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Kräuter vermehren - alles über Stecklinge, Teilung und Aussaat

Gesunde und üppig wachsende Pflanzen im Kräuterbeet laden ein, über deren Vermehrung nachzudenken. Gärtner und Hobbygärtner wissen um das Prozedere der Anzucht von Kräuterjungpflanzen durch Bewurzeln von Stecklingen, Teilung und Aussaat. Kräuter vermehren sich mit Erfolg, werden ein paar einfache Regeln beachtet.

Möglichkeiten der Vermehrung von Kräutern

Kräuterpflanzen gedeihen als Einjährige, Zweijährige und Mehrjährige. Kräuter können sich auf drei Wegen vermehren. Während einjährige Kräuter vorwiegend durch Aussaat heranwachsen, lohnt im Hinblick auf mehrjährige Kräuter das Nachdenken über eine Vermehrung durch Stecklinge oder Teilung.

Selbstaussaat von Basilikum
Basilikum vermehrt sich durch Selbstaussaat meist selbst

Die aus dem Vermehrungsprozess hervorgegangenen Pflanzen ergänzen den eigenen Anbau und eignen sich zum Verschenken. In Form eines Tauschobjektes unter Gleichgesinnten bereichern und erweitern sie das eigene Kräutersortiment. Nicht unerwähnt bleiben darf die Tatsache, dass im Rahmen der Vermehrung gesunder Mutterpflanzen robustes Erbgut weitergereicht wird. Dies ist von großer Bedeutung für das Heranwachsen ertragsstarker Jungpflanzen.

Überblick: Arten der Vermehrung
  • Vermehrung über Stecklinge
  • Vermehrung über Wurzelteilung
  • Vemehrung durch Aussaat bzw. Selbstaussaat

Kräuter vermehren sich durch Stecklinge

Mehrjährige mediterrane Kräuterklassiker wie Rosmarin, Thymian, Oregano, Winter-Bohnenkraut und Lavendel eignen sich in besonderer Weise für das Vermehren durch Stecklinge. Der am besten geeignete Zeitpunkt ist der Sommer. Kräuter vermehren und den Prozess erfolgreich abzuschließen bedeutet, kräftige Mutterpflanzen auszusuchen und einen detaillierten Ablauf einzuhalten.

Zu den Eigenschaften mehrjähriger Pflanzen zählt das fortschreitende Verholzen der Triebe in Verbindung mit einem jährlichen weichen Neuaustrieb. Letzterer sollte das Material für den Steckling bilden.

Für eine kräftige Wurzelbildung müssen beim Schnitt Verletzungen, Quetschungen und der Eintrag von Keimen an der Schnittstelle des Stecklings ausgeschlossenen werden. Aus diesem Grund erfolgt das Schneiden mithilfe eines scharfen und keimfreien Messers. Kräuter vermehren und erfolgreich Jungpflanzen heranziehen - der erste Schritt ist somit getan!

Die Länge der Stecklinge bemisst sich an der Zahl ihrer Blätter. Während kleinblättrige Kräuterstecklinge mit ca. acht Blättern bestückt sein sollen, sind für großblättrige Pflanzenstecklinge vier Blätter ausreichend.

Kräuter Stecklinge
Stecklinge kann man durch Abschneiden eines Teils der Sprossachse gewinnen (Foto: Alexander Raths / stock.adobe.com)

Stecklinge können als Kopfsteckling - vollständige Triebspitzen - und alternativ als Teilsteckling - aus der Triebmitte - geschnitten werden. Das Entscheidungskriterium für die Auswahl der Art der Stecklinge ist die Blüte. Während aus Kräuterpflanzen ohne Blüte Kopf-Stecklinge entnommen werden, sind für blühende Kräuter Teil-Stecklinge die erste Wahl. Letztere entstehen aus der Mitte des Triebs durch Abschneiden unterhalb und oberhalb einer Blattachse.

In beiden Fällen erfolgt der Schnittansatz in gerader Form. Nach dem Schneiden werden am Stängel die unteren Blätter entfernt, sodass je nach Blattgröße zwei bis drei Blattpaare stehen bleiben. Dieser Arbeitsschritt ist wichtig, weil am Beginn der Wurzelbildung die Verdunstung ausschließlich über diese verbliebenen Blätter erfolgt und allein auf dem beschriebenen Weg regulierbar ist.

Anschließend werden die Stecklinge ohne Zeitverzug in die Erde gesetzt und leicht angedrückt. Wichtig zu wissen: Die Stecklinge dürfen nicht abknicken und nicht auf dem Gefäßboden aufstoßen.

Kräuterstecklinge benötigen zur Wurzelbildung nährstoffarme Anzuchterde und ein selbst auflösendes Gefäß, wie spezielle Anzuchttöpfe und -schalen. Gegossen wird moderat. Staunässe gilt es zu vermeiden!

Generell besteht die Möglichkeit, Stecklinge in Anzuchtgefäßen in ein vorbereitetes Beet an einem geschützten Standort mit nährstoffreicher Erde zu setzen. Wird diese Variante gewählt, geht der Prozess des Bewurzelns in das Anwachsen der jungen Kräuterpflanzen nahtlos ineinander über.

Zu beachten gilt, dass frische Stecklinge vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden müssen. Während trockener Witterungsperioden sorgt eine durchsichtige Abdeckung für geringere Verdunstung. Trotzdem sollte eine gute Durchlüftung garantiert sein.

Tipp: Kräuter vermehren sich in Hydrokultur

Stecklinge werden in ein Wassergefäß gestellt und die Wurzelbildung abgewartet. Für dieses Verfahren eignet sich beispielsweise der Salbei.

Kräuter vermehren sich durch Teilung

Die Minze als Beispiel sorgt nicht allein für Frische im Kräutergarten, sondern ist eine Art, die Ableger bildet. Typisch für die meisten Minzen ist das Ausbilden unterirdischer Kriechwurzeln. Es geschieht nicht selten, dass junge Minzen an Orten auftauchen, wo sie nicht vermutet werden. Die Kräuter vermehren sich selbst. Derartige Triebe können mit einem Spaten abgetrennt und neu verpflanzt werden.

Unabhängig davon besteht die Möglichkeit, kräftige Pflanzen vorsichtig auszugraben und durch Wurzelteilung - ein sauberer Schnitt durch das Wurzelwerk ist ausreichend - zu vermehren. Nach der Teilung werden sie an Ort und Stelle ausgepflanzt und angegossen.

Diese Kräuter können sich durch Stockteilung vermehren
  • Goldmelisse
  • Liebstöckel
  • Minzen
  • Oregano
  • Schnittlauch
  • Zitronenmelisse
Tipp: Ähnlich kann mit Thymian oder Quendel verfahren werden.

Kräuter vermehren sich durch Aussaat

Einjährige Kräuter, wie Dill, Kerbel, Bohnenkraut oder Koriander vermehren sich in der Mehrzahl durch Aussaat und Anzucht unter Glas. In Einzelfällen erfolgt eine Selbstaussaat durch Wind. Alle Kräuterarten gedeihen zudem durch Direktsaat an Ort und Stelle. Entscheidend für das Kräutervermehren durch Aussaat sind die folgenden Faktoren:

  • Temperatur (Keimtemperatur)
  • Licht (Dunkelkeimer oder Lichtkeimer)
  • Wasser

Die Mehrzahl unserer beliebten Küchenkräuter benötigen zum Keimen eine Temperatur von zirka 20 Grad Celsius. Ein Ausnahme bildet jedoch der Kerbel, der ein Kaltkeimer ist.

Vorzugsweise findet die Aussaat im Rahmen geschützter Bedingungen eines Gewächshauses statt. Alternativ dienen ein Glasfrühbeet und die Fensterbank als Anzuchtort. Nach Draußen geht es für frostunempfindliche Kräuter im zeitigen Frühjahr. Andere, wie beispielsweise die einjährigen Basilikumarten, folgen ab Mitte Mai. Der Samen der Petersilie gehört zu den Ausnahmen. Er darf im zeitigen Frühjahr in Form der Direktsaat in den Boden oder auf dem Balkon.

Kräuter Stecklinge
Stecklinge kann man durch Abschneiden eines Teils der Sprossachse gewinnen (Foto: Инна Вострикова / stock.adobe.com)

Ein zweites wichtiges Kriterium für das Keimverhalten der Kräuter ist das Licht. Samen von Lichtkeimern - wie Basilikum und Oregano - benötigen zum Keimen Licht und werden nur leicht mit Erde oder Substrat bedeckt. Die Samen der Dunkelkeimer finden ihren Platz 0,5 bis 1,0 Zentimeter unterhalb der Erdoberfläche.

Wichtig zu wissen: Einige Kräuterarten - beispielsweise die heimische Petersilie - erfordern zwingend wechselnde Standorte in einem Rhythmus von bis zu vier Jahren! Für alle ausgesäten Kräuter gilt: Im Keimprozess wird Wasser benötigt. Gegossen wird moderat mit feiner Brause. Ausgesäte Kräuter vermehren sich erfolgreich ohne Staunässe!

Fazit

Kräuter zu vermehren ist eine Aufgabe, die auch für Anfänger zu bewältigen ist. Die Variante Teilung ist mit wenigen Handgriffen erledigt. Aussaat und Anzucht sind beherrschbare Prozesse. Selbst das komplizierter erscheinende Verfahren der Stecklinge gelingt in der Mehrzahl der Fälle problemlos. Kräuter vermehren sich in jedem Fall mit Erfolg, werden die erforderlichen Voraussetzungen beachtet und die notwendigen Arbeitsschritte eingehalten.

         

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