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Pyrrolizidinalkaloide in Kräutertees

In einer nicht-repräsentativen Studie des Bundesamts für Risikoforschung wurde vor dem übermäßigen Genuss an Kräutertees gewarnt. Viele Medienvertreter haben jedoch panikartig vor dem grundsätzlichem Genuss von Kräutertees gewarnt, was durchaus skeptisch zu betrachten ist. Wir möchten an dieser Stelle einige Punkte zu Pyrrolizidinalkaloiden erwähnen und leidenschaftlichen Teetrinkern zum großen Teil Entwarnung geben.

Was sind Pyrrolizidinalkaloide und wie giftig sind sie?

Pyrrolizidinalkaloide sind eine chemische Gruppe, die mehr als 250 einzelne chemische Verbindungen umfassen. Viele dieser Stoffe können für den Menschen in höheren Dosen gefährlich werden, da sie dann mutagen (also erbgutverändernd) oder kanzerogen (krebserregend) sein können. Problematisch ist dabei nicht der Stoff an sich, sondern das Abbauprodukt (so genannte Pyrrole), welches in der Leber erzeugt wird. Pflanzen produzieren solche Stoffe in der Regel als Giftstoff gegen Krankheitserreger.

Es ist durchaus richtig, dass einige bekannte Heilkräuter wie der Beinwell sowie einige Borretschgewächse, aber auch andere häufig in der Natur vorkommende Pflanzen, wie Zypressen-Wolfsmilch oder Greiskräuter höhere Mengen an diesen Alkaloiden enthalten.

Wieviel Pyrrolizidinalkaloide sind verträglich

Die maximal empfohlene Tagesdosis soll laut der EU-Lebensmittelbehörde bei 0,007 µg je Körpergewicht liegen. Ein durchschnittlich Erwachsener mit 60 kg sollte also nicht mehr 0,42 µg der Pyrrolizidinalkaloide zu sich nehmen. Zur letalen Dosis, also zu jener Dosis bei der bei Aufnahme eines Stoffes der Tod eintritt, gibt es nur ungenügende Angaben. Geschätzte Angaben überliefern, dass für einen 2-Monate alten Jungen Dosen von bis zu 4 mg/kg Körpergewicht zum Tod geführt haben (Studie BfR).

Gemäß dem Bundesanzeiger Nr. 111, S. 4805 bestehen folgende Grenzwerte:

  • 1 µg täglich (innere Anwendung)
  • 10 µg täglich (Huflattichblätter als Teeaufguss)


Darüber hinaus wird empfohlen, pyrrolizidinalkaloidreiche Arzeimittel nicht länger als 4 bis 6 Wochen einzunehmen, da sonst tatsächlich Leber- und Lungenschäden auftreten können und das Risiko an Krebs zu erkranken steigt.

Wieviel Pyrrolizidinalkaloide sind in Pflanzen enthalten?

Grundsätzlich enthalten etwa mehr als 300 Pflanzenarten diese Alkaloidform. Die Gattung Greiskräuter enthält mit durchschnittlich 0,3 % außerordentlich viel dieser Substanzen. Eine bekannte Heilpflanze, die etwa 0,02 % Pyrrolizidinalkaloide enthält, ist der Huflattich. Ebenso sind Raublattgewächse wie Borretsch oder der Natternkopf enthalten höhere Mengen an diesen Stoffen.

Kann ich jetzt noch bedenkenlos Kräutertees trinken?

Die meisten im Handel erhältlichen Kräuter enthalten von Natur aus wenig bis gar keine Pyrrolizidinalkaloide, darunter zählen z.B. Pfefferminze, Salbei, Melisse, Fenchel, Kümmel, Anis, grüner Tee, weißer Tee sowie eine Reihe an Arzneitees, die z.B. Odermennig, Mädesüß, Johanniskraut oder Wermut. Kräuter, die siginfikante Mengen an Pyrrolizidinalkaloiden enthalten sind z.B. Huflattich, Pestwurz. Jedoch sollte der Vollständigkeit halber erwähnt werden, dass die größten Mengen an Alkaloiden beim Huflattich in der Blüte verteilt sind und geringfügig weniger in den arzneilich verwendeten Blättern.

Die meisten Kräutertees sollten generell nicht in großen Mengen und über einen längeren Zeitraum getrunken werden, da die Kräuter auch arzneilich wichtige Bestandteile haben, die überdosiert werden können. Wer aus Erfrischungs- oder Genussgründen drei oder vier Tassen täglich trinken möchte, kann dies bedenkenlos weiter tun, nur sollten die Kräutersorten auch immer wieder durchgewechselt werden. Vieltrinker, die 1,5 oder 2 Liter täglich trinken, sollten grundsätzlich ihre Menge reduzieren und ein Großteil davon durch Mineralwasser oder Säfte ersetzen.

Bei dem Genuss oder der Verwendung von Kräutertees sollte immer die Aussage des alten Arztes und Philosophen Paracelsus bedacht werden. Dieser sagte wörtlich: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, dass ein Ding kein Gift sei.“; oder kurz: „Die Dosis macht das Gift“.

Die Bewertung der Studie und Darstellung in der Öffentlichkeit

Es ist durchaus richtig, dass die Allgemeinheit auf die Existenz und den Gehalt von Pyrrolizidinalkaloiden in Kräutertees hingewiesen wird. Grundsätzlich ist jedoch anzumerken, dass Kräutertees allgemein nicht in größeren Mengen getrunken werden sollen, da nicht nur die Alkaloide Probleme darstellen können, sondern auch eine Reihe anderer Substanzen, die z.B. in ätherischen Ölen enthalten sind (z.B. Thujon). Für einen gesunden Erwachsenen sind kaum gesundheitliche Konsequenzen bei der Einnahme von drei oder vier Tassen täglich zu erwarten.

Richtig ist der Hinweis, dass Babys, Säuglinge, stillende Mütter und Schwangere vorsichtig mit der Gabe von Kräutertees (siehe Heilkräuter in der Kinderheilkunde) sein sollen. Auch hier ist jedoch darauf hinzuweisen, dass dies nicht nur den Pyrrolizidinalkaloiden geschuldet ist, sondern auch im Hinblick mit anderen sekundären Pflanzenstoffen betrachtet werden muss. Schwangere sollten z.B. auch aufgrund anderer Wirkungen (z.B. wehenauslösend, entkrampfend) bestimmter Kräuter, mit einigen Tees nur sparsam umgehen bzw. diese gänzlich meiden.

Es wäre viel geholfen, wenn die Veröffentlichung solcher Studien in den Medien nicht unter dem Aspekt von Panik erfolgen würde, sondern unter dem Aspekt der Aufklärung. Es macht vielmehr Sinn den Menschen klar zu machen, dass Kräutertees zwar gesund sind, in hohen Dosen und Mengen jedoch auch schädlich sein können. Ebenso gut lassen sich Risikostudien synthetischer Arzneimittel veröffentlichen, die durch ihre Nebenwirkungen bereits in kleinen Mengen erhebliche Schäden anrichten können.

Es bleibt abzuwarten, ob durch diese Studie tatsächlich ein gesundheitlicher Nutzen für den Verbraucher zu erwarten ist, oder, ob im Zuge von gesetzlicher Regulierungswut wieder Schranken gesetzt werden sollen. Dies hätte auf die Preisgestaltung für den Verbraucher Nachteile und sicherlich für viele Labors, wissenschaftliche Einrichtungen und Bundeseinrichtungen Vorteile. Auch wäre es sinnvoll zu hinterfragen, ob die Alkaloide erst neuerdings in Kräutern auftreten, die eigentlich von Natur aus nur sehr geringe bis keine Gehalte aufweisen, oder, ob sie andersweitig durch bestimmte Umweltfaktoren eingetragen wurden.

Kritisch zu hinterfragen sind auch Aussagen wie jene von Dr. Helmut Wiedenfeld von der Uni Bonn: „Bei Lebensmitteln sind Grenzwerte völlig unsinnig, da muss eine Nulltoleranz gelten.“ Diese Aussage relativiert den Sachverhalt, dass wir in einer industrialisierten Welt leben, die von vornherein eine große Menge toxischer Substanzen enthält. Dies beginnt bei organischen Schadstoffen im Boden, die von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen bis zu Organophosphaten reichen und in einigen Pflanzenorganen (Blätter, Früchte, Wurzel) angereichert werden. Diese können über verschiedene Wirkungspfade auch von Tier und Mensch aufgenommen werden. Weiterhin enthalten die meisten Lebensmittel von Natur aus Substanzen, die in hohen Mengen für den Menschen gefährlich werden können. Sollten wir Salbei verbieten, weil dieser Thujon enthält und in hohen Dosen Nerven schädigen kann? Sollten wir eine Vielzahl von Medikamenten verbieten, weil sie zum Teil hohe Nebenwirkungen für den Menschen und auch für die Umwelt (Ausscheidungen, Trinkwasser) haben?

Diese Aussage soll nicht relativieren, dass wir uns grundsätzlich mit schadstoff- und giftbelasteten Lebensmitteln abfinden sollen. Sicherlich müssen wir versuchen unseren Ökosystemen und Lebensmitteln so wenig Schadstoffe und Giftstoffe wie nur möglich zuzumuten. Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass ein gesunder Mensch durchaus imstande ist, eine gewisse Toleranz zu Gift- und Schadstofffen zu entwickeln und das Grenzwerte von daher sehr wohl einen Sinn haben.

Nichtsdestotrotz ist es dennoch wichtig, dass auf die Existenz solcher Stoffe und auf mögliche Gefahren und Risiken hingewiesen wird. Auch haben Lebensmittelkontrollen ihre Existenzberechtigung, da wir so tatsächlich eine bleibend hohe Qualität von Lebensmittel sicherstellen können.


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