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Borretsch

Borretsch - Merkmale, Anbau und Verwendung

Botanischer Name: Borago officinalis

Viele Kräuter haben einen eigenen, typischen und unverwechselbaren Geschmack. Das macht die Unterscheidung leicht, doch es gibt ein Kraut, das würde man mit verbundenen Augen für ein Gemüse halten: Borretsch alias Gurkenkraut. Charakteristisch ist der ausgeprägte Geschmack nach frischen grünen Gurken.

Pflanzenmerkmale und Systematik des Borretsch

Herkunft und Vorkommen des Borretschs

Das Kraut kommt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Dort war es bereits den alten Römern und Griechen wohl bekannt. Im späten Mittelalter wurde der Borretsch bewusst nach Europa eingebürgert und in vielen Bauerngärten, zum Teil auch in Klostergärten kultiviert. Heute lässt er sich mitunter an einigen nährstoffreichen Wiesen wild antreffen.

Systematik von Borago Officinalis

Der lateinische Name von Borretsch (Borago) wird in etwa mit raues Gewebe übersetzt – eine Anspielung an die Blätter dieser Pflanze. Das Kraut gehört zur Familie der Raublattgewächse (Boraginacaea), die in erster Linie durch haarige, raue Blätter charakterisiert sind. Weiterere bekannter Vertreter aus dieser Familie sind der häufig auf Brachflächen vorkommende Natternkopf (Echium vulgare) oder der berühmte Beinwell. In der engeren Verwandtschaft zählt die Gattung Borretsch (Borago) lediglich fünf Arten.

Merkmale von Borretsch

Borretsch ist eine einjährige krautige Pflanze, die im Durchschnitt Wuchshöhen zwischen 50 und 90 cm erreichen kann. Sie bildet im Laufe ihrer kurzen Lebenszeit lange und zum Teil stark verzweigt Wurzeln mit meist hell- bis mittelbrauner Färbung aus.

Die wechselständigen Blätter des Borretschs sind haarig bis rau, bei größeren erwachsenen Blättern können die Blätter sogar leicht stacheln. Die Pflanze bildet ferner sattgrüne, fleischige und eher ovale Blätter aus, die aufgrund der enthaltenden ätherischen Öle einen leichten Geruch nach Gurken verströmen. Daher auch der häufig im Handel verwendete Name Gurkenkraut.

Der Borretsch bildet von Mai bis September strahlend blaue bis violette Blüten aus. Die Ästhetik der Blüten und ihre Sternform haben ihr auch den nicht ganz so geläufigen Namen Himmelsstern verliehen. Das besondere am Borretsch ist, dass sich die Blüten in ihrer Entwicklung wie ein Chamäleon verändern. Die jungen Blüten sind meist rosa gefärbt, wohingegen die ausgewachsene Blüte meist strahlend blau ist. Der Grund hierfür liegt an dem sich ändernden pH-Wert während der Blütenentwicklung. Die Blüte selbst besteht aus fünf grünlichen Kelchblättern, fünf violetten Staubblättern und fünf blauen Kronblättern.



typisch blaue Blüten vom Borretsch

Borretsch aussäen und pflanzen

Borretsch ist ein vergleichsweise einfach anzupflanzendes Kraut. Die Pflanze liebt sonnige und eher windgeschützte Standorte mit feuchten, lockeren und kalkhaltigen Böden. Obwohl die Bodenansprüche recht gering sind, sollten überdüngte oder zu nährstoffhaltige Böden und Erden gemieden werden. Dichte, lehmhaltige und wenig durchlässige Böden sollten mit Zuschlagstoffen wie Quarzsand, Perliten oder Bims etwas gelockert werden.

Die Aussaat des Borretschs kann in der Regel ganzjährig erfolgen. Empfohlen wird allerdings die Aussaat zwischen April und Juni. Die etwa 5 mm großen dunkelbraunen Samen können direkt in den Gartenboden oder der Erde ausgebracht werden. Zu beachten ist, dass die Samen etwa 1 cm in die Erde gedrückt werden müssen, da der Borretsch ein Dunkelkeimer ist. Zuviel Licht würde hier die Keimung unterbinden. Die Keimzeit beträgt in etwa eine bis zwei Wochen.

Beim Pflanzen sollte ein gewisser Abstand beachtet werden. Es wird empfohlen einen Reihenabstand von 30 bis 50 cm einzuhalten, da sonst die Gefahr besteht, dass die Pflanzen Nährstoffkonkurrenten werden. Die Anzahl der Samen solle 30 pro laufendem Meter nicht überschreiten.

Falls Borretsch auf dem Balkon angepflanzt werden soll, werden eher tiefe und größere Pflanzbehälter oder Töpfe empfohlen. Das Kraut bildet mit der Zeit ziemlich lange Pfahlwurzeln mit ausgeprägten Ausläufern aus. Die Samen können in einem Minigewächshaus oder in kleinen Schalen auf der Fensterbank zum Keimen gebracht werden. Pikiert werden sollten die kleinen Pflänzchen erst dann, wenn keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind. Der Borretsch ist nicht frosttolerant und somit auch nicht winterhart.

Insofern der Borretsch in der Blüte steht und die einsamigen Nussfrüchte ausbildet, können Samen für Folgeanzuchten verwendet werden. Der Borretsch bildet jede Menge Samen aus. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass der Borretsch sich nicht allzu sehr selbst ausbreitet. Bei längerer Zucht neigt er zum Überwuchern.

Borretsch und dessen Verwendung

Borretsch als frisches Küchenkraut ist ein Genuss, wird aber aufgrund der Wirkstoffe auch in Hautpflegeprodukte eingesetzt. Auch in der Pflanzenheilkunde und in der Naturheilkunde findet er Verwendung.

Borretsch in der Küche

Borretsch wird als Würzkraut zunehmend beliebter und bekannter. Borretsch schmeckt nach frischen Salatgurken mit einer leicht säuerlichen Note. Der Duft und das Aroma dieser Kräuter können bereits dann wahrgenommen werden, wenn man ein Blatt zwischen den Fingern zerreibt. In der Küche sollten immer nur frische Blätter verwendet werden, da die Pflanze ihr Aroma beim Trocknen ziemlich schnell verliert.

Nicht nur die Blätter finden Verwendung, auch die Blüten kommen für verschiedene Anwendungen in Frage. Beispielsweise können die Blüten kandiert werden und Süßspeisen wie Kuchen Muffins, Grießbrei, Konfitüren garnieren. Die Blüten kommen mitunter auch als Dekoration in Wildkräutersalaten oder Wildkräutersuppen vor.

Borretsch wird sehr häufig als Beigabe zu Gurkensalaten verwendet. Es verleiht dem Salat noch eine angenehme Frische und einen intensiveren Gurkengeschmack. Häufig wird Borretsch in Verbindung mit Dill angerichtet, welches eine ideale Ergänzung ist. Frische Borretschblätter können auch für Quark- oder Frischkäsezubereitungen verwendet werden. Gekocht bringt das Kraut jedoch nicht viel, da es sämtliche Aroma- und Wirkstoffe verliert. Für die Verfeinerung von Saucen sollten die Borretschblätter erst dann verwendet werden, wenn die Sauce nicht mehr köchelt und etwas abgekühlt ist.


Borretsch als Küchenkraut

Soll der Geschmack von Borretsch konserviert werden, bieten sich das Einlegen von Borretsch in Öl oder auch Essig an. Zum Trocknen ist Borretsch im Gegenteil zu vielen anderen Kräutern nicht geeignet. Oregano, Majoran, Salbei oder Thymian werden durch das Trocknen im Aroma intensiver, Borretsch hingegen schmeckt als Trockenkraut nach nichts. Ebenso gehen die Wirkstoffe verloren.

Es ist bekannt, dass die Pflanze höhere Anteile an Pyrrolizidinalkaloiden enthalten kann. Diese Alkaloide haben möglicherweise bei langfristigen oder hohem und häufigen Konsum leberschädigende Effekte. Von öffentlicher Seite (u.a. Bundesamt für Risikobewertung) wird daher empfohlen, nur geringe Menge an Borretsch zu verzehren. Gleichwohl möchten wir auch darauf hinweisen, dass noch akuter Forschungsbedarf in Hinblick auf die Bioverfügbarkeit von Pyrrolizidinalkaloiden gibt. Auch kann noch nicht abschließend geklärte werden, welche einzelnen Stoffe aus der Gruppe der Pyrrolizidinalkaloide tatsächlich eine Gefährdung darstellen.

Borretsch als Heilkraut

In der Vergangenheit war der Borretsch ein bekanntes Heilkraut. Nahezu alle Pflanzenteile wurde sowohl in der Behandlung innerer wie äußerer Beschwerden und Krankheiten verwendet.

Im Kräuterbuch von P.A. Matthioli wurden die Borretschblüten beispielsweise bei hohem Fieber empfohlen. Dazu wurden die Blüten zusammen mit Zucker in einem Mörser zerstoßen und pur gegessen. Samen, Wurzeln und Blätter der Pflanze dienten mit einem Arzneiwein versetzt dazu, dass sich Giftstoffe nicht im Körper verteilten. Die Blätter selbst dienten pur oder gekocht zur Leberreinigung.

Auch für den äußerlichen Bereich gab es zahlreiche Anwendungsfälle. Borretschkraut wurde in Verbindung mit Honig als eine Art Mundwasser verwendet, die die Zähne, den Hals und das Zahnfleisch schützen sollen. Borretschwasser selbst wurde gegen rote Augen empfohlen.

Verwendung von Borretsch im Mittelalter

Heute wird Borretsch allenfalls als schleimlösender Heiltee angeboten. Der Grund: Die Inhaltsstoffe, allen voran Pyrrolizidinalalkaloide, ließen Borretsch in Verruf geraten, weil das „zu viel“ von Borretsch und Pyrrolizidinalalkaloiden als leberschädigend eingestuft wurde. Geringe Dosen und hausübliche Verwendung stellen hingegen kaum Probleme dar. Insofern Borretsch über einen längeren Zeitraum eingenommen werden soll, empfiehlt sich die Absprache mit einem Arzt oder Apotheker.

Weit häufiger als für innerliche Anwendungen, findet Borretsch in der Behandlung von Hautbeschwerden. Das Kraut bzw. vielmehr die Samen werden daher häufig als Zutat in Cremes verwendet. Aufgrund der spezifischen Ölsäurezusammensetzung gilt z.B. Borretschöl als probates Mittel gegen Hautkrankheiten und –probleme wie Neurodermitis, trockene Haut oder Schuppen. Das Samenöl enthält reichlich Omega-6-Fettsäuren und Gamma-Linolensäure. Es wirkt entzündungshemmend, juckreizmindernd und immunstimulierend und ist daher vor allem zur alternativen Therapie von Neurodermitis zumindest einen Versuch wert. Gutes Borretschöl enthält keine Pyrrolizidinalkaloide mehr. Pures Borretschsamenöl ist jedoch nicht immer leicht zu erhalten. Menschen mit Blutgerinnungsstörungen oder häufigen Anfällen sollten das Öl generell meiden oder die Nutzung mit einem Arzt besprechen.

In der Schwangerschaft und während der Stillzeit sollten kein Borretschöl und keine großen Mengen an Borretsch eingenommen werden!

Borretsch kaufen - Was gibt es zu beachten?

Borretsch wird im Handel im Form von Samen und junger Pflanzen angeboten. Mit viel Glück findet man Borretsch auch in der Kräuterecke von gut sortierten Supermärkten. Häufig finden sich Borretschkräuter und ganze Pflanze auf Wochenmärkten oder auf speziellen Pflanzenmärkten. Auch regionale Märkte mit Händlern oder Herstellern aus der Region bieten mitunter Borretschpflanzen an. Beim Kauf sollte darauf geachtet werden, dass die Kräuter frei von Blattläusen sind. Mitunter sind Borretschpflanzen wahre Magneten für Blattläuse. Die Pflanzen sollten zudem kräftige Sproßachsen und saftig grüne Blätter haben. Borretschpflanzen, die kleine braune Flecken auf den Blättern haben, sollten gemieden werden. Hier könnte es sich um einen Schädlingsbefall mit Motten oder bestimmten Rostpilzen handeln. Auch sollten die Blätter nach kurzem Reiben intensiv nach Gurke riechen.

Beim Pflanzenkauf sollte auch auf den botanischen Namen geachtet werden. Das echte Gurkenkraut (Borago officinalis) sieht dem ausdauernden Borretsch (Borago laxiflora) sehr ähnlich. Die Blätter haben zwar auch Aroma, sind meist aber nicht so intensiv wie beim echten Gurkenkraut.

Die Samen des Borretschs finden sich bei nahezu allen namhaften Saatgutherstellern. Die Samen sind in aller Regel preiswert. Packungen mit 50 Samen sind meist für unter 1 EUR zu beziehen. Wer Borretsch-Samenöl kaufen möchte, wird meist etwas tiefer in die Tasche greifen müssen. Hier schwanken die Preise zwischen 12 und 25 EUR pro 250 ml. Die Öle finden sich mitunter im Onlinehandel sowie auf einigen Online-Marktplätzen.

Bildnachweise:
Zweites Bild: Luise / pixelio.de

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