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Bittere Schleifenblume

Bittere Schleifenblume (Iberis amara) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Die bittere Schleifenblume (auch bitterer Bauernsenf genannt) ist in der Pflanzenheilkunde noch ein recht junges Kraut. Die Pflanze wurde erst vor etwa 50 Jahren tiefergehend wissenschaftlich untersucht. Dort fand man heraus, dass die leicht giftige Pflanze, ein gutes Heilkraut gegen Allerlei Beschwerden vor allem im Magen-Darm-Bereich ist.

Steckbrief von Bittere Schleifenblume
Botanischer NameIberis amara
PflanzenfamilieKreuzblütengewächse
Weitere NamenBauernsenf, Schleifenblume
Aussaatzeit / PflanzzeitMärz - Mai
BlütezeitMai - August
Erntezeitgeschützte Pflanze
Standortsonnig; nährstoffarme und eher sandige Böden
Verwendung als HeilkrautAngina pectoris, Magenkrämpfe, Übelkeit, Gastritis, Verdauungsbeschwerden, Entzündungen
Verwendung als Gewürzkrautnicht mehr verwendet

Inhaltsverzeichnis

  1. Pflanzenmerkmale und Systematik der bitteren Schleifenblume
    1. Herkunft und Vorkommen der bitteren Schleifenblume
    2. Systematik der bitteren Schleifenblume
    3. Merkmale der bitteren Schleifenblume
  2. Bittere Schleifenblume aussäen und pflanzen
  3. Bitteres Schleifenkraut und dessen Verwendung
    1. Bittere Scheifenblume als Küchenkraut
    2. Die bittere Schleifenblume als Heilkraut
  4. Bittere Schleifenblume kaufen - Was gibt es zu beachten?

Pflanzenmerkmale und Systematik der bitteren Schleifenblume

Herkunft und Vorkommen der bitteren Schleifenblume

Die bittere Schleifenblume ist in den West- und Südeuropa heimisch. In Deutschland kommt sie gelegentlich an einigen Brachflächen oder Wildwiesen vor. Vorzugsweise wird sie in Rheinhessen, Unterfranken oder in Südhessen angetroffen. Die Pflanze gilt als klassischer Archäophyt, d.h. , dass die Pflanze zwar vom Menschen eingeschleppt wurde, sich aber ohne fremde Hilfe selbst verbreiten konnte. Der natürliche Bestand der Pflanze gilt heute als gefährdet. Der Grund für die Gefährdung liegt vorrangig an der Wirtschaftsweise der Menschen. Hier haben großflächige Nutzungsänderungen, Nutzungsaufgaben oder Überdüngung dazu geführt, dass die Pflanze über die Jahre rückläufig wurde[1].

Auch wenn die Pflanze erst vor etwa 50 Jahren intensiver erforscht wurde, war sie wohl bereits seit der Antike bekannt. Einige Quellen berichten, dass bereits Plinius der Ältere von den heilenden Kräften der Pflanze gewusst hat. Der botanische Gattungsname Iberis wurde von Carl von Linné geprägt. Die erste Erwähnung geht wohl jedoch auf den griechischen Arzt Galenos (131 – 215 n. Chr.) zurück, der einen iberischen Patienten mit der Schleifenblume behandelt haben soll.

Systematik der bitteren Schleifenblume

Die bittere Schleifenblume gehört zur Familie der Kreuzblütergewächse (Brassicaceae). Sie ist daher mit anderen Kräutern wie dem Hirtentäschel oder der Brunnenkresse verwandt. Der Gattung Iberis (Schleifenblumen) gehören etwa 40 Arten an, die größtenteils alle im Mittelmeerraum beheimatet sind.

Merkmale der bitteren Schleifenblume

Die Schleifenblume ist eine einjährige, selten zweijährige Pflanze, die Wuchshöhen bis zu 50 cm erreichen kann. Das Kraut ist ein typischer Flachwurzler.

Die länglichen Blätter der bitteren Schleifenblume sind recht fleischig, stumpf und in Richtung Blattspitze scharf gefiedert bzw. gezähnt. Die Stängel sehen aus wie kleine Äste, sind aufrecht und leicht behaart.

Die Pflanze blüht in der Regel von Mitte Mai bis Ende August. Die weißen bis zartlila gefärbten Blüten sind in doldenartigen Ständen angeordnet. Die Blüten sind meist klein und haben sechs Staubblätter. Nach Befruchtung der Blüten entstehen kleine eiförmig bis ründliche Schotenfrüchte mit leicht gekieltem Fruchtlappen. Die kleinen Schötchen befinden sich in den verlängerten Trauben.



Bittere Schleifenblume aussäen und pflanzen

Die bittere Schleifenblume ist in Form von Samen kaum zu bekommen. Auch wenn die Pflanze etwas häufiger in der Öffentlichkeit erwähnt wird, gibt es derzeit nur sehr wenige Händler, die Saatgut oder Pflanzen anbieten. Im Handel findet sich meist nur eine andere Art der Gattung Schleifenblume mit dem Namen Weiße Schleifenblume (Iberis sempervirens). Wer keine Möglichkeit hat an einige wenige Züchtungen oder an Saatgut heranzukommen, könnte nur noch in der Natur danach suchen. Wir möchten jedoch ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Pflanze in der Natur stark gefährdet ist und auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Arten steht. Wir bitten Sie daher, die Pflanzen an Ort und Stelle zu belassen und falls möglich lediglich einige Samen nach der Blütezeit zu entnehmen.

Wer die Möglichkeit hat, die bittere Schleifenblume anzubauen, sollte einige Besonderheiten beachten. Die Pflanze liebt sonnige und offene Standorte mit nährstoffarmen, durchlässigen und kalkhaltigen Böden. Staunässe ist auf jeden Fall zu vermeiden.

Die Aussaat kann zwischen März und Mai vorgenommen werden. Bei Aussaat im März und April muss die Samen der bitteren Schleifenblume in Schalen vorgezogen werden. Die Samen brauchen etwa 15 bis 20 °C zum keimen. Ab Mai können die Samen direkt im Freiland verstreut werden. Die Pflanze ist Lichtkeimer, d.h. die Samen dürfen nur leicht auf die Erde oder den Boden angedrückt werden. Nach etwa 2 bis 3 Wochen sollten die ersten Keimlinge sichtbar sein.

Im Freiland sollte ein Abstand von 25 bis 30 cm pro Pflanze eingehalten werden. Da die Pflanzen Flachwurzler sind und auf mageren Boden ausbreiten, führt zu dichtes Bepflanzen zur Nährstoffkonkurrenz.

Bei der Düngung sollte auf große Nährstoffzugaben verzichtet werden. Es reicht der bitteren Schleifenblume meist vollkommen aus im Freiland etwas Kompost oder verrotteten Rinderdung (bitte keinen frischen!) in den Boden einzustreuen. Sehr gut eignet sich auch Wurmkompost. Falls der Boden oder die Erde zu sauer ist, sollte der Boden oder die Erde etwas aufgekalkt werden. Gekaufte Blumenerde liegt hat meist pH-Werte unter 6. Bei Verwendung von Blumenerde sollte definitiv gekalkt werden. Da Blumenerde in der Regel vorgedüngt ist, bitte auf Düngergaben verzichten.

Bitteres Schleifenkraut und dessen Verwendung

Die bittere Schleifenblume wird fast ausschließlich als Heilpflanze verwendet.

Bittere Scheifenblume als Küchenkraut

Durch die enthaltenden Senföle bzw. Senfölderivate ist die Pflanze leicht giftig. Auch wenn geringe Aufnahmen des Krauts keine Auswirkungen haben, findet eine Anwendung in der Küche praktisch nicht statt.

Früher hat man die Samen der Schleifenblume zu Senf verarbeitet, was wohl auch ihren Zweitnahmen Bauernsenf erklärt. Da die Pflanze heute selten anzutreffen ist und aufgrund ihres Gefährdungsstatus nicht verwendet werden sollte, wird die Pflanze auch nicht nennenswert genutzt.

Die bittere Schleifenblume als Heilkraut

Die bittere Schleifenblume ist ein anerkanntes Heilkraut, welches heute vor allem bei Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt wird. Sie wird heute häufig als Phytomedizin bei funktionellen Verdauungsbeschwerden oder beim Reizdarmsyndrom (Colon irritabile). In der Pflanzenheilkunde wird das Kraut auch bei Angina pectoris verwendet. Für die Herstellung von Arzneien werden meist die getrockneten Samen verwendet.

Auch in der Vergangenheit bzw. seit der Antike wurden die Bestandteile der Schleifenblume für die Herstellung von Arzneien verwendet. Der griechische Arzt Galenos soll es beispielsweise für die Behandlung von Lungenkrankenheiten erfolgreich eingesetzt haben. In der heutigen Medizin findet sich jedoch bei Anwendungen für Lungenbeschwerden keine Anwendung.

In der frühen Neuzeit war die Pflanze ein gern benutztes Hausmittel. Dort wurde sie auch noch häufiger in der Natur angetroffen und konnte entsprechend verwertet werden. Die Schleifenblume wurde dort meist in Form eines Tonikums verwendet, die vor den Mahlzeiten eingenommen wurden. Auch wurden alkoholische Auszüge verwendet, meist in Verbindung mit Weingeist, um Krämpfe oder Entzündungen zu behandeln.

Die Bitterstoffe in der bitteren Schleifenblume regen nachweislich die Verdauung an. Außerdem sind die enthaltenden Senfölglykoside sowie die Flavonoide in der Lage Spannungen im Magen-Darm-Bereich zu lösen und die Darmperistaltik begünstigend zu beeinflussen. Auch wurde in einigen Studien festgestellt, dass die Schleifenblume in der Lage sein kann die Beschwerden von Geschwüre zu lindern. Die in der Pflanze enthaltenden Flavonoide (Quercitin, Kampferöl) sind zudem wertvolle Antioxidantien, die entzündungshemmend wirken. Die bittere Schleifenblume ist im Übrigen auch eines der Hauptzutaten des Medikaments Iberogast®.

In der Homöopathie wird die Schleifenblume bei verschiedenen Herzbeschwerden eingesetzt. Hier finden vor allem die Samen Anwendung, aus denen eine Urtinktur hergestellt wird.

Es wird berichtet, dass die Pflanze häufig in Kombination mit anderen Heilpflanzen angewendet wird, um die Heilwirkung vor allem im Magen-Darm-Bereich zu optimieren. Hierzu gehören vor allem Kamille, Engelwurz oder Melisse.

Die in der Pflanze enthaltenden Cucurbitacine wirken förderlich auf die Bildung von Magensaft. Cucurbitacine sind eine Gruppe von Bitterstoffen, die in großen Mengen giftig wirken. Der Anteil an Cucurbitacinen hängt sehr vom Reifezustand der Pflanze ab (je älter desto mehr Bitterstoffe).

Bittere Schleifenblume kaufen - Was gibt es zu beachten?

Uns ist nicht bekannte, dass die bittere Schleifenblume als Pflanze im Handel angeboten wird. Einige wenige Saatgut-Hersteller bieten Samen der Pflanze an. Bitte achten Sie auf den botanischen Namen Iberis amara. Pflanzen, die statt amara sempervirens lauten, gehören zwar auch der Gattung an, haben mit der bitteren Schleifenblume jedoch nichts zu tun.

Wer an der Heilkraft des Krautes interessiert ist, kann auch auf das pflanzliche Medikament Iberogast® zurückgreifen. Dieses lässt sich in den meisten Apotheken bestellen und auch kaufen.

[1] - Röttländer, Reinhard, Rentschler (1997): Veränderung von Böden durch anthropogene Einflüsse

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