddrüsenbeschwerden immer ein Arzt zu konsultieren.

Herzgespann kaufen – Was gibt es zu beachten?

Das Herzgespann ist eine durchaus bekannte Staude, die mitunter als Zierpflanze im Garten kultiviert wird. Auf Pflanzenmärkten oder in Pflanzencentern gibt es gelegentlich frische Pflanzen zu kaufen. Hier sollte darauf geachtet werden, dass die Blätter keine weißen oder gelben Ränder haben. In den meisten Fällen sind die Töpfe zu klein, in der die Pflanzen gehalten werden. Es empfiehlt sich also ein zügiges Umtopfen in ein Pflanzgefäß mit ausreichendem Volumen. Die Herzgespan tiefreichende Wurzelstöcke bilden können, sollte der Topf auch eine entsprechende Tiefe haben.

Will man Herzgespan selbst aus Samen hochziehen, kann man diese im Pflanzenfachhandel sowie in diversen Onlineshops beziehen. Die Samen sollten jedoch insgesamt nicht älter als zwei Jahre sein, da sonst der Keimerfolg ausbleiben kann.

Für heilkundliche Anwendungen können im Kräuterfachhandel und in Apotheken bereits getrocknetes und zerkleinertes Herzgespannkraut bezogen werden. Qualitativ hochwertiges Herzgespannkraut besteht aus nur sehr geringen holzigen Anteilen bzw. wenigen Stängeln.

Literaturhinweise

  • [1]: Wojtyniak, K. et al. (2012): Leonurus cardiaca L. (Motherwort) – A review of its Phytochemistry and Pharmacology. In: Phytotherapy Research, Vol. 27, S. 1115-1120, https://doi.org/10.1002/ptr.4850
  • [2]: Rezaee, A. et al. (2014): The Study of Analgesic Effects of Leonurus cardiaca L. in Mice by Formalin, Tail Flick and Hot Plate Tests. In: International Scholarly Research Notes, Vol. 2014, S. 1-5, http://dx.doi.org/10.1155/2014/687697
  • [3]: Europäische Arzneimittel-Agentur (2010): Assessment report on Leonurus cardiaca L., herba, London.
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