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Kräuterlikör - Herstellung und Verwendung

Spirituosen aus Kräutern haben eine lange Tradition. Seit dem frühen Mittelalter sind Kräuterliköre häufig verwendete Heilmittel bei Magen- und Verdauungsbeschwerden. Besonderes Interesse haben vor allem Kräuter mit hohem Bitterstoffanteil, da genau diese Kräuter u.a. die Fettverdauung bzw. die Produktion von Verdauungssäften anregen. Wir geben einen kleinen Einblick darüber, wie und aus welchen Heilkräutern Kräuterliköre hergestellt werden und wozu sie verwendet werden.

Herstellung eines Kräuterlikörs

Die Herstellung von Kräuterlikören unterliegen grundsätzlich rechtlichen Bestimmungen. In den meisten Fällen werden Liköre heute als Genussmittel verkauft. Einige wenige dienen jedoch als Heilspirituosen und unterliegen verschärften Verordnungen. Dies ist dann der Fall, wenn Liköre der Weine eine konkrete Heilabsicht bewerben, mit denen sich bestimmte Beschwerden lindern lassen.

Beliebte Kräuter für Liköre

Für einen guten Kräuterlikör werden zumeist Kräuter verwendet, die reich an Bitterstoffen oder aromatischen ätherischen Ölen sind. Während ein Kräuterlikör aus aromatischen Pflanzen meist nur zum Genuss dient, werden solche aus bitteren Kräutern meist auch als Verdauungsschnaps (Digestif) getrunken. Die beliebtesten Kräuterpflanzen, die verarbeitet werden sind:

Neben Kräuter werden gelegentlich auch Rinden einiger Gehölze verwendet. In vielen Kräuterlikören findet sich beispielsweise Chinarinde oder die Rinde des Zimtbaums.

Vom Extrakt zum Schnaps

Um einen Kräuterlikör herzustellen, werden die folgenden Zutaten benötigt:

  • einen geschmacksneutralen Alkohol
  • Zucker
  • Kräuter
  • evtl. Gewürze

Damit das Aroma der Kräuter seine Vollmundigkeit entfalten kann, müssen die Aromastoffe zunächst aus dem Kraut extrahiert werden. Dies geschieht häufig durch einen so genannten Kaltwasserauszug, der in der Fachsprache als Mazeration bezeichnet wird. Dieser Vorgang dauert in der Regel mehrere Stunden. Das Mazerat wird zusammen mit dem Alkohol sowie mit Zucker und meist weiteren Gewürzen wie Nelken oder Sternanis vermischt.

Eine Alternative ist es, die Kräuter zu pulverisieren, dann mit Alkohol und weiteren Zutaten zu vermischen und den dabei entstehenden Auszug zu filtrieren.

Unter den Kräuterlikören stellt der Magenbitter eine besondere Spirituose dar. Ein vollständiger Bitter zeichnet sich dadurch aus, dass der überwiegende Geschmack bitter ist und ein Alkoholgehalt von mindestens 15 Prozenz hat. Gegenüber diesem Vollbitter gibt es noch so genannte Halbbitter, die einen Zuckergehalt von mehr als 100 Gramm pro Liter aufweisen.

Kräuterlikör selbst herstellen

Ein Kräuterlikör lässt sich mit einfachen Mittel selbst herstellen. Als Grundlage des Schnapses wird eine eher geschmacksneutrale Spirituose wie z.B. Wodka oder Korn. Die jeweiligen Kräuter können entweder direkt in den Alkohol eingefüllt oder als Extrakt zugefügt werden. Beim direkten Einfüllen muss der Alkohol einige Tage stehen, so dass die Inhaltsstoffe der Kräuter ausreichend Zeit haben, ihr Aroma zu entfalten.

Kräuterlikör selbst herstellen

Durch die zahlreichen Kräuter können Liköre mit individueller Note selbst hergestellt werden (Foto: VRD / fotolia.com)

Damit der Likör auch seinen Namen verdient, wird Zucker benötigt. In den meisten Fällen werden pro 100 ml Alkohol zwischen 5 und 10 Gramm Zucker zugefügt. Nachdem der Alkohol mit den Kräutern und Zucker vermischt wurden, können noch Gewürze zugefügt werden, um den Kräuterlikör bekömmlicher zu machen und geschmacklich aufzuwerten.

Nachdem alle Zutaten enthalten sind, sollte die Flasche mehrmals geschüttelt werden, so dass sich die Aromastoffe und der Zucker gut in der Flasche verteilen. Nach etwa ein bis zwei Wochen ist der Kräuterlikör fertig und kann getrunken werden. Übrigens: Lagern Sie die Flasche am besten an einem dunklen und kühlen Ort. Ein lichtdurchfluteter Bereich kann die Aromastoffe des Kräuterlikörs zerstören und den Geschmack deutlich beeinflussen.

Bekannte Kräuterliköre

Ein Kräuterlikör lässt sich zwar mit etwas Aufwand auch selbst herstellen, allerdings greifen viele auf die große Vielfalt vorhandener Spirituosen zurück. Die Auswahl im Handel ist groß und kaum in seiner Gesamtheit zu überblicken. Jeder Hersteller hat seine eigene unverkennbare Rezeptur. In der folgenden Tabelle stellen wir bekannte Marken mit den verwendeten Kräutern vor, um einen Überblick über die Mannigfältigkeit zu erhalten.

KräuterlikörVerwendete Kräuter
Fernet Brancau.a. Enzian, Myrrhe, Aloe Vera, Kamille
Jägermeisteru.a. Ingwer, Kardamom, Sternanis
KümmerlingSüßholz, Angelika, Krause Minze, Nelken
Ramazottiu.a. Engelwurz, Kaiserwurz, Chinarinde

Neben vielen bekannten Marken gibt es auch zahlreiche regionale Anbieter, die mitunter auch Spezialitäten von nur sehr wenigen bis einzelnen Kräutern anbieten. So gibt es in einigen Regionen der Alpen beispielsweise Enzianlikör oder im Bereich des alten Bamberger Süßholzanbaugebiets Süßholzlikör. Die Zahl der Varianten und Mischungen sind nahezu unbegrenzt.

Verwendung von Kräuterlikören

Kräuterliköre zählen mit zu den beliebtesten Spirituosen in Deutschland, die nach Schätzungen von mehr als 6 Millionen Menschen konsumiert werden. Verwendet wird Kräuterlikör u.a. als Zutat für Cocktails, als Verdauungsschnaps oder auch zum Backen bzw. zur Zubereitung von Süßspeisen.

Die Nutzung als Digestif wird von vielen Quellen als fragwürdig bezeichnet. Auch wenn viele der verwendeten Kräuter tatsächlich die Verdauungstätigkeiten, v.a. die Fettverdauung, ankurbeln können, so hemmt der Alkohol als solcher die Verdauungsprozesse. Zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden eignen sich reine Tees häufig besser. Um das Völlegefühl nach fettreichem Essen jedoch zu lindern, kann ein guter Magenbitter dennoch recht bekömmlich sein.


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