Barbarakraut

Barbarea vulgaris

Barbarakresse FotosAuch wenn das Barbarakraut nicht so bekannt ist wie Löwenzahn oder Giersch, lässt es sich oft und an vielen Stellen finden und sammeln. Alle oberirdischen Pflanzenteile des auch als Winterkresse bezeichneten Wildkrauts sind essbar und gesund. In der Küche werden vor allem die Blätter als Gemüse oder Salatzutat verwendet.

Steckbrief von Barbarakraut
Botanischer NameBarbarea vulgaris
PflanzenfamilieKreuzblütengewächse
Weitere NamenWinterkresse, Echtes Barbarakraut
Aussaatzeit / PflanzzeitMärz-Mai; September-Oktober
BlütezeitMai-Juli
Erntezeitganzjährig
Standortsonnig bis halbschattig; lehmige und nährstoffreiche Böden
Verwendung als HeilkrautVerdauungsbeschwerden, Gallenflussstörungen, Übersäuerung des Magens, Krankheitsprophylaxe
Verwendung als Gewürzkrautfür Salate, Kräuterquarks, Frischkäse, Kräuterbutter

Inhaltsverzeichnis

Pflanzenmerkmale und Systematik des Barbarakrauts

Das gewöhnliche Barbarakraut (Barbarea vulgaris) wird auch als Winterkresse oder echtes Barbarakraut bezeichnet.

Herkunft und Vorkommen des Barbarakrauts

Das Barbarakraut ist eine bei uns heimische Pflanze, deren ursprüngliches Areal sich von Europa bis nach Kleinasien und Sibirien erstreckt. Da die Pflanze sich recht einfach verbreitet und relativ anspruchslos ist, ist sie heute nahezu weltweit verbreitet.

Das Gewöhnliche Barbarakraut ist ein typisches Wildkraut. Barbarakraut stellt im Allgemeinen so geringe Ansprüche an den Untergrund. Die Pflanze ist vor allem an folgenden Stellen zu finden:

  • Wegränder
  • Uferböschungen
  • Wiesen
  • Ackerländern
  • Bahndämme
  • verlassenen Grundstücke
  • Ödland

Die auch als Barbarakresse bekannte Pflanze ist oft an Flächen zu finden, die sich von der Natur zurückgeholt werden. Aufgrund der Vorkommen gilt Barbarakraut als Zeigerpflanze für feuchte, stickstoffhaltige Böden mit hohem Lehmanteil. Im Gebirge ist das Kraut bis in die subalpine Stufe anzufinden.

Systematik von Barbarea vulgaris

Das Gewöhnliche Barbarakraut (Barbarea vulgaris) gehört zur Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae) und ist mit Kräutern wie dem Hirtentäschel oder der Bitteren Schleifenblume verwandt. Zur Gattung der Barbarakräuter zählen derzeit 22 Arten. Zu den noch eher bekannten Barbarakräutern gehören u.a. die folgenden Pflanzen:

  • Mittleres Barbarakraut (Barbarea intermedia)
  • Frühlings-Barbarakraut (Barbarea verna)
  • Steife Barbarakraut (Barbarea stricta)

Als essbares Wildkraut ist jedoch vor allem die hier vorgestellte Pflanze von Bedeutung.

Wieso heißt die Pflanze Barbarakraut?

Ihren Namen hat die Pflanze vom so genannten Barbaratag, der am 4. Dezember zu Ehren der Heiligen Barbara abgehalten wird. Oft ist das Blattgrün des Barbarakrauts bis Anfang Dezember vollständig erhalten. Erst danach beginnt es zunehmend welk zu werden.

Merkmale des Barbarakrauts

Das Barbarakraut ist eine zweijährige, ausdauernde und anspruchslose Pflanze, die Wuchshöhen von bis zu einem Meter erreichen kann. Die Pflanze ist frosthart. Das Kraut hat einen verzweigten und hellbraun gefärbten Wurzelstock mit ästigen und vielen feinen Wurzeln.

Im ersten Jahr nach der Keimung bildet das Barbarakraut eine Blattrosette mit eher hellgrünen, ründlichen und leicht gefiederten Blättern (Grundblätter) aus. Die hier auftretende Fiederform bezeichnet man auch als leierförmig und ist typisch für das Barbarakraut. Im zweiten Jahr wächst die Sprossachse empor und bildet eher gezähnte bzw. gezackte Blätter, die direkt am Stängel ansitzen. Der Stängel ist kahl, kantig und unbehaart.

Die Pflanze entwickelt zur Blütezeit, die Mai bis Juli zu erwarten ist, goldgelbe Blüten. Die Blüte wird jedoch erst im zweiten Jahr der Lebenszeit ausgebildet. Die Pflanze bildet viele zwittrige Blüten, die in traubigen und lockeren Blütenständen angeordnet sind. Jede Blüte besitzt vier Kronblätter sowie vier Staubblätter. Letztere sind meist leicht orange gefärbt.

Blüte vom BarbarakrautBarbarakraut bildet leuchtend-gelbe Blüten aus

Die Früchte sind langgezogene, zweigeteilte und bis zu 3 cm lange Schötchen, welche mehrere ölhaltige und braungefärbte Samen enthalten. Die Fruchtreife selbst ist meist ab August zu erwarten.

Barbarakraut aussäen und pflanzen

Im Garten oder auf dem Balkon wird das Barbarakraut selten angebaut. Das liegt einerseits sicher an den recht geringem Zierwert sowie seiner relativen Unbekanntheit. Es lohnt sich jedoch dennoch einige Exemplare anzupflanzen, da der Kreuzblütler eine sehr beliente Insektenpflanze ist und diesen viel Nahrung bietet.

Standort

Als Standort werden halbschattige bis sonnige Plätze mit feucht-lehmigen und eher nährstoffreichen Böden bevorzugt. Standorte mit voller Sonne sollten jedoch zu vermieden werden. Insgesamt ist das Kraut jedoch relativ anspruchslos.

Aussaat

Bei der Aussaat des Barbarakrauts ist zu beachten, dass die Pflanze ein Lichtkeimer ist. Die Samen sollten bestenfalls leicht auf den Boden angedrückt bzw. nicht tiefer als 0,5 cm in die Erde oder Boden gestreut werden. Die Aussaat kann zwischen Mitte März und Anfang Mai sowie zwischen September und Anfang November erfolgen. Da das Kraut Keimtemperaturen zwischen 15 und 20 °C benötigt, ist die Aussaat in den frühen Frühjahrsmonaten nur in Vorkultur möglich. Für eine erfolgreiche Vorkultur genügen einfache Saatschalen, die mit einer Folie gut abgedeckt werden sollten. Als Aussaatsubstrat sollten keimfreie und nährstoffarme Erden gewählt werden. Die Folie sollte mit einigen Löchern versehen werden, um eine bessere Zirkulation zu ermöglichen und Fäulnisrisiken einzudämmen.

Nach der Aussaat sollte gewartet werden, bis die Keimlinge bis zu vier Blätter entwickelt haben. Die Keimdauer beträgt im Übrigen etwa 12 bis 20 Tage, je nachdem welche Temperaturbedingungen herrschen. Die Keimlinge sind anfangs recht sensibel, weswegen ein Pikieren zunächst in Pikierschalen empfohlen wird. Bei der Umpflanzung direkt ins Freiland ist Vorsicht geboten, da die Keimlinge relativ sensibel.

Pflanzabstand: Im Freiland darauf achten, dass zwischen den Pflanzen wenigstens 20 - 25 cm Abstand eingehalten werden.

Wo anbauen?

Barbarakraut kann hervorragend in Töpfen angebaut sowie auf dem Balkon kultiviert werden. Die Pflanze ist auch für den Anbau in Kräuterspiralen geeignet, sollte aber auch Grund ihrr Wuchshöhe und Wurzeltiefe in der unteren Region angepflanzt werden.

Düngen

Im ersten Jahr ist keine Düngung nötig. Insofern die Pflanze in ein vorgedüngtes Substrat gesetzt wurde (z.B. Blumenerde, Bodenmaterial mit Kompost durchmischt), braucht im Verlauf des zweiten Jahres nur sparsam gedüngt werden. Hier genügt ein organischer Dünger in Form von Rinderdung oder Kompost. Auf künstliche Dünger wie Blaukorn sollte generell verzichtet werden, da dieser zuviel Chlor enthält.

Gießen

Barbarakresse ist eine teilweise trockentolerante Pflanze. An sehr heißen Tagen oder längeranhaltenden Trockenphasen sollte der Boden bzw. die Erde jedoch einmal kräftig gegossen werden. Im ersten Jahr des Wuchses sollte umgehend gegossen werden, wenn die Grundblätter welk werden.

Vermehrung

Barbarakraut ist selbstaussäend. Bei der gezielten Aussaat werden die Samen entweder im Frühjahr oder Herbst in die Erde gebracht. Allerdings sollten die Samen nur leicht mit Erde bedeckt werden.

Ernte

Falls das Barbarakraut für Genuss- oder Heilzwecke verwendet werden soll, empfiehlt es sich lediglich die frischen Grundblätter bzw. die Rosettenblätter zu ernten. Die Blätter sollten immer nur frisch verzehrt werden, da sie in diesem Zustand das beste Aroma und Geschmack haben. Getrocknet verlieren die Blätter des Barbarakrauts ihr pfeffriges Aroma. Für heilkundliche Zwecke können auch die Samen, die im zweiten Jahr reichhaltig anfallen, gesammelt werden.

Barbarakraut und dessen Verwendung

Barbarakraut macht sich nicht nur dekorativ in einem Strauß aus Wild- und Wiesenblumen. Das Kraut wurde früher wegen seiner Inhaltsstoffe und vor allem wegen dem hohen Gehalt an Vitamin C und vielen Bitterstoffen als gesunde Pflanze geschätzt und gegessen.

Verwendung als Küchenkraut

Die Barbarakresse ist ein essbares Wildkraut, dass hohe Gehalte an Vitamin A und C enthält. Verwendung finden vor allem die jungen bzw. kleinen Blätter, aber auch die Blütentriebe als auch die Samen.

Verwendete Pflanzenteile von der Barbarakresse
  • Blätter: Barbarakrautblätter schmecken am besten, wenn sie im Frühjahr bis Anfang Juni geerntet werden. Sind die Blüten vollständig entwickelt, nimmt der bittere Geschmack in den Blättern zu. Sie eignen sich für Salate sowie als Gemüse für z.B, Füllungen
  • Blüten: Die gelben Blüten sowie die jungen Blütentriebe haben eine angenehm scharfen bzw. pfeffrigen Geschmack. Sie eignen sich hervorragend zum Dünsten und können direkt als schmackhaftes Gemüse verwendet werden.
  • Samen: Die braunen Samen sind sehr ölhaltig und reich an Mineralstoffen. Sie können z.B. in einem Mörser zerkleinert und als Gewürz verwendet werden. Mit etwas Aufwand lässt sich auch ein leckeres Würzöl herstellen, das u.a. für Salate und Marinaden genutzt werden kann.

Ebenso wie Giersch, Brennnessel und Sauerampfer kann Barbarakraut wie Spinat zubereitet werden. Dazu werden die frischen, jungen Blätter in der Zeit von Oktober bis in den Mai hinein geerntet. Das Barbarakraut gilt vielen Wildkräuter- und Wildgemüsefans als willkommene Abwechselung.

Der Geschmack der Blätter ist würzig, etwas bitter, leicht pfeffrig scharf - am ehesten zu vergleichen mit Kresse, was dem Barbarakraut das Synonym Wildkresse einbrachte. Die Schärfe selbst entsteht durch die in den meisten Pflanzenteile enthaltenen Senfölen. Da Barbarakraut auch noch geerntet werden kann, wenn der erste Schnee liegt, wird die Pflanze zudem als Winterkresse bezeichnet.

Neben der gekochten Variante kann Barbarakraut auch roh verzehrt werden und verleiht als Zutat in Blattsalaten eine pikant schmeckende Note. Durch den hohen Anteil an Vitamin C sowie der enthaltenden Senföle ist das Kraut eine durchaus gesunde und leckere Alternative in Wintersalaten. Ferner findet Barbarakraut in Rezepten für Kräuterquark Erwähnung. Eine exotische Delikatesse ist die Zubereitung eines Barbarakrautpestos, das hervorragend mit Wildkräutern wie Bärlauch aber auch Löwenzahn harmoniert.

Für die Zubereitung sollten lediglich die am Grunde liegenden Rosettenblätter bzw. die jungen Triebe gepflückt werden. Diese enthalten das beste Aroma und sind nicht ganz so bitter. Als Delikatesse für Salate werden auch häufig die Keimlinge und die Sprossen verwendet, die dem Geschmack der gewöhnlichen Kresse ähneln.

Tipp für die Küche: Blätter blanchieren

Falls der Geschmack der Blätter als zu bitter empfunden wird, können diese zunächst blanchiert werden. Es ist auch möglich, die Barbarakrautblätter für etwa 20 bis 30 Minuten in kaltes Wasser einzulegen.

Der bittere Geschmack ist jedoch nicht schlimm und sogar gesund, da dabei zusätzlich die Verdauung angeregt wird.

Barbarakraut als Heilkraut

Wegen dem hohen Vitamin C-Gehalt gilt Barbarakraut als effektiver Vitaminspender. Die weiteren Inhaltsstoffe unterstützen zudem die Blutreinigung. Ferner fördern die enthaltenen Bitterstoffe den Appetit sowie Stoffwechsel- und Verdauungsvorgänge im Magen und Darm, da diese die Produktion von Verdauungssäften in Magen, Bauchspeicheldrüse, Galle und Leber ankurbeln. Daneben ist Barbarakraut von wundheilender Wirkung, verwendet in Form von Aufgüssen, Auszügen oder Tinkturen.

Das Gewöhnliche Barbarakraut wird heute mitunter als Prophylaxe gegen Erkältungen verwendet. Hier können die Blätter zu einem Tee verarbeitet werden. Für 1 Liter Tee können etwa 25 Gramm Rosettenblätter verwendet werden. Der Tee sollte etwa 8 – 12 Minuten ziehen. Über den Tag verteilt sollten nicht mehr als drei Tassen getrunken werden. Der Tee kann auch im Zuge von Basenfasten bzw. generell bei einer Übersäuerung des Magens verwendet werden.

Um Infekten im Blasen- und Nierenbereich vorzubeugen wird mitunter auch eine Tinktur empfohlen, bei denen die Samen des Barbarakrauts mit einem Mörser zerstoßen werden und mit Wein versetzt werden. Diese Tinktur gilt als harntreibend. Für den Ansatz werden die Samen etwa zwei Wochen im Wein belassen und anschließend abgefiltert. Mehr als drei Teelöffel am Tag über eine Woche sollten nicht eingenommen werden.

Im Mittelalter wurde das Kraut vor allem gegen Wundleiden bzw. zur Wundheilung verwendet. Die enthaltenden Senföle bzw. Sendölglykoside machen eine Anwendung als Hautreizmittel möglich, so dass das Kraut früher vor allem in der Feldchirurgie eingesetzt wurde (siehe R. Vollmuth [2000]: Traumatologie und Feldchirurgie an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit). Auch in einigen alten Kräuterbüchern wurde diese Anwendung erwähnt. Im Kräuterbuch von Leonhart Fuchs (1543) wurde beispielsweise erwähnt: „Diß gewechß ist ein wundkraut“.

Beschreibung des Barbarakrauts im Kräuterbuch von Leonhardt Fuchs

Barbarakraut kaufen - Was gibt es zu beachten?

Das Barbarakraut ist im Handel nur äußerst selten anzutreffen. Da es in vielen Bereichen eher als Unkraut gesehen wird und daher auch häufig in der Natur oder in Siedlungen anzutreffen ist, scheint sich der Handel nicht zu lohnen. Zu Unrecht wie wir finden, da das Kraut gerade in Sprossenform eine sehr schmackhafte Alternative zu anderen Sprossen darstellt. Einige Bio-Anbieter verkaufen das Barbarakraut jedoch als Winterkresse im Topf. Dieses ist mit einigen wenigen Ausnahmen, jedoch ausschließlich im Onlinehandel zu kaufen.

Einige kleinere Staudengärtner und Betriebe vertreiben auch Saatgut des Barbarakrauts. Die Preise liegen etwas höher als das Standardsortiment. Da sich das Kraut in den Folgejahren jedoch viele Samen entwickelt, können die Anfangsinvestitionen von 2,20 bis 3 EUR je Samentüte als erschwinglich angesehen werden.

Hinweis zu medizinischen Inhalten:
Die hier vorgestellten Inhalte geben lediglich einen Überblick über die medizinische Nutzung. Sie stellen keine Empfehlung zur Anwendung dar. Bitte suchen Sie daher immer das Gespräch mit einem Arzt oder Apotheker.
         
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