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Mutterkraut

Mutterkraut (Tanacetum parthenium) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Foto vom MutterkrautDas Mutterkraut kann man in den Sommermonaten auf vielen Wegrändern anfinden. Ihre aromatisch duftenden Blütenköpfe ähneln sehr stark der Kamille, mit der sie jedoch nur wenig gemein hat. Dennoch ist die auch als Frauenminze bezeichnete Pflanze eine altbewährte Heilpflanze, die im Mittelalter bei vielen Frauenbeschwerden verwendet wurde. Heute steht das Mutterkraut als mögliches Heilkraut gegen Krankheiten wie Migräne oder Leishmaniose im Fokus.

Steckbrief von Mutterkraut
Botanischer NameTanacetum parthenium
PflanzenfamilieKorbblütler
Weitere NamenFalsche Kamille, Fieberkraut, Zierkamille, Jungfernkraut, Bocksblum
Aussaatzeit / PflanzzeitApril - Mai
BlütezeitJuni - September
ErntezeitMai - Oktober
Standortsonnig bis halbschattig; nährstoffreiche und feuchte Böden
Verwendung als HeilkrautMigräne, Rheuma, Depressionen, Hautausschläge, chronische Kopfschmerzen
Verwendung als Gewürzkrautkeine Verwendung

Inhaltsverzeichnis

  1. Pflanzenmerkmale und Systematik von Mutterkraut
    1. Herkunft und Vorkommen des Mutterkrauts
    2. Systematische Einordnung von Tanacetum parthenium
    3. Merkmale des Mutterkrauts
  2. Aussaat und Pflege von Mutterkraut
  3. Mutterkraut und seine Verwendung
    1. Mutterkraut in der Küche
    2. Mutterkraut als Heilkraut
  4. Mutterkraut kaufen – Was ist zu beachten?

Pflanzenmerkmale und Systematik von Mutterkraut

Herkunft und Vorkommen des Mutterkrauts

Das ursprüngliche Herkunftsgebiet des Mutterkrauts ist im östlichen Mittelmeergebiet zu finden. Da die Pflanze jedoch sehr anpassungsfähig ist, konnte sie sich seit dem frühen Mittelalter durch zahlreiche Handelsroute sowie aufgrund ihrer medizinischen Verwendbarkeit in nahezu ganz Europa durchsetzen. In vielen Bauerngärten und Klostergärten wurde die Pflanze im großen Stile angebaut.

Das Mutterkraut ist daher in vielen Regionen Mitteleuropas häufig wild anzutreffen. Meistens ist sie auf nährstoffreichen Wiesen und Wegrändern sowie an den Randbereichen vieler Gärten zu finden.

Systematische Einordnung von Tanacetum parthenium

In der botanischen Einordnung zählt das Mutterkraut (Tanacetum parthenium) zur Familie der Korbblütler (Asteraceae), wodurch eine entfernte Verwandtschaft zu wichtigen Heilpflanzen wie der echten Kamille oder dem Löwenzahn besteht. In der engeren Einordnung zählt die Pflanze zur Gattung der Wucherblumen (Tanacetum), zu denen u.a. auch der Gemeine Rainfarn (Tanacetum vulgare) sowie das Balsamkraut (Tanacetum balsamita) gehören.

Merkmale des Mutterkrauts

Das Mutterkraut ist eine ausdauernd wachsende Pflanze, die Wuchshöhen zwischen 25 und 90 cm erreichen kann. Die Pflanze strömt aufgrund der zahlreich enthaltenden ätherischen Öle einen stark aromatischen Geruch aus. Die hellbrauen Wurzeln des Mutterkrauts sind oberflächennah verankert (Flachwurzler), feinhaarig und dicht besetzt.

Mutterkraut bildet oliv- bis hellgrüne Blätter aus, die eine gefiederte und an den ründlich gesägte Form einnehmen. Die Blätter selbst sind meist zwischen 3 und 7 cm lang sowie etwa 2 bis 3 cm breit. Diese sind wechselständig an dem gerippten und meist unbehaarten Stängel angeordnet.

Die Blütezeit des Mutterkrauts dauert von etwa Anfang Juni bis Mitte September. Die Blüten erinnern stark an das Aussehen der Kamille, woher auch ihr alternativer Name „falsche Kamille“ herrührt. Die Blütenköpfe sind jedoch deutlich kleiner und in größerer Anzahl vorhanden. Die meist bis zu 2cm im Durchmesser großen Blüten sind an einer Doldenrispe angeordnet und enthalten meist zwischen 20 und 35 Einzelblüten.


Blüten vom Mutterkraut

Typische Blütenköpfe des Mutterkrauts, die an kleine Kamillen erinnern.

Aussaat und Pflege von Mutterkraut

Das Mutterkraut wird als Staudenpflanze auch heute noch in einigen Gärten angepflanzt. Die Kultivierung der Pflanze ist nicht sonderlich schwer und sollte auch unerfahrenen Gärtnern gelingen.

Standort: Bei der Standortwahl lässt das Mutterkraut einen relativ großen Spielraum. Es wächst sowohl an sonnigen als auch an halbschattigen Standorten, auch wenn Plätze mit großzügiger Sonnenbestrahlung bevorzugt werden. An halbschattigen Plätzen wird die Pflanze meist etwas kleiner und bildet weniger Blütenköpfe aus. Die Ansprüche an den Böden sind etwas strikter. Das Mutterkraut liebt nährstoffreiche, leicht feuchte und eher schwere Böden. Stehen nur sandige Böden zur Verfügung, so sollte die Erde mit etwas Bentonit (Tonmehl) und Humus vermischt werden.

Aussaat: Die Aussaat der Mutterkrautsamen sollte im Frühjahr zwischen April und Mitte Mai erfolgen. Eine Vorkultur zwischen Februar und März auf der Fensterbank oder im Zimmergewächshaus kann sinnvoll sein, wenn man größere Exemplare und eine Blütengarantie für die laufende Gartensaison haben möchte. Die Samen müssen nur leicht in Boden, etwa 3 bis 4mm eingedrückt werden (Lichtkeimer). Werden mehrere Exemplare im Freiland ausgesät, sollte ein Pflanzabstand von etwa 10 bis 15 cm eingehalten werden. Die Erde sollte während der Anzuchtphase immer leicht feucht gehalten werden, wobei nasse Erde bzw. Staunässe unbedingt zu vermeiden ist. In der Regel erscheinen nach etwa 14 bis 21 Tagen die ersten Keimlinge.

Düngung: Wächst Mutterkraut im guten, nährstoffreichen Gartenboden sind Düngergaben im ersten Jahr meist nicht erforderlich. Im zweiten Jahr kann man im Frühjahr etwas Kompost oder organischen Dünger unter die Erde mischen. Wird das Kraut auf dem Balkon kultiviert, so sollte kurz vor Blüte (gegen Ende Juni/Anfang Juli) ein normaler Kräuterdünger (z. B. ein handelsüblicher Flüssigdünger) verwendet werden, der allerdings sparsam dosiert werden kann.

Gießen: Mutterkraut mag es immer etwas leicht feucht, kann jedoch auch einige trockene Phasen problemlos überstehen. An sehr heißen Tagen mit nur sehr geringen oder ausbleibenden Niederschlägen, sollte der Boden bzw. die Erde jedoch ordentlich gegossen werden. Dies gilt vor allem dann, wenn die Pflanze in voller Sonne aufwächst.

Pflege: Da das Mutterkraut eine mehrjährige Pflanze ist, sollte in den frühen Herbstmonaten ein Rückschnitt in Betracht gezogen werden. Je nachdem wie das Kraut äußerlich aussieht, kann bis zu einem Viertel der Pflanze zurückgeschnitten werden. Exemplare die nicht gekürzt werden, können im äußersten Fall einjährig bleiben und somit absterben.

Überwinterung: Mutterkraut ist winterhart und toleriert Fröste bis zu -12 °C problemlos.

Mutterkraut und seine Verwendung

Mutterkraut in der Küche

In der Küche findet das Mutterkraut keine Verwendung. Sämtliche Bestandteile der Pflanze schmecken sehr bitter und haben keine nutzbare Würzkraft. Ausnahmen bilden die jungen Triebe bzw. Keimlinge, die ähnlich wie Kresse in Salaten verwendet werden können.

Mutterkraut als Heilkraut

In der Heilkunde wurde und wird das Mutterkraut sehr geschätzt, auch wenn es in den letzten Jahren etwas in Vergessenheit geraten ist.

In der Antike und im Mittelalter wurde Mutterkraut vor allem bei Frauenbeschwerden verwendet. Dies erklärt u.a. ihren heutigen Namen sowie zahlreiche andere Alternativbezeichnungen wie Frauenminze oder Mutterkamille. Das Kräuterbuch von P. A. Matthioli enthält Hinweise darüber, dass die Pflanze bei „Gebrechen der Mutter“, bei Wurmbefall und bei zahlreichen Schmerzen und Frauenbeschwerden verwendet wurde. Es wurde außerdem bei Wehenschmerzen, bei Nachwehen sowie bei Geschwülsten verwendet. Innerlich wurde das getrocknete Kraut mit Essig und Salz eingenommen. Bei äußerlichen Behandlungen wurde die ganze Pflanze (d.h. mit Blüten) ausgedrückt und wie ein Pflaster auf die jeweilige Stelle gelegt.


Mutterkraut im Kräuterbuch von Matthioli

Beschreibung des Mutterkraut in einem alten Kräuterbuch von P. A. Matthioli

In der heutigen Naturheilkunde wird Mutterkraut häufig bei Menstruationsbeschwerden verwendet. Da die Pflanze wissenschaftlich in den letzten Jahren gut untersucht wurde, wird die Pflanze jedoch für die Behandlung oder begleitende Therapie vieler anderer Beschwerden interessant. Hierzu zählen vor allem:

  • chronische Kopfschmerzen
  • Migräne
  • Leishmaniose
  • Depressionen
  • Rheuma
  • Hautausschläge
  • grippale Infekte mit Husten
  • Blähungen
  • Regeneration von Nervenschäden (vermutlich)

Bei der Analyse der Inhaltsstoffe von Mutterkraut sind vor allem die enthaltenden Sesquiterpenlactone von Bedeutung, die vor allem antibakterielle, pilzhemmende, entzündungshemmende und migränelindernde Eigenschaften haben. Vor allem das Sesquilacton Parthenolid ist hier besonders hervorzuheben. In mehreren Studien [1] konnte nachgewiesen werden, dass dieser Stoff den Zelltod von Leukämiezellen auslöst. In einigen Ländern wird der Stoff als potenzielles Medikament bei akuter myeloischer Leukämie (AML) in Betracht gezogen.

Forscher haben außerdem herausgefunden, dass der Inhaltsstoff Parthenolid (ein bitter schmeckendes Sesquilactonterpenoid) wohl in der Lage ist, zerstörte Nevenfasern zu regenerieren. Parthenolid beschleunigt das Wachstum verschiedener Nervenverbindungen bzw. -fasern, was bei zahlreichen Nervenerkrankungen oder -verletzungen eine Hilfe sein kann. Möglicherweise können Mutterkrautextrakte helfen, verletzte Sehnerven, Rückmarksverbindungen oder andere Nervenschäden erfolgreich zu behandeln.

Zu Linderung von Beschwerden wird Mutterkraut meist als Tee, Präparat oder als Tinktur dargereicht. Es gibt zahlreiche unterschiedliche Meinungen, welche Darreichungsform die geeignetere ist. Vor allem bei Migräne gibt es Meinungen darüber, dass Fertigpräparate bessere Resultate erzielen als Tee. Insofern keine Allergien gegen Korbblütler vorliegen, spricht jedoch nichts gegen eine Teetherapie.

Für einen Mutterkrauttee wird ein gehäufter Teelöffel getrocknetes Kraut mit 250 ml kochend heißem Wasser übergossen und für etwa 10 Minuten ziehen gelassen. Damit sich die Heilwirkung des Krauts entfalten kann, werden drei Tassen pro Tag empfohlen, die am besten gut über den Tag verteilt getrunken werden. Die Einnahme von Mutterkrauttee sollte über mehrere Wochen erfolgen.

Mutterkraut wird heute auch in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) verwendet und gilt dort als Pflanze mit kühler Energie, die bewegend auf das Leber-Qi wirkt. Es wird dort für zahlreiche Krankheiten verwendet, u.a. Grippe, Mandelentzündung, Gallenbeschwerden, Menstruationsbeschwerden, Verstopfung oder nervöse Unruhe. Die Organe auf die Mutterkraut in der TCM einen Bezug nimmt sind hier Leber, Gallenblase und Lunge.

Nebenwirkungen: Menschen, die an einer Allergie gegen Korbblütler leiden, sollten von einer Verwendung absehen. Werden Mutterkraut oder Mutterkrautpräparate zu lang eingenommen oder zu hoch dosiert, so können Schwindel, Übelkeit oder Hautirritationen die Folge sein. Bei Zweifeln oder Unsicherheit sowie bei ungewisser Anwendung sollte ein Arzt, Apotheker oder Naturheilkundler befragt werden.

Mutterkraut kaufen – Was ist zu beachten?

Mutterkraut ist in den letzten Jahren wieder etwas vermehrt in den Fokus von Gärtnern geraten, wodurch in vielen Pflanzenfachmärkten im Frühling junge Mutterkrautpflanzen zur Kultivierung im Garten angeboten werden. Beim Kauf der jungen Pflanze sollte untersucht werden, ob sich schwarze Blattläuse an den Blättern oder Blattachseln befinden. Auch nach kleinen bräunlichen Flecken, die sich an den Blatträndern befinden, sollte Ausschau gehalten werden. Dahinter verbirgt sich häufig ein Rostpilz, die in der Regel zum Absterben der Pflanze führt.

Für heilkundliche Anwendungen bieten einige Hersteller auch getrocknetes Mutterkraut an, die direkt für Tees oder eigene Tinkturen verwendet werden können. Beim Kauf sollte sichergestellt werden, dass keine Allergie gegen Korbblütler vorliegt. Das getrocknete Kraut ist im Vergleich zu vielen anderen Heilkräutern recht teuer, was u.a. daran liegt, dass es nur wenige Hersteller gibt, die das Heilkraut großflächig anbauen.

Außerdem werden Kapseln und Tabletten mit Mutterkrautextrakten angeboten, die sich meist an Betroffene richtet, die an Migräne, Stress oder Heuschnupfen leiden. Für eine Linderung müssen die Präparate über mehrere Wochen kontinuierlich eingenommen werden. Reine Mutterkrautpräparate sind in ihrer Wirksamkeit häufig umstritten. Allerdings sollen Präparate, die sowohl Mutterkraut als auch Pestwurz enthalten, von vielen Betroffenen als wirksam eingestuft worden sein, was teilweise auch von Wissenschaftlern bestätigt wurde [3].

Literaturverweise und weiterführende Quellen:

  • [1] Guzman, M. et al. (2005): The sesquiterpene lactone parthenolide induces apoptosis of human acute myelogenous leukemia stem and progenitor cells. In: Blood, Vol. 11, Heft 105, S. 4163-4169.
  • [2] Tiuman, T. S. (2005): Studies on the Effectiveness of Tanacetum parthenium Against Leishmania amazonensis. In: Acta Protozoologica, Vol. 44, S. 245-251.
  • [3] Liption, R. B. et al. (2004): Petasites hybridus root (butterbur) is an effective treatment for migraine. In: Neurology, Vol. 63, S. 2240-2244.
  • [4] Forde, G. I. (2006): Chronic Daily Headache Prophylaxis – Nonpharmacologic Approaches. In: Johns Hopkins Advanced Studies in Medicine, Vol. 6, S. 351-355.
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