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Johanniskrautöl - Anwendung und Herstellung

Johanniskrautöl, in der Naturheilkunde auch als Hyperici oleum bezeichnet, ist als Hausmittel in den letzten Jahren wieder mehr in den Fokus geraten. Das auch als Rotöl bezeichnete Mazerat hilft bei vielen Beschwerden wie Muskelschmerzen, Hautirritationen, Rheuma oder Wundheilungsstörungen. Es ist einfach anzuwenden und zeigt nur sehr selten Nebenwirkungen. Wer sich Johanniskrautöl nicht in der Apotheke beschaffen will, kann es mit wenigen Handgriffen auch selbst herstellen.

Verwendung von Johnniskrautöl

Johanniskrautöl Herstellung
selbst hergestelltes Johanniskrautöl ist ein hervorragendes Hausmittel (Foto: © katinkah / stocks.adobe.com)

Das Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist in unseren Breiten ein häufig anzutreffendes Wildkraut. Die leuchtend gelben Blüten des Echten Johanniskrauts enthalten zahlreiche Öldrüsen, die das ätherische Öl sowie einige wenige andere Bestandteile enthalten. Während Johanniskrauttees meist bei Stimmungsschwankungen und leichteren Depressionen eingenommen werden, wird das Johanniskrautöl ausschließlich äußerlich verwendet. Die Hauptanwendungsgebiete sind u.a.:

  • Unterstützung bei der Wundheilung
  • Rheuma (unterstützend)
  • Muskel- und Gelenkschmerzen
  • Verstauchungen
  • Hautbeschwerden infolge von Diabetes
  • Hautirritationen wie Pickel
  • Hautpflege im Allgemeinen
  • Sonnenbrand

Neben der äußeren Anwendung wird Johanniskraut mitunter auch innerlich verwendet. Meist werden diese im Handel als Rotöl-Kapseln angeboten. Diese Kapseln werden jedoch ähnlich wie Johanniskrauttee zur Nervenstärkung und Stressreduzierung eingenommen.

Wirkung von Johanniskrautöl

Johanniskraut enthält zahlreiche Wirkstoffe, wobei diese in den krautigen Teil ohne Blüten, sowie in die Blüten selbst unterschieden werden müssen. Die krautigen Teile enthalten vor allem Flavonoide sowie einige Gerbstoffe und werden medizinische nur selten verwendet. Die hauptsächliche Wirkung des Echten Johanniskrauts geht ausschließlich von den Blüten aus. Extrahiert man die Inhaltsstoffe aus den Blüten, enthält man das bekannte Rotöl. Diese dort enthaltenden Inhaltsstoffe zeigen vor allem die folgenden Heilwirkungen:

  • entzündungshemmend: Johanniskraut enthält neben den Stoffen Hypericin und einigen Abkömmlingen auch einige Flavonoide wie das Quercetin.
  • schmerzlindernd: Möglicherweise ist das Zusammentreffen der Stoffe Hypericin und Hyperforin verantwortlich für die Linderung von Schmerzen
  • wundheilungsfördernd: Die in den Johanniskrautblüten enthaltenen Gerbstoffe haben einen zusammenziehenden und auch wundheilungsfördernden Effekt
  • antibakteriell: Hier wirken zahlreiche Inhaltstoffe zusammen. Verantwortlich sind hier vor allem Hypericin, Pseudohypericin sowie einige Flavonoide.

Johnanniskrautöl in der Wundheilung

Ein weiterer möglicher Ansatz ist die Nutzung von Johanniskrautöl für die Heilung von Wunden. Mitverantwortlich ist womöglich der im Johanniskraut enthaltende Stoff Hyperforin, das die Angiogenese (die Bildung neuer Blutgefäße) beschleunigen soll [1]. Ebenfalls eine Rolle spielen so genannte Phloroglucinole, die unter anderem das Wachstum und die Vermehrung von Gewebe anregen [2]. Darüberhinaus wirken einige Inhaltsstoffe im Rotöl entzündungshemmend.

Anwendung von Johanniskrautöl
Das Öl aus Johanniskrautblüten besteht aus zahlreichen Wirkstoffen

Wir möchten darauf hinweisen, dass die Anwendung von selbsthergestelltem Rotöl an offenen Wunden nicht empfehlenswert ist, da eine sterile Umgebung meist nicht sichergestellt werden kann. Wird Johanniskrautöl bei äußeren Wunden verwendet, sollte ausschließlich Öl aus dem medizinischen Fachhandel bezogen werden.

Johanniskrautöl gegen Muskel- und Gelenkschmerzen

Johanniskrautöl enthält neben Hyperforin und Hypericin auch Gerbstoffe, die eine schmerzstillende Wirkung haben können. Zusätzlich sind entzündungshemmende Flavonoide enthalten. Diese können wohltuend und lindernd bei stumpfen Verletzungen, Quetschungen, Muskelschmerzen oder allgemeinen Gelenkschmerzen sein. Mitunter werden auch Salben empfohlen, die zusätzlich Arnika enthalten. Die Kombination von Arnikaextrakten mit Johanniskrautöl soll vor allem bei aktuen wie chronischen Gelenkbeschwerden eine schnelle Linderung versprechen.

Anwendung: Das Johanniskrautöl wird auf die entsprechenden schmerzenden bzw. verletzten Stellen aufgetragen. Es genügen meist wenige Tropfen des Öls. Das Öl selber wird am besten mit kreisenden Bewegungen an der entsprechenden Stelle einmassiert.

Johanniskrautöl Anwendung
Anwendung von Johanniskrautöl bzw. Rotöl (Foto: © behewa / stocks.adobe.com)

Möglicherweise kann Rotöl auch unterstützend bei Osteoporose nützlich sein. Osteoporose ist eine relativ häufige Begleitung von Frauen in den Wechseljahren, was durch die Minderung der Hormongruppe Östrogen mitverursacht wird. Einige Flavonoide des Johanniskraut sind womöglich imstande, die Bildung von Osteoblasten anzuregen, die der Osteoporose entgegen wirken können [3].

Johanniskrautöl in der Hautpflege

Sowohl Johanniskrautextrakte als auch das Öl aus den Blüten wird in der Kosmetik recht häufig verwendet. Als Hausmittel wird das Öl vor allem bei trockener Haut, Pickeln, bei Ekzemen und Hautabschürfungen verwendet. In vielen Kosmetikprodukten befindet sich Rotöl oder auch Extrakte als biologische Additive. Johanniskrautöl wird dabei vor allem in Fangopackungen und anderen Gesichtsmasken, Badesalzen, Gesichtswassern sowie in Körper- und Handseifen verarbeitet [4].

Anwendung: Es wird empfohlen das Öl bei Hautbeschwerden oder zur allgemeinen Hautpflege nicht pur auf die Haut aufzutragen. Möglich ist die z.B. Zumischung eines Hydrolats, einer parfümfreien Lotion oder einer Hautcreme. Ein traditionelles Hausmittel bei allgemeinen Hautbeschwerden bzw. zur Hautpflege ist eine Salbe, die aus Ringelblume, Beinwell und Johanniskrautöl hergestellt wird.

Johanniskrautöl gegen Sonnenbrand

Die schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkung der im Öl enthaltenen Stoffe, kann auch bei Sonnenbrand nützlich sein. Zusätzlich hat Johanniskrautöl einen leicht kühlenden Effekt, der das brennende Gefühl zu lindern vermag. Einige Wirkstoffe des Öls regen zudem die Bildung so genannter Keratinozyten an [5], die insgesamt zu einer beschleunigten Reparatur der geschädigten Hautzellen führen können.

Herstellung und Nebenwirkungen von Johanniskrautöl

Johanniskrautöl selber machen

Mit relativ einfachen Mitteln lässt sich ein Johanniskrautöl selbst herstellen. Hierzu werden unbedingt frische Blüten benötigt, die meist zwischen Juni und Mitte September gesammelt werden können. Achten Sie beim Sammeln jedoch darauf, dass es sich um das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) handelt. Die Bestimmung hierfür ist verhältnismäßig einfach. Die bei uns vorkommenden Arten Schönes Johanniskraut und Geflügeltes Johanniskraut besitzen keine dunklen Öldrusen auf den Kronblättern der Blüte. Fotos vom Johanniskraut zum Nachschlagen finden Sie in unserem Bildatlas.

Blüten für Johanniskrautöl
Für die Herstellung von Rotöl werden frische Johanniskrautblüten benötigt

Für die Herstellung eines eigenen Johanniskrautöls (500 ml) werden folgende Zutaten benötigt:

  • 25 - 30 Gramm Johanniskrautblüten
  • 500 ml Öl (am besten Olivenöl, Weizenkeimöl oder Sonnenblumenöl)
  • einen Mörser
  • Weithalsflasche
  • eine Braunglasflasche

Nachdem die Blüten gesammelt worden sind, sollte die Herstellung unmittelbar im Anschluss erfolgen. Um das Öl herzustellen, sind folgende Schritte nötig:

  1. Johanniskrautblüten in einem Mörser vollständig zerquetschen
  2. Masse in eine Flasche oder Emailleschüssel umfüllen
  3. Öl zusetzen
  4. nicht umrühren
  5. Flüssigkeit mit Masse in eine schraubfähige Flasche umfüllen (wichtig: noch nicht verschließen)
  6. ca. 4 bis 5 Tage an einem warmen Ort gären lassen
  7. Flasche zuschrauben und dem Sonnenlicht aussetzen
  8. nach etwa 5 bis 6 Wochen nimmt das eine deutlich rötliche Färbung an
  9. den wässrigen Teil vom Öl abscheiden
  10. Abseihen der Blüten vom Öl (z.B. mit einem Mulltuch)
  11. in Braunglasflaschen abfüllen und an einem lichtarmen Platz aufbewahren

Haltbarkeit: Johanniskrautöl ist bei richtiger Herstellung und Lagerung etwa ein Jahr haltbar.

Nebenwirkungen von Johanniskrautöl

Reines Rotöl zeigt nur selten Nebenwirkungen. Unter Umständen kann die Haut bei starker Sonneneinstrahlung zusätzlicher Belastung ausgesetzt sein, die schlimmstenfalls zu schweren Verbrennungen führen können. Daher sollte vor dem Sonnenbaden kein Johanniskrautöl auf die Haut aufgetragen werden.

In einigen Quellen wird davon berichtet, dass Johanniskraut die Wirksamkeit der Antibabypille herabsetzt. Einige neuere Untersuchungen widerlegen diese These zwar. Viele ältere darauf und auch amtliche Schreiben weisen jedoch darauf hin, dass die Einnahme von Johanniskrautprodukten das Risiko für menstruale Blutungen erhöht wodurch sich die Wirksamkeit der Pille herabsetzen kann [6].

Kontraindikationen: Darüber hinaus können Johanniskrautprodukte die Wirkung anderer Medikamente herabsetzen. Hierzu gehören u.a.

  • Medikamente gegen Depressionen (u.a. Paroxetin, Sertralin)
  • Proteaseinhibitoren, die u.a. die Blutgerinnung hemme
  • Medikamente, die sogenannte Herzglykoside enthalten (u.a. Digoxin, Strophantin)
  • Medikamente gegen Asthma
  • Medikamente gegen HIV

Insofern Sie solche Medikamente einnehmen, sprechen Sie einen möglichen Einsatz von Johanniskrautpräparaten unbedingt mit ihrem behandelten Arzt ab.

Weiterführende Literatur und verwendete Quellen

  1. Altan, A. et al. (2018): The effect of Hypericum Perforatum on wound healing of oral mucosa in diabetic rats. In: European Oral Research, Vol. 52, S. 143 - 149. Referenz: PMC5734146
  2. Bridi, H. et al. (2019): Phloroglucinol derivatives from Hypericum species induce in vitro proliferation of cells involved in the wound healing process. In: Natural Product Research, Vol. 4, S. 1-4, DOI: 10.1080/14786419.2019.1698576
  3. You, M. et al. (2015): St. Johns Wort (Hypericum perforatum) stimulates human osteoblastic MG-63 cell proliferation and attenuates trabecular bone loss induced by ovariectomy. In: Nutrition Research and Practice, Vol. 9, S. 459 - 465. Referenz: PMC4575957
  4. American College of Toxicology (2001): Final Report on the Safety Assessment of Hypericum Perforatum Extract and Hypericum Perforatum Oil. DOI: 10.1080/10915810160233749
  5. Hoffmann, J. et al. (2020): New Herbal Biomedicines fort he Topical Treatment of Dermatological Disorders. In: biomedicines, Vol. 8, S. 1 – 21, doi: 10.3390/biomedicines8020027
  6. Europäische Arzneimittelagentur (2009): Community Herbal Monograph on Hypericum Perforatum L., Herba. EMA/HMPC/101304/2008

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