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Odermennig

Odermennig - Merkmale, Anbau und Verwendung

Botanischer Name: Agrimonia eupatoria

Odermennig ist ein Kraut, das unter vielen anderen Namen bekannt ist; zum Beispiel: Klettenkraut, Schafklette, Magenkraut, Milzblüte, Fünffingerkraut, Leberklee, Lebenskraut, Brustwurz oder Königskraut. Die Namen weisen zum einen auf die Eigenschaften bzw. Merkmale der Pflanze hin und deuten zum anderen auf die Eignung des Krauts in der Naturheilkunde.

Pflanzenmerkmale und Systematik des gemeinen Odermennigs

Obwohl der Odermennig eine alte Heilpflanze ist, wird das Kraut auch heute noch vielerlei Beschwerden eingesetzt. Der Odermennig ist in der Natur recht einfach von anderen Kräutern zu unterscheiden.

Herkunft und Vorkommen des Odermennigs

Der botanische Name des Odermennigs Agrimonia wird aus dem Lateinischen mit Feldbewohner übersetzt und verweist auf den Standort, an dem Odermennig in der Natur wildwachsende bevorzugt wächst. Der gemeine Odermennig, mitunter auch als kleiner Odermennig bezeichnet, ist in Europa und Kleinasien beheimatet und bevölkert heute nahezu die gesamte nördliche Hemisphäre mit Ausnahme der arktischen Regionen.

Odermennig ist eine relativ anspruchslose Pflanze und ist wild recht häufig anzutreffen. Er lässt sich vorwiegend auf Magerwiesen (nährstoffarme Wiesen) und an Waldrändern finden. Er bevorzugt lehmige und kalkhaltige Standorte. Im Gebirge ist er bis in etwa 1500 Metern anzutreffen.

Systematik vom kleinen Odermennig (Agrimonia eupatoria)

Der gemeine Odermennig (oder auch kleiner Odermennig) zählt zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae) und ist damit vor allem mit Kräutern wie dem Mädesüß oder dem Wiesenknopf verwandt. Die Gattung Odermennige (Agrimonia) umfasst nach dem heutigen Stand der Wissenschaft 15 Arten. Neben dem hier beschriebenen gemeinen Odermennig (Agrimonia eupatoria) ist der große Odermennig (Agrimonia procera) noch als bekannte Art in Deutschland anzutreffen.

Merkmale des Odermennigs

Der kleine Odermennig ist eine anspruchslose, mehrjährige, winterharte und ausdauernde Pflanze, die Wuchshöhen bis zu 1,20 Meter erreichen kann. Im Durchschnitt erreicht sich Höhen zwischen 60 und 100 cm. Der Odermennig bildet stark verwurzelte Rhizomsysteme aus, aus denen jeweils die Sprossachsen (Stängel) herauswachsen.

Die hell- bis dunkelgrünen Blätter sind wechselständig angeordnet und haben eine längliche und fiederähnliche Form. Die Größe der Blätter nimmt von unten nach oben zu. Die Länge der Blätter beträgt bis zu 20 cm. Die Blätter sowie die Sproßachsen sind leicht behaart.

Die kleinen, deutlich gelben Blüten sitzen in Ährenform am oberen Teil der Pflanze. Die Blüten, die meist zwischen von Juli bis September erscheinen, haben einen intensiven wohlriechenden Geruch. Die Blütenhülle ist mit etwa 10 mm relativ klein. Der Odermennig bildet zur Zeit der Fruchtreife (Ende August bis September) Klettfrüchte. Durch die mit kleinen Haken besetzten Früchte werden die Samen vor allem durch Tiere verbreitet.



Odermennig aussäen und pflanzen

Der Odermennig bevorzugt halbschattige bis sonnige Standorte mit nährstoffarmen,lockeren und kalkhaltigen Böden. Das Kraut ist relativ anspruchslos und auch für trockene Standorte geeignet. Insofern mit handelsüblichen Blumenerden gepflanzt wird, ist die Zugabe von Gartenkalk dringend empfohlen.

Odermennig ist ein Dunkelkeimer und sollte deshalb bei der Aussaat etwa 2 – 3 cm tief mit Erde bedeckt werden. Die Samen werden am besten am März direkt ins Freiland oder auf dem Balkon ausgesät. Es ist auch möglich die Odermennigsamen im Herbst (Mitte Oktober) auszusäen, da das Kraut ein Kaltkeimer ist. Bei der Aussaat mehrerer Pflanzen sollte ein Pflanzabstand von wenigstens 40 x 40 cm eingehalten werden. Eine Topfkultur auf Balkon oder Terrasse ist aufgrund der sehr langen Rhizomsysteme, die Odermennige ausbilden, nur dann zu empfehlen, wenn die Pflanzgefäße ein recht großes Volumen aufweisen.

Das Kraut benötigt relativ wenig Nährstoffe. Als Dünger reichen einige Gaben Kompost oder etwas organischer Langzeitdünger (Hornspäne). Die Düngung sollte etwa alle 3 Monate wiederholt werden, insofern der Odermennig auf relativ sandigen Böden wächst.

Maßnahmen zur Überwinterung müssen nicht getroffen werden, da der Odermennig eine hohe Frosttoleranz hat. Die Blätter fallen zum Herbst hin ab und bilden sich im darauf folgenden Frühjahr wieder neu aus.

Odermennig und dessen Verwendung

Der kleine Odermennig ist ein eher unbekanntes Kraut, welches viele interessante Heilaspekte beinhaltet. Auch wenn dieses Wildkraut durchaus als Heilkraut gilt, wird es in der Küche kaum verwendet.

Odermennig in der Küche

Als kulinarische Delikatesse ist Odermennig erlangte Odermennig keine Berühmtheit. Der Geschmack von Odermennig ist bitterer als der anderer Wildkräuter und wartet – bis auf die frischen, jungen Blätter im Frühjahr – mit vergleichweise schwer kaubaren Blattgrün auf.

Odermennig als Heilkraut

Der Odermennig ist eine alte Heilpflanze, die in der Neuzeit teilweise in Vergessenheit geraten ist. Sie spielt jedoch auch heute noch in der Volksmedizin sowie bei vielen homöopathischen Anwendungen eine große Rolle.

Medizinische Anwendung des Odermennigs in Antike und Mittelalter

Wesentlich erfolgreicher als in der Küche ist Odermennig in der Pflanzentherapie. Ein Name, der unweigerlich und unübersehbar im Zusammenhang mit dem Wildkraut steht ist Mithridates VI.(120 bis 63 v.Chr.). Der aus Griechenland stammende Kriegsführer trug den Beinamen Eupator und war begeistert von den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des Odermennigs bei verschiedensten Leiden und Krankheiten. Ihm zu Ehren findet sich im botanischen Namen des Wildkrauts die Bezeichnung eupatoria.

Odermennig war in den vergangenen Jahrhunderten eine häufig verwendete Arzneipflanze. Schon in Aufzeichnung des griechischen Arztes Pedanios Dioscurides (~ 40 bis 90 v.Chr) und Plinius dem Älteren (23 bis 79), seines Zeichens römischer Universalgelehrter, wurde die Heilkraft des Odermennigs beschrieben. Viele Jahre später befasste sich auch die deutsche Benediktinernonne und medizinisch bewanderte Hildegard von Bingen (1089 bis 1179) mit Odermenning als Heilkraut.

In den neueren Kräuterbüchern des Mittelalters (z.B. P. Matthioli, L. Fuchs) wird der Odermennig meist zur Behandlung von Leberbeschwerden und zur Stärkung derselbigen. Matthioli empfahl Odermennig auch gegen Husten und Fieber sowie zur Behandlung äußerer Wunden. Als Anwendung wurde Odermennig entweder in Wein gesotten, mit Wasser erhitzt (Tee) oder mit Schweineschmalz vermischt. Im Kräuterbuch von L. Fuchs wird der Odermennig auch zur Behandlung von roter Ruhr (Dysenterie) empfohlen.



Auszug aus dem Kräuterbuch von P. Matthioli

Heutige medizinische Anwendung des Odermennigs

Für medizinische Zwecke wird vom Odermennig die ganze Pflanze bis auf das Wurzelwerk verwendet und vorzugsweise als Tee getrunken oder als Umschlag verwendet. Als Heißgetränk aufgebrüht, kommen auf einen Teelöffel getrocknetes Odermennigkraut etwa 250 bis 300 ml kochendes Wasser. Der Tee wird zugedeckt etwa 10 Minuten ziehen gelassen. Vom Tee sollten täglich nicht mehr als drei Tassen konsumiert werden, da der Odermennig reichlich Gerbstoffe hat, die bei Überdosierung mit Magenbeschwerden einher gehen können. Bei Umschlägen, die äußerlich zum Einsatz kommen, wird die gleiche Menge an Kraut und Wasser verwendet und der Aufguss so lange stehen gelassen, bis er lauwarm abgekühlt ist. Neben der Möglichkeit als Heißgetränk oder Hautumschlag ist Odermennigtee auch als Gurgellösung zu empfehlen.

Zu den medizinisch wirksamen Inhaltsstoffen des Odermennigs zählen insbesondere die ätherischen Öle sowie Gerbstoffe, denen eine entzündungshemmende, antibakterielle, antivirale, adstringierende (zusammenziehende) Wirkung nachgesagt wird. Auf den adstringierenden Effekt des Odermennigs vertraut man vor allem bei Entzündungen der Haut.

Die entzündungshemmende Wirkung steht ebenfalls im Zusammenhang mit den Gerbstoffen des Odermennigs. Gerbstoffe entwässern nicht nur, sondern verändern auch die Proteinstruktur von Bakterien und Viren, die Entzündungen hervorrufen und bedingen, dass diese vernichtet werden. Auch werden antioxidative Eigenschaften aufgrund der hohen Polyphenolgehalte bewirkt.

Insofern wird Odermennig bei einer Vielzahl von Entzündungen verabreicht, bspw. bei Entzündungen des Rachens, Zahnfleischs, Nieren- und Blasenentzündungen. Auch bei weiteren Beschwerden wie leichter Durchfall oder Appetitlosigkeit kann Odermennig als Tee verabreicht Beschwerden lindern. Allerdings sollte Odermennigtee mit einem Zeitabstand von zwei Stunden getrunken werden (und nicht mehr als drei Tassen täglich), wenn zusätzlich andere Medikamente eingenommen werden; denn: Odermennig behindert die Aufnahmen von Wirkstoffen aus Arzneimitteln.

In einigen Quellen wird der Odermennig auch bei Leber- und Gallenbeschwerden eingesetzt. In der Volksmedizin wird der Odermennig bei Leberkrankheiten als Tee in Verbindung mit Labkraut und Wermut.

Hautumschlänge getränkt in Odermennig verschaffen Linderung bei juckender Haut.

In der traditionellen chinesischen Medizin wird der Odermennig als beglückende und harmonisierende Pflanze bezeichnet. Das Kraut wirkt kräftigend auf das Magen-Qi und wird folglich auch für eine Reihe an Magen-Darm-Erkrankungen eingesetzt. Als Organbezug von Odermennig gilt neben dem Magen auch noch die Verbindung Leber und Galle, die Niere sowie die Verbindung Milz und Bauchspeicheldrüse.

Odermennigkraut wird außerdem in Bach-Blütentherapie (Bachblüten Nr. 1 - Agrimony) bzw. in der Traumatherapie angewandt. Dort soll das Kraut helfen,Verdrängungen und Ängste zu bewältigen, die beispielsweise in der frühen Kindheit geprägt wurden oder im Zuge von Schicksalsgewalt aufgetreten sind.

Odermennig kaufen - Was gibt es zu beachten?

Zu den wichtigsten Kriterien, die beim Kauf von Odermennigpflanzen entscheidend sind, ist, dass die Pflanzen kräftig und saftig grün sind. Die Varietät Agrimonia odorata verströmt zudem einen dezenten Duft nach Honig. Aus diesem Grund kann Odermennig mit anderen Duftpflanzen als Potpourri kombiniert werden. Allerdings werden aufgezogene Pflanzen nur sehr selten angeboten (mitunter bei einigen Onlinehändlern).

Ebenfalls schwierig sind die Samen zu beschaffen. Bei einigen Onlinehändlern lassen sich die Samen besorgen, wobei die Hersteller meist Produzenten von Spezialsamen sind. Neben dem kleinen bzw. gemeinen Odermennig wird gelegentlich auch der große Odermennig angeboten. Insofern Interesse an der hier beschriebenen Pflanze besteht, sollte auf die botanische Bezeichnung Agrimonia eupatoria geachtet werden.

In ausgewählten Kräuterläden dürften sich geschnittene Odermennigkräuter finden lassen. Da die Pflanze jedoch nicht in der Häufigkeit angebaut wird wie andere größere Heilpflanzen, sind die Preise mitunter etwas teuer. Für 1 kg Kraut werden sind etwa 13 bis 20 EUR zu bezahlen.

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