Purpurrote Taubnessel

Lamium purpureum

Foto der Roten Taubnessel Die Purpurrote Taubnessel ist ein typischer Kulturbegleiter und lässt sich oft auf halbschattigen Wiesen oder Waldrändern finden. Das heimische Wildkraut mit seinen imposanten Blüten ist eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen. Doch auch für uns Menschen ist die Pflanze interessant. Sowohl die Blätter als auch die Blüten sind vitaminreich und vielseitig verwendbar. Auch in der Naturheilkunde wird die Rote Taubnessel verwendet.

Vorkommen und Systematik der Purpurroten Taubnessel

Herkunft und Vorkommen der Purpurroten Taubnessel

Die Purpurrote Taubnessel oder oft nur Rote Taubnessel ist ein heimisches Wildkraut. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Westeuropa bis in den europäischen Teil Russlands sowie von Skandinavien bis nach Damaskus. Da sich die Pflanze schnell ausbreitet, ist sie heute auch in China sowie teilweise in Nordamerika zu finden.

Vorkommen: In der Natur findet man diese Taubnesselart vor allem an halbschattigen Standorten. Häufig ist sie in lichten Laubwäldern, an Waldrändern, Wiesen, schattigen Parkanlagen, in Gärten aber auch an Mauern und Gräben zu finden.

Systematik von Lamium purpureum

Die Purpurrote Taubnessel (Lamium purpureum) zählt zur großen Pflanzenfamilie der Lippenblütler (Lamiaceae). Hierzu gehören viele andere bekannte Wildkräuter wie z.B. Gundermann, aber auch bekannte Gewürzkräuter wie Thymian und Salbei.

In der engeren Verwandtschaft wird die Pflanze in die Gattung der Taubnesseln (Lamium) eingeordnet. Diese Gattung ist recht artenreich und beheimatet etwa 30 Arten. Bekannt sind z.B. die bei uns vorkommenden Arten:

  • Weiße Taubnessel
  • Gefleckte Taubnessel
  • Stängelumfassende Taubnessel
  • Gewöhnliche Goldnessel

Purpurrote Taubnessel erkennen und bestimmen – Merkmale

Die Purpurrote Taubnessel ist eine mehrjährige bzw. ausdauernde und typische krautige Pflanze. Das häufig bei uns vorkommende Wildkraut erreicht Wuchshöhen zwischen 15 und 50 cm. Im Boden bildet die Pflanze eher flache bis mitteltiefe Wurzeln mit zahlreichen Feinwurzeln aus. Die Wurzeln sind haarig und haben eine bräunliche Färbung.

Blätter und Stängel

Die Blätter der Purpurroten Taubnessel erinnern oft an die der Brennnessel, sind jedoch deutlich kleiner. Die Pflanze bildet herzförmige bis eiförmige Blätter aus, die am Blattrand gesägt bis gekerbt sind. Die Blattspreite kann bis zu 5 cm betragen, wird jedoch meist deutlich kleiner. Die Blattoberseite ist mit zahlreichen Drüsenhaaren übersät, die bei Berührung flauschig wirken.

Purpurrote Taubnessel - Blätter
Die Blätter der Purpurroten Taubnessel haben grüne und oft rötliche Farbtöne

Interessantes Farbenspiel: Junge Blätter sind oft rötlich unterlaufen. Sie färben sich mit zunehmenden Alter der Pflanze dunkelgrün.

Die Stängel der Taubnessel sind vierkantig und nicht behaart. Oftmals sind die Stängel rötlich gefärbt, sie können aber auch eine grünliche Farbe zeigen. Die Blätter stehen sich am Stängel gegenständig gegenüber.

Blüten

Blüten
Blütenfarbe purpurrot
Blütenfarbe: purpurrot
Blütenstand Scheinquirle
Blütenstand: Scheinquirle

Die Purpurrote Taubnessel blüht meist sehr lang. Oft ist die Blütezeit zwischen Anfang April bis Ende Oktober zu beobachten. Der Lippenblütler bildet purpurfarbene bis rosane Blüten aus, die quirlig im oberen Bereich der Pflanze angeordnet sind. Eine einzelne Pflanze kann bis zu acht Blüten ausbilden. Die lippenförmigen Blüten sind auf beiden Seiten symmetrisch, stets behaart.

Purpurrote Taubnessel - Blüten
Purpurrote Taubnesseln bilden prachtvolle Blüten aus

Jede Blüte besitzt vier Staubblätter, wobei in kurze und lange unterschieden wird. Der Blütenkelch der zwittrigen Blüte ist fünfzählig. Die Blütenkrone ist mit bis zu 2 Zentimetern verhältnismäßig lang.

Früchte und Samen

Zur Fruchtreife bildet sich aus den Blüten der Purpurroten Taubnessel vierteilige Spaltfrüchte aus. Jede einzelne Teilfrucht enthält eine Vielzahl an kleinen Samen. Die Samen selbst sind kantig, gräulichbraun und weißlich gepunktet. Das Tausendkorngewicht pro Pflanze liegt bei 0,9 Gramm.

An den Samen befindet sich ein Anhängsel, das als Elaiosom bezeichnet wird. Dieses ist proteinreich und wird von Ameisen geschätzt. Diese verschleppen den Samen somit an andere Stellen und helfen bei der Ausbreitung der Taubnessel.

Purpurrote Taubnessel - pflanzen und pflegen

Purpurrote Taubnesseln in der Natur
Taubnesseln lieben frische und nährstoffreiche Böden

Standort und Boden

Die Purpurrote Taubnessel gedeiht vor allem an halbschattigen und schattigen Standorten. Sie bevorzugt frische, mäßig feuchte, nährstoffreiche Böden. Der Lippenblütler hat eine recht große ökologische Toleranz.

Für den Anbau im Garten sind in der Regel keine bodenverbessernden Maßnahmen nötig, da die Taubnessel mit den meisten Böden gut auskommt. Ausnahme bilden sehr sandige Böden, die mit Bentonit oder Humus vermischt werden sollte. Als Erde für Töpfe und Kübel genügen handelsübliche Blumenerden.

Aussaat

Die Aussaat selbst ist nicht so einfach. Die beste Aussaatzeit für die Lamium purpureum sind die Monate August und September. Die Samen benötigen Kälte (Kaltkeimer), bevor sie austreiben. Wichtig ist, dass die Samen nur leicht in die Erde angedrückt werden. Taubnesseln sind immer Lichtkeimer.

Die Samen können entweder direkt ins Freiland gestreut werden. Ein direkter Anbau im Topf ist auch möglich, wobei jedoch eher tiefere Töpfe benötigt werden. Bis Anfang März muss man den Samen für gewöhnlich keine Beachtung schenken. Gelegentlich Feuchthalten der Erde ist jedoch förderlich. Danach sollte die Erde bzw. der Boden immer mäßig feucht gehalten werden, da die Samen sonst nicht keimfähig werden.

Der Pflanzabstand sollte bei der Taubnessel bei etwa 10 bis 15 cm liegen.

Dünger

Taubnesseln lieben zwar nährstoffreiche Erde, benötigen aber nur selten zusätzlichen Dünger. Wächst die Pflanze immer an derselben Stelle können kleinere Mengen Kompost im zeitigen Frühjahr oberflächlich eingearbeitet werden. Im Herbst reicht es meist auch aus, wenn auf der Bodenoberfläche etwas Laub verbleibt.

Topfkulturen sollten während der Blütezeit etwa alle sechs bis acht Wochen sparsam gedüngt werden. Es genügt ein einfacher organischer oder organomineralischer Flüssigdünger.

Gießen

Die Purpurrote Taubnessel liebt frische Standorte und ist auf ausreichend Feuchtigkeit angewiesen. Sie toleriert zwar kurzfristige Trockenperioden in der Regel problemlos, sollte aber nicht länger als zwei Wochen ohne Wasser auskommen. Es genügt, wenn die Oberfläche der Erde mäßig feucht gehalten wird. Ein tägliches Gießen ist nicht erforderlich, da die Pflanze im Halbschatten wächst und somit vor übermäßiger Verdunstung geschützt sein sollte.

Krankheiten und Schädlinge

Lamium purpureum ist aufgrund ihrer Inhaltsstoffe sehr robust gegenüber Schädlingen. Gelegentlich wird die Taubnessel von Blattläusen befallen, was dem Lippenblütler jedoch meist keine Schwierigkeiten bereitet. Die Blätter werden zudem von einigen Schmetterlingsraupen wie der Achateule gemocht.

Häufige Pflanzenkrankheiten entstehen oft durch Trockenheit oder zu viel Sonne. Typische Kennzeichen sind braune und trockene Blattränder sowie herunterhängende Blüten.

Überwinterung

Purpurrote Taubnessel ist ein einheimisches Wildkraut und an unser Klima angepasst. Überwinterungsmaßnahmen sind nicht erforderlich. Das Laub stirbt ab Ende Oktober meist ab und treibt im späten Winter meist wieder aus.

Verwendung von Purpurroter Taubnessel

Die Verwendung der Purpurroten Taubnessel unterscheidet sich nicht von der Weißen Taubnessel. Daher geben wir lediglich eine Zusammenfassung.

Verwendung in der Küche

Die Purpurrote Taubnessel zählt zu den essbaren Wildkräutern und kann vielseitig in der Küche verwendet und zubereitet werden. Von der Pflanze können alle Pflanzenbestandteile gegessen werden. Der Geschmack der nicht blühenden Bestandteile kann als leicht bitter, nussig bis pilzartig beschrieben werden.

  • Blätter: Die vitamin- und mineralstoffhaltigen Blätter eignen sich gut für Salate, können aber auch in Suppen und Wildkräutersaucen mitgekocht werden.
  • Blüten: Die dekorativen Blüten können zum Garnieren von Süßspeisen wie Puddings oder Kuchen verwendet werden. Roh können die Blüten zudem ausgelutscht werden. Diese haben, wenn Nektar vorhanden ist, einen süßlichen Geschmack.
  • Wurzeln: Die Wurzeln haben einen pilzähnlichen und leicht nussigen Geschmack. Sie können fein zerteilt angebraten und zusammen mit z.B. Kartoffeln oder Gemüse verzehrt werden.
  • Samen: Die Samen können zur Anzucht von vitaminreichen Sprossen im Winter verwendet werden. Diese haben einen leicht kresseähnlichen Geschmack, sind aber deutlich milder.

Blätter und Sprossen harmonieren übrigens gut mit Knoblauch.

Verwendung der Purpurroten Taubnessel - Küche
Die Blüten der Purpurroten Taubnessel eignen sich perfekt zur Dekoration von Quark und Frischkäsegerichten (Foto: Madeleine Steinbach / stock.adobe.com)

Die oberirdischen Pflanzenbestandteile gelten übrigens als gesund und enthalten zahlreiche Vitamine und andere essentielle Nährstoffe. In höheren Anteilen sind enthalten:

  • Vitamin C
  • Vitamin E
  • Phenolsäuren
  • Carotinoide
  • Anthocyane
  • Eisen

Verwendung als Heilkraut

Die Purpurrote Taubnessel wird ähnlich wie die Weiße und die Stängelumfassende Taubnessel seit vielen Jahren als Heilpflanze eingesetzt. Ihr Einsatz ist jedoch in der Regel als Hausmittel beschränkt.

Hier wird die Pflanze vor allem bei folgenden Beschwerden und Erkrankungen unterstützend eingesetzt:

  • Fettverdauungsstörungen
  • Rachenentzündung
  • Kehlkopfentzündung
  • Seitenstrangangina
  • Nagelbettentzündung
  • Durchfall

Die Blätter der Purpurroten Taubnessel enthalten vor allem ätherischen Öle, Flavonoide, Anthocyane sowie Phenylpropanoide als wirksame Inhaltsstoffe. Besonders zu nennen sind die Stoffe Verbascosid, Bisabolol sowie das Sesquiterpenlacton Germacren. Es ist davon auszugehen, dass diese Stoffe eine antimykotische, antibakterielle, entzündungshemmende und krampflösende Wirkung entfalten.

Zumeist wird es als Heilkraut bei Verdauungsbeschwerden, seltener bei Erkrankungen der oberen Atemwege eingesetzt. Bekannte Darreichungsformen sind der Taubnesseltee, seltener Tinkturen.

Leider gibt bisher kaum wissenschaftliche Studien sowie Doppelblindstudien, die die Wirksamkeit der Pflanze untermauern. Die meisten wissenschaftlich durchgeführten Arbeiten sind bisher lediglich in-vitro Studien, auf die lediglich eine wage Abschätzung vorgenommen werden kann.

Purpurrote Taubnessel in der Natur

Sammeln und Sammelhinweise

Die Purpurrote Taubnessel ist nicht geschützt und nicht in ihrem Bestand gefährdet. Sie kommt oft an halbschattigen Lagen mit frischen Böden vor und wächst oft in der Nähe von Laubbäumen. Sie ist als Kulturbegleiter ein häufig zu findendes Wildkraut in Städten.

Junge Pflanzen ohne Blüten werden gelegentlich mit der Brennnessel verwechselt. Allerdings verraten die oftmals rötlich unterlaufenden Blätter die Zugehörigkeit der Pflanze. Mit Blüte wird die Pflanze oftmals mit dem Gundermann verwechselt, der jedoch meist etwas niedriger wächst und eher violette Blüten ausbildet.

Vergleich Gundermann mit Purpurroter Taubnessel
Verwechslungsgefahr: Purpurrote Taubnessel und Gundermann sind bei genauem Hinschauen leicht voneinander zu unterscheiden

Ökologie und Bedeutung für Insekten

Für Wildbienen und Schmetterlinge sind Taubnesseln eine sehr wichtige Nahrungsquelle. Sie bilden vom Frühjahr bis in den Herbst hinein viel Pollen und Nektar. Sie sind daher willkommene und essentielle Pflanzen, um Trachtlücken zu schließen. Die Purpurrote Taubnessel ist eine hervorragende Bienenweide.

In der Natur ist Lamium purpureum ein Zeigerpflanze für Stickstoff. In den meisten Fällen kann davon ausgegangen werden, dass der Boden auf der die Pflanze wächst, kalkarm ist. Die Rote Taubnessel wächst oft in Gesellschaft mit Pflanzen wie Vogelmiere, Wegrauke und der Kleinen Brennessel.

Die Samen der Purpurroten Taubnessel sind im Herbst eine willkommene Abwechslung im Speiseplan der Ameisen. Die Samen enthalten ein proteinreiches Anhängel (Elaisom), die von diesen in deren Bau getragen wird. Davon haben beide einen Vorteil: Die Ameise wird satt und die Taubnessel wird ausgebreitet, so dass sie sich an einem Platz vermehren kann.

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