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Klettenlabkraut

Klettenlabkraut (Galium aparine) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Foto vom KlettenlabkrautDas Klettenlabkraut (Galium aparine) ist ein bei uns häufig vorkommendes Wildkraut. Früher nutzte man das Kraut u.a. als Ersatz für tierisches Lab, um vor allem Käse herzustellen. In der Volksmedizin nutzt man die klettige Labkrautart vor allem bei Nieren- und Harnbeschwerden, da einige Inhaltsstoffe eine diuretische Wirkung besitzen. Wildkräuterliebhaber können die Blätter und Samen des Klettenlabkrauts auf vielfache Art verwenden. Insgesamt eine universelle Wildpflanze, die häufig unterschätzt wird.

Steckbrief von Klettenlabkraut
Botanischer NameGalium aparine
PflanzenfamilieRötegewächse (Rubiaceae)
Weitere NamenKletten-Labkraut, Klebkraut, Kleberkraut
Aussaatzeit / PflanzzeitOktober bis März
BlütezeitJuli bis September
ErntezeitMai - Oktober
Standortsonnige bis halbschattige Standorte mit durchlässigen, feuchten und kalkhaltigen Böden
Verwendung als HeilkrautNierenbeschwerden, Blasenerkrankungen, Lymphbeschwerden, Appetitlosigkeit, Ekzeme
Verwendung als Gewürzkrautals Zutat für Kräuterquarks, als Gemüse für Teigtaschen und Pfannengerichte, Smoothie, Samen als Kaffeeersatz

Inhaltsverzeichnis

  1. Pflanzenmerkmale und Systematik des Klettenlabkrauts
    1. Herkunft und Vorkommen des Klettenlabkrauts
    2. Systematik von Galium aparine
    3. Merkmale des Klettenlabkrauts
  2. Klettenlabkraut – Aussaat, Anbau und Pflege
  3. Verwendung von Klettenlabkraut
    1. Klettenlabkraut als Küchenkraut
    2. Klettenlabkraut als Heilkraut
  4. Klettenlabkraut sammeln und kaufen – Was gibt es zu beachten?
  5. Literaturhinweise

Pflanzenmerkmale und Systematik des Klettenlabkrauts

Herkunft und Vorkommen des Klettenlabkrauts

Das Klettenlabkraut ist eine Pflanze eurasischer Herkunft, die ursprünglich in Europa und dem westlichen Asien ihren Ursprung hatte. Aufgrund ihrer hohen ökologischen Toleranz besiedelt sie schnell neue Gebiete. Als typischer Neophyt ist diese Labkrautart heute fast auf der ganzen Welt verbreitet. Sie ist sowohl im kalten Sibiren als auch im warmen Australien anzutreffen.

In Mitteleuropa ist das Klettenlabkraut wild auf und in der Nähe landwirtschaftlicher Flächen, in Auwäldern, nährstoffreichem Öd- und Brachland sowie an Waldrändern zu finden. Die Pflanze gilt als typischer Stickstoffzeiger und bevorzugt folglich Standorte mit hohem Nährstoffangebot. Im Gebirge kann die auch als Klebkraut bezeichnete Art Höhen bis 1.500 Metern besiedeln.

Systematik von Galium aparine

Klettenlabkraut (Galium aparine) gehört zur Familie der Rötegewächse. In der engeren Zuordnung wird die Art in die Gattung der Labkräuter eingeordnet, die mit mehr als 600 Arten verhältnismäßig artenreich ist. Bekannte Verwandte des Kletten-Labkrauts sind der Waldmeister (Galium odoratum), das Wiesen-Labkraut (Galium mollugo) sowie das Echte Labkraut (Galium verum).

Das Klettenlabkraut wird gelegentlich auch als Klebkraut bezeichnet.

Merkmale des Klettenlabkrauts

Klettenlabkräuter sind einjährige und typisch krautige Pflanzen, die Wuchshöhen zwischen 40 und 160 cm erreichen können. In der Botanik gilt die Pflanze als so genannter Spreizklimmer, d.h. dass die Triebe des Labkrauts hochwachsen bzw. klettern und sich an andere Pflanzen verankern. In der Erde bildet das Klettenlabkraut eher dünne und bräunliche Wurzeln aus, die meist seitlich und nur selten senkrecht wachsen. Klettenlabkrautwurzeln können bis zu 40 Zentimeter lang werden.

Die Blätter des Klettenlabkrauts sind lanzettlich bis stachelspitzig und mit kleinen Drüsenhaaren besetzt. Die Blätter bilden einen Quirl, d. h. dass mehrere Blätter einen gemeinsamen Knoten als Ursprung haben. In der Regel findet man zwischen fünf bis neun Blätter an einem Quirlstand. Die Blattbreite beträgt selten einen Zentimeter, die Länge bis zu sechs Zentimeter. Die Knoten der Quirle gehen direkt vom Stängelzentrum aus. Der Stängel selbst ist meist kantig und mit auffällig vielen kleinen Borsten besetzt.

Blätter von Kletten-Labkraut
Die Blätter des Klettenlabkrauts ähneln dem Waldmeister stark. Durch ihre klettigen Drüsenhaare lassen sich sich jedoch leicht und schnell unterscheiden.

Zur Blütezeit, die meist zwischen Juli und September andauert, bildet das Klettenlabkraut weiße Blüten aus. Bis zu fünf zwittrige Blüten sind in so genannten Trugdolden zusammengefasst, die ihren Ursprung ebenfalls am Blattquirl haben. Die Labkrautblüten sind mit einer Breite von maximal zwei Millimetern recht klein. Jede einzelne Blüte besitzt vier Staubblätter, vier Kronblätter und einen kaum noch erkennbaren Blütenkelch.

Blüten von Kletten-Labkraut
Die weißen zierlichen Blüten sind typisch für Pflanzen der Gattung Galium

Aus dem Fruchtknoten bilden sich zur Zeit der Fruchtreife die typischen Spaltfrüchte aus. Jede Labkrautfrucht kann bis zu sechs Millimeter lang werden und eine braune bis rötliche Färbung annehmen. Die Spaltfrüchte des Kletten-Labkrauts teilen sich in zwei Teilfrüchte, die jeweils einen runden bis kugeligen Samen enthalten.

Klettenlabkraut – Aussaat, Anbau und Pflege

Klettenlabkraut gilt vielerorts als Unkraut und wird nur selten angebaut. Gelegentlich wird die Pflanze jedoch aufgrund seiner Heilwirkungen in Kräutergärten oder Medizinalgärten kultiviert. Der Anbau an sich ist nicht sonderlich schwer, jedoch sind einige Punkte zu beachten.

Standort: Der optimale Standort für das Kletten-Labkraut ist eine eher sonnige und windgeschützte Lage. Halbschattige Lagen werden jedoch auch toleriert, wenngleich das Wachstum des Labkrauts deutlich darunter leidet. Bevorzugt werden eher lehmhaltige, leicht feuchte und kalkhaltige Mischboden mit mittlerem bis hohen Nährstoffangebot, vor allem Stickstoff. Die meisten Gartenerden und Kräutererde sind für den Anbau des Krauts geeignet. Eher sandige oder stark überdüngte Böden stellen jedoch mitunter ein Problem dar.

Aussaat: Bei Samenaufzucht sind die frühen Frühjahrsmonate März bis April der optimale Zeitpunkt für die Aussaat. Da es sich um einen Kaltkeimer handelt, ist auch eine Spätaussaat im Herbst möglich, die nach der Hauptvegetationszeit (etwa ab Mitte Oktober) passieren sollte. Die Samen können direkt ins Freiland oder in einem breiten Topf mit mindestens 40 cm Tiefe eingearbeitet werden. Die Saattiefe sollte einen Zentimeter nicht überschreiten. Der Pflanzabstand sollte wenigstens 25 Zentimeter in alle Richtungen betragen, um die Pflanze vor Nährstoffkonkurrenz zu schützen.

Düngung: Ist der Gartenboden bzw. die Anbaufläche allgemein intakt, ist in den meisten Fällen keine zusätzliche Nährstoffversorgung notwendig. Lediglich bei bekannten nährstoffarmen Böden oder bei Topfkulturen ist eine zusätzliche Versorgung mit Düngern notwendig. Hierzu empfehlen sich normale, stickstoffbetonte Dünger.

Gießen: Das Kletten-Labkraut ist ähnlich wie der Waldmeister ein eher feuchtigkeitsliebendes Wildkraut. Eine kontinuierliche Versorgung mit Wasser ist demnach dringend notwendig, da sonst schnell Krankheiten auftreten können. Wichtig ist, den Boden am besten immer leicht feucht zu halten, wobei übermäßige Nässe oder gar Staunässe unbedingt zu vermeiden sind. Kurze Trockenheitsphasen von drei bis fünf Tagen, werden in der Regel problemlos toleriert. Wird die Pflanze täglich gegossen, sollte lediglich der Boden bzw. die Erde bewässert werden.

Krankheiten und Schädlinge: Wie die meisten Labkrautarten ist auch das Klettenlabkraut eine recht robuste Pflanze. Bei Anbau- oder Pflegefehlern, z. B. zu geringe Pflanzabstände, Überversorgung mit Nährstoffen oder zu feuchter Boden, kann es zu Befall mit Echten und Falschem Mehltau kommen.

Überwinterung: Klettenlabkräuter sind einjährige Pflanzen. Diese sterben nach der Fruchtreife ab, wodurch keine Überwinterungsmaßnahmen notwendig sind.

Verwendung von Klettenlabkraut

Klettenlabkraut als Küchenkraut

Das Kletten-Labkraut hat als Küchenkraut keine wirtschaftliche Bedeutung, jedoch ist es vielen Wildkräuterliebhabern zusammen mit dem Echten Labkraut durchaus bekannt. Es gibt einige Möglichkeiten die Pflanze zu verarbeiten. Mit etwas Aufwand lassen sich sogar recht schmackhafte Gerichte aus den Blättern zubereiten. Der Geschmack der Blätter selbst lässt sich als leicht nussig und typisch grün beschreiben.

Gewöhnungsbedürftig sind die Blätter mit ihren hakigen Drüsenhaaren, die meist nur mit Widerwillen roh gegessen werden. Werden die Blätter und Stängel jedoch vorsichtig gedämpft und passiert, können diese deutlich besser verzehrt werden. Gedämpfte Labkrautblätter eignen sich hervorragend als Füllung für Teigtaschen oder Kartoffeln oder auch als Zutat für Gemüse- oder Wildkräutersuppen. Als geschmackliches Highlight können die gedämpften oder auch pürierten Blätter mit Kerbel oder zerstoßenen Fenchelsamen gewürzt werden.

Die Blätter des Klettenlabkrauts können auch problemlos mit Frischkäse oder Quark vermischt werden. Ein Kräuterquark mit Labkrautblättern und etwas zerstoßenem Kümmel harmoniert bestens auf frisch gebackenem Brot. Der feinnussige Geschmack der Blätter kann auch gut mit Knoblauch oder Schnittlauch ergänzt werden.

Eine gute Figur macht die heimische Labkrautart in grünen Smoothies. Dort lassen sich die Blätter mit anderen Wildkräutern wie Spitzwegerich, Löwenzahn oder Gundermann gut kombinieren. Um einen solchen Smoothie geschmacklich aufzuwerten, sollten Salz und Pfeffer sowie saure Sahne oder vegane Alternativen (z.B. Hafersahne) nicht fehlen.

Die Samen des Klettenlabkrauts fanden in Notzeiten als Kaffeeersatz Verwendung. Die Samen können in einem Mörser oder einer Kaffeemühle zerkleinert und wie Kaffee aufgebrüht werden.

Klettenlabkraut als Heilkraut

In der modernen Heilpflanzenkunde spielt das Kletten-Labkraut nur eine untergeordnete Rolle, wenngleich es über einige wirksame Inhaltsstoffe verfügt. In der Volksheilkunde hat man das Klettenlabkraut (Galium aparine) genau wie das Echte Labkraut (Galium verum) vor allem bei Blasen- und Nierenleiden verwendet. Lange Zeit hatte es vor allem bei der armen Bevölkerung einen Namen als natürliches Diuretikum (harntreibendes Mittel).

In älteren Kräuterbüchern fand das Klettenlabkraut u.a. als Gegengift bei Natternbissen sowie als Heilmittel bei Durchfällen angewendet. Üblich waren u.a. Heilweine sowie Aufgüsse aus Blättern. Der Saft der Pflanze, die man früher als Kleberkraut bezeichnete, wurde u.a. bei Ohrenschmerzen empfohlen. Die damaligen Anwendungsempfehlungen sind jedoch nicht mehr auf die heutige Zeit zu übertragen.

Klettenlabkraut im mittelalterlichen Kräuterbuch
Beschreibung des Klettenlabkrauts (Kleberkraut) im Kräuterbuch von Mattioli

Für Anwendungszwecke in der heutigen Naturheilkunde sollte zunächst ein Blick auf das Wirkstoffpotenzial des Kletten-Labkrauts geworfen werden. Die oberirdischen Pflanzenbestandteile enthalten höhere Anteile an Phytosterolen (v.a. beta-Sitosterin und Campesterol) und Gerbstoffe bzw. Phenolsäuren wie Kaffeesäure und Chlorogensäure als Ester der Kaffeesäure [2]. Außerdem sind zahlreiche Flavone, einige ätherische Ölverbindungen sowie freie organische Säuren wie die Palmitinsäure enthalten.

Diese Wirkstoffe entfalten v.a. die folgenden Heilwirkungen auf unseren Organismus:

  • antioxidativ
  • cholesterinsenkend bzw. cholesterinregulierend
  • antibakteriell
  • pilzhemmend
  • wassertreibend

In der heutigen Naturheilkunde und Volksheilkunde spielt das Klettenlabkraut vor allem bei den folgenden Erkrankungen und Beschwerden eine Rolle:

  • Blasenbeschwerden
  • Nierensteinen
  • Beschwerden der Lymphknoten bzw. des lymphatischen Systems
  • Magenbeschwerden
  • Verdauungsstörungen
  • Ekzeme

Die oben beschriebenen Beschwerden gelten bevorzugt in der Volksheilkunde und sind wissenschaftlich bisher kaum untermauert. Ob und inwiefern Anwendungen mit Galium aparine einen Heilerfolg versprechen, kann daher nicht festgestellt werden. Außerdem gibt es häufig Überschneidungen mit dem Echten Labkraut (Galium verum), das in der Pflanzenheilkunde nahezu identisch verwendet wird.

Die üblichen Darreichungsformen sind Teeaufgüsse und Umschläge. Ein Labkrauttee soll u.a. gegen Nieren- und Harnbeschwerden helfen. Darüber hinaus wird der Tee gelegentlich zur Blutreinigung und zur Anregung der Lymphknoten konsumiert. Für einen Klettenlabkrauttee werden etwa 2 Teelöffel des getrockneten Krauts benötigt, die mit 200 ml kochend heißem Wasser übergossen werden. Nach etwa 7 bis 9 Minuten Ziehzeit wird der Tee dann zwei bis drei Mal täglich immer kurz vor den Mahlzeiten eingenommen.

Tiefgreifende wissenschaftliche Untersuchungen zur medizinischen Nutzung des Klettenlabkrauts sind nur spärlich vorhanden. Diskutiert wird u.a. die Verwendung von Klettenlabkrautextrakten bei bestimmten Formen von Brustkrebs. In Laborversuchen (in vitro) konnte durch Verwendung eines methanolhaltigen Extraktes der Zelltod bei karzinogenen Brustzellen hervorgerufen werden. Inwiefern dies jedoch eine Zukunft in der Krebstherapie darstellt, ist derzeit noch offen [3].

Nebenwirkungen: Das Klettenlabkraut ist nicht ausreichend untersucht, um grundsätzliche Nebenwirkungen festzustellen. Bisher sind keine Fälle bekannt, in dem die Pflanze Beschwerden durch die Anwendung als Heilpflanze brachte. Grundsätzlich sollte die Pflanze in der Schwangerschaft und in der Stillzeit nicht eingenommen werden.

Klettenlabkraut sammeln und kaufen – Was gibt es zu beachten?

Das Klettenlabkraut gilt vielerorts als Ackerunkraut und ist in Mitteleuropa sehr häufig zu finden. Es gibt daher auch nur verhältnismäßig wenige kommerzielle Produkte. Im Spezialhandel erhältlich sind vor allem das Saatgut der Pflanze sowie getrocknete Kräuter für Tees.

Das Sammeln des Krauts sollte sich vor allem an Waldrändern und natürlichen bzw. naturnahen Wegen beschränken. Bitte sammeln Sie das Kraut nicht in der Nähe von Straßen oder alter Gebäudekomplexe.

Für heilkundliche Anwendungen bieten einige Kräuterhändler getrocknetes Klettenlabkraut an. Die Preise liegen hier zwischen 4 und 8 EUR für 100 Gramm.

Literaturhinweise

  • [1] Vasilevna, I. T. et al. (2016): Antimicrobial Activity of the Genus Galium L. In: Pharmacognosy Communications, Vol. 6, S.42-47.
  • [2] Mocan, A. et al. (2016): Phytochemical Investigations on Four Galium Species (Rubiaceae) from Romania. In: Farmacia, Vol. 64, S. 95-99.
  • [3] Atmaca, H. et al. (2016): Effects of Galium aparine extract on the cell viability, cell cycle and cell death in breast cancer cell lines. In: Journal of Ethnopharmacology, Vol. 186, S. 305-310.
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