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Guter Heinrich

Guter Heinrich (Blitum bonus-henricus) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Foto des Guten Heinrichs Guter Heinrich (Blitum bonus-henricus) ist vielen älteren Menschen noch als vorzügliches Wildgemüse bekannt. Das bei uns heimisch vorkommende Wildkraut kann wie Spinat genutzt werden, bereichert die Küche durchaus und zeichnet sich durch einen hohen Vitamin- und Eisengehalt aus. Der auch als Wilder Spinat bekannte Gute Heinrich ist jedoch aufgrund der intensiven Bewirtschaftung von Flächen heute in seinem Bestand gefährdet und sollte wild nicht gesammelt werden.

Pflanzenmerkmale und Systematik des Guten Heinrichs

Herkunft und Vorkommen des Guten Heinrichs

Der Gute Heinrich ist eine in Mittel- und Südeuropa beheimatete Pflanze, die heute in weiten Teilen der Welt zu finden ist. Sie ist im Norden bis ins skandinavische Flachland sowie auch in westlichen Teilen Russlands fester Bestandteil der dortigen Flora. In Nordamerika wird die dort als Good-King-Henry bekannte Pflanze sogar häufig kultiviert, weswegen sie in weiten Teilen des Landes verwildert ist. In Gebirgslagen ist sie häufig auf bis zu 2000 Metern Höhe anzutreffen.

In unseren Breiten findet sich der Gute Heinrich vor allem an stickstoffreiche Standorte mit frischen Böden, d.h. Böden mit mäßigem Feuchtegehalt. An die Bodenart (Sand, Ton, Lehm) stellt er nur geringe Ansprüche. In Deutschland ist die Pflanze häufig zusammen mit der Großen oder Kleinen Klette vergesellschaftet und bildet eine pflanzensoziologische Einheit. In der Natur wächst der Gute Heinrich meist an Wegrändern, Brachflächen und an Mauern.

In Deutschland gilt der Gute Heinrich in vielen Bundesländern als gefährdet. In den Stadtstaaten ist er sogar vom Aussterben bedroht.

Systematik von Blitum bonus-henricus

In der botanischen Einordnung zählt der Gute Heinrich (Blitum bonus-henricus) zur Familie der Fuchsschwanzgewächse. Die Pflanze ist verwandt mit dem Echten Spinat, der Gartenmelde oder dem Salzkraut. In der engeren Zuordnung gehört der Gute Heinrich zur Gattung der Erdspinatpflanzen (Bitum), die heute zwölf Arten zählt.

Häufig wird die Pflanze botanisch noch als Chenopodium bonus-henricus geführt, was jedoch mittlerweile veraltet ist.

Merkmale des Guten Heinrichs

Guter Heinrich ist eine mehrjährige, selten zweijährige, krautige Pflanzenart, die Wuchshöhen zwischen 60 und 90 cm erreichen kann. Die fleischige und meist beigefarbene Wurzel des Fuchsschwanzgewächses kann einen Durchmesser von bis zu 2 cm erreichen. Sie ist wenig bis grob verzweigt, besitzt nur wenige Feinwurzeln und kann bis zu 50 cm in den Boden ragen.

Die Blätter vom Guten Heinrich zeigen eine fast dreieckige Form mit einem nahezu leicht welligen Blattrand. Die Länge der Blätter variiert meist zwischen 4 bis 12 cm, wobei die unteren Blätter größer sind als die oberen. Auffällig ist der lange Blattstiel der bis zu 4 cm lang werden kann. Die Blätter sind wechselständig am leicht behaarten Stängel angeordnet.

Blätter des Guten Heinrichs
Die typisch dreieckigen Blätter des Guten Heinrichs sind oft leicht gewellt

Die Blüten des Guten Heinrichs sind meist zwischen Anfang Mai bis Mitte Oktober zu erwarten. Während dieser Zeit bilden sich rispenähnliche Blütenähren an denen sich die meist grünlichen bis rötlichen Blütenknäuel befinden. Je nach Lage der Blüte bildet Guter Heinrich zwittrige oder weibliche Blüten.

Blüte des Guten Heinrichs
Die kolbenartigen Blütenstände des Guten Heinrichs mit den gelben bis rosa gefärbten Blüten

Die Fruchtreife der Blüten ist etwa ab Mitte Juli zu erwarten. Guter Heinrich bildet dann fortlaufend neue Blüten sowie neue Fruchtstände mit jeweils einsamigen Nussfrüchten. Jeder einzelne Samen enthält ein ründliches Fruchtgehäuse. Die Samen selbst sind leicht rillig und in der Regel dunkelbraun bis fast schwarz gefärbt.

Guter Heinricht - Anbau und Pflege

Aufgrund seiner besonderen Standortbedingungen ist der Gute Heinrich nicht unbedingt ein Kraut für Anfänger. Aufgrund seines Gefährdungsstatus sowie seiner hervorragenden Qualität als Wildgemüse lohnt sich jedoch der Anbau dieser Pflanze.

Standort: Guter Heinrich bevorzugt leicht sonnige bis halbschattige Standorte an windgeschützten Lagen. Der Boden bzw. die Erde sollten nährstoffreich bzw. stickstoffreich, humos und eine frisch sein. Unter frischen Böden wird hier verstanden, dass die Erde immer eine mäßige Feuchte aufweisen sollte und niemals vollständig austrocknen sollte. Eher sandige Böden sollten daher mit einem wasserspeichernden Zuschlagstoff wie Bentonit sowie Kompost vermischt werden.

Aussaat: Die Samen des Guten Heinrichs können ab Mitte März direkt im Freiland ausgesät werden. Eine Vorkultur im März ist nicht zwingend erforderlich. Geringe Temperaturen im Plusbereich sowie leichte Fröste sind für die Keimung von Vorteil. Da der Gute Heinrich oft in die Breite wächst, sollte ein Pflanzabstand von etwa 30 bis 35 cm eingehalten werden. Zu geringe Abstände begünstigen Krankheiten und Pilzbefall. Die Keimdauer kann beim Guten Heinrich etwa 14 bis 30 Tage betragen. Eine zweite Aussaat zum Herbstbeginn ist möglich. Soll die Pflanze im Topf wachsen, so sollten eher breite und tiefgründige Gefäße gewählt werden.

Düngung: Vom Nährstoffbedarf her wird Guter Heinrich als Schwach- bis Mittelzehrer eingestuft. Im Freiland ist es mitunter erforderlich kleinere Gaben an stickstoffbetonten Düngern zu verabreichen. Optimal sind Depot- bzw. Langzeitdünger wie Hornspäne, Hornmehl oder pelletierter Mist.

Gießen: Guter Heinrich ist auf frischen Boden angewiesen. An länger andauernden Wärmephasen ohne Niederschläge ist eine intensive Wasserversorgung notwendig, wobei Staunässe vermieden werden sollte. Der Boden sollte niemals vollständig austrocknen, da die schnell zu Krankheiten oder gar zum Absterben der Pflanze führen kann.

Krankheiten und Schädlinge: Bei guter Pflege ist ein Befall von Schädlingen nicht zu erwarten. Eine ungenügende Versorgung mit Wasser sowie zu geringe Pflanzabstände begünstigen jedoch den Befall von Echtem Mehltau. Bei unzureichender Stickstoffversorgung, die häufig auf sandigen Böden auftreten kann, färben sich die Blätter gelblich und beginnen zu kräuseln. In solchen Fällen sollte ein mineralischer Stickstoffdünger verwendet werden, um schnell Nährstoffe zuzuführen.

Überwinterung: Als heimisches Wildgemüse gilt der Gute Heinrich als frosttolerant und winterhart. Besondere Maßnahmen müssen nicht getroffen werden.

Verwendung von Guter Heinrich

Guter Heinrich gilt als vorzügliches Wildgemüse, der aufgrund seines gefährdeten Status heute leider nicht mehr so häufig Verwendung findet. Als Heilpflanze hat der Gute Heinrich zwar ein gewisses Verwendungspotenzial. Jedoch stehen häufig deutlich bessere Heilkräuter zur Verfügung.

Guter Heinrich in der Küche

Guter Heinrich galt in der Vergangenheit als vorzügliche Speisepflanze, die vor allem als Wildgemüse von der ärmeren Bevölkerung zubereitet wurde. Aufgrund ihres hohen Vitamin-, Eisen- und Mineralstoffgehalts war sie in vielen Regionen Mitteleuropas eine wichtige Nutzpflanze, die u.a. half Krankheiten wie Skorbut in Schach zu halten.

Als Wildgemüse lässt sich der Gute Heinrich auch heute noch vielseitig nutzen. Verwendet werden können folgende Pflanzenbestandteile:

  • Blätter und Triebe
  • Samen
  • junge Blütenstände

Die Blätter und Triebe des Guten Heinrichs lassen sich wie Spinat zubereiten, der Geschmack ist sogar ziemlich ähnlich. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Pflanze volkstümlich auch als wilder Spinat bezeichnet wird. Beiden Pflanzen zählen übrigens auch zur selben Pflanzenfamilie. Hervorragend harmonieren die gedünsteten oder gekochten Blätter mit einem würzigen Käse wie Gorgonzola, die mit Pasta, Gnocchi oder gebackenen Kartoffeln zubereitet werden können.

Klein gehackte Blätter eignen sich sehr gut zum Füllen. So können Tortellini, Gnocchi, Kartoffeltaschen oder auch Pizza mit den gehackten Heinrichblättern gefüllt werden. Eine nussige Note durch gehackte Mandeln, Walnüsse oder Haselnüssen ist durchaus empfehlenswert.

Auch klassische Gerichte wie Guter Heinrich mit Ei und Kartoffeln sowie Fisch- und Lammgerichte mit den Blättern als Gemüse lassen sich zubereiten. Hier können entweder die großen Blätter direkt gedünstet werden oder ähnlich wie Echter Spinat mit Rahm zubereitet werden.

Die Samen des Guten Heinrichs sind ebenfalls schmackhaft und können sowohl für die Zubereitung eines nahrhaften Breis oder als Zutat für Mehle verwendet werden. Es ist jedoch erforderlich, dass die Samen zunächst abgekocht werden, da die Blätter Oxalsäuren und Saponine enthalten. Werden hohe Mengen Oxalsäuren verzehrt, können Magenbeschwerden auftreten, da die Aufnahme wichtiger Mineralstoffe wie Eisen gehemmt wird. Junge Blätter enthalten übrigens weniger Oxalsäuren als ältere Blätter [2].

Die Blüten bzw. die jungen Blütenknospen lassen sich ähnlich wie Spargel zubereiten. Alternativ können sie kleingehackt auch als Zutat für Gemüsesalate oder Wildkrautsalate verwendet werden.

Bitte beachten Sie, dass Guter Heinrich in vielen Bundesländern als gefährdet eingestuft wird und in manchen Bundesländern sogar vom Aussterben bedroht ist. Bitte verwenden Sie daher keine Wildbestände, sondern ausschließlich selbst angebaute.

Guter Heinrich als Heilkraut

Als Heilpflanze spielt der Gute Heinrich heute wie damals nur untergeordnet eine Rolle. Er enthält zwar durchaus einige interessante Inhaltsstoffe, die sich naturheilkundlich nutzen lassen. Allerdings stehen in der Regel deutlich wirksamere Heilkräuter zur Verfügung.

Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit wurde der Gute Heinrich gelegentlich zur Behandlung von entzündlichen Hautbeschwerden, Geschwüren oder Abszessen verwendet. Auch als Wurmbehandlungsmittel wurde die Pflanze in der Volksmedizin hier und da verwendet. In den meisten größeren Kräuterbüchern wurde der Gute Heinrich zwar beschrieben, allerdings gab es kaum Hinweise auf den heilkundlichen Einsatz. Im Kräuterbuch von P.A. Mattioli bespielsweise wurde das Wildkraut als Wundkraut beschrieben, das darüber hinaus gern zur Wundbehandlung von Hunden genutzt wurde.

Guter Heinrich in altem Kräuterbuch
Darstellung und Beschreibung des Guten Heinrichs im Kräuterbuch von Mattioli

Heute wird der Gute Heinrich aufgrund seines schutzbedürftigen Status meist nur noch als Wildgemüse geführt. Das Fuchsschwanzgewächs enthält jedoch Wirkstoffe wie Saponine, einige Flavonoide wie Quercetin und Rutin sowie Phytosterole. Darüber hinaus sind die Blätter und Triebe der Pflanze reich an Vitaminen und Eisen. Diese Inhaltsstoffe haben v.a. die folgenden Wirkungen auf unseren Organismus.

  • teilweise antiviral
  • auswurffördernd
  • stärkend
  • entzündungshemmend
  • wundheilungsfördernd

Die Einsatzmöglichkeiten vom Guten Heinrich beschränken sich vor allem auf folgende Beschwerden und Erkrankungen:

  • chronischer Husten
  • grippale Infekte bzw. Erkältung
  • Rheuma
  • äußere Wunden
  • Verstopfung
  • Eisenmangel

Bei schlecht heilenden Wunden, entzündlichen Hauterkrankungen oder Abszessen empfiehlt die Volksmedizin das Auflegen frischer Blätter oder Umschläge aus dem Sud des Guten Heinrichs. Es wird aber nicht empfohlen, Selbstbehandlungen auf frischen Wunden durchzuführen, da Verschmutzungen auf den Blättern zu einer Verschlechterung bzw. zu weiteren Entzündungen führen können.

Nebenwirkungen: Die rohen Pflanzenbestandteile enthalten mitunter hohe Anteile an Oxalsäure, die die Aufnahme von Mineralstoffen und Eisen erschweren.

Guter Heinrich kaufen - Was gibt es zu beachten?

Der Gute Heinrich wird zwar auf der Liste der bedrohten Arten geführt. Allerdings bieten einige Hersteller Saatgut aus Nachzüchtungen sowie frische Pflanzen in Töpfen an. Die Preise für die Samen sind zwar häufig etwas teurer, als für bekannte und häufig verwendete Pflanzen. Die Ausgaben lohnen sich jedoch meist für diejenigen, die in der Küche etwas Abwechslung haben wollen.

Gärtner, die einen Platz in ihrem Garten entbehren können, tun der ökologischen Vielfalt einen großen Gefallen. Ein bis zwei Quadratmeter genügen meist völlig, um der Pflanze genügend Raum zu geben, um sich selbst fortzupflanzen.

Literaturnachweise

  • [1]: Dadakova, E. et al. (2013):Content of phenolic substances in the selected species of the Chenopiaceae family. In: Journal of Agrobiology, Vol. 30, S. 127-135.
  • [2]: Li, W. und Savage, G.P. (2015): Oxalate Content of the Herb Good-King Henry, Blitum Bonus-.Henricus. In: Foods, Vol. 4, S. 140-147.
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