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Scharbockskraut

Scharbockskraut (Ficaria verna) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Foto vom ScharbockskrautDas Scharbockskraut (Ficaria verna) ist einer der ersten Frühblüher im ausklingenden Winter und erfreut sowohl Insekten als auch Wildkräuterliebhaber mit seinen imposanten gelben Blüten. Aufgrund seines reichen Vitamin-C-Gehalts galt das Scharbockskraut im Mittelalter bis hin zur frühen Neuzeit als eines der wichtigsten Heilpflanzen gegen die gefürchtete Skorbut. Als Wildkraut kommt es heute noch gelegentlich auf den Teller. Als Heilkraut hingegen wird das Hahnenfußgewächs kaum noch verwendet.

Pflanzenmerkmale und Systematik des Scharbockskrauts

Vorkommen und Herkunft des Scharbockskrauts

Das Scharbockskraut stammt ursprünglich aus Mitteleuropa. Die Pflanze gilt als invasiv und kann sich verhältnismäßig einfach an vielen Klimaten anpassen. Sie kommt daher heute auch in Nordeuropa bis ins nördliche Afrika sowie auf dem amerikanischen Kontinent vor. Auch im Hochgebirge kann das Scharbockskraut gefunden werden, wobei sie je nach Region und Gebirgslage häufig in Höhen bis 1600 und 2000 Metern vorkommt.

Als typischer Frühblüher erscheint das Scharbockskraut meist an Wegrändern von Laubwäldern, in der Nähe von Seen und Teichen sowie an Wiesen und Parkrändern.

Systematik des Scharbockskrauts

Das auch als Feigwurz bekannte Scharbockskraut (Ficaria verna) gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Das bekannte Wildkraut ist u.a. verwandt mit der Küchenschelle oder dem kriechenden Hahnenfuß. Die Gattung der Scharbockskräuter (Ficaria) ist in der botanischen Wissenschaft noch relativ jung und beinhaltet derzeit vier bekannte Arten.

Es sind heute fünf verschiedene Unterarten (Varietäten) des Scharbockskrauts bekannt, die sich in verschiedene geographische Regionen sowie ihrer Chromosomenzahl unterscheiden lassen. Hierzu gehören:

  • echtes Scharbockskraut (Ficaria verna ssp. verna)
  • fruchtbares Scharbockskraut (Ficaria verna ssp. fertilis)
  • tagetesblättriges Scharbockskraut (Ficaria verna ssp. calthifolia)
  • Goldfuß-Scharbockskraut (Ficaria verna ssp. chrysocephala)
  • formenreiches Scharbockskraut (Ficaria verna ssp. ficariiformis)

Die auch heute noch geläufige botanische Bezeichnung Ranunculus ficaria gilt inzwischen als veraltet, da das Scharbockskraut nicht mehr zur Gattung Hahnenfuß (Ranunculus) gerechnet wird.

Merkmale des Scharbockskraut

Das Scharbockskraut ist ein typisch krautiger und mehrjähriger Bodenkriecher. In der Regel erreicht die Pflanze Wuchshöhen bis zu 30 cm. Im Boden bildet Ficaria verna kleine keulenartige Wurzelknollen (Bulbillen) aus, die als Speicherorgane für Stärke dienen. Die Wurzeln, die außerdem kleine beigefarbene Wurzelhaare besitzen, liegen flach kurz unter der Bodenoberfläche an.

Die Blätter des Scharbockskraut haben sind leicht herzförmig und meist dunkelgrün gefärbt. Der Blattrand ist schwach gesägt oder zumindest gekerbt. Jedes Blatt verfügt über einen ist mit einem langen Stiel mit dem Hauptsproß verbunden. Die Blattoberfläche ist unbehaart, glänzend und zeigt eine zellförmige Blattnervatur auf.

Blätter vom Scharbockskraut
Die meist herzförmigen Blätter des Scharbockskrauts (Ficaria verna) mit ihrer charakteristischen Blattstruktur

Als typischer Frühblüher bildet das Scharbockskraut seine auffallend, leuchtend gelben Blüten bereits im März aus und blüht meist bis weit in den Mai hinein. Jede Blüte enthält meist acht Kronblätter, selten bis zu elf. Im Zentrum der Blüte finden sich zudem zahlreiche Staubblätter, die ebenfalls gelb gefärbt sind und reichlich Pollen enthalten. Für viele Insekten wie Bienen stellt das Scharbockskraut im Frühling eine der ersten Nahrungsquellen dar.

Blüte vom Scharbockskraut
Die auffallend gelben und fünf-zähligen Blüten des Scharbockskrauts (Ficara verna) blühen bereits im Vorfrühling

Zur Fruchtreife bilden Scharbockskräuter kleine grüne Nüsschen aus. Jede Pflanze enthält in der Regel bis zu 6 Nussfrüchte.

Scharbockskraut - Anbau und Pflege

In einigen Gärten wird das Scharbockskraut als Frühjahrskraut, meist zusammen mit anderen Pflanzen wie dem Leberblümchen oder der Schlüsselblume angebaut. So erfreuen sich viele Gärtner an den farbenfrohen und leuchten Blumen kurz nach der Winterzeit. Der Anbau des bodenkriechenden Krauts ist recht einfach. Werden die Standortvorlieben des Feigwurzes beachtet, benötigt die Pflanze kaum Pflege. Beachtet werden muss jedoch, dass das Scharbockskraut sich freudig vermehrt.

Standort: Scharbockskräuter sind äußerst anpassungsfreudig. Sie tolerieren sowohl sonnige als auch halbschattige und schattige Standorte. Bevorzugt werden jedoch Lagen, die wenigsten vier bis sechs Stunden täglich mit der Sonne in Kontakt kommen. Der Boden sollte nährstoffreich, immer etwas feucht (nicht nass!) und humos sein. Sandige Böden sind eher nicht geeignet, da diese Bodenarten Wasser und Nährstoffe nur schlecht halten können. Soll die Pflanze in einem Kübel oder einem Pflanzgefäß wachsen, empfiehlt sich handelsübliche Blumererde. Typische Kräutererden sind in der Regel ungeeignet bzw. müssen noch mit Nährstoffen optimiert werden.

Aussaat und Kultivierung: Die Samen des Scharbockskraut können bereits im Oktober ausgesät werden. Die Pflanze ist Kaltkeimer und benötigt Frost um austreiben zu können. Es wird empfohlen, das Kraut direkt im Freiland auszusäen. Bei der Aussaat sollte ein Pflanzabstand von etwa 20 cm je Pflanze gehalten werden. Die Kultivierung mit Frischpflanzen ist deutlich einfacher.

Gießen: Der Wasserbedarf des Scharbockskraut ist leicht erhöht. An warmen Apriltagen kann es notwendig sein, etwas öfter zu gießen. Der Boden sollte stets leicht feucht, nicht aber nass sein. Staunässe verträgt Ficaria verna nicht. An normalen März- und Apriltagen ist meist keine besondere Bewässerung notwendig.

Düngen: Bei eher nährstoffarmen Boden kann ab Oktober Kompost oder ein guter organischer Dünger (z.B. Rinderdungpellets, organische Flüssigdünger) mit ausgewogenem N-P-K Verhältnis in die Erde gemischt werden. Es genügen nur wenige Düngegaben. Sind die Böden bereits nährstoffreich, ist eine zusätzliche Düngung in der Regel nicht erforderlich.

Pflege: Besondere Pflege benötigt das Kraut nicht. Scharbockskräuter blühen bis etwa Mai und verlieren im Anschluss vollständig die Blätter. Die Pflanze überdauert dann in Form der Knolle im Boden. Bei längerer Kulturdauer ist mitunter eine Bestandskürzung angeraten, da sich das Scharbockskraut schnell durch vegetative Ausläufer vermehrt.

Überwinterung: Das Scharbockskraut ist an unser Klima angepasst und an kalte Klimate gewohnt. Es sind keine Maßnahmen zur Überwinterung notwendig.

Verwendung von Scharbockskraut

Scharbockskraut als Küchenkraut

Das Scharbockskraut ist eines der bekanntesten Wildkräuter des Frühlings. Im Mittelalter waren die Blätter der Pflanze als Rohkost eine willkommene und vitale Abwechslung von der meist eintönigen Winterspeisekarte. Heute wird die Pflanze vor allem von Wildkräuterliebhabern und einigen Salatliebhabern gern gegessen.

Die Blätter des Scharbockskrauts schmecken angenehm pfeffrig, leicht säuerlich und dezent bitter. Die jungen Blätter im Vorfrühjahr gelten als die Schmackhaftesten. Scharbockskrautblätter können in Wildkräutersalaten, Kräuterquarks, Kräuterbutter oder als Topping für Gemüsebrotaufstriche verwendet werden.

Wer viel von dem Kraut isst, sollte bedenken, dass vor allem die älteren Blätter etwas Protoanemonin enthalten. Dieser Stoff kann zu Magen- und Darmreizungen und bei höherer Dosierung auch zu Vergiftungserscheinungen führen. Bei normaler Verzehrmenge sind jedoch keine unangenehmen Wirkungen zu erwarten. Jüngere Blätter enthalten grundsätzlich nur sehr geringe Mengen des Stoffs, so dass diese bevorzugt gesammelt werden sollten.

Das Trocknen des Krauts bringt keine geschmacklichen Vorteile mit sich. Allerdings wird das Protoanemonin durch die Trocknung unschädlich gemacht.

Scharbockskraut als Heilkraut

In der heutigen Naturheilkunde hat das Scharbockskraut kaum noch Bedeutung. Früher wurden die Blätter des Krauts gegen die Vitamin-C- Mangelkrankheit Skorbut verwendet. Diese Nutzung lässt sich heute noch aus dem Namen der Pflanze ableiten: Der altdeutsche Name Scharbock bedeutet übersetzt kurz und knapp Skorbut. Die Pflanze galt vor allem im ausklingenden Winter sowie im frühen Frühjahr als Hauptpflanze bei Schiffs- und Versorgungsreisen sowie bei vielen ärmeren Menschen. Die Pflanze kam flächendeckend reichlich vor und ließ sich leicht ernten. Sie stellte die Versorgung mit Vitamin C direkt nach den kalten Wintertagen sicher. Aufgrund des nicht zu vernachlässigenden Gehalts an Protoanemonin sind jedoch häufig Magen- und Darmbeschwerden aufgetreten.

Scharbockskräuter enthalten einige Inhaltsstoffe, die durchaus eine positive Wirkung auf den menschlichen Organismus ausüben können. Unter anderem enthalten sowohl die Blüten und die Blätter des Krauts einige bekannte Flavonoide wie Kaempferol, Quercetin, Apigenin und Luteolin. Diese Stoffe sind u.a. für die belebenden und entzündungshemmenden Wirkungen von Ficaria verna verantwortlich. Außerdem enthält die Pflanze weitere Stoffe, u.a. Saponine wie die Oleanolsäure, die über leberschützende, antivirale und teils tumorhemmende Eigenschaften verfügt.

Gelegentlich wird das Scharbockskraut in der Volksmedizin heute noch für folgende Beschwerden und Krankheiten verwendet:

  • Feigwarzen
  • Frühjahrsmüdigkeit
  • Hämorrhoiden
  • Katarakt (möglicherweise)
  • Vitamin C - Mangel

Neben den teils förderlichen Eigenschaften besitzen vor allem ältere Blätter sowie die Wurzeln zum Teil nennenswerte Anteile an Protoanemonin. Geringe Mengen sind für den Körper nicht schädlich. In höheren Anteilen kann Protoanemonin jedoch zu Übelkeit, Erbrechen und sogar zu Hepatitis führen. Der Stoff ist ausschließlich in frischen Pflanzenteilen zu finden. Beim Trocknen wird das Protoanemonin in das nicht giftige Anemonin umgewandelt.

In der Volksheilkunde werden gelegentlich noch Sitzbäder und Umschläge bei Hämorrhoiden empfohlen. Hierzu wird das getrocknete Kraut zunächst für etwa 10 Minuten gekocht und anschließend abgekühlt. Mit einem Umschlag wird der Sud aufgesaugt und auf die betroffene Stelle gelegt. Die Anwendung wird jeweils morgens und abends für bis zu zwei Wochen wiederholt. Allerdings sind die Erfolgsaussichten als eher gering zu betrachten. Heilkräuter wie die Echte Kamille, Lavendel oder die Schafgarbe sind in jedem Fall zu bevorzugen.

Eine Besonderheit ist eine Apigeninverbindung, die eine hemmende Wirkung auf das Enzym Aldoseredukate ausübt und zur Gruppe der Flavosativaside gezählt wird. Diese Flavosativaside können womöglich die Aktivität des Enzyms hemmen, wodurch häufige Diabeteserscheinungen wie der Katarakt gelindert werden könnten.

Nebenwirkungen: Bei Verwendung des frischen Krauts können bei höherer Dosierung Vergiftungserscheinungen durch das enthaltende Protoanemonin auftreten. In der Schwangerschaft und Stillzeit sollte auf die innere Einnahme des Krauts verzichtet werden. Ebenso sollten Kleinkinder kein frisches Scharbockskraut zu sich nehmen.

Literaturhinweise und weitere Quellen

  • [1] Tomczyk, M. et al. (2002): Flavonoids from Ficaria verna Huds. In: Zeitschrift für Naturforschung, Vol. 57, S. 440-444.
  • [2] Hadaruga, N.G. (2012): Ficaria verna Huds. extracts and their beta-cyclodextrin supramolecular systems. In: Chemistry Central Journal, Vol. 6, S. 1-10.
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