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Spitzwegerich

Spitzwegerich (Plantago lanceolata) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Der Spitzwegerich zählt zweifellos zu einem der wichtigsten Arzneipflanzen. Bereits in der Antike sowie auch im Mittelalter wurde das weit verbreitete Heilkraut für viele innere und äußere Beschwerden eingesetzt. In unserer heutigen Zeit wird dem Spitzwegerich wieder mehr Beachtung geschenkt, so dass es schließlich sogar zur Arzneipflanze des Jahres 2014 gekürt wurde.

Pflanzenmerkmale und Systematik des Spitzwegerichs

Herkunft und Vorkommen des Spitzwegerichs

Der Spitzwegerich ist eine Pflanze, die in Europa heimisch ist. Da die Pflanze sehr widerstandsfähig und einfach zu vermehren und verbreiten ist, findet man den Spitzwegerich mittlerweile über weite Teile der Welt verteilt.

In der freien Natur ist er vor allem in Standorten mit nährstoffreichen Böden anzutreffen. Er ist häufig am Wegrändern, Waldlichtungen, Wiesen sowie auf einigen Brachflächen anzufinden. Auch Höhen von etwa 1800 – 2100 Metern kann die Heilpflanze tolerieren.

Systematik von Plantago lanceolata

Der Spitzwegerich gehört zur Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae) und ist verwandt mit anderen heilkundlich interessanten Pflanzen wie dem Echten Leinkraut, dem Fingerhut oder dem Ehrenpreis. Im engeren Sinne gehört der Spitzwegerich zur Gattung der Wegeriche (Plantago), die mit mehr als 190 Arten sehr artenreich. Neben dem Spitzwegerich (Plantago lanceolata) gehören auch der Breitwegerich (Plantago major) sowie der Strandwegerich (Plantago maritima) zu dieser Gattung.

Merkmale des Spitzwegerichs

Der Spitzwegerich ist eine mehrjährige, frostharte Pflanze. Die Wuchshöhe beträgt in der Regek zwischen 10 cm bis zu 60 cm. Wesentlich mächtiger ist der unterirdirdische, nicht sichtbare Wurzelteil, der bis zu 60 cm tief in den Boden reicht.

Die Blätter des Spitzwegerichs sind in Form als bodenständige Rosette angeordnet. Auffällig an den mittelgrünen, ca 10 bis 20 cm langen Blätter sind die deutlich erkennbaren Blattrippen. Diese fünf bis sieben Rippen verlaufen parallel zueinander und treffen am Blattende zusammen. Aufgrund der Anzahl der Blattrippen wird der Spitzwegerich gelegentlich auch als Siebenrippe bezeichnet. Verwechslungen mit Breitwegerich können allein anhand der Form der Blätter ausgeschlossen werden. Spitzwegerichblätter sind schmal, laufen spitz zu und sind lanzettenähnlich. Die Blätter vom botanisch verwandten Breitwegerich hingegen sind eiförmig bis oval.

Blätter des Spitzwegerichs
Die länglichen und spitz zulaufenden Blätter des Spitzwegerichs (Plantago lanceolata)

Aus der Rosette wachsen zur Blütezeit von Mai bis September mehrere, bis zu 30 cm hohe Blütenstengel, die von stabilem, kräftigem Wuchs sind und aufrecht stehen. Das Ende des Blütenstengels wird von einer Ähre gebildet, welche die Gestalt eines länglichen Ovals aufweist. Zur Blütezeit sprießen aus der Blütenähre zarte Staubfäden mit weißgelben Staubblüten. Nach der Blüte entwickeln sich in den Blütenständen Kapselfrüchte, die leicht klebrige und eingekerbte Samen mit brauner bis bräunlich-roter Färbung hervorbringen.

Blüte vom Spitzwegerich
Die aufrecht wachsenden ährigen Blütenstände des Spitzwegerichs (Plantago lanceolata)

Spitzwegerich aussäen und pflegen

Spitzwegerich ist vornehmlich eine Wildpflanze, die aufgrund der hohen Nachfrage zu medizinischen Zwecken vermehrt gezielt angebaut wird. Dadurch das Wildgärten oder auch Kräutergärten bei einigen Gartenfreunden beliebter werden, wird auch der Spitzwegerich gelegentlich kultiviert. Der Spitzwegerich ist im Allgemeinen eine recht anspruchslose Pflanze.

Standortbedingungen: Spitzwegerich bevorzugt sonnige Standorte, gedeiht jedoch mit einigen Einschränkungen in der Wuchshöhe auch im Halbschatten. Die Böden sollte locker, humos, nährstoffreich und stets leicht feucht sein. Am besten eignen sich mittelschwere Böden, die ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Lehm und Sand aufweisen. Zu lehmhaltige Böden (schwere Böden) sollten mit Zuschlagstoffen wie Quarzsand oder Bims gelockert werden, da sonst immer die Gefahr der Staunässe besteht. Bevorzugt werden zudem kalkarme Erden mit leicht saurem pH-Wert.

Aussaat und Anbau: Die beste Zeit für die Aussaat ist das Frühjahr zwischen Ende März und Mitte April. Der Spitzwegerich sollte etwa daumennageltief (ca 1,5 cm) in den Boden eingearbeitet werden. Nach der Aussaat sollte leicht bewässert werden. In der Regel erscheinen die Keimlinge zwischen 10 und 14 Tagen nach dem Setzen des Saatguts. Bei der Aussaat oder Anpflanzung gilt zu beachten, dass Spitzwegerich ziemlich tiefe Wurzellagen ausbildet. Zwischen den einzelnen Pflanzen sollte mindestens ein Abstand von 20 cm eingehalten werden, da sonst eine verstärkte Nährstoffkonkurrenz auftritt und die Pflanzen sich gegenüber Schädlingen angreifbar machen. Der Anbau auf dem Balkon ist relativ schwierig.

Düngung: Über das Jahr sollten nur wenige Düngergaben verabreicht werden. Häufig genügen vor der Aussaat einige Gaben von Kompost. Zu Beginn des Sommers kann mit Kräuterjauchen (Brennesseljauche) oder Stickstoff-Kalium-Düngern gedüngt werden, jedoch sollten hier nur spärliche Gaben eingeleitet werden. Zuviel Dünger führt unter Umständen dazu, dass die Ernte sogar geringer ausfallen kann. Nach der Ernte kann auch eine Gründüngung mit z.B. Lupine empfohlen werden.

Gießen: Unter normalen Wetterbedingungen sind keine besonderen Wassergaben notwendig. Spitzwegerich ist eine sehr tolerante Pflanze und hält längere Trockenphasen aus. Lediglich am Hochsommer sollte an den Abendstunden mäßig gegossen werden. Spitzwegerich zeigt meist von selbst, wann Wasser benötigt wird. Die Blätter kräuseln sich etwas am Rand und die Sputzen neigen Richtung Boden.

Vermehrung: Spitzwegerich kann sowohl einfach über Samen als auch über die Teilung der Mutterpflanze vermehrt werden. Die Samen lassen sich nach der Fruchtreife recht einfach aus dem ährigen Fruchtstand ausklopfen.

Krankheiten und Schädlinge: Relativ häufig können Blattläuse beobachtet werden, die den Saft des Spitzwegerich aussaugen. Sputzwegerichpflanzen sind recht widerstandsfähig, so dass gelegentliches Abbrausen mit einer feinen Gartenbrause ausreicht. Gelegentlich tritt Mehltau auf, was jedoch im Garten meist die Folge von zu häufigem Gießen oder zu engen Pflanzabständen ist. Stehen die Pflanzen zu dicht, sollte unbedingt ausgedünnt werden. Stark befallene Pflanzen sollten von anderen weniger befallenen Kräutern getrennt werden. Brennnesseljauche oder ein Ackerschachtelhalmextrakt können helfen, Mehltaubefall zu mindern.

Überwinterung: Es müssen keine besonderen Vorbereitungen getroffen werden. Spitzwegerich überwintert mit seinen Speicherorganen im Boden und treibt im Folgejahr wieder aus.

Spitzwegerich und dessen Verwendung

Auch wenn die Blätter des Spitzwegerichs essbar sind und von Wildkräuterfans geschätzt werden, kommt Spitzwegerich weit häufiger als Heilpflanze bei Husten und Heiserkeit zum Einsatz. In diesem Zusammenhang wird Spitzwegerich in alten Schriften als Heilwegerich tituliert.

Spitzwegerich in der Küche

Kulinarisch ist Spitzwegerich wenig bekannt. Dabei ist der Vitamin C-haltige Spitzwegerich vielseitig einsetzbar. Besonders, wenn im Frühjahr die zarten Blätter austreiben, ist Spitzwegerich mit seinem leicht pilzartigen Geschmack eine interessante Zutat in Wildkräutersalaten. Am besten entfaltet sich der Geschmack in Kombination mit anderen essbaren Wildkräutern wie Gänseblümchen (Blüten und Blätter sind essbar), den Blättern von Sauerampfer, Kerbel, Giersch und Löwenzahn.

Ferner eignet sich Spitzwegerich, um Eierspeisen, selbstgemachten Kräuterquark oder Frischkäse mit Kräutern abzurunden. Wer experimentierfreudiger ist, kann Spitzwegerich in Wildkräuterpesto oder in grünen Smoothies (z.B. zusammen mit Spinat, Apfel, Banane, Feldsalat und Zitrone) verarbeiten. Damit der Geschmack von Spitzwegerich nicht zu dominant wird, sollten in einem Smoothie maximal drei Blätter püriert werden. Für ein Glas Pesto höchstens 8 Blätter – als Ergänzung zur Hauptzutat des Pestos, bspw. Löwenzahn, Petersilie oder Basilikum. Geerntet wird vom Frühjahr bis hinein in den Herbst.

Spitzwegerich als Heilpflanze

Spitzwegerich gilt seit altersher als ein Heilkraut, welche die Arbeit des Immunsystems positiv unterstützt. Vor allem zur Zeit der Erkältungen und insbesondere bei Husten sowie Bronchialerkrankungen wird Spitzwegerich verwendet.

In den großen Kräuterbüchern des Mittelalters wurde meist nicht zwischen dem Breitwegerich und Spitzwegerich unterschieden. In der Tat sind die Unterschiede zwischen den beiden Wegerichgewächsen bezüglich ihrer Inhaltsstoffe auch sehr gering. Im Kräuterbuch von P. A. Matthioli wurde der Wegerich u.a. gegen Blasen- und Nierenbeschwerden, Schwindsucht (Tuberkulose), Fallsucht (Epilepsie) sowie bei Fieber verwendet. Ebenso wurde er bei äußeren Beschwerden wie Warzen, Verbrennungen oder offenen Wunden empfohlen.

Zubereitet wurde der Spitzwegerich zu diesen Zeiten pur, als Spitzwegerichtee, in Wein gesotten sowie als gepressten Wasser. Verwendet wurden neben Blättern auch Wurzeln und Samen.

Anwendung Spitzwegerich im Mittelalter
Beschreibung zur heilkundlichen Anwendung des Spitzwegerichs im Kräuterbuch von P.A.Matthioli

Auch heute spielt der Spitzwegerich in der Naturheilkunde eine große Rolle. Die in dem Heilkraut enthaltenden Inhaltsstoffe können zahlreiche Beschwerden lindern. Hauptsächlich sind es Schleimstoffe, Gerbstoffe, Bitterstoffe und das Glykosid Aucubin, die die Heilwirkung des Spitzwegerich ausmachen. Diese Stoffe wirken in ihrer Gesamtheit

  • entzündungshemmend,
  • reizlindernd,
  • antibakteriell,
  • adstringierend (zusammenziehend),
  • hustenstillend
  • krampflösend (spasmolytisch)
  • leberschützend und
  • teilweise antiviral.

Diese Wirkungen werden in der Naturmedizin sowie auch teilweise in der traditionellen Medizin zur Behandlung oder begleitenden Therapie der folgenden Krankheiten und Beschwerden verwendet:

  • Wundheilungsstörungen
  • Insektenstiche
  • Schwellungen
  • Husten
  • Fieber
  • Bronchitis
  • Mund- und Rachenraumentzündungen
  • Asthma
  • Sonnenbrand
  • Nesselsucht

Am häufigsten wird das Heilkraut bei Erkältungsbeschwerden, chronischer und akuter Bronchitis und hartnäckigem Husten verwendet. Aus diesem Grund ist Plantago lanceolata Zutat zahlreicher Hustenteemischungen, oder Hustenbonbons wird aber auch als Einzelzutat verkauft. Damit die arzneilich bedeutsamen Stoffe von Nutzen sind, sollte Spitzwegerichtee abgedeckt 10 bis 15 min ziehen gelassen werden. Mit einem solchen Tee kann auch gegurgelt werden, was sich bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum anbietet. Bei grippalen Infekten mit starkem Husten kann auch eine Teemischung aus 50 Prozent Spitzwegerich, 25 Prozent Alantwurzel und 25 Prozent Malve helfen.

Spitzwegerich
Spitzwegerichtees und -tinkturen sind die häufigsten Anwendungsformen des Heilkrauts (Foto: LianeM/fotolia.com)

Pur kann man Spitzwegerich in Apotheken als getrocknetes Kraut, Frischpflanzensaft oder Sirup kaufen. Recht beliebt ist jedoch der Spitzwegerichsirup, der vor allem in der kalten bzw. nasskalten Jahreszeit als pflanzlicher Hustenlöser, Schleimlöser oder Entzündungshemmer zum Einsatz kommt. Spitzwegerichsirup lässt sich jedoch mit recht einfachen Mitteln auch zuhause herstellen. Benötigt werden zwei Handvoll saubere, gewaschene Spitzwegerichblätter, Wasser, Zucker und Zitronensaft, eventuell etwas Honig. Zunächst werden die gereinigten Blätter zusammen mit 100 g Zucker in einem Liter Wasser aufgekocht. Zehn Minuten genügen. In dieser Zeit werden die Blätter im Topf vorsichtig mit einem Kochlöffel oder Holzquirl gestampft, so dass der Pflanzensaft austritt. Zwischenzeitlich verändert sich die Farbe der Flüssigkeit und schlägt durch den Spitzwegerichsaft in ein dunkles Grünbraun um. Anschließend wird der Sud auf dem Herd gelassen, bis die Hälfte der ursprünglichen Flüssigkeitsmenge verdampft ist. Schlussendlich wird der abgesiebte Sirup mit einem Spritzer Zitronensaft und je nach Bedarf mit Honig abgeschmeckt.

In der Homöopathie wird Spitzwegerich zudem bei Schmerzen der Ohren und bei Zahnweh verabreicht.

In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) hat der Spitzwegerich ein sehr großes Anwendungsspektrum. Er wird als Kraut mit kühler Energie beschrieben. Spitzwegerich hat die Organe Lunge und Dickdarm, Nieren-Blase sowie Leber als Bezug.

Außerdem hat sich Spitzwegerich als so genanntes grünes Pflaster bewährt. Die Kieselsäure sowie die adstringierenden, blutungsstillenden und antiseptischen Inhaltsstoffe des Spitzwegerichs helfen, kleinere Schürfwunden zu versorgen, bakteriellen Entzündungen vorzubeugen und die Wundheilung zu fördern. Zu diesem Zweck wird ein sauberes Blatt eingerollt, so dass der Pflanzensaft austritt. Anschließend wird das Blatt auf die Wunde gelegt und mit einem Pflaster auf der Haut fixiert. Das Spitzwegerichpflaster kann auch bei juckenden Mückenstichen eingesetzt werden. Spitzwegerich unterbindet den Juckreiz und verhindert, dass an der Einstichstelle Entzündungen entstehen.

Auf die antiseptische Wirkung vertrauen auch einige Heilsalben. Außerdem eignet sich abgekühlter Spitzwegerichtee als Gesichtswasser bei unreiner Haut.

Nebenwirkungen: Es sind derzeit keine Nebenwirkungen beschrieben, die bei der innerlichen sowie äußerlichen Anwendung von Spitzwegerich bekannt wären.

Spitzwegerich kaufen – Was gibt es zu beachten?

Spitzwegerich ist zwar ein weit verbreitetes und häufig anzutreffendes Heilkraut, dennoch ist es recht selten als ganze Pflanze in Pflanzenmärkten oder Supermärkten anzutreffen. Das liegt mit großer Wahrscheinlichkeit daran, dass die Pflanze wild sehr häufig anzutreffen ist und sich daher nur ein schlechter Absatz erzielen lässt. Außerdem lässt sich Spitzwegerich nur schlecht in Töpfen vorkultivieren, da die Wurzeln recht tief wurzeln. Einige wenige Onlinehändler bieten dennoch kleinere Pflanzen an, die für recht wenig Geld zu haben sind.

Weitaus häufiger finden sich getrocknete Spitzwegerichblätter im Kräuterfachhandel, in Apotheken, im Onlinehandel sowie vereinzelt in einigen Supermärkten. Insofern die Kräuter auch für Tee und andere heilkundliche Anwendungen zum Einsatz (z.B. Spitzwegerichtee) kommen, sollte darauf geachtet werden, dass die Kräuter auch für diese Zwecke angebaut wurden. Häufig werden Spitzwegerichblätter zwar für wenig Geld auch auf diversen Marktplätzen angeboten, allerdings lässt sich nur schlecht nachweisen, wo die Pflanzen angebaut wurden und wie die Qualität dieser ist.

Neben getrockneten Spitzwegerichkräutern können auch Spitzwegerichsaft sowie andere spezifische Produkte wie Bonbons erworben werden. Spitzwegerichsaft eignet sich, neben dem Tee, besonders im Winter für Erkältungsbeschwerden. Zumal dieser meist gesüßt und somit etwas besser schmeckt als Spitzwegerichtee.

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