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Heilkräuter in der Kinderheilkunde

Wenn es um Kinder geht, haben viele Eltern besondere Ansprüche an die Behandlung bestimmter Krankheiten. Vor allem bei leichten Krankheiten und kleineren Beschwerden scheinen viele Mütter und Väter vermehrt auf naturmedizinische Alternativen umsteigen zu wollen. Eine besondere Rolle kommt einigen Heilkräutern zu, die eine schonende Therapie herbeiführen sollen. Wir geben einen Überblick darüber, welche Kräuter geeignet sind und welche Beschwerden auf natürliche Art behandelt werden können.

Heilpflanzen für Kinder – Was gibt es zu beachten?

Die Palette an möglichen Kinderkrankheiten ist groß. Wir stellen im Folgenden daher nur einige typische Beschwerden vor und erläutern im Kurzen, welche Kräuter und Anwendung geeignet sind. Interessierte an Heilpflanzen für Kinder und naturheilkundlichen Methoden stehen außerdem einige sehr gute und umfangreiche Bücher zur Verfügung.

Keine Behandlung ohne Diagnose

Kinder und vor allem Kleinkinder erkranken oder leiden recht häufig an vielen unterschiedlichen Dingen, wie grippalen Infekten, Zahnentwicklungsstörungen, Magen-Darm-Infekten, Beschwerden im Hals-Nasen-Ohren-Bereich oder Atemwegserkrankungen. Hier können bestimmte Tinkturen aus Kräutern, Kräutertees oder Kräuterkissen auch häufig Linderung verschaffen. Die meisten Erkrankungen sind im Verlauf der Kindsentwicklung normal und sorgen sogar dafür, dass das Immunsystem des Kindes langfristig aufgebaut bzw. gestärkt wird.

Allerdings können darunter auch Erkrankungen sein, die nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollten. Daher sollte das erste Gebot sein, das Kind immer einem Facharzt vorzustellen, wenn bestimmte Beschwerden wie hohes Fieber, bellender Husten, Durchfall, Erbrechen, Schläfrigkeit, Teilnahmslosigkeit oder Hautausschlag auftreten.

Auswahl und Dosierung von Kräutern

Eigentlich sollte es klar sein, dass Kräuter ohne Kenntnis über deren Wirkung und Dosierung nicht wahllos verabreicht werden sollten. Leider kann man immer wieder in einigen Foren lesen, dass Tipps und Rezepte gegeben werden, die weder von Fachkunde noch durch Sinnhaftigkeit bestechen.

Aufgrund der Vielfalt an Heilpflanzen und Kräutern ist es praktisch unmöglich, eine allgemeine Dosierungsempfehlung zu geben. Jedes Kraut enthält andere spezifische Inhaltsstoffe und Wirkungsmuster. Auch bei der Art der Zubereitung gibt es Unterschiede. Einige Kräuter müssen beispielsweise als Kaltwasserextrakt zubereitet werden, um eine entsprechende Heilwirkung zu erreichen. Andere wiederum dürfen zwar mit warmem Wasser, nicht jedoch mit kochendem Wasser zubereitet werden.

Unser Tipp an dieser Stelle: Wenn ein geeignetes Heilkraut zur Verfügung steht, sollte unbedingt geprüft werden, unter welchen Bedingungen die Zubereitung erfolgen soll. Steht nur die Dosis für Erwachsene zur Verfügung, so wird in den meisten Fällen folgendes Schema verwendet:

  • Kinder vom vollendeten ersten bis zum zweiten Lebensjahr, erhalten ¼ der Dosis eines Erwachsenen
  • Kinder vom vollendeten zweiten bis zum sechsten Lebensjahr, erhalten 1/3 der Dosis und
  • Kinder vom vollendeten sechsten bis zum 12. Lebensjahr erhalten die Hälfte der Erwachsenendosis.

Auch bei aromatherapeutischen Ansätzen ist Vorsicht angebracht. Die hierfür meist verwendeten puren ätherischen Öle sind reizend und dürfen niemals pur angewendet werden. Sie gehören auch außerhalb der Reichweite des Kindes aufbewahrt werden.

Anwendungsgebiete von Heilkräutern bei Kindern

Heilkräuter für Kinder bei Erkrankungen des Mund- und Rachenraums

Mundfäule und Mundschleimhautentzündung

Die Mundfäule (Stomatitis aphthosa oder Stomatitis herpetica) tritt meist bei Kleinkindern zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr auf. Die Krankheit, die sich hohes Fieber, meist schmerzloser Zahnfleischschwellung sowie durch Entzündungen der Mundhöhleninnenseiten bemerkbar macht, wird durch den Herpes simplex (Typ 1) Virus verursacht. Ursache sind meist ein geschwächtes Immunsystem und bzw. oder erhöhte psychische Belastungen wie Stress.

Nach Abklärung durch den Arzt wird dem Kind meist Paracetamol verabreicht. Heilkräuter wie Ackerschachtelhalm, Eibisch, Echte Kamille, Salbei oder Süßholz können jedoch unterstützend verwendet werden, um Beschwerden zu lindern und die Heilung zu beschleunigen. Mit Kamille und Salbei kann z.B. ein Tee hergestellt werden, welche das Kind als Mundspülung nutzen kann. Ein Kaltwasserauszug aus der entzündungshemmenden Eibischwurzel kann genutzt werden, um die Mundschleimhaut einzupinseln. Helfen können auch Fertigpräparate aus Kamille (z.B. Kamillan).

Rachenentzündung und Seitenstrang-Angina

Eine recht häufige Erkrankung, die viele Kinder im Zuge ihrer Entwicklung wenigstens einmal bekommen, zählt die Rachenentzündung (Pharyngitis). Die Erkrankung macht sich meistens durch mittelstarke bis starke Halsschmerzen und trockene Schleimhäute bemerkbar. Treten dazu noch Ohrenschmerzen und Kopfschmerzen auf, ist eine Seitenstrang-Angina wahrscheinlich. Verantwortlich für die Krankheit sind meistens Viren, mitunter jedoch auch Bakterien.

In den meisten Fällen werden Antibiotika verabreicht, die jedoch mitunter nur auf Verdacht verabreicht werden. Bei virenbedingte Rachentzündungen helfen Antibiotika nicht, in den meisten Fällen heilen diese auch vollkommen selbständig aus. Auf Schonung und viel Trinken sollte in jedem Fall geachtet werden. Heilkräuter wie Salbei, Melisse, Ehrenpreis und Kamille können auch hier den Heilungsprozess sowie einige Beschwerden lindern. Häufig werden hier beispielsweise Kräutertees, z.B. Mischungen aus Salbei und Melisse, empfohlen, die nicht mehr als dreimal täglich getrunken werden sollten. Melisse und Kamille können zudem hilfreich bei vor allem virusbedingten Erkrankungen sein.

Heilkräuter zur Behandlung von Atemwegerkrankungen bei Kindern

Grippale Infekte

Auch grippale Infekte, im Allgemeinen auch einfach als Erkältung bezeichnet, dürften wohl zu den häufigsten Erkrankungen bei Kindern zählen, die über das Jahr gesehen mehrmals auftreten können. Grippale Infekte werden durch Viren verursacht, wobei mehr als 200 verschiedene Virenarten Auslöser sein können. Häufig sind so genannte Rhinoviren an der Erkrankung beteiligt. Eine Erkältung macht sich meist durch Halskratzen, Halsschmerzen, Schnupfen, Niesen, Abgeschlagenheit, Husten sowie mitunter Fieber bemerkbar.

So leidig Erkältungen für Kinder auch sein mögen, so wichtig sind sie auch für den Aufbau des Immunsystems. Helfen können u.a. spezielle Erkältungsbäder, denen ätherische Öle oder Kräuteraufgüsse zugesetzt wurden. Gut geeignet sind ätherische Öle aus Pfefferminze, Thymian und Eucalyptus. Für das Kind können die verdampften ätherischen Öle, die über die Atmung sowie über die Haut aufgenommen werden, wohltuend und lindernd zugleich sein. Im Handel gibt es viele brauchbare Fertigbadmischungen. Möglich ist jedoch auch, ein Aufguss (Zubereitung wie Tee, etwa 10 Minuten ziehen lassen) aus Pfefferminze und Thymian selbst zuzubereiten. Hier genügt ein Aufguss von einem Liter pro Badewanne, als Badezusatz für das Wannenbad.

Unterstützt werden kann die Behandlung der Erkältung auch durch die Gabe von Kräutertees, die beispielsweise vor allem bei Husten und leichtem Fieber empfohlen wird. Geeignete Kräuter sind hier Spitzwegerich, Salbei, Mädesüß und Fenchel (Samen). Wird Mädesüß verwendet, sollte dem Kind jedoch nicht mehr als eine Tasse pro Tag gegeben werden.

Bronchitis

Bei der akuten Bronchitis handelt es sich um eine Erkrankung der oberen verzweigten Atemwege, die sich durch schleimigen Husten, markante Atemgeräusche wie Rasseln (sog. Stridor), zähem und dünnem Auswurf sowie Fieber bemerkbar macht. Die Krankheit kann durch Viren oder Bakterien ausgelöst werden. Das Risiko der Erkrankung einer Bronchitis beim Kind ist verhältnismäßig hoch.

Insofern die Bronchitis durch eine bakterielle Infektion hervorgegangen ist, werden häufig Antibiotika verordnet. Eine normal verlaufende Bronchitis heilt in der Regel nach etwa 7 bis 10 Tagen selbständig aus. Unterstützend können hustenlösende Heilkräuter wie z.B. Spitzwegerich, Eibisch, Salbei, Lungenkraut oder Huflattich sein. Diese Pflanzen enthalten u.a. so genannte Saponine, die eine Art Schutzfilm bilden und festsitzenden Schleim lösen können. Kräutertees, z.B. Spitzwegerichtee, können unterstützend gegeben werden. Beliebt und unterstützend helfen auch Kräutersäfte (z.B. Spitzwegerichsaft, Huflattichsaft) Grundsätzlich sollte über den Tag verteilt sehr viel getrunken werden, um die Schleimhäute feucht zu halten.

Auf den meist beliebten Pfefferminztee sollte bei Kindern bis zum abgeschlossenen zweiten Lebensjahr verzichtet werden, da die enthaltenden Stoffe Menthol und Campher zu Atemkrämpfen führen können! Wer Huflattich verwenden möchte, sollte nur fertige Produkte kaufen, da Huflattichkräuter unbekannter Herkunft so genannte Pyrrolizidinalkaloide enthalten können. Das für Erkrankungen der Atemwege häufig empfohlene Kraut Umckaloabo kann durchaus hilfreich sein, sollte bei Kindern unter 6 Jahren jedoch nicht verwendet werden.

Heilkräuter zur Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen bei Kindern

Durchfall

Durchfälle können viele Ursachen haben. Hierzu zählt die Unverträglichkeit von Speisen, Infektionen aber auch psychische Ursachen. Der Stuhl ist in solchen Fällen sehr weich bis flüssig und riecht meist unangenehm. Säuglinge und Kleinkinder sind hiervon sehr häufig betroffen.

Wichtig ist in solchen Fällen, dass der Flüssigkeitsverlust schnell wieder ausgeglichen wird, da sonst die Gefahr des Austrocknens besteht. Kleinkinder, die bereits eine normale Kost erhalten, können mit verdünnten Kräutertees aus Fenchel, Anis oder Kamille, die am besten mit Zucker und einer Prise Salz verabreicht werden, den Elektrolytmangel wieder ausgleichen. Dazu sollten Zwieback, Früchtebreis aus Apfel und Banane oder Salzstangen gegeben werden.

Bauchkrämpfe und Blähungen

Blähungen und Bauchkrämpfe treten bei Kindern recht häufig auf. Ursache sind meistens die Anpassung an neue Nahrungsmittel, Nahrungsmittelunverträglichkeiten aber auch Magen-Darm-Infekte. Bauchkrämpfe, die länger als einen Tag dauern oder von Apathie begleitet sind, sollten immer von einem Arzt abgeklärt werden. Art und Umfang der Bauchschmerzen können zunächst mit einigen einfachen Mittel abgeschätzt werden.

Verstecken sich hinter den Bauchschmerzen keine ernsthaften Erkrankungen können die klassischen Bauchtees bestehend aus Fenchel, Kümmel und Anis schnelle Linderung verschaffen. Bei Kleinkindern (unter 2 Jahren) sollten die Tees immer im Verhältnis 1:1 verdünnt werden. Kleinkinder sollten mehrmals kleinere Tassen (ca. 50 ml) trinken. Bei größeren Kindern (ab 3 Jahre) können drei bis vier Tassen (250 ml) täglich gegeben werden. Wohltuend und unterstützend sind zudem Bauchmassagen sowie warme Bauchkompressen. Helfen kann auch die Küchenschelle, die homöopathisch in Form von Globulis verabreicht wird.




Heilkräuter für Kinder bei psychologischen Erkrankungen

Einschlafstörungen

Ein gesunder Schlafzyklus von etwa 10 Stunden pro Tag ist für Kinder wichtig. Die Ursachen, weswegen Kinder schlecht einschlafen oder durchschlafen, können sehr verschieden sein. Möglich sind mangelnde Bewegung, Wirbelsäulenprobleme, Ängste, Stress, Depressionen oder einfach die Verarbeitung von Neuerlerntem bzw. neuen Erfahrungen in der Nacht.

Grundsätzlich sollte für eine gute Schlafumgebung und –umwelt geachtet werden. Hilfreich sein können feste Schlafzeiten, Aufmerksamkeit in Form von Geschichten, eine bestimmte Schlafmusik, Dunkelheit und so wenig Umgebungslärm wie möglich. Sollte sich auch das als unwirksam erweisen, können Kräuter wie Lavendel, Melisse oder Baldrian helfen. Eine bekannte Anwendung ist beispielsweise das Lavendelkissen, welches auf den Bauch oder ins Bett gelegt werden kann. Auch Baldriantropfen können in bestimmten Fällen helfen, sollten jedoch immer zunächst mit einem Arzt besprochen werden.

Nervöse Unruhezustände

Kinder können wegen vieler Umstände auch nervös bzw. unruhig sein. Ursachen können Ängste, Verluste oder Anspannungen sein. Beschwerden solcher Art, die über lange Zeit andauernd, sollten dringend ärztlich geklärt werden.

Bei kurzfristigen Unruhezustände können Kräutertees unterstützen. Hier eignen sich vor allem Melisse, das Kraut der Passionsblume sowie Baldrian. Einige Hersteller bieten hierfür fertige Mischungen an, die mitunter noch Hopfen und Fenchel enthalten. Der Tee (ca. 200 ml) sollte über den Tag verteilt dreimal getrunken werden. Hilfreich können auch Tinkturen aus Baldrian und Johanniskraut sowie Lavendel- und Hopfenkissen sein.


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