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Mönchspfeffer

Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Foto vom MönchspfefferMönchspfeffer (Vitex agnus-castus) gilt in der Naturheilkunde als wichtige Heilpflanze gegen Frauenbeschwerden wie PMS. Wichtig sind hier vor allem die Früchte des hübsch blühenden Eisenkrautgewächs, deren Geschmack an echten Pfeffer erinnert. Die auch als Keuschlamm bezeichnete Pflanze war bereits im Mittelalter bekannt und wurde von Mönchen als auch Heilkundigen verwendet.

Pflanzenmerkmale und Systematik vom Mönchspfeffer

Herkunft und Vorkommen des Mönchspfeffers

Der Mönchspfeffer, auch als Keuschlamm bekannt, stammt ursprünglich aus dem nördlichen Mittelmeergebiet. Von dort aus verbreitete er sich nahezu über die gesamten Mittelmeerstaaten bis hin nach Zentralasien. Zumeist lässt sich die Pflanze dort an wassernahen Lagen wie Flüssen, Bächen oder Stauseen ausfindig machen. Mönchspfeffer besiedelt in der Regel nährstoffarme Standorte wie Ödland, Sandböden sowie Schutt- und Geröllplätze.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Mönchspfeffer nicht heimisch und nur sehr selten wild anzutreffen. Einige Exemplare lassen sich jedoch in botanischen Gärten beobachten. Außerdem kommt die Pflanze zunehmend als Gehölzpflanze für Parks und größere Grünfläche in Frage.

Systematik von Vitex agnus-castus

Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) ist ein Vertreter der Eisenkrautgewächse, zu denen u.a. auch das Echte Eisenkraut, die Zitronenverbene oder das Aztekische Süßkraut gehören. Von der Gattung Vitex kennt man heute mehr als 200 Arten weltweit. Viele dieser Arten finden sich vorrangig in den Tropen oder Subtropen.

Merkmale vom Mönchspfeffer

Der Mönchspfeffer ist im botanischen Sinne ein Strauch, der Wuchshöhen bis zu fünf Metern erreichen kann. In den meisten Fällen wird die Pflanze jedoch lediglich zwischen 1,5 und 2 Metern hoch. Die tiefreichenden und kräftigen Wurzeln der Pflanze erlauben einen festen Halt an Standorten mit eher lockeren Böden.

Die Blätter des Mönchspfeffers zeigen eine deutlich lanzettliche Form. Die Blattunterseite ist im Gegensatz zur Blattoberseite deutlich behaart. Zwischen fünf bis sieben Blätter sind jeweils handförmig an einem Blattstiel angeordnet und stehen sich gegenständig am stets vierkantigen Stängel gegenüber. Die Blattfarbe ist auffällig grün, wobei die Blattoberseite etwas dunkler ist als die Unterseite. Die Länge eines Mönchspfefferblatts beträgt bis zu 10 Zentimeter.

Blätter vom MönchspfefferDer Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) bildet spitz zulaufende Blätter

Die Blüten des Mauerpfeffers sind das charakteristischste Merkmal. Zur Blütezeit, die meist zwischen Anfang Juni bis spät in den September zu erwarten ist, bildet das Eisenkrautgewächs auffällige blauviolette bis purpurne Blüten aus. Diese verströmen stets einen angenehmen leicht süßlichen Duft. Möchspfefferblüten sind zwittrig und enthalten mehrere meist weißlich gefärbte Staubblätter, die deutlich aus dem Blütenzentrum herauswachsen. Der Stempel (der oberste Punkt am Staubblatt) ist meist deutlich violett gefärbt und in der Regel dunkler als die Kronblätter.

Blüten vom MönchspfefferDie blauen bis violetten Mönchspfefferblüten wachsen an einem ährenartigen Blütenstand

Im Anschluss bilden sich aus den Blüten schwarze bis dunkelgraue Steinfrüchte aus, die bis zu 4 mm groß werden können. Jede Mönchspfefferfrucht enthält stets vier Samen.

Früchte vom MönchspfefferDie dunklen Mönchspfefferfrüchte haben einen leicht bitteren und pfeffrig-scharfen Geschmack

Mönchspfeffer – Anbau, Aussaat und Pflege

Durch die charakteristischen Blüten der Pflanze, weckt der Mönchspfeffer auch bei einigen Gärtnern bzw. Gärtnerinnen Begehrlichkeiten. Der Anbau der Pflanze ist jedoch nicht immer leicht zu bewerkstelligen. Die Pflege des Eisenkrautgewächs ist bei guten Standortbedingungen jedoch zu bewerkstelligen.

Standort: Mönchspfeffer benötigt unbedingt sonnige bis vollsonnige Lagen. Ein windgeschützter Standort ist außerdem zu empfehlen. Der Boden sollte durchlässig und nährstoffreich sein sowie Feuchtigkeit speichern. Ein sandiger Boden ist häufig günstiger als lehmiger. Normale Gartenböden mit ausgeglichenem Sand-/Lehmverhältnis erscheinen ideal.

Aussaat: Es ist durchaus möglich Mönchspfeffer mittels Samen anzupflanzen, allerdings sind dafür einige Bedingungen zu erfüllen: Es werden verhältnismäßig hohe Temperaturen sowie gleichbleibende Feuchte benötigt. Im Freiland kann die Aussaat bereits im Herbst oder im Frühjahr stattfinden. Da die Pflanze unter Umständen in die Breite und auch Tiefe wächst, sollten Pflanzabstände von etwa 30 cm je Pflanze eingehalten werden. Sind die Keimbedingungen erfüllt, erscheinen nach etwa 14 bis 21 Tage die ersten Keimlinge. Sicherer ist die Aussaat in Vorkultur. Hier können die Mönchspfeffersamen in einem Zimmergewächshaus ab etwa Mitte März in ein Substrat eingearbeitet werden. Als Substrat eignet sich zunächst mineralhaltige Aussaaterde. Etwa einem Monat nach dem die ersten Keimlinge zum Vorschein kommen, können die kleinen Mönchspfefferpflanzen ins Freiland umpikiert werden.

Mönchspfeffer im GartenMönchspfeffer lässt sich in unseren Breiten gut im Garten anbauen

Düngung: Steht ein nährstoffreicher Boden zur Verfügung, müssen die Mönchspfefferpflanzen nur begrenzt mit zusätzlichem Dünger versorgt werden. Es empfiehlt sich den Boden im Frühjahr mit Kompost oder einem organischen und stickstoffbetontem Dünger zu behandeln, wobei kleinere Mengen meist völlig ausreichen. Bei eher sandigen Böden, die unter stärkerer Nährstoffauswaschung leiden, sind meist häufigere Düngegaben notwendig. Berücksichtigt werden muss, dass eine zu hohe zusätzliche Versorgung mit Düngern einen mastigen Wuchs verursacht. Dieser sorgt dafür, dass die Widerstandsfähigkeit des Mönchspfeffers gegen Kälte und zum Teil auch gegen Krankheitserreger zurückgehen kann.

Gießen: Eine normale Wasserversorgung reicht vollkommen aus, um den Mönchspfeffer zu versorgen. An heißen Sommertagen kann zusätzliches Gießen am Abend mitunter hilfreich sein. Kurze Trockenphasen bis zu vier Tagen kann ein ausgewachsener Mönchspfeffer problemlos überstehen.

Krankheiten und Schädlinge: Der auch als Keuschlamm bekannte Mönchspfeffer ist eine sehr robuste Pflanze, die nur äußerst selten von Schädlingen befallen wird. In Ausnahmen, meist wenn die Pflanze längere Zeit zu trocken gehalten wurde, können Spinnmilben die Blätter und Stängel befallen.

Verwendung von Mönchspfeffer

Mönchspfeffer in der Küche

Die braunen bis schwarzbraunen Früchte des Mönchspfeffer haben einen pfefferähnlich scharfen Geschmack, wenngleich das Aroma etwas schwächer ausgeprägt ist. Im Mittelalter wurden Mönchspfefferfrüchte vor allem in kirchlichen Institutionen häufig als Gewürz verwendet. Kleine Mengen können auch heute noch verwendet werden, allerdings sollte dem Echten Pfeffer Vorzug gegeben werden. Die Früchte können schnell einen Effekt auf die Hormonregulierung haben. Schwangere Frauen sollten in keinem Fall Mönchspfeffer als Gewürz nutzen.

Mönchspfeffer als Heilkraut

Der Mönchspfeffer gilt heute als eines der besten Heilpflanzen zur Behandlung zahlreicher typischer Frauenerkrankungen.

Im Mittelalter war der Mönchspfeffer weit bekannt. Die dort als Schaffmüllen oder Keuschbaum bezeichnete Pflanze wurde vor allem von Mönchen und anderen Kirchenbediensteten verwendet, um die natürliche Libido zu unterdrücken. Darüber hinaus war der Mönchspfeffer auch als typisches Heilkraut für Frauen bereits bekannt. In den meisten Kräuterbüchern des Mittelalters und der frühen Neuzeit wurde beschrieben, dass die Samen in Wein gesotten, die Frauenzeit fördere. In Verbindung mit Oxymellit (einer Mischung aus Honig und Essig) wurde Mönchspfeffer bei Milzerkrankungen verwendet. Eine Mischung aus Mönchspfeffer und Seerosen wurde bei Gonorrhoe bzw. Tripper empfohlen.

Mönchspfeffer als HeilkrautDarstellung des Heilkraut Mönchspfeffer im Kräuterbuch von P.A. Mathioli

In der modernen Heilpflanzenkunde gilt der Mönchspfeffer vorrangig als Heilpflanze gegen Beschwerden bei Frauen. Hierzu zählen neben Zyklusstörungen, PMS auch Wechseljahresleiden. Die in den Früchten des Mönchspfeffers enthaltenen Inhaltsstoffe bestehen vorrangig aus ätherischen Ölen, Iridoidglykosiden, Flavonoiden und Bitterstoffen. Die Gesamtheit dieser Inhaltsstoffe wirken zyklusregulierend und beeinflussen direkt den Prolaktinspiegel im Blut, der u.a. Hormone wie die Gelbkörper steuern.

In der Naturheilkunde wird Mönchspfeffer vor allem bei folgenden Erkrankungen und Beschwerden eingesetzt:

  • Wechseljahresbeschwerden
  • Prämenstruelles Syndrom (PMS)
  • Gelbkörperschwäche
  • Störungen des Milchflusses bei stillenden Müttern
  • Endometritis (Entzündungen der Gebärmutter)
  • Spannungsgefühl in der Brust

Mönchspfeffer oder Keuschlamm gilt als typisches Heilkraut für Frauen. Die Heilwirkungen des Mönchspfeffers gehen vorrangig von den enthaltenen Flavonoiden aus. Hier sind vor allem die Flavonoide Casticin, Quercetagetin und Isovitexin zu nennen, die einen nachweisbaren Einfluss auf die Bildung von Östrogenrezeptoren haben [1].

Die Wirkungen auf den weiblichen Organismus sowie die Wirkstoffe des Mönchspfeffers sind wissenschaftlich und klinisch gut untersucht. In einer Studie aus Deutschland wurden z.B. 1542 Frauen mit prämenstruellem Syndrom (PMS) für 166 Tage ein Mönchspfefferpräparat (Agnolyt) verabreicht. Bei 90 Prozent der Frauen konnte nach rund 26 Tagen ein vollständiger Rückgang der typischen Symptome erzielt werden [2].

In der Naturheilkunde finden ausschließlich die Früchte des Mönchspfeffer Anwendung. Nur diese enthalten ausreichende Mengen der relevanten Inhaltsstoffe.

Die üblichen Darreichungsformen sind vor allem extraktbasierte Arzneiformen wie Kapseln und Tabletten. Es ist auch möglich, Mönchspfeffer über die Nahrung aufzunehmen, in dem man es als Gewürz in Speisen verwendet. Allerdings muss beachtet werden, dass es teils erhebliche Qualitätsunterschiede gibt und die Mengen der wirksamen Inhaltsstoffe somit nur sehr schlecht abgeschätzt werden können. Die Zubereitung eines Mönchspfeffertees, wie er auf einigen Internetseiten empfohlen wird, ist aus arzneilicher Sicht nicht zu befürworten. Hintergrund ist, dass die Wirkstoffe durch Wasser nur sehr schwer aus den Früchten extrahiert werden können und somit eine Wirkung in den meisten Fällen eher ausbleibt.

Nach Angaben der Europäischen Arzneimittelagentur wird empfohlen, Mönchspfefferpräparate drei Monate kontinuierlich einzunehmen. Sind nach den drei Monaten immer noch Beschwerden vorhanden, so ist allerdings ein Arzt zu konsultieren, der tiefergehende Untersuchungen veranlassen wird [2].

Nebenwirkungen und Anwendungsbeschränkungen: Kindern unter 18 Jahren sollten Mönchspfefferpräparate nicht verabreicht werden. Insofern der Stillfluss bei stillenden Müttern nicht gestört ist, sollte die Keuschlammfrüchte ebenfalls nicht konsumiert werden, da sonst Störungen des Milchflusses zu erwarten sind. Anwenderinnen, die Dopaminagonisten (z.B. bei Parkinson-Krankheit, Restless-Leg-Syndrom), Dopaminantagonisten (z.B. bei Psychosen) oder zusätzlich Östrogen erhalten, sollten die Einnahme zunächst unbedingt mit einem Arzt besprechen. In seltenen Fällen können juckende Hautausschläge auftreten, die sich durch Rötungen und Quaddeln auszeichnen.

Mönchspfeffer kaufen – Was gibt es zu beachten

Aufgrund seiner ästhetischen Blüten wird Mönchspfeffer auch gelegentlich von Hobbygärtnern im Garten angebaut. Vorrangig sind jedoch die Früchte des Eisenkrautgewächs von Interesse, die zumeist bei Beschwerden wie PMS bzw. im Speziellen Gelbkörperschwäche angewendet werden.

Für die Behandlung dieser Frauenbeschwerden werden sowohl ganze Früchte sowie fertige Präparate aus den Extrakten des Keuschlamms angeboten. Kontrollierte Qualität garantieren Arzneimittelhersteller, die in der Regel Filmtabletten anbieten. Daneben gibt es einige Hersteller von Kapseln, die zum Teil jedoch kritisch beäugt werden sollten. Um eine pharmakologische Wirkung zu erzielen, sollten Tabletten oder Kapseln verwendet werden, die die Einnahme einer Tagesdosis von bis zu 40 mg ermöglichen. Die Preise variieren zwischen den einzelnen Herstellern teils sehr stark.

Hersteller, die einen Tee aus Mönchspfefferfrüchten oder -blättern empfehlen, sollten nach Möglichkeit gemieden werden. Dieser Tee wird mit hoher Wahrscheinlichkeit keine oder nur eine sehr geringe Wirkung entfalten, da die benötigten Inhaltsstoffe sich nur schwer mit Wasser extrahieren lassen.

Soll Mönchspfeffer im Garten angebaut werden, versprechen fertige Pflanzen vom Fachhandel die besten Erfolgsaussichten. Erfahrene Gärtner können aber auch problemlos Samen bei diversen Onlinehändlern beziehen.

Literaturverweise

  • [1] Zahid, N. (2016): Phytopharmacological Review on Vitex agnus-castus: A Potential Medicinal Plan. – In: Chinese Herbal Medicines, Vol. 8, S. 24-29.
  • [2] Europäische Arzneimittelagentur (2010): Community herbal monograph on Vitex agnus-castus L. fructus. – EMA/HMPC/144006/2009
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