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Heilkräuter bei Erkrankungen von Blase und Niere

Erkrankungen der Niere sowie der harnleitenden Organe und der Blase sind nicht selten, kommen aber im Vergleich zu anderen Krankheiten seltener vor. Viele Beschwerden des Urogenitaltrakt lassen sich auf natürliche Weise behandeln. Heilpflanzen wie Brennnessel, Goldrute, Hauhechel oder Orthosiphon können auf schonende Weise eine gute und nachhaltige Therapie gegen Nieren- und Harnwegserkrankungen darstellen. Wir zeigen kurz die wichtigsten Beschwerden von Blase, Niere und harnleitenden Organen auf und erklären, welche Heilkräuter dagegen helfen können.

Funktionen und Erkrankungen von Nieren, Harnleiter und Blase

Der Urogenitaltrakt – Nieren, Blasen und Harnleiter

Die Gesamtheit aller Organe, die mit der Entgiftung und Ausscheidung von Urin beschäftigt sind, wird als Urogenitaltrakt bezeichnet. Hierzu gehören die folgenden Organe:

  • die Nieren mit den Nebennieren
  • der Harnleiter
  • die Harnblase
  • die Harnröhre
  • im engeren Sinne sämtliche Geschlechtsorgane

Unsere Nieren leisten jeden Tag Hochleistungsarbeit. Die jeweils 12 cm langen und bis zu 5 cm breiten Organe sind wichtige Filterorgane. Wesentliche Aufgaben sind die Entgiftung bzw. Ausscheidung giftiger Stoffe sowie die Regulation des Wasser- und Elektrolythaushaltes. Außerdem sind die Nieren verantwortlich für die Bildung und auch den Abbau lebenswichtiger Hormone. Pro Tag filtern die Nieren übrigens zwischen 1000 und 1500 Liter Blut.

Das gereinigte Blut gelangt wieder zurück in den normalen Blutkreislauf. Die herausgefilterten Giftstoffe (auch Schlackenstoffe genannt) werden schließlich über den Urin ausgeschieden. Der Urin selbst wird in der Niere gebildet, in dem das im Blut enthaltene Wasser zunächst gereinigt wird. Bis zu drei Liter Urin entstehen bei diesem Reinigungsprozess.

Das Urin wird über den Harnleiter schließlich in die Harnblase transportiert. Der Harnleiter selbst ist eine trichterförmige Röhre, die die Niere mit der Harnblase verbindet. Neben Urin können übrigens auch kleinere wie größere Nierensteine in den Harnleiter gelangen und in bestimmten Fällen schmerzhafte Erkrankungen auslösen.

Der aus der Niere stammende Urin wird zunächst in der Harnblase gespeichert. Das Organ hat eine Kapazität zwischen 1000 und 1500 ml. Ist die Harnblase etwa zur Hälfte mit Urin befüllt, setzt der uns bekannte Harndrang ein. Durch angrenzende Schließmuskeln, die sich am Ausgang der Blase befinden, kann der Harn schließlich über die Harnröhre ausgeschieden werden.

Die Harnröhre stellt dabei ein schlauchförmiges Organ dar, das mit unseren Geschlechtsorganen verbunden ist. Sie ist, je nach Lebensweise, mehr oder weniger von Entzündungen durch Bakterien betroffen.

Erkrankungen des Urogenitaltrakts

Unser Urogenitaltrakt ist zwar ein recht robustes System, ist aber vor Krankheiten nicht gefeit. Viele Erkrankungen von Niere, Blase und den ableitenden Harnwegen sind meist individuell verursacht. Eine ungesunde Ernährungsweise, zu geringe Flüssigkeitsaufnahme, viel Alkohol und Kaffee, mangelhafte Hygiene oder zu dünne Kleidung an kalten Tagen können schnell Erkrankungen an diesem lebenswichtigen Organsystem hervorrufen.

Häufige Erkrankungen der harnleitenden Organe, die auch teilweise oder vollständig naturheilkundlich mitbehandelt werden können, sind u.a.:

  • Blasenentzündung
  • Blasenschwäche
  • Dranginkontinenz
  • Harnleiterentzündung
  • Harnröhrenentzündung
  • Nierenbeckenentzündung
  • Niereninsuffizienz
  • Nierengrieß
  • Reizblase
  • Urolithiasis (Blasensteine, Harnsteine, Nierensteine)

Behandlungen mit Hausmittel

Viele Erkrankungen des Urogenitaltrakts lassen sich auch mit Hausmitteln bzw. Heilkräuterzubereitungen in den Griff kriegen. Es ist jedoch, gerade bei Erkrankungen der Nieren oder der harnleitenden Organe im Besonderen wichtig, einen Arzt die Ursache abklären zu lassen. Bitte beginnen Sie niemals eine Therapie eigensinnig. Einige Symptome wie Flankenschmerzen, Rückenschmerzen oder Blut im Urin müssen zwingend von einem Arzt oder einer Ärztin abgeklärt werden, da sich hier auch lebensbedrohliche Erkrankungen verstecken können, die mit Heilpflanzen nicht behandelt werden können.

Außerdem ist zu beachten, dass bei Durchspülungstherapien sichergestellt werden sollte, dass keine bestehenden Herzerkrankungen oder Nierenfunktionsstörungen vorliegen. Ebenfalls sollten Menschen, die an Diabetes erkrankt sind, von einer Durchspülung absehen oder diese zumindest mit dem behandelndem Arzt absprechen.

Grundsätzlich sollten Kinder und Heranwachsende nicht mit diuretisch wirkenden Heilpflanzen versorgt werden. Ebenfalls sind Durchspülungstherapien für nicht ratsam.

Heilpflanzen bei Nieren- und Blasenerkrankungen

Es gibt zahlreiche Heilkräuter, die zur unterstützenden Behandlung einer Erkrankung des Urogenitaltrakts eingesetzt werden können. Über die Jahre ist eine große Liste entstanden, wovon sich einige als tatsächlich nutzbar bzw. wirksam heraus kristallisiert haben.

Typische Heilpflanzen für den Erkrankungen an Niere, Harnleiter oder Blase sind die folgenden:

  • Ackerschachtelhalm
  • Birkenblätter
  • Brennnessel
  • Dornige Hauhechel
  • Goldrute
  • Kanadisches Berufkraut

Brennnessel

Die Brennnessel (Urtica dioica) wird in der Naturheilkunde vor allem gegen Blasenentzündungen, Harnwegsentzündungen und Nierengrieß verwendet. Sie kann darüber hinaus auch hilfreich bei einer Reizblase sein, eine Erkrankung, die sich durch ständigen Harndrang und unkontrollierten Urinverlust bemerkbar macht.

Brennnesseln enthalten vor allem Flavonoide, Phytosterole und Kieselsäure. Verwendung bei Blasen- und Harnwegserkrankungen finden ausschließlich die Blätter der Pflanze, die eine nachgewiesene harntreibende bzw. entwässernde sowie entzündungshemmende Wirkung entfalten.

Dargereicht wird die Brennnessel vor allem als Tee und als Saft, seltener als Tablette oder Kapsel. Ein Brennnesseltee hat gegenüber den anderen Darreichungsformen den Vorteil, dass gleichzeitig Flüssigkeit zugeführt wird. Für eine Anwendung bei akuten Blasen- und Harnwegsentzündungen oder für eine Durchspülungstherapie genügen drei Tassen Tee täglich, die am besten jeweils morgens, mittags und abends eingenommen werden. Da die Anwendung eines solches Tees harntreibend ist, ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten.

Goldrute

Die Goldrute (Solidago virgaurea) ist neben der Brennnessel eines der wichtigsten Heilpflanzen in der Behandlung von Erkrankungen des Urogenitaltrakts. Sie findet vor allem bei kleineren bis mittleren Blasen- und Nierenbeschwerden, kleineren Nierensteinen sowie bei chronischer Nierenentzündung (chronische Pyelonephritis) Anwendung.

Goldrute bei Nierenfunktionsstörungen
Die Goldrute wird häufig bei schmerzbegleiteten Nierenfunktionsstörungen verwendet

Die Heilwirkung der Goldrute beruht in erster Linie auf den enthaltenen Flavonoiden und Saponinen, die die Leistung der Nieren deutlich steigern können. Sie haben insgesamt eine schmerzlindernde, ausschwemmende und harntreibende Wirkung.

Goldrute wird vor allem in Kapselform, als Tee oder als Tinktur dargereicht. Gebräuchlich sind vor allem Tees, die mitunter auch in Kombination mit Brennessel, Hauhechel oder Ackerschachtelhalm verwendet.

Bei bekannten Nierenfunktionsstörungen darf Goldrute nicht angewendet werden. Außerdem darf Goldrute nicht verwendet werden, falls eine Allergie auf Korbblütler besteht. Bei bekannten Herzerkrankungen ist die Therapie zunächst mit dem behandelndem Arzt abzusprechen.

Hauhechel

Hauhechelwurzeln werden schon seit der Antike eingesetzt und erfreuen sich auch in der modernen Heilpflanzenkunde großer Beliebtheit. In vielen Blasen- und Nierentee findet man daher Bestandteile der Hauhechel, die aquaretische (harntreibende) und teils entzündungshemmende Wirkungen entfalten. Die Dornige Hauhechel (Ononis spinosa) gilt daher als gutes Hausmittel gegen Harnwegsentzündungen und Nierengrieß. Die Heilpflanze wird auch meist unterstützend im Rahmen einer Durchspülungstherapie mit Goldrute verwendet.

Es ist heute noch nicht abschließend geklärt, welche Inhaltsstoffe für die diuretische und entzündungshemmende Wirkung verantwortlich sind. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass vor allem die enthaltenen Kaliumsalze und Flavonoide für die Heilwirkung verantwortlich sind. Es gibt jedoch auch andere Sichtweisen, die eher die ätherischen Öle oder das Isoflavon Genistein als Hauptwirkstoff betrachten. Unserer Meinung nach, kann es auch ein synergistischer Effekt sein, bei der sich mehrere Einzelwirkstoffe in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken.

Die gebräuchlichste Darreichungsform ist der Tee, seltener Kapseln oder Tinkturen. Bei der Hauhechel sind allerdings längere Ziehzeiten notwendig, um eine Wirkung der Inhaltsstoffe zu erreichen. Ein Tee mit Hauhechel sollte mindestens 20 Minuten ziehen.


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