Franzosenkraut

Galinsoga parviflora

Foto vom Franzosenkraut Das Franzosenkraut (Galinsoga parviflora), auch als Kleinblütiges Knopfkraut bekannt, ist vielen bei uns als unerwünschtes Unkraut bekannt. Tatsächlich besiedelt der Neophyt schnell neue Standorte und kann schnell Überhand nehmen. Doch das bei uns oft vorkommende Wildkraut enthält hohe Anteile an Vitamine und Mineralstoffe. Außerdem schmeckt Franzosenkraut angenehm nach Salat, so dass es ein hervorragendes Küchenkraut ist und viel mehr gegessen als bekämpft werden sollte.

Steckbrief von Franzosenkraut
Botanischer NameGalinsoga parviflora
PflanzenfamilieKorbblütengewächse
Weitere NamenKleinblütiges Knopfkraut
Aussaatzeit / PflanzzeitMai bis Juni
BlütezeitApril bis November
ErntezeitMai bis September
Standortsonnig bis halbschattig; sandig bis lehmige Böden
Verwendung als Heilkrautselten bei Magen- und Darmerkrankungen
Verwendung als GewürzkrautSalate, Smoothies, Pestos

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Systematik des Franzosenkrauts

Herkunft und Vorkommen

Die Geschichte des Franzosenkrauts begann als Liebe zur Pflanze und endete als ungeliebtes Unkraut. Etwa zur Mitte des 18. Jahrhunderts haben französische und spanische Botaniker mehrere Kräuter der Gattung Galinsoga aus ihrem Heimatland Südafrika nach Europa gebracht. Dort wurden sie in mehreren botanischen Gärten als Zierpflanzen kultiviert.

Schon schnell stellte man aber fest, dass die Pflanze sich schnell ausbreitet und verwildert. Heute gilt die Pflanze daher bei uns als invasiver Neophyt, also als eine nicht-heimische Pflanze, die in der Lage ist, andere Pflanze zu verdrängen oder sich schnell auszubreiten.

In Mitteleuropa findet man das Franzosenkraut oft an Wegrändern, Brachflächen, städtischen Offenlandflächen, in Gärten sowie in landwirtschaftlichen Feldern.

Franzosenkraut an einem Wegrand
Franzosenkräuter wachsen an einem Wegrand

Systematik von Galinsoga parviflora

Das Kleinblütige Franzosenkraut, auch Kleinblütiges Knopfkraut genannt (Galinsoga parviflora), gehört zur großen Pflanzenfamilie der Korbblütler, zu denen u.a. bekannte Wildkräuter wie Löwenzahn, Ringelblume oder auch die Schafgarbe gehört. Die Gattung der Knopfkräuter (Galinsoga) besteht aus etwa 20 Arten. In Europa ist das Behaarte Knopfkraut noch ein Begriff, das nur dem Kleinblütigen Franzosenkraut sehr ähnelt.

Warum heißt die Pflanze eigentlich Franzosenkraut

Botaniker sprechen ja lieber vom Kleinen Knopfkraut, im Volksmund hält sich jedoch hartnäckig der Name Franzosenkraut. Doch woher kommt eigentlich dieser Name?

Nach dem die Pflanze Mitte des 18. Jahrhunderts nach Frankreich kam, war sie eine beliebte Zierpflanze. Bis weit in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts hielt sich das Gerücht, das Napoleons Truppen um 1796 das Kraut bis tief in den Osten Europas eingeschleppt haben. Auf den Äckern und in vielen Gärten war das Kraut dann lange Zeit als lästiges Franzosenkraut verflucht.

Tatsächlich war es wahrscheinlich das Kraut selbst, das sich ausgebreitet hat. Natürlich auch mit Hilfe des Menschen und anderer Tiere. Das Franzosenkraut produziert hohe Samenmengen und breitet sich gut durch den Wind aus. So kommt es schnell auch in entlegene Gebiete.

Franzosenkraut erkennen und bestimmen

Das Franzosenkraut ist eine einjährige Pflanze, wächst typisch krautig und hat eine aufrechte, sehr verzweigte Wuchsform. Je nach Standortbedingungen erreicht der Korbblütler Wuchshöhen zwischen 10 und 50 cm. Im Boden bildet Franzosenkraut eher flache und feine Wurzeln von hell- bis dunkelbrauner aus.

Blätter

Die Blätter des Franzosenkrauts zeigen eine längliche und eiförmige Form. Der Blattrand ist auffällig gesägt. Die Blattlänge kann zwischen 5 und 15 cm betragen. An der Blattoberseite bilden Franzosenkrautblätter vereinzelt kleine zottige Haare aus. Die Blätter stehen sich jeweils gegenständig am Stängel gegenüber. Der Stängel hingegen selbst zeigt eine deutlich stärkere Behaarung, die von oben nach unten jedoch zunimmt. Die Stängel sind ründlich.

Blatt vom Franzosenkraut
Eiförmiges Blatt vom Franzosenkraut (Galinsoga parviflora)

Blüten

Die Blüten sind charakteristisch für das Franzosenkraut. Zur Blütezeit, die sich von Ende April bis in den November hinziehen kann, bildet das Knopfkraut kleine Blütenköpfe mit Durchmessern zwischen 3 und 5 mm aus. Die Blütenköpfe bestehen aus den gelben Röhrenblüten sowie aus vier bis fünf Zungenblüten. Die weißen Zungenblütchen sind immer gezähnt. Die Blüten sind in zumeist in einem lockeren traubigen Blütenstand angeordnet.

Blüten vom Franzosenkraut
weiß-gelbe Blüten vom Franzosenkraut (Galinsoga parviflora)

Früchte und Samen

Die Fruchtreife des Franzosenkrauts ist meist zwischen Juli und September zu erwarten. Fruchtbildung und Blütenbildung laufen in der Regel parallel ab. Zu diesen Zeiten bildet das Knopfkraut Achänenfrüchte (spezielle Nussfrüchte) aus, die ein Flugschirmchen (Pappus) besitzen. Jede Achäne besitzt jeweils nur einen Samen, der jeweils durch Wind ausgebreitet wird. Auch Tierausbreitung ist durch die kleinen Häkchen möglich.

Eine einzelne Pflanze kann, je nach Größe, zwischen 6.000 und 100.000 Samen produzieren. Es gibt jedoch auch Erfahrungsberichte, bei denen bis zu 250.000 Samen festgestellt worden.

Franzosenkraut pflanzen, pflegen und ernten

Franzosenkraut hat in den letzten Jahren eine kulinarische Renaissance erfahren und wird daher gelegentlich angebaut. Als Zierpflanze macht es als Randbepflanzung zwar eine gute Figur. Allerdings ist die invasive Eigenschaft des Kraut für viele lästig, so dass die Pflanze tatsächlich nur selten angebaut wird. Vor allem in Kartoffelbeeten wird das Kraut nicht gern gesehen. Der Anbau selbst ist sehr einfach und gelingt eigentlich fast immer.

  • Standort und Lage: sonnig bis halbschattig
  • Pflanzorte: Garten, Topf, Balkon, Hochbeetränder, Vorgärten
  • Boden und Erde: sandig bis lehmig
  • Kalkbedarf: gering
  • Pflanzabstand: 15 x 15 cm
  • Nährstoffbedarf: gering bis mäßig
  • Geeignete Dünger: nicht benötigt
  • Topfkultur möglich: ja
  • Wasserbedarf: mäßig, toleriert Trockenphasen
  • Vermehrung: Samen
  • Überwinterung: nicht notwendig, da einjährig

Standort und Boden

An den Standort stellt das Franzosenkraut nur sehr geringe Ansprüche. Der zierliche Korbblütler toleriert nämlich sowohl sonnige als auch halbschattige Standorte. An sonnigen Standorten wächst die Pflanze meist etwas buschiger.

Die Pflanze fühlt sich in sandig bis lehmigen Boden gut und toleriert auch hier viele unterschiedliche Bodenarten. Für Topfkulturen eignen sich handelsübliche Blumenerde, die mit 20 bis 30 Prozent Sand durchmischt werden können. Franzosenkraut bevorzugt kalkarme Böden mit einem pH-Wert von bis zu 6.

Aussaat

Die Samen des Kleinen Knopfkrauts werden am besten zwischen Anfang Mai bis Mitte Juli ausgesägt. Die Aussaat kann direkt im Freiland oder als Topfkultur in der Erde oder im Boden erfolgen. Franzosenkraut ist ein Lichtkeimer, daher dürfen die Samen nur leicht in die Erde gedrückt werden. Werden mehrere Exemplare angebaut, empfiehlt sich ein Pflanzabstand von etwa 15 cm jeweils zueinander.

Damit Sie Samen zu keimen beginnen, werden Temperaturen von mehr als 20 °C benötigt. Bei optimalen Bedingungen zeigen sich die ersten kleinen Pflänzchen nach etwa 10 bis 14 Tagen.

Dünger

Franzosenkraut benötigt nur wenig Nährstoffe und muss in den meisten Fällen nicht gedüngt werden. Das Kraut ist gut in der Lage Stickstoff zu binden, so dass sie im Garten sogar als Gründüngungspflanze taugen könnte.

Gießen

Auch bei der Wasserversorgung ist das Franzosenkraut genügsam. Der Korbblütler mag zwar eher ein mäßig feuchtes Klima, toleriert aber auch mitunter längerer Trockenheitsphasen. An hintereinander folgenden heißen Sommertagen sollte die Pflanze daher kräftig gegossen werden.

Vermehrung

Da die Pflanze einjährig ist, gelingt die Vermehrung ausschließlich über Selbstaussaat.

Krankheiten und Schädlinge

Franzosenkraut gilt als äußerst robuste Pflanze, was ihr invasives Verhalten als Neophyt auch eindrucksvoll beweist. Schädlingsbefall ist nur selten zu beobachten. Einzig höhere Kalkgehalte im Boden können dem Knopfkraut zusetzen.

Verwendung von Franzosenkraut

Verwendung als Küchenkraut

Oft erkennt man das recht unscheinbare Franzosenkraut beim Wandern oder als Unkraut im Garten. Jedoch wissen nur Wenige, dass es sich um ein hervorragendes und gesundes Wildkraut handelt.

Essbar und Genießbar sind vor allem die folgenden Pflanzenteile:

  • Blätter und Kraut: frisch für Salate und Smoothies oder getrocknet für Suppen und Eintöpfe
  • Blüten: mineralstoffreiche Beilage für Salate
  • Samen: eignen sich als ölreiche Beilage für Müslis, Smoothies aber auch Salate

Besonders gut eignet sich Franzosenkraut für knackige Wildkräutersalate, frische Kräutersuppen, als Vitamin- und Mineralstoffspender für Smoothies oder für Kräuterquarks. Der Geschmack der krautigen Pflanzenteile erinnert an Feldsalat. Das beste Aroma ist in den Monaten Mai bis Juli zu erwarten, aber auch im Anschluss kann das Knopfkraut bedenkenlos gegessen werden.

Eine weitere Möglichkeit zum Verarbeiten des Krauts ist die Herstellung eines Kräuterpestos. Hier kann es z.B. als Zutat zusammen mit anderen Wildkräutern wie Brennnessel, Löwenzahn und Spitzwegerich genutzt werden.

Franzosenkraut ist reich an Vitaminen und Mineralstoffen. Das Kraut enthält besonders viel Vitamin C, Magnesium und Calcium und außerdem höhere Anteile an Phosphor, Eisen und Mangan sowie die Vitamine A und B2. Es enthält sogar mit 120 mg Vitamin C mehr als den doppelten Gehalt an eine Zitrone.

Um die Inhaltsstoffe bestmöglich zu genießen, sollte das Kraut am besten frisch verzehrt werden. Langes Mitkochen sollte vermieden werden, da vor allem die Vitamine zerstört werden. Das Kraut lässt sich auch trocknen und als Einlage für Suppen nutzen. Allerdings sollten die getrockneten Franzosenkrauttriebe erst kurz vor dem Ende hinzugefügt werden.

Verwendung als Heilkraut

In der westlichen Naturheilkunde und Medizin tritt Franzosenkraut nur selten als Heilpflanze in Erscheinung. In Südamerika ist die Pflanze hingegen nicht unbekannt und wird u.a. als Stärkungsmittel sowie als Hausmittel bei Magen- und Darmerkrankungen sowie zur Wundheilung verwendet [1].

Da die Pflanze bei uns erst im 18. Jahrhundert eingeschleppt wurde, wurde sie nicht in älteren Kräuterbüchern erwähnt. In früheren botanischen Werken, z.B. in der Flora Batava von Jan Kops (1807) wird sie aber bereits erwähnt und gezeichnet.

Darstellung des Franzosenkrauts im Buch von Kops
Zeichnerische Darstellung von Galinsoga parviflora im Botanikbuch von J. Kops

Franzosenkraut ist nur wenig wissenschaftlich untersucht worden, so dass keine verlässlichen Aussagen über die Wirkung auf den menschlichen Organismus vorliegen. Bekannt ist, dass die Pflanze Phenolbestandteile und Flavonoide enthält, die womöglich eine entzündungshemmende und antioxidative Wirkungen zeigen können [2].

Franzosenkraut in der Natur

Sammeln und Sammelhinweise

In freier Natur findet man das Franzosenkraut oft an Wegrändern, Brachflächen und Waldrändern, die sonnig bis halbschattig liegen. Das Kraut ist weit verbreitet und als invasiver Neophyt nicht geschützt.

Ökologie und Pflanzengeographie

In Mitteleuropa ist das Franzosenkraut vorrangig als invasive Pflanze ein Begriff, die durchaus in der Lage ist, andere Pflanzen zu verdrängen. Der Neophyt bringt hier mehrere begünstigende Faktoren mit, die eine schnelle Ausbreitung begünstigen:

  • hohe Produktion an Samen
  • leichte Ausbreitung der Samen durch Wind und Tiere
  • verhältnismäßig geringe Ansprüche an Standort und Boden

Für Insekten ist die Pflanze bedingt attraktiv. Bienen steuern die Pflanze oft in Zeiten von Trachtlücken an. Da Knopfkräuter eine lange Blütezeit haben, leisten sie durchaus einen Beitrag zur Nährstoffversorgung. Die Pflanze selbst ist allerdings nicht auf Bienen oder Schmetterlinge zur Bestäubung angewiesen.

Die Pflanze gilt als Zeigerpflanze für Stickstoff.

Verwendete Quellen und weiterführende Literatur

  1. Bazylko, A. et al. (2015): Aqueous and ethanolic extracts of Galinsoga parviflora and Galinsoga ciliata. Investigations of caffeic acid derivatives and flavonoids by HPTLC and HPLC-DAD-MS methods. In: Phytochemistry Letters, Vol. 11, S. 394-398, https://doi.org/10.1016/j.phytol.2014.11.005
  2. Studzinska-Sroka, E. et al. (2018): Anti-inflammatory Activity and Phytochemical Profile of Galinsoga Parviflora Cav. In: molecules, Vol. 23, http://dx.doi.org/10.3390/molecules23092133

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