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Hirtentäschel

Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Erstmals schriftlich erwähnt wurde das Hirtentäschelkraut bei Carl von Linné (1707-1778).Der schwedische Naturforscher gab dem Kraut seinen aus dem Lateinischen stammenden Namen in der Urform: bursa-pastoris. Den Vokabeln für Tasche und Hirte, da die Gestalt der Samenkapseln denen von Hirtentaschen ähnelt. Jahre später ergänzte der deutsche Botaniker (1736-1808) die Bezeichnung zum Capsella.

Pflanzenmerkmale und Systematik des Hirtentäschelkrauts

Aufgrund der herzförmigen Gestalt der Schoten wird Hirtentäschelkraut im Volksmund auch als Herzkraut bezeichnet. Genauer genommen wird die Art, die botanisch als Capsella bursa-pastoris bezeichnet wird, gewöhnliches Hirtentäschel genannt. Einige Botaniker sprechen davon, dass lediglich drei Arten der Gattung Hirtentäschel existieren, in der amerikanischen Literatur werden jedoch deutlich mehr erwähnt. Das gewöhnliche Hirtentäschel zählt zur Familie der Kreuzblütlergewächse und ist damit entfernt mit Kräutern wie Kresse, Senf oder dem Zahnwurz verwandt.

Die Wuchsform des Hirtentäschels erinnert an die von Löwenzahn oder Spitzwegerisch. Die schmalen und leicht gezähnten Grundblätter sind in einer Art Rosette angeordnet. Die Sprossachse entspringt der Mitte dieser Rosette und erreicht, je nach Standortbedingungen und Pflanzenkonkurrenz, Wuchshöhen zwischen 15 und 60 cm.

An der Sprossachse (Stängel) sitzen in wechselständigen Abständen kleine weiße Blüten. Blick man von oben auf das blühende Hirtentäschelkraut, erinnert die Anordnung der Blüten einer Art Traube. Nach Befruchtung der zwittrigen Blüten entstehen kleine grüne Schoten, die in Form kleiner Herzen an der gesamten Sprossachse sichtbar sind. Jede Schote enthält etwa 10 bis 12 Samen.



Das Hirtentäschel zählt zu den so genannten tagneutralen Pflanzen. Darunter wird verstanden, dass Pflanzen ihre Blüten sowohl unter Kurztags- als auch Langtagbedingungen ausbilden können.

Die genaue Herkunft des Hirtentäschels ist unbekannt. Es wird angenommen, dass sie ursprünglich in den Ländern Westasiens und Südeuropa, hierzu gehören u.a. die heutige Türkei sowie die Länder des ehemaligen Jugoslawien. Da der Hirtentäschel sich sehr leicht ausbreitet und vermutlich durch die vielen Wanderungen und Geschäftsreisen in der Antike leicht einschleppt, besiedelt er heute viele Regionen von der Ebene bis hin zur subalpinen Vegetationsstufe (etwa 1.500 bis 2.500 Meter Höhe). Er ist eine häufig anzutreffende Ruderalpflanze (z.B. Brachflächen), die ebenso häufig auch als Unkraut in Gärten oder auf Äckern anzutreffen ist.

Hirtentäschelkraut aussäen und pflanzen

Hirtentäschelkraut in Samenform zu kaufen ist nicht überall möglich. Die Pflanze ist vielen als Unkraut bekannt, als Heilkraut weitestgehend in Vergessenheit geraten und optisch nicht so dekorativ wie andere blühende Kräuter, z.B. Ringelblume, Thymian oder Rosmarin. Dennoch gibt es mittlerweile vor allem im Online-Bereich einige Händler, die sich auf Wildkräuter spezialisiert haben, und Samen dieses Krauts anbieten.

Taschenkraut wie Hirtentäschelkraut auch genannt wird, hat recht geringe Ansprüche an den Standort. Die unscheinbare, zierliche Pflanze liebt sonnige Stellen und ist eine der ersten Pflanzen, die auf verlassenen Brachflächen, Wildwiesen und Äckern wächst. Sie gilt als Zeigerpflanze für nährstoffreiche Böden, die vor allem reich an Stickstoff sind.

In der Natur sät sich der Gewöhnliche Hirtentäschel von allein aus. Die zu Boden fallenden Samen werden durch Kleinstlebewesen, die im Boden leben, untergegraben und keimen dort auf. Unter diesen Umständen spielt der Zeitraum der Saat keine Rolle, das Hirtentäschelsamen viele Jahre lang keimfähig sind.

Hirtentäschel als Kulturpflanze wird im Frühling ausgesät. Das Kraut ist Lichtkeimer, daher dürfen die kleinen Samen auch nur leicht auf Erde oder Boden angedrückt werden. Die Aussaat kann Wichtig ist, dass der Ort sonnig und der Boden nährstoffreich ist.

Hirtentäschel und dessen Verwendung

Hirtentäschel ist eine von anderen Wildkräutern leicht zu unterscheidende Pflanze. Die herzförmigen „Blättchen“ sind zu typisch für das Hirtentäschelkraut. Hirtentäschel sieht aber nicht nur hübsch aus, das Kraut wurde lange Zeit in der Naturheilkunde geschätzt.

Hirtentäschel in der Küche

Hirtentäschel ist ein Kraftpaket an Mineralstoffen und Vitaminen, zu nennen sind hier insbesondere Eisen, Kalium, Calcium, Vitamin C und der hohe Eiweißgehalt. Trotzdem kommt Hirtentäschel im kulinarischen Ressort keine großartige Bedeutung zu. Im Mittelalter verwendete man die Pflanze allerdings häufiger und sie war geschätzt als Ersatz für Senfsaat. Hirtentäschel weist Senföle auf, die dem Kraut das Synonym Bauernsenf einbrachten.

Die Schoten eignen sich hervorragend für die Zubereitung von Wildkräutersalaten. Auch wenn es etwas mühsam ist, die einzelnen Schötchen von der Pflanze zu trennen, ist der nussige Geschmack eine ideale Ergänzung.

Ebenso eignet sich die Schötchen für die Zubereitung von Suppen, Eintöpfen, Quarks und Frischkäse. Dort wird sie ausschließlich immer frisch verwendet. Die Schoten eignen sich natürlich auch ganz hervorragend zur Dekoration verschiedener Speisen.

Verwendung finden auch die als Rosette angeordneten Grundblätter sowie die Blüten, die am besten schmecken, wenn sie im Frühjahr noch geerntet werden. Auch hier können Salate angerichtet werden. In einigen Rezepten werden die Blätter auch für Aufläufe verwendet.

Hirtentäschel als Heilkraut

Hirtentäschel hat sich in der Naturheilkunde als Blutstiller bewährt. So kommt das Kraut beispielsweise bei Nasenbluten, kleineren Hautverletzungen oder bei gynäkologischen Beschwerden wie langer Menstruation oder nach der Geburt zum Einsatz, um die Nachblutungen zu stoppen bzw. reduzieren. Da Hirtentäschel in der Lage ist, Gebärmutterkontraktionen auszulösen, darf Hirtetäschelkraut in der Schwangerschaft nicht konsumiert werden, weil die Gefahr von frühzeitigen Wehen besteht. Ebenso sollte auf die Anwendung von Hirtentäschel in hohen Dosen verzichtet werden.

Hirtentäschel wurde bereits in der frühen Volksmedizin verwendet. Dem Kraut werden harntreibende, blutreinigende und schmerzlindernde Eigenschaften zugeschrieben. Neben der blutstillenden Funktion wurde Hirtentäschel in der Vergangenheit und zum Teil auch heute noch als Mittel gegen Rheuma und Bluthochdruck bzw. geringen Blutdruck eingesetzt. Auch Hildegard von Bingen hat das Kraut bereits in ihren Werken positiv erwähnt. Benutzt wurde dabei das ganze Kraut, sowohl frisch als auch getrocknet.

Hirtentäschel wird auf verschiedene Art verwendet: als Tee, Tinktur oder Saft. Wenn Hirtentäschel als Tee getrunken wird, empfiehlt sich die Kräuter mit kochendem Wasser zu übergießen und etwa 5 bis 10 Minuten ziehen zu lassen. Höhere Ziehzeiten können die Inhaltsstoffe zerstoren und eine heilende Wirkung zunichte machen.

Hirtentäschel kaufen - Was gibt es zu beachten?

Hirtentäschel wird meistens in Form von Tees verkauft. Eine Reihe an Naturwarenhändlern bieten hierfür sowohl die Samen als auch das getrocknete Kraut an. Die Preise sind hierfür recht unterschiedlich und liegen zwischen 10 und 15 EUR pro Kilo.

Die Pflanzen selbst gibt es kaum zu kaufen, da sie recht häufig in der Natur angetroffen wird und ohne Probleme vermehrt werden kann. Einige Onlinehändler bieten allerdings Samen des Hirtentäschels an, so dass das Kraut auch problemlos zuhause kultiviert werden kann. Die Preise für 100 Samen liegen in etwa zwischen 1,20 und 1,70 EUR.

Einige Salben und Cremes enthalten Hirtentäschel. Meist wird es für Creme verkauft, um Altersflecken zu reduzieren. Es wird durchaus von positiven Erfolgen berichtet, insofern solche Cremes über einen längeren Zeitraum angewendet werden. Ab und an finden sich auch Shampoos, die auf Basis von Hirtentäschel produziert werden.

Einige Apotheken sowie Online-Apotheken bieten auch Kapseln mit Hirtentäschel-Extrakten an. Die Kapsel werden meist als homöopathisches Medikament bei Menstruationsbeschwerden verwendet.Die Preise für 100 Kapseln liegen durchschnittlichen zwischen 15 und 20 EUR.

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