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Sonnenhut

Sonnenhut (Echinacea spec.) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Foto vom SonnenhutDer Sonnenhut, der auch als Echinacea bezeichnet wird, ist eine recht junge Heilpflanze. Bekannt wurde der Korbblütler durch seine Fähigkeit, das Immunsystem zu stärken und Infekte im Voraus abzuwehren. Als Heilpflanze kann der Sonnenhut jedoch auch einige Pilze bekämpfen und wirksam gegen Entzündungen vorgehen. Viele Gärtner bauen den Purpur-Sonnenhut oder den Schmalblättrigen Sonnenhut aufgrund seiner prachtvollen Blüten zudem gern als Zierstaude an.

Pflanzenmerkmale und Systematik vom Sonnenhut

Herkunft und Vorkommen des Sonnenhuts

Die verschiedenen Arten des Sonnenhuts stammen allesamt aus Nordamerika, wo sie sowohl Wiesen- und Weidegebiete (Prärie) als auch Hochgebirgslagen besiedeln können. Aufgrund des hohen medizinischen Interesses der Pflanzen sowie der Eignung als Zierpflanze, wurde der Sonnenhut nach Europa eingeschleppt. Seitdem besiedeln Arten wie der Purpur-Sonnenhut nicht selten auch einige Wiesen in der Nähe von Gärten.

Systematik von Echinacea spec.

Sonnenhüte (Echinacea) bilden eine eigene Gattung und zählen zur Familie der Korbblütler. Sämtliche Arten der Gattung sind daher mit wichtigen Heilpflanzen wie dem Alant, dem Huflattich oder dem Löwenzahn direkt verwandt. Es sind weltweit heute mehr als 40 Sonnenhutarten beschrieben. Die wichtigsten sind jedoch die folgenden:

  • Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea)
  • Schmalblättriger Sonnenhut (Echinacea angustifolia)
  • Prärie-Igelkopf (Echinacea pallida)

Merkmale des Sonnenhuts

Der Sonnenhut wird, je nach eigentlicher Art und Wachstumsbedingungen, zwischen 30 und 120 cm hoch. Sämtliche Sonnenhutarten sind mehrjährig und mit einer tiefgreifenden Pfahlwurzel im Boden verankert.

Blätter vom Sonnenhut
Die lanzettlichen Blätter von Echinacea purpurea

Die Blätter des Sonnenhuts sind stets lanzettlich und zeigen einen glatten, mitunter auch leicht gekerbten Blattrand. Die Blattlänge beträgt meist zwischen 10 und 20 cm. Die Blattoberfläche der meisten Sonnenhutarten fühlt sich rau an, was durch die dichte Blattbehaarung zu erklären ist. Häufig befinden sich auf der Blattoberseite drei oder fünf Blattnerven, die vom Blattgrund bis zur Blattspitze verlaufen. Die Blätter sind zumeist auffällig gestielt am dunkelgrünen bis bräunlichen Stängel.

Blüte vom Sonnenhut
Der prachvolle Blütenkorb von Echinacea angustifolia

Die Blütezeit der meisten Echinacea-Arten findet zwischen Anfang Juli bis Anfang September statt. Dann bildet der Sonnenhut kreisförmige Blütenkörbe mit Durchmessern bis zu 4,5 cm aus. Die Blütenmitte erinnert an einen Igel, was die Namensherkunft der Pflanze erklärt. Echinacea stammt aus dem Altgriechischem und bedeutet Igel. Jeder Blütenkorb besitzt bis zu 300 Röhrenblüten Die Zungenblüten (äußere Blütenblätter oder Strahlenblüten) sind beim Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea) auffällig rosa, purpur bis rosarot gefärbt, beim schmalblättrigen Sonnenhut (Echinacea angustifolia) meist weiß bis zartrosa.

Zur Fruchtreife bildet der Sonnenhut stets typische Achänenfrüchte aus, die eine Sonderform der Nussfrucht darstellt. Die Früchte sind mit einem kronenförmigen Flugschirmchen (Pappus) versehen. Die Früchte selbst haben eine kantige und messerspitzenähnliche Form von meist leichtgrünlicher bis rotbrauner Färbung.

Sonnenhut - Anbau, Aussaat und Pflege

Echinacea gilt bei vielen Gärtnern als beliebte Staude. Sie ist relativ anspruchslos und einfach zu kultivieren. Die Tipps sind für die Sonnenhutarten (Roter Sonnenhut, Schmalblättriger Sonnenhut, Prärie-Sonnenhut) gleichsam gültig.

Standort: Sonnenhüte kommen sowohl mit sonniger als auch halbschattiger Lage zurecht, wobei sonnige Lagen bevorzugt werden. Vollsonnige Standorte sollten nach Möglichkeit jedoch gemieden werden. Der Boden sollte nährstoffreich und humushaltig sein. Zu lehmige Böden sollten mit Zuschlagstoffen wie Sand oder Lavasplitt aufgelockert werden. Für Topf- und Kübelkulturen eignen sich handelsübliche Kräutererden.

Aussaat: Die Aussaat von Sonnenhut ist nicht immer ganz einfach. Die Samen können zwischen März und Anfang Juli direkt ins Freiland gestreut werden. Eine Vorkultur unter kontrollierten Bedingungen ist möglich und meist erfolgreicher. Empfohlen wird eine durchlässige und nährstoffarme Anzuchterde auf die die Samen nur leicht angedrückt werden (Lichtkeimer). Damit die Samen keimen können, wird eine kontinuierliche Keimtemperatur von etwa 20 °C benötigt. Nachtfröste behindern den Keimerfolg. Bei optimalen Bedingungen keimen die jungen Pflänzchen nach etwa 14 bis 21 Tagen.

Allgemeine Anbauhinweise: Im Freiland bzw. Garten sollten die Sonnenhutpflanzen mit einen Pflanzabstand von mindestens 25 cm gesetzt werden. Ein alternativer Anbau in Kübeln für Balkon oder Terrasse ist grundsätzlich möglich. Wer auf eine Aussaat verzichten will, kann auch fertige Pflänzchen verwenden. Diese sollten wenigstens eine Höhe von 7 bis 8 cm aufweisen. Grundsätzlich kann Sonnenhut gut in Nachbarschaft mit anderen Stauden wie Ringelblumen, Schafgarbe oder Goldmelisse angebaut werden.

Düngen: Im Freiland genügt ein gut vergedüngter oder mit Kompost versorgter Boden meistens aus, um Sonnenhut das erste Jahr über die Runden zu bringen. Im Folgejahr, wenn die Pflanzen ihre ersten Blüten entwickeln, sollten ein guter organischer oder organomineralischer Universaldünger verwendet werden. Auch Langzeitdünger wie Düngerpellets, die nennenswerte Anteile an Phosphor enthalten, können eingearbeitet werden. Topfkulturen benötigen mehr Düngergaben. Etwa alle 6 bis 8 Wochen kann ein organischer Universal-Flüssigdünger sparsam mit dem Gießwasser verabreicht werden. Weitere Informationen hierzu erhalten Sie in unserem Artikel Kräuter düngen

Gießen: Sonnenhut ist recht trockenheitstolerant. Die Pflanzen können mehrere Tage ohne Wasser auskommen. Ein normales Gießverhalten ist vollkommen ausreichend. An länger andauernden heißen Tagen ist es mitunter erforderlich, in den Abendstunden zu gießen, so dass die Pflanze keine Krankheiten entwickelt. Zu häufiges Gießen bis hin zur Staunässe sollte jedoch dringend vermieden werden, da dies zur Wurzelfäule führen kann.

Krankheiten und Schädlinge: Bei guten Pflegebedingungen und nicht zu trockenen Wetter sind beim Sonnenhut nur selten Krankheiten und Schädlinge zu erwarten. Mitunter kann der Sonnenhut in den Sommermonaten vom Echten Mehltau befallen werden. Dies betrifft vor allem ältere Pflanzen, die längere Zeit größerer Trockenheit ausgesetzt sein. Pflanzen mit größerem Befall sollten unbedingt aussortiert werden. Darüber hinaus können Blattläuse und Blattälchen (Nematoden) sowohl jüngere als auch ältere Pflanzen befallen.

Überwinterung: Die meisten Sonnenhutarten sind grundsätzlich winterhart, so dass keine besonderen Überwinterungsmaßnahmen getroffen werden müssen.

Verwendung von Sonnenhut

Sonnenhut in der Küche

Echinacea ist als Küchenpflanze bedeutungslos. Weder die Blätter, noch die Wurzeln oder die Blüten sind schmackhaft noch entfalten sie entsprechende Würzkraft.

Echinacea als Heilpflanze

Echinacea ist eine wertvolle und weitverbreitete Heilfplanze. Von medizinischer Bedeutung sind vor allem der Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea) und der Schmalblättrige Sonnenhut (Echinacea angustifolia).

Den alten Heilkundigen und Ärzten des Mittalters in Europa war der Sonnenhut gänzlich unbekannt. Es ist jedoch überliefert, dass die Indianer vom Sonnenhut als Heilpflanze rege Gebrauch machten. Diese nutzten Auszüge der Pflanze u.a. gegen Halsentzündungen, Husten, Kopfschmerzen, Zahnschmerzen und Schlangenbisse. Über die Anwendung und Darreichung ist nur wenig bekannt. Durch Überlieferung heutiger Indianer ist jedoch gewiss, dass sowohl die Wurzeln, die Blättern und die Samen der Pflanzen genutzt wurden. Beispielsweise nutzte man Kaltwasserauszüge (Mazerate) der Wurzeln um Schlangenbisse zu behandeln. [1]

In Deutschland und allgemein in Mitteleuropa wurde Echinacea erst im 19. Jahrhundert bekannt.

In der heutigen Naturheilkunde spielt der Sonnenhut eine herausragende Rolle. Echinacea wird vor allem zur allgemeinen Stärkung des Immunsystems sowie gegen Erkältungskrankheiten verwendet.

Sonnenhut enthält vor allem Cichoriensäure (ein Derivat der Kaffeesäure), Polyethine, Flavonoide (u.a. Rutin, Kaempferol, Quercetin) vereinzelt ätherische Öle und im besonderen Maße eine Gruppe namens Alkylamide (auch Alkamide genannt). Diese Alkylamide haben eine ähnliche Wirkung wie die Cannobinoide des Hanfs und können an körpereigene Rezeptoren andocken. In Laborversuchen konnte bereits geklärt werden, dass diese Alkylamide eine positive Auswirkung auf die für die Immunabwehr verantwortlichen Lymphozyten hat.

Nicht unerwähnt bleiben sollte ein Glycosid namens Echinacosid, dass im engeren Sinne einen Carbonsäureester darstellt und womöglich entzündungshemmende Eigenschaften hat und das Immunsystem stärken kann. Echinacoside finden sich ausschließlich in den Wurzeln von Echinacea angustifolia und Echinacea purpurea.

Die im Sonnenhut enthaltenen Inhaltsstoffe, können die folgenden Wirkungen auf den menschlichen Organismus ausüben:

  • entzündungshemmend
  • antioxidativ
  • immunmodulatorisch
  • teilweise pilzhemmend
  • teilweise antiviral

Die Phytomedizin setzt Sonnenhut u.a. zur Behandlung der folgenden Krankheiten und Beschwerden ein:

  • grippale Infekte
  • Bronchitis
  • Nasennebenhöhlenentzündung
  • Immunschwäche (z.B. häufige Infekte)
  • Geschwüre
  • Hautentzündungen (Dermatitis)
  • unterstützend bei Candidabefall
  • Mundsoor

Die antioxidativen und antiviralen Eigenschaften des Sonnenhuts werden vor allem durch die in den Blüten und Blättern enthaltene Cichoriensäure hervorgerufen [2]. In Laborversuchen konnte nachgewiesen werden, dass Extrakte von Echinacea purpurea u.a. Influenzaviren hemmen konnte [3].

Die üblichen Darreichungsformen des Sonnenhuts sind Presssäfte, Tabletten bzw. Dragees und Tees (Heißwasseraufguss). Am Effektivsten ist die Einnahme eines Frischpflanzenpresssaftes, da hier sämtliche Wirkstoffe vorliegen und vom Körper aufgenommen werden können. Die Zubereitung eines Tees ist zwar möglich, sollte aber nur mit frischen Pflanzen vorgenommen werden. Beim Trocknen der Pflanzenteile gehen die Wirkstoffe größtenteils verloren. Bei der Zubereitung eines Tees sollten am Besten sowohl Blätter als auch Blütenbestandteile vermischt werden. Die Ziehzeit des Sonnenhuttees sollte mindestes 10 Minuten betragen.

In den letzten Jahren hat sich herausgestellt, dass einige Inhaltsstoffe des Sonnenhuts eine pilzhemmende Wirkung zeigen. Im besonderen Fokus stehen hier die Wirkstoffe, die in der Wurzel des Sonnenhuts enthalten sind. In Studien konnte herausgefunden werden, dass die Wurzelextrakte phototoxisch auf Pilze wie Candida oder Saccharomyces (Zuckerhefe) wirken und die Vermehrung der Pilze deutlich hemmen konnten [4]. Um eine eventuelle Wirkung erzielen zu können, sollten Pflanzenpresssäfte eingenommen werden.

In der Homöopathie wird Sonnenhut vor allem gegen Erkältungskrankheiten verwendet. Hierzu stehen unterschiedliche homöopathische Präparate zur Verfügung.

Nebenwirkungen und Anwendungsbeschränkungen: Echinacea darf nicht eingenommen werden, wenn eine Allergie gegen Korbblütler besteht. Darüber hinaus sollten Sonnenhutpräparate nicht bei bestehenden Autoimmunerkrankungen oder Systemerkrankungen eingenommen werden. In der Schwangerschaft sollte auf Sonnenhut grundsätzlich verzichtet werden.

Sonnenhut kaufen – Was gibt es zu beachten?

Viele Sonnenhutarten sind beliebte Stauden und daher in vielen Gärten zu finden. Folglich ist das Angebot an Sonnenhutsamen und -pflanzen recht groß. Da es auch gleichsam als Heilpflanze geschätzt ist, gibt es außerdem eine große Auswahl unterschiedlicher Präparate und medizinischer Produkte.

Für die Kultivierung im Garten oder auf dem Balkon stehen verschiedene Sonnenhutarten zur Verfügung. Zu den einzelnen Arten (z.B. Roter Sonnenhut) existieren häufig auch verschiedene Sorten. Insofern Sie eine bestimmte Sonnenhutart anschaffen wollen, sollten Sie dringend auf den botanischen Namen achten. Alleine für die Art Echinacea purpurea gibt es mehr als vier gebräuchliche deutschen Namen (u.a. Roter Sonnenhut, Scheinsonnenhut, Purpur-Sonnenhut, Stauden-Sonnenhut).

Wahlweise können auf speziellen Staudenmärkten oder im Gartenfachhandel auch frische Pflanzen gekauft werden, die sich meist einfacher im Garten kultivieren lassen. Bitte achten Sie auf die Unterseite der Blätter und prüfen, ob die Pflanze frei von Mehltau ist. Auch die Blattränder sollten nicht unterschiedlich gefärbt sein.

Für den heilkundlichen Bereich gibt es eine enorme Auswahl. Bewährt haben sich in den meisten Fällen Frischpflanzensäfte. Werden Kapseln oder Tabletten in Betracht gezogen, sollte darauf geachtet werden, dass Wurzelextrakte von Echinacea purpurea oder Echinacea angustifolia verwendet wurden. Andere Echinaceaarten enthalten nur begrenzte Menge des gewünschten Wirkstoffe.

Auf getrocknete Echinaceaprodukte zur Zubereitung sollte möglichst verzichtet werden. Diese enthalten nur selten die gewünschten Inhaltsstoffe, so dass kaum eine pharmokologische Wirkung stattfinden kann. Tees sollten immer nur aus frischen Pflanzenbestandteilen zubereitet werden.

Literaturnachweise

  • [1]: Kindscher, K. (2016): Echinacea – Herbal Medicine with a Wild History. Springer, doi:10.1007/978-3-319-18156-1
  • [2]: Thygesen, L. et al. (2007): Antioxidant activity of cichoric acid and alkamides fromEchinacea purpurea, alone and in combination. In: Food Chemistry, Vol. 101, S. 74-81, doi.org/10.1016/j.foodchem.2005.11.048
  • [3]: Pleschka, S. et al. (2009): Anti-viral properties and mode of action of standardizedEchinacea purpureaextract against highly pathogenic avian Influenza virus (H5N1, H7N7) and swine-origin H1N1 (S-OIV). In: Virology Journal, Vol. 6, S. 1-9. doi:10.1186/1743-422X-6-197
  • [4]: Binns, S. E. et al. (2000): Light-Mediated Antifungal Activity of Echinacea Extracts. In: Planta Medica, Vol. 66, S. 241-244, ISSN: 0032-0943.
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