Logo Kräuterbuch

Andorn

Andorn (Marrubium vulgare) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Foto vom Andorn

Der Andorn ist eine recht unscheinbare Pflanze, die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammt und heute weltweit verbreitet ist. Seit der Antike wird der Gewöhnliche oder Weiße Andorn als Heilpflanze genutzt. Bis in die frühe Neuzeit zählte der Lippenblütler zu den bekanntesten Arzneikräutern. Auch heute genießt der Anrdorn einen hohen Stellenwert in der Naturheilkunde. Die enthaltenden Bitterstoffe und Gerbstoffe des Krauts wirken vor allem bei Magenbeschwerden, Verdauungsproblemen und hartnäckigem Husten.

Steckbrief von Andorn
Botanischer NameMarrubium vulgare
PflanzenfamilieLippenblütler
Weitere NamenMutterkraut, Berghopfen, Weißer Andorn, Mariennessel
Aussaatzeit / PflanzzeitMai - Juni
BlütezeitJuni - August
ErntezeitJuni - August
Standortsonnig; nährstoffarme, kalkhaltige und durchlässige Böden
Verwendung als HeilkrautDurchfall, Bluthochdruck, Husten, Beschwerden bei Menstruation, Gallenstörungen
Verwendung als Gewürzkrautkaum verwendet, da sehr bitter

Inhaltsverzeichnis

  1. Pflanzenmerkmale und Systematik vom Andorn
    1. Herkunft und Vorkommen des Andorns
    2. Systematik des Gewöhnlichen Andorns (Marrubium vulgare)
    3. Merkmale von Andorn
  2. Aussaat und Pflege des Andorns
  3. Verwendung von Andorn
    1. Andorn in der Küche
    2. Andorn als Heilkraut
  4. Andorn kaufen - Was gibt es zu beachten?
  5. Literaturnachweise

Pflanzenmerkmale und Systematik vom Andorn

Die hier folgende Pflanzenbeschreibung bezieht sich auf den Gewöhnlichen Andorn, der in der Naturheilkunde als Arzneipflanze geschätzt wird.

Herkunft und Vorkommen des Andorns

Das natürliche Herkunftsgebiet des Gewöhnlichen Andorns ist das westliche Mittelmeergebiet rund um die iberische Halbinsel und Teile Nordafrikas. Die Pflanze kommt, aufgrund reger Seefahreraktivitäten im Spätmittelalter, heute auch wild in Süd- und Mittelamerika vor. Da der Andorn im Mittelalter eine beliebte und häufig verwendete Heilpflanze war, lässt sie sich teilweise sogar im südlichen Skandinavien sowie auf den britischen Inseln antreffen.

Der Andorn ist verhältnismäßig anspruchslos bei der Wahl seiner Standorte. Er ist gelegentlich auf Brachflächen, trockenen und lehmhaltigen Standorten sowie in der Nähe von Bahntrassen zu finden.

Systematik des Gewöhnlichen Andorns (Marrubium vulgare)

Der Gewöhnliche Andorn (Marrubium vulgare) gehört zur großen Pflanzenfamilie der Lippenblüter. Das berühmte Heilkraut ist damit verwandt mit anderen wichtigen Kräuterpflanzen wie dem Salbei, dem Lavendel oder der Pfefferminze. In der engeren Verwandtschaft zählt die Pflanze zur Gattung der Andorne (Marrubium), die sich aus 49 Arten zusammensetzt. Neben Marrubium vulgare dürfte einigen Pflanzenkennern noch der Ungarische Andorn (Marrubium alysson) bekannt sein, der als Heilpflanze jedoch keine weitere Erwähnung findet.

In einigen Internetquellen wird darauf hingewiesen, dass die Art gesetzlich geschützt ist. Allerdings befinden sich weder in der Anlage 1 zur Bundesartenschutzverordnung noch auf der roten Liste der gefährdeten Arten Hinweise darüber, dass die Art geschützt ist.

Andorn wird gelegentlich auch als Mutterkraut bezeichnet. Die Pflanze hat jedoch nichts mit der ebenfalls als Mutterkraut bezeichneten Art Tanacetum parthenium zu tun, die zur Familie der Korbblütler gehört. Weitere Synonyme sind im Übrigen Weißer Andorn, Berghopfen oder Helfkraut.

Merkmale von Andorn

Der Gewöhnliche Andorn ist eine mehrjährige Pflanze, die meist krautig und eher selten als Halbstrauch wächst. Je nach Standortvoraussetzungen kann der Andorn Wuchshöhen zwischen 25 und 90 cm erreichen. Die Wurzeln des Krauts sind spindelförmig und meist recht dick.

Charakteristisch für den Andorn sind die kantigen, nahezu quadratischen und hohlen Stängel, die in den meisten Fällen mit weißen Drüsenhaaren besetzt sind. Vom Stängel aus wachsen jeweils gegenständige Blattpaare, die häufig Längen bis zu 2 cm erreichen können. Die meist minzgrünen Blätter sind eiförmig, spitz zulaufend, leicht gesägt und ebenfalls behaart. Die Nerven der Andornblätter sind halbkreisförmig.

Blätter vom Andorn
Andorn bildet deutlich strukturierte Blätter mit gekerbten Blatträndern aus

Die Blütezeit des Andorns ist meist zwischen Anfang Juni bis Ende August zu erwarten. Dann bildet die Pflanze dicht aneinander liegende, kleine weiße Blüten aus, die eine deutliche Lippenform aufweist. Die Andornblüten entspringen aus den Blattachseln, jeweils zwischen den Blattpaaren. Jede Blütenquirle enthält mehrere kleine Haare.

Blüten des weißen Andorn
Die kleinen unscheinbaren und weißen Lippenblüten des Gewöhnlichen Andorns (Marrubium vulgare)

Erreicht die Pflanze die Fruchtreife, so entwickeln sich kleine Klausenfrüchte an den winzig kleine Widerhaken sitzen. Die Samen haften somit wie Kletten an vorbeistreifenden Tieren und werden somit verbreitet.

Aussaat und Pflege des Andorns

Der Anbau von Andorn ist nicht sonderlich schwer, da die Pflanze insgesamt recht anspruchslos ist, wenig Pflege benötigt und nur selten von Krankheiten und Schädlingen befallen wird.

Standort: Optimal für das Kraut sind sonnige Standorte mit kargen, nährstoffarmen und leicht kalkhaltigen Böden. Gut geeignet sind Gärten mit lehmhaltigen oder tonigen Böden. Soll der Andorn auf sandreichem Boden wachsen, so sollte dieser zunächst mit etwas Bentonit (Tonmehl) durchmischt werden.

Aussaat: Die beste Zeit für die Aussaat im Freiland sind die Monate Mai bis Juni. Möglich ist auch eine Vorkultur auf der Fensterbank zwischen März und April. Die Samen des Andorns sind Lichtkeimer und sollten nur leicht in die Erde gedrückt werden. Da das Kraut recht buschig wächst und flach wurzelt, sollte ein Pflanzabstand von etwa 30 bis 40 cm eingehalten werden. Die Erde, in der die Samen keimen sollen, muss immer leicht feucht sein. Die Keimung selbst kann durchaus etwas Zeit in Anspruch nehmen und bis zu drei Wochen dauern. Es ist auch möglich, dass mehrere Samen nicht keimen - dies ist bei der Aussaat entsprechend zu berücksichtigen.

Düngung: Steht im Garten Kompost zur Verfügung, so kann der Boden vor der Aussaat damit durchmischt werden. Es genügen allerdings kleinere Mengen. Ansonsten können auch sparsame Gaben von normalem Universaldünger kurz vor der Blütezeit verwendet werden. Ansonsten eignen sich stickstoffbetonte Dünger mit nur geringen Phosphoranteilen. Wächst der Andorn auf dem Balkon, so sollte der Topf bzw. Kübel alle vier Wochen mit einem normalen Kräuterdünger versorgt werden.

Gießen: Das Kraut benötigt keine großen Mengen an Wasser. Es sollte darauf geachtet werden, dass der Boden immer leicht feucht ist. Kurze trockene Phasen übersteht der Andorn meist ohne Probleme. Bei heißen und längeren niederschlagsarmen Sommertagen sollte der Boden vor allem in den Abendstunden einmal kräftig bewässert werden.

Pflege: Es sollte beachtet werden, dass der Andorn eine invasive Pflanze ist und sich schnell um seinen Standort ausbreitet. Zur Blütezeit sollten daher die Blütenköpfe zum großen Teil entfernt bzw. zurückgeschnitten werden. Ansonsten ist die Pflanze recht resistent gegenüber Schädlingen und Krankheiten. Wird die Pflanze zu übermäßig gegossen, können sich gelegentlich

Krankheiten und Schädlinge: Unter normalen Wachstums- und Standortbedingungen sind Krankheiten und Schädlinge nur selten zu erwarten. Als bitterstoffhaltige Pflanze verfügt der Andorn über einen ausreichenden Grundschutz gegenüber den meisten Schädlingen. Bei langandauernden warmen bis heißen Tagen mit nur geringer Feuchtigkeit am Tage, sind die Blätter anfällig für Echten Mehltau. Das Risiko steigt, je länger die Pflanze trockene Blätter trägt.

Überwinterung: Andorn toleriert Frost bis etwa -12 °C und gilt als winterhart. Pflanzen, die bereits etwas älter sind, benötigen daher keinen besonderen Winterschutz. Bei jüngeren Pflanzen empfiehlt es sich, den Boden mit etwas Reisig zu bedecken, falls die Fröste zu stark werden.

Ernte: Geerntet wird der Andorn während der Blütezeit. Verwendet werden meist die oberen Pflanzenbestandteile, da die unteren Blätter hohe Bitterstoffanteile aufweisen und zu bitter schmecken.

Verwendung von Andorn

Der Gewöhnliche Andorn wird heute überwiegend als Heilkraut in der Naturheilkunde genutzt. Als Küchenkraut findet er kaum Verwendung.

Andorn in der Küche

In der Küche wird der Andorn kaum verwendet. Die Blätter des Krautes haben einen sehr bitteren Geschmack mit einer leicht scharfen Unternote. Kleinere Mengen werden gelegentlich in Kräutersalaten oder fetten Fleischgerichten verwendet. Auch für die Zubereitung von Kräuterlikören lässt er sich nutzen.

Andorn als Heilkraut

Andorn ist ein sehr altes Heilkraut, das bereits zur Römerzeit rege verwendet wurde. Bereits in den Schriften des römischen Arztes Aulus Cornelius Celcus wurde Weißer Andorn als wirksames Mittel gegen zahlreiche Atemwegsbeschwerden sowie hartnäckigem Husten empfohlen.

Erwähnung fand der Andorn auch im Buch Physica von Hildegard von Bingen, die dem Kraut eine große Bedeutung bei Magenbeschwerden und Atemwegserkrankungen einräumte. Es wurde von ihr als warmes Kraut beschrieben. Andorn wurde u.a. mit Salbei, Thymian und Fenchel in Butter angewärmt und auf den Kopf verteilt.

Auch in vielen alten Kräuterbüchern des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit (u.a. P. A. Matthioli, Hieronymus Bock) wurde Andorn als Tee oder Weinauszug verwendet und gegen hartnäckige Verschleimung der Lungen verwendet. Bei starkem Husten sowie bei Seitenstechen war Andorn vermischt mit Veilchenwurzel ein häufig verwendetes Hausmittel. Neben diesen Beschwerden wurden Andornzubereitungen auch bei Krankheiten der Leber, Niere und Milz sowie bei Wurmbefall und Geburtsschmerzen verwendet. Bei Blasen- und Nierenbeschwerden wurde jedoch von der alleinigen Nutzung des Heilkrauts abgeraten, außer es wird zusammen mit Süßholz und Rosinen eingenommen.

Andorn, zusammen mit Odermennig, Borretsch und Alant, wurde außerdem bei Verstopfung und Gelbsucht genutzt. Zubereitet wurde die Medizin in Weißwein, wobei jeden Morgen ein Becher voll getrunken wurde. Äußerlich sollte Andorn außerdem bei Grind, Schuppen, Feigwarzen und Hautflechten helfen.

Andorn als Heilmittel im Kräuterbuch von Matthioli
Weißer Andorn in einem mittelalterlichen Kräuterbuch nach P. A. Matthioli (Marrubium vulgare)

In der heutigen Naturheilkunde ist der Andorn immer noch ein beliebtes Heilkraut. Die Heilwirkung von Andorn wird hauptsächlich durch den Bitterstoff Marrubiin begründet. Außerdem enthält die Pflanze noch nennenswerte Gehalte an ätherischen Ölen, Gerbstoffe sowie einigen Schleimstoffen. In der heutigen Heilkunde wird Andorn für die folgenden Krankheiten und Beschwerden eingesetzt:

  • Bluthochdruck
  • Durchfall
  • Appetitlosigkeit
  • Gallenbeschwerden
  • Blähungen
  • festsitzender Husten
  • unterstützend bei Erkältungen bzw. grippalen Infekten
  • Menstruationsbeschwerden

Viele Inhaltsstoffe unterstützen die schonende Behandlung bei Magen- und Darmerkrankungen. Die enthaltenden Bitterstoffe sorgen u.a. für eine Steigerung der Magensaftproduktion, was vor allem gegen Völlegefühl und Blähungen helfen kann. Außerdem wirkt Andorn cholagog, d.h. die Leber wird animiert, größere Mengen an Gallenflüssigkeit zu produzieren. Die im Andorn enthaltenden Gerbstoffe hingegen können dabei helfen, die Darmschleimhaut wieder zu sanieren. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn viele Durchfälle auftreten oder aufgetreten sind.

In wissenschaftlichen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass die ätherischen Öle des Gewöhnlichen Andorns antibakteriell wirken. Beispielsweise konnten Erreger des Stammes Staphylococcus aureus in Laborversuchen vermindert werden, wobei hier ausschließlich das ätherische Öl (ohne weitere Inhaltsstoffe) verwendet wurde [1].

In Mittelamerika sowie einigen Ländern Südamerikas wird Andorn zusätzlich gegen Bluthochdruck und Diabetes verwendet. Einige Studien scheinen zumindest darauf hinzuweisen, dass Andorn tatsächlich bei Bluthochdruck zu wirken scheint. Die entsprechenden Inhaltsstoffe finden sich vor allem in der Wurzel des Heilkrauts und sorgen dafür, dass die Venen die verengt sind, sich wieder erweitern [3].

Die gebräuchlichsten Darreichungsformen für Andorn sind Presssäfte, Kräuterweine und Tee (Infus). Für die Zubereitung eines Andorntees werden 1 bis 1,5 Teelöffel der geschnittenen Bitterdroge mit 200 ml heißem Wasser übergossen und für etwa 8 bis 10 Minuten ziehen gelassen. Empfohlen werden bis zu drei Anwendungen täglich, die jeweils etwas zeitversetzt vor den Mahlzeiten eingenommen werden.

Nebenwirkungen: Grundsätzlich sind keine Nebenwirkungen bekannt. Es wird jedoch empfohlen die Einnahme von Andornprodukten bei Schwangerschaft oder Stillzeit mit einem Arzt oder Apotheker zu besprechen, da das Kraut die Gebärmutter stimulieren kann.

Andorn kaufen - Was gibt es zu beachten?

Da Andorn eine eher unscheinbare Pflanze ist, wird sie meist nur als Hausmittel bzw. für therapeutsche Zwecke verwendet. Im Garten kann der Andorn außerdem invasiv wachsen, was für unerfahrene Pflanzenfreunde zu einem Problem werden kann. Frischpflanzen finden sich daher nur sehr selten auf Märkten oder Pflanzencentern.

In vielen Apotheken, Onlinemarktplätzen und Shops kann man jedoch zahlreiche Andornprodukte kaufen. Angeboten werden meist Teemischungen, getrocknetes Andornkraut und Presssäfte. Andornsaft (Schoenenberger) soll gut helfen gegen festsitzenden Husten sowie bei Verdauungsbeschwerden. Man sollte sich jedoch darauf einstellen, dass der Saft etwas bitter schmeckt. Viele Kräuterhändler bieten zudem getrocknetes Andornkraut an, die preislich zwischen 2,50 bis 5 EUR bei 100 Gramm liegen.

Eine Alternative zu Saft und Tee sind Hustentropfen, die aus Andornextrakt bestehen. Empfohlen werden hier vor allem Angocin Bronchialtropfen, die eine schonende Alternvative gegenüber synthetischen Hustenstillern und –lösern sind.

Wer Andorn dennoch im Garten anbauen möchte, kann sich auf Onlinemarktplätzen Samen des bitteren Krauts kaufen. Die Samen sollten weniger als drei Jahre alt sein, da sonst die Gefahr besteht, dass nur wenige Keimlinge erscheinen.

Literaturnachweise

  • [1]: Bokaeian, M. et al. (2014): Phytochemical analysis, Antibacterial Activity of Marrubium vulgare L against Staphylococcus aureus in vitro. In: Zahedan Journal of Research in Medical Sciences, Vol. 16, S. 60-64.
  • [2]: Abadi, A. und Hassani, A. (2013): Chemical composition of Marrubium vulgare L. essential oil from Algeria. In: International Letters of Chemistry, Physics and Astronomy, Vol. 8, S. 210-214
  • [3]: Jorge, V.-G. et al. (2013): Vasorelexant Effect of Ethanolic Extracts of M. Vulgare: Mexican Medical Plant as Potential Source for Bioactive Molecule Isolation. Indo Global Journal of Pharmaceutical Sciences, Vol. 3, S. 1-5.
Unsere aktuelle Kräuterbuch-Empfehlung

Heilkräuterbuch zum Nachschlagen von Apotheker M. Pahlow Das große Buch der Heilpflanzen: Gesund durch die Heilkräfte der Natur
Eines der besten Übersichtswerke über Heilpflanzen und deren Anwendungen. Auf über 500 Seiten werden mehr als 400 einheimische und fremdländische Heilpflanzen erklärt.

Details zum Buch
angeboten bei Amazon