Logo Kräuterbuch

Lein

Lein (Linum usitatissimum ) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Foto vom LeinDer Lein bzw. Flachs ist eine bedeutende Nutzpflanze und wird vielseitig verwendet. Sowohl Leinsamen als auch Leinöl werden in der Küche und in der Heilkunde verwendet. Die enthaltenen Schleimstoffe und Fettsäuren helfen bei Magen- und Darmbeschwerden und Husten. Darüber hinaus sind die Fasern des Flachses wichtige Rohstoffe für die Herstellung von Naturtextilien oder Verbundstoffen.

Pflanzenmerkmale und Systematik des Leins

Herkunft und Vorkommen von Lein

Es gilt heute als relativ sicher, dass die Herkunft der Gemeinen Leins (Linum usitatissimum) im heutigen Indien liegt. Da Lein als Nutzpflanze schon im Altertum rege Verwendung fand, ist die Pflanze schnell in andere Länder eingeführt und dort angebaut wurden. Der Fruchtbare Halbmond ist das erste bekannte Anbaugebiet, in dem Lein bzw. Flachs in großer Anzahl wuchs. Die Leinpflanze gilt als einer der ältesten Kulturpflanzen und ist heute nahezu in der ganzen bewohnten Welt anzutreffen.

In Deutschland ist Lein nur wild anzutreffen, wobei es sich meist um den Zweijährigen Lein (Linum bienne) handelt. Diese Art hat keine besonderen Ansprüche, wächst aber bevorzugt auf nährstoffärmeren und trockenere Wiesen.

Bedeutung von Lein als Kulturpflanze

Der Bedarf nach Leinprodukten, allen voran Leinöl ist nach wie vor relativ hoch. Mit einer Anbaufläche von etwas mehr als 100 Hektar ist Lein heute nahezu bedeutungslos. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Situation vollkommen anders. Mit etwa 100.000 Hektar Anbaufläche haben Flachsfelder das landwirtschaftliche Bild Deutschlands lange Zeit geprägt. Diese Flächengröße entsprach übrigens einem Viertel der gesamten Ackerfläche Deutschlands.

Durch die Kolonisierung sowie durch den Siegeszug der Baumwolle nahm Lein als Faserpflanze nach und nach ab. Allein in Sachsen ging die Anbaufläche zwischen 1800 und 1900 um mehr als 75 Prozent zurück [1].

Systematik von Linum usitatissimum bzw. Linum bienne

Wenn man heute von Lein spricht, so wird häufig der Gemeine Lein (Linum usitatissimum) gemeint. Diese auch als Gemeiner Flachs oder Saat-Lein bekannte Pflanze ist eine Kulturart, die höchstwahrscheinlich aus dem Zweijährigen Lein (Linum bienne) hervorgegangen ist. Alle Leinpflanzen bilden eine eigenständige Pflanzenfamilie, die kurzum als Leingewächse (Linaceae) bezeichnet werden. Diese Familie beheimatet etwa 15 Gattungen mit etwa 300 Arten.

Die Leine (Linum) gehören dabei zur bekanntesten Gattung. Weitere bekannte Leinpflanzen sind der Rote Lein (Linum grandiflorum), der Gelbe Lein (Linum flavum) sowie der Ausdauernde Lein (Linum perenne).

Vom Gemeinen Lein gibt es mittlerweile zahlreiche Sorten, die teilweise je nach Verwendungszweck (Leinöl, Flachsfasern) entstanden sind. Die bekanntesten Unterarten sind:

  • Schießlein bzw. Dreschlein (Linum usitatissimum var. crepitans)
  • Springlein (Linum usitatissimum var. usitatissimum)

Merkmale des Leins

Der Gemeine Lein (Flachs) ist eine bei uns einjährig krautige Pflanze, im Gegensatz zum bei uns oft wild anzutreffenden Zweijährigen Lein. In der Regel beträgt die Wuchshöhe von Leinpflanzen zwischen 40 und 70 cm, wobei die Höhe unter guten Wachstumsbedingungen auch bis zu einem Meter betragen kann. Die Pflanze bildet typische Pfahlwurzeln mit dünnen seitlichen Wurzelhaaren aus.

Die Blätter des Gemeinen Lein wie auch des Zweijährigen Lein haben eine meist lanzettliche bis selten eiförmige Gestalt. Die Blattlänge beträgt meist um die 4 Millimeter, die Blattbreite hingegen um die 2 Millimeter. Die Blätter sind immer stiellos und stehen sich wechselständig am runden und unbehaarten Stängel gegenüber. Je nach Art und Sorte zeichnen sich die Stängel durch ihren hohen Fasergehalt aus, die zu einem hohen Anteil aus Zellulose besteht.

Blätter von Lein bzw. Flachs
Lein bildet filigrane Blätter mit lanzettlicher Form aus

Das wohl bekannteste äußere Merkmal sind die adretten Blüten des Leins. Die Blütezeit der Flachspflanze ist meist von Ende Mai bis Mitte August zu erwarten. Dort bilden sowohl der Gemeine Flachs als auch der Zweijährige Flachs, jeweils in so genannten Blütenwickeln, hellblaue bis weiße Blüten aus. Zum Zentrum hin sind auf den Kronblättern farbliche Nuancen zu sehen. Jede Blüte bildet fünf Staubblätter.

Leinblüte bzw. Flachsblüte
Die hübsch anzusehenden Leinblüten blühen meist nicht länger als einen Tag

Beim Lein ist Selbstbestäubung vorherrschend, wenngleich auch die Bestäubung durch Insekten möglich ist. Zur Fruchtreife bilden Leinpflanzen bis zu acht Millimeter lange Kapselfrüchte. Jede einzelne Kapsel beinhaltet 10 Leinsamen, die jeweils in fünf Fächern eingebaut sind. Die eiförmigen Samen selbst sind hell- bis dunkelbraun.

Lein – Anbau, Aussaat und Pflege

Lein lässt sich problemlos im Garten auf dem Balkon kultivieren. Häufig wird der Lein wegen seiner ausdrucksstarken Blüten angepflanzt. Es handelt sich um eine relativ anspruchslose Pflanze, die nur wenig Pflege benötigt. Ökologische bzw. nachhaltige Gärtner schätzen den Gemeinen Lein übrigens auch als Gründüngungspflanze.

Standort: Lein verträgt sowohl sonnige bis halbschattige Standorte. Vollsonnige Lagen sollten jedoch vermieden werden. Linum usitatissimum wächst bevorzugt auf nährstoffarmen, lehmig bis sandigen und eher tiefgründigen Böden. Zu feuchte wie auch stickstoffreiche Böden sind nicht optimal und begünstigen schnell Krankheiten.

Aussaat: Die Aussaat des Leins sollte zwischen Ende März bis Anfang Mai erfolgen. Die kleinen Leinsamen können sowohl im Freiland als auch in Töpfen kultiviert werden. Die Pflanze zählt zu den Dunkelkeimern, weshalb die Saattiefe 2 -3 cm betragen sollte. Insofern eine durchgängige Keimtemperatur von etwa 18 °C gegeben ist, erscheinen nach etwa 8 bis 15 Tagen die ersten Keimlinge. Stehen einzelne Pflänzchen durch breitflächiges Ausstreuen zu dicht, sollte sorgfältiges ausgelichtet werden. Der Pflanzabstand zwischen den Pflanzen sollte etwa 20 bis 25 cm betragen.

Wächst der Flachs in einem Topf, sollte auf eine ausreichende Tiefe des Topfes geachtet werden. Lein bzw. Flachs bildet Pfahlwurzeln aus, die etwas Platz benötigen. Eine Topftiefe von etwa 20 bis 30 cm genügt in den meisten Fällen.

Gießen:Gemeiner Lein (wie auch der Zweijährige Lein) sind recht anpassungsfähig. Im Freiland genügen die natürlichen Niederschläge meistens aus. Bei längerer Trockenheit oder andauernder großer Hitze, ist es jedoch erforderlich die Pflanzen ausgiebig zu bewässern. Ein dauerhafter feuchter Boden ist jedoch nachteilig für das Wachstum der Pflanze und sollte, genau wie Staunässe, vermieden werden.

Düngen:Im Freiland ist eine zusätzliche Düngung meistens nicht erforderlich. Leinpflanzen sind häufig Indikatorpflanzen für Standorte mit geringen Stickstoffgehalten und gelten als Spezialisten. Bei längerem Anbau von Lein auf den gleichen Stellen kann jedoch ein Phosphor- und kaliumbetonter Dünger von Vorteil sein.

Krankheiten und Schädlinge:Lein kann unter ungünstigen Bedingungen empfänglich für Schädlinge und Krankheiten sein. Neben Fressfeinden wie Thripsen und Erdflöhe können zahlreiche Pilze zum Absterben der Pflanzen führen. Vor allem wenn Lein bzw. Flachs zu feucht gehalten wird, können verschiedene Schimmelpilzarten, Mehltau oder der so genannte Lein-Rost auftreten. Ist der Boden arm an Phosphor können unter Umständen auch gekräuselte Blätter mit schwarzen Blattbestandteilen auftreten. In solchem Fall ist eine schnelle Düngung mit einem mineralisch betonten Dünger notwendig.

Verwendung von Lein

Der Gemeine Lein ist eine bedeutende Nutzpflanze. Viele Jahre lang wurden die Fasern der Pflanze für die Herstellung von Kleidung oder Tüchern verwendet. Das Wort Leinen zeigt klar den Ursprung. Auch heute werden Leinfasern als Verbundwerkstoffe, Dämmstoff oder Textilfasern genutzt.

Zusammenfassend sind folgende Bestandteile bzw. Produkte des Leins von Bedeutung:

  • Leinfasern (Flachs)
  • Leinsamen
  • Leinöl

Lein als Speisepflanze

Lein lässt sich in der Küche vielseitig einsetzen.

Leinsamen

Leinsamen gelten als sehr gesund und finden daher als Zutat für viele Gerichte Verwendung. Beispielsweise werden die Samen gern als Ergänzung zum Frühstücksbrei gegessen, wodurch die Verdauung angeregt wird. Auch als Backzutat sind Leinsamen hervorragend geeignet. Ein bekanntes Produkt ist das Leinsamenbrot, das wahlweise aus Weizen- oder Roggenmehl besteht.

Für den Verzehr sollten vorrangig unbehandelte, d.h. geschlossene Leinsamen verwendet werden. Sie enthalten die volle Palette an gesunden Fettsäuren.

Leinöl

Das aus den Samen der Pflanze gepresste Leinöl lässt sich vielseitig in der Küche verwenden. Das Öl passt sehr gut zu Kartoffeln, Fisch, Weißkraut und würzigem Käse. Ein bekanntes Gericht ist beispielsweise Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl. Dieses schnell zuzubereitende Essen, harmoniert außerdem sehr gut mit Zwiebeln oder Kräutern wie Schnittlauch, Petersilie oder Knoblauchkresse.

Lein bzw. Flachs im mittelalterlichen Kräuterbuch
Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl ist schnell zubereitet und köstlich (Foto: Sabrina Cercelovic / fotolia.de)

Soll Leinöl vorrangig als Speiseöl verwendet werden, empfiehlt sich die Anschaffung eines hochwertigen Öls. Hochwertige Öle werden ausschließlich in dunklen Flaschen verkauft. Gutes Leinöl ist ausschließlich kaltgepresst und wurde einem schonendem Filtrationsverfahren unterzogen. Riecht das Öl fischig, sollte es nicht mehr gegessen werden. Das Öl ist zwar nicht schlecht, jedoch geschmacklich nicht mehr zu gebrauchen. Der Fischgeruch ist ein starker Hinweis darauf, dass die enthaltenden Fettsäuren bereits oxidieren.

Lein als Heilpflanze

Lein oder Flachs ist eine alte Heilpflanze, die eine lange Tradition hat. Auch in der heutigen Naturheilkunde hat die Pflanze eine große Bedeutung. Verwendung finden auch hier vorrangig Leinsamen und das Öl, das aus den Samen gepresst wird.

In der Antike und im Mittelalter war der Lein eine universelle Heilpflanze, die sowohl innerlich als auch äußerlich angewendet wurde. Die Samen des Leins wurden u.a. bei Brustschmerzen, Husten, Bauchschmerzen und Verdauungsbeschwerden verwendet. Leinsamen wurde im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit häufig mit Honig vermengt. Äußerlich waren Pflasteranwendungen mit Lein gebräuchlich. Diese halfen beispielsweise gegen schmerzhafte Beulen oder Geschwülste. Gegen Sonnenbrand und Seitenstechen wurden Umschläge aus Leinsud zubereitet.

Lein bzw. Flachs im mittelalterlichen Kräuterbuch
Heilkundliche Beschreibung des Leins im Kräuterbuch von P.A. Matthioli

In der heutigen Naturheilkunde wird Lein vor allem bei Magen- und Darmbeschwerden verwendet. Wichtige Inhaltsstoffe mit pharmakologischer Bedeutung sind vor allem die Schleimstoffe, Glykoside sowie die ungesättigten Fettsäuren. Einige Glykoside, wie z.B. das Linustatin, sind Cyanogene, die eine Vorstufe der Blausäure darstellen. Es besteht jedoch kein erhöhtes Risiko nach Aussage von amtlichen Quellen, insofern Leinsamen nicht überdosiert werden. Die maximale Einnahmemenge sollte 20 Gramm pro Tag nicht überschreiten [2].

Genutzt werden ausschließlich die Samen bzw. das aus den Samen gepresste Öl. Die in den Samen enthaltenden Wirkstoffe haben folgenden Einfluss auf unseren Organismus:

  • schleimhautschützend
  • stuhlregulierend
  • verdauungsanregend
  • regt die Magen- und Darmperistaltik an

Lein wird heute u.a. bei folgenden Beschwerden und Krankheiten verwendet:

  • Sodbrennen
  • Magenschleimhautentzündung (Gastritis)
  • Darmentzündung (Enteritis)
  • Magenkrämpfe
  • Dickdarmentzündung (Divertikulitis)
  • Durchfall
  • Verstopfung

Leinsamen werden als Hausmittel häufig bei Durchfällen und Magenschleimhautentzündungen verwendet. Die in den Leinsamen enthaltenen Polysaccharide binden sowohl Wasser als auch die Ausscheidungen (Gifte) von Bakterien. Dadurch kann die Stuhlhäufigkeit sowie die wässrigen Durchfälle stark reduziert werden. Auch bei Schmerzen oder Krämpfen, die durch Nahrungsmittelunverträglichkeiten hervorgerufen werden, können Leinsamenzubereitungen lindernd wirken.

Die übliche Darreichungsform ist der Verzehr reiner Leinsamen oder Kaltauszüge. Bei Magen- und Darmbeschwerden sollten aufgestoßene Leinsamen pur gegessen werden. Nach dem Verzehr sollte ein Glas Wasser (ca. 200 ml) getrunken werden, so dass die Leinsamen auch bis zum Darm transportiert werden. Um auch die Wirkstoffe bestmöglich zu verwerten, sollten geschlossene Leinsamen mit einem Mörser aufgebrochen werden.

Kaltwasserzubereitungen aus Leinsamen werden fälschlicherweise oft als Leinsamentee bezeichnet. Verstanden wird darunter eine Kaltwasserzubereitung (Mazerat) aus Leinsamen mit dem Ziel die enthaltenen Schleimstoffe herauszulösen. Dabei werden aufgestoßene Leinsamen etwa 1 bis 1,5 Stunden in einer Tasse (etwa 200 ml) quellen gelassen. Ein solches Mazerat wird vor allem bei Magenschleimhautentzündungen oder krampfhaften Magenbeschwerden eingenommen. Die Leinsamenschleime gelangen dann in Richtung Magen und legen eine Art Schutzschicht darüber, die den Magen insgesamt beruhigen. Bei der Zubereitung sollten keine geschrotenen Leinsamen verwendet werden.

Anwendungshinweise und Nebenwirkungen: Ist bekannt, dass akute Entzündungen der Speiseröhre oder des Mageneingangs bestehen, sollte keine Behandlung mit Lein erfolgen. Gleiches bei Darmverschluss. Nach der Einnahme von Leinzubereitungen sollten Sie viel trinken. Werden neben Leinsamen andere Medikamente eingenommen, so sollte diese erst nach etwa einer Stunde eingenommen werden. Leinsamen verringert die Resorption (Aufnahme) der Wirkstoffe vieler anderer Medikamente. Fragen Sie in solchen Fällen bitte unbedingt auch Ihren Arzt oder einen Apotheker.

Lein kaufen – Was ist zu beachten?

Leinsamen und Leinöl gelten als wichtige Nahrungsmittel und sind daher in vielen Supermärkten zu finden. Allerdings gibt es zum Teil erhebliche Qualitätsunterschiede. Leinöl für Speisezwecke sollte immer in dunklen Flaschen gelagert sein und keinen Fischgeruch aufweisen. Öl mit Fischgeruch ist zwar nicht unbedingt ranzig. Jedoch ist der Geschmack dann alles andere als lecker.

Leinsamen erhalten Sie in unterschiedlichen Varianten:

  1. ganze Leinsamen
  2. aufgebrochene Leinsamen
  3. geschrotene Leinsamen

Ganze und aufgebrochene Samen können sowohl als Hausmittel und auch als Zutat für Backwaren verwendet werden. Geschrotene Leinsamen eignen sich vorrangig als Backzutat (z.B. für Leinsamenbrot) oder als Ei-Ersatz.

Literaturnachweise

  • [1] Säurich, Paul (1904): Das Leben der Pflanzen – II Band, Heft 1 – Das Feld. Bilder aus der Pflanzenwelt. Verlag von Ernst Wunderlich, Leipzig.
  • [2] Abraham, K., Buhrke, T., Lampen, A. (2016): Bioavailability of cyanide after consumption of a single meal of foods containing high levels of cyanogenic glycosides: a crossover study in humans. In: Archives of Toxicology, Vol. 90, S. 559-574, https://doi.org/10.1007/s0020
Unsere aktuelle Kräuterbuch-Empfehlung

Heilkräuterbuch zum Nachschlagen von Apotheker M. Pahlow Das große Buch der Heilpflanzen: Gesund durch die Heilkräfte der Natur
Eines der besten Übersichtswerke über Heilpflanzen und deren Anwendungen. Auf über 500 Seiten werden mehr als 400 einheimische und fremdländische Heilpflanzen erklärt.

Details zum Buch
angeboten bei Amazon