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Heilkräuter gegen Stress und Nervosität

Stress und Nervosität sind in unseren Zeiten ständige Begleiter. Unser Gehirn muss einerseits viele Dinge gleichzeitig verarbeiten. Auf der anderen Seite achten viele Menschen nicht darauf, ihrem Organismus die notwendige Ruhe zu verschaffen. Die Folge sind Reizbarkeit, schlechte Laune, depressive Verstimmungen, Einschlafstörungen und Überforderung. Die Natur hält einige interessante Heilkräuter bereit, die dabei helfen, die Beschwerden bei Stress und Nervosität zu lindern.

Die Ursachen für Stress und Nervosität

Bevor wir uns mit so wichtigen Heilpflanzen wie Baldrian, Johanniskraut, Helmkraut, Melisse oder Passionsblume beschäftigen, ist es nicht ganz unwichtig, sich mit den Gründen für Stress und Nervosität auseinanderzusetzen. Oftmals wird nämlich nur versucht, die Symptome für Stress zu mindern ohne auf die eigentlichen Ursachen zu achten. Auch wenn es nicht immer funktioniert, sollte darauf geachtet werden, dem Körper immer ausreichende Ruhephasen zur Verfügung zu stellen. Viele Kräuter können vor allem dabei helfen, den Körper eine Pause zu verschaffen, wenn der Körper nicht von selbst abschalten will.

Stress und Erholung

Auch wenn Heilkräuter helfen können, sollte immer mal wieder Zeit zur Entspannung gefunden werden (Quelle: Floydine / fotolia.com)

Stressauslösende Faktoren

In unseren modernen Zeiten gibt es zahlreiche innere und äußere Faktoren, die bei vielen Menschen zu Stresserscheinungen oder nervöser Unruhe führen. In vielen Fällen ist das Auftreten von Stresssymptomen ein schleichender Prozess, der selten von jetzt auf gleich kommt. Die folgenden Faktoren gehören zu den häufigsten Stressfaktoren:

  • Überanstrengung und Überarbeitung
  • seelische Belastungen (z.B. Tod, Beziehungsfrust, Mobbing)
  • soziale Belastungen (z.B. Geldsorgen, fehlender Job, Angst vor sozialem Abstieg)
  • Lärm (z.B. Verkehrslärm, laute Nachbarn, Baulärm)
  • ständige Erreichbarkeit
  • häufiger Konfliktsituationen
  • körperliche Belastungen (z.B. Bewegungsmangel, Behinderungen, chronische Krankheiten)

Mangelnde Erholung, unzureichender Schlaf oder das Aufschieben mittel- bis langfristiger Tätigkeiten, können die Nervosität und den damit einhergehenden Stress noch deutlich verschlimmern. Es gibt viele Fälle, wo ein Zusammenspiel mehrerer stressauslösender Faktoren überhaupt erst Symptome anzeigt.

Stressentstehung

Der hauptsächliche Ort der Stressentstehung ist das vegetative Nervensystem. Dieses wird unterteilt in den Sympathikus und den Parasympathikus. Sowohl der Sympathikus als auch der Parasympathikus sind an der Steuerung unserer Organsysteme beteiligt und wirken jeweils als Gegenspieler. Während der Sympathikus beispielsweise die Aktivität eines Organs erhöhen kann, kann der Parasympathikus die Aktivität wieder verringern.

Wird beispielsweise jemand angegriffen und ergreift die Flucht, so sendet der Sympathikus über zahlreiche Nervengänge so genannte Neurotransmitter (Botenstoffe) aus, die den Blutdruck, die Muskelaktivitäten und die Herztätigkeit erhöhen. Ist die Flucht gelungen und die Gefahr gebannt, so werden wiederum Neurotransmitter ausgesendet, die den Herzdruck und den Blutdruck senken und im Gegenzug die Tätigkeiten vorher vernachlässigter Organe (Magen, Darm, Augen) wieder erhöhen. Der Sympathikus erhöht also unsere Aufmerksamkeit, wohingegen der Parasympathikus uns wieder in den Ruhemodus zurückversetzt.

Wenn wir dauerhaft im Leistungsmodus sind, egal ob körperlich oder geistig, so befinden wir uns dauerhaft in einer Stressreaktion. Grund ist, dass der Sympathikus die gesamte Zeit überaktiv ist und mehr Botenstoffe aussendet. Werden keine Ruhe- und keine Erholungsphasen eingelegt, so kann wird der Parasympathikus nur begrenzt beansprucht. Bleiben längere Ruhe- und Erholungsphasen aus, nehmen wir dies als Stress wahr. Die Stresssymptome können sich dabei von Mensch zu Mensch unterschiedlich auswirken. Typische Stresssymptome sind:

  • allgemeine Erschöpfung
  • Müdigkeit
  • Einschlafstörungen
  • Gereiztheit
  • Konzentrationsstörungen
  • Aufgeregtheit
  • Sprachstörungen
  • Magen- und Darmstörungen
  • erhöhtes Schwitzen

Wichtiger Hinweis: Sollten Sie an ungesundem Stress leiden, können Heilkräuter durchaus bei der Minderung typischer Stresssymptome helfen. Grundsätzlich kann eine langfristige Linderung nur erreicht werden, wenn auch die aktuellen Lebensumstände gründlich analysiert werden und Sie mit den Stressfaktoren umgehen können oder notfalls beseitigen.

Wichtige Heilkräuter gegen Stress

Baldrian

Der Baldrian (Valeriana officinalis) gilt wohl als die wichtigste und bekannteste Heilpflanze gegen eine Vielzahl von Stresssymptomen und Nervosität. Die mehr als 150 Inhaltsstoffe der Pflanze wirken synergetisch, d.h. dass nicht nur ein gezielter Bereich behandelt werden kann, sondern mehrere auf einmal. Vor allem die enthaltenden Alkaloide und die ätherischen Öle haben eine angstlösende, schlaffördernde und entspannende Wirkung und zielt direkt auf das Zentralnervensystem. Verwendung findet ausschließlich die Wurzel der Pflanze. Neben Baldriantee greifen viele Menschen auch auf Tabletten oder Kapseln zurück.

Baldrian hilft vor allem bei stressbedingten Einschlafschwierigkeiten, hoher nervliche Belastung vor beispielsweise Abschlussprüfungen oder Vorstellungsgesprächen oder auch nervösen Unruhezuständen, die auf den Magen oder Darm schlagen.

Baldrian sollte immer nur bei akuten Problemfällen und niemals länger als vier Wochen hintereinander eingenommen werden.

Damiana

Die aus Zentral- und Südamerika stammende Heilpflanze Damiana gelangt bei uns immer öfter in den Fokus. Der bis zu zwei Meter hoch wachsende Halbstrauch wird in seinem Heimatland traditionell bei Stress, Übermüdung sowie Libidostörungen eingesetzt.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Pflanze ein breites Spektrum an unterschiedlichen Inhaltsstoffen aufweist. Vor allem das Flavonoid Apigenin und die Glycoside Arbutin und Gonzalitosin sind hier von Bedeutung. Apigenin wirkt vor allem angstlösend, entspannend und beruhigend. Dabei wirkt Apigenin als sogenannter Agonist direkt auf den so genannten Benzodiazepin-Rezeptor ein. Diese Rezeptoren haben eine direkt Wirkung auf das Zentralnervensystem, was die entpannende und angstlösenden Effekte im Groben erklärt.

Damiana wird heute vor allem als Tee und als Tinktur eingenommen. Für heilkundliche Anwendungen werden vor allem Tees empfohlen, wobei die Anwendung nicht länger als vier Wochen andauern sollte.

Hopfen

Neben Baldrian findet man auch den Hopfen in vielen Teemischungen oder Fertigpräparaten. Auch im Hopfen finden sich zahlreiche Wirkstoffe, die beruhigende und schlaffördernde Eigenschaften haben. Die Heilpflanze, die u.a. eines der Hauptzutaten für Bier ist, enthält eine Vielzahl ätherischer Öle sowie einige Bitterstoffe. Letztere sind vermutlich für die positiven Eigenschaften auf unser Gehirn verantwortlich.

Naturmedizinisch sind vor allem die Hopfenzapfen und die Drüsenhaare der Pflanze interessant. Sie werden vor allem als Tee, als Kräuterbad, als Kapseln oder vereinzelt auch als Pulver dargereicht. Das Hauptanwendungsgebiet sind auch hier Einschlafstörungen oder nervöse Unruhe. Doch auch bei leichteren Angststörungen und bei Überanstregungen kann Hopfen gut helfen.

Hopfen wirkt insgesamt etwas milder als Baldrian.

Jiaogulan

Die auch als Kraut der Unsterblichkeit bekannte asiatische Heilpflanze Jiaogulan, hat in den letzten Jahren viel mediales Echo erhalten. Es wird im asiatischen Raum vor allem als Antiagingmittel und zur Krebsprävention verwendet.

Vor allem die in den Blättern des Heilkrauts enthaltenden Polysaccharide sind pharmakologisch interessant. In einigen Laborversuchen bzw. Studien konnte herausgefunden, dass genau diese Stoffgruppe einen positiven Effekt vor allem auf körperliche Erschöpfungszustände haben können. Jiaogulan wird vor allem als Tee oder in Form von Dragees konsumiert.

Jiaogulan ist innerhalb der EU als Naturheilmittel nicht erhältlich, da die Pflanze als so genanntes Novel Food klassifiziert wurde. Nach der Novel Food Verordnung dürfen Lebensmittel aus anderen Kulturkreisen nicht ohne aufwändiges Zulassungsverfahren in den Verkehr gebracht werden. Viele kleinere Unternehmen haben daher Produkte wie Jiaogulantee aus dem Sortiment genommen, da die Zulassung hierfür lange dauern dürfte und zu hohe Kosten verursacht. Viele dieser Händler verkaufen Jiaogulan heute nur noch als Potpourri.

Johanniskraut

Das Johanniskraut ist eines der bekanntesten Wild- und Heilkräuter, die sich leicht an Wiesen- und Waldrändern finden lässt. Die Pflanze hat zahlreiche medizinisch wirksame Inhaltsstoffe. Allem voran sind die im Johanniskraut enthaltenden Flavonoide (v.a. Hypericin und Hyperflorin) im Stande die Konzentration bestimmter Botenstoffe zu regulieren. Konkret handelt es sich um die Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin und Serotonin. Der Stoff Hypericin schafft es beispielsweise, die Produktion von Noradrenalin zu hemmen, wodurch mehr Dopamin zur Verfügung steht, was eine entspannende und teils angstlösende Wirkung ausübt.

Johanniskraut gilt heute als sanftes alternatives Heilmittel bei geistiger Anspannung, Erschöpfungszuständen, leichten Depressionen, Schlafstörungen und allgemeinen nervösen Unruhezuständen. Durch die Einnahme von Johanniskrautpräparaten oder -tee können Stresssymptome wie Konzentrationsstörungen und allgemeine Verstimmungszustände gelindert werden. Grundsätzlich ist Johanniskraut kein akutes Heilmittel, sondern muss über mehrere Tage bis Wochen eingenommen werden, bevor sich ein Effekt einstellt.

Beim Konsum von Johanniskrautprodukten können durchaus Nebenwirkungen auftreten. Das Kraut kann bei einigen Menschen phototoxisch wirken. Vor allem blasse bzw. hellhäutige Menschen bekommen in der Sonne schneller und intensivere Sonnenbrandreaktionen, die unangenehm sein können. Menschen, die Medikamente wie Zytostatika oder Immunsuppressiva einnehmen, sollten die Einnahme zunächst mit dem behandelnden Arzt besprechen, da die Wirksamkeit der Medikamente durch Johanniskraut gemindert werden könnte.

Lavendel

Der Lavendel ist ein typisches mediterranes Kraut, der mittlerweile auch bei uns in vielen Gärten oder öffentlichen Anlagen gefunden werden kann. Dass das Kraut auch eine gute Heilpflanze gegen Stress und Angststörungen ist, dürfte sich bei vielen bereits herumgesprochen haben.

Lavendel gegen Stress

Lavendel kann auf vielen Wegen helfen, besser zu entspannen (Quelle: Grafvision / fotolia.com)

Verantwortlich sind vor allem die in den Blüten und Blättern der Pflanze enthaltenden ätherischen Öle. Allem voran der Stoff Linalool sowie dessen Ester Linalyacetat sind für die beruhigende, angstlösende und entspannende Wirkung zuständig. Aufgrund des Wirkstoffkomplexes den Lavendel bietet, wird das Heilkraut vor allem bei Einschlafstörungen, psychisch bedingten Magen- und Darmbeschwerden, Angststörungen, Gereiztheit und leichten Depressionen eingenommen.

Lavendel lässt sich auf unterschiedliche Weise anwenden. Getrocknete Lavendelblüten und -blätter können klassisch als Tee getrunken werden, wobei bei akuten Fällen zwischen zwei und drei Tassen pro Tag getrunken werden sollten. Stresssymptome und Angststörungen können auch im Zuge einer Aromatherapie mit Lavendelöl behandelt werden. Für Einschlafstörungen können klassische Lavendelkissen helfen, bei denen getrocknete Lavendelblüten in etwa handgroße kleine Kissen eingearbeitet werden.

Grundsätzlich sollte Lavendeltee nur bei kurzfristigen Stresssymptomen eingenommen werden, da langfristiger Konsum von Lavendel u.a. zu Magen- und Darmreizungen führen kann.

Melisse

Die Melisse (Zitronenmelisse) darf unter den Heilkräutern gegen Stress keinesfalls fehlen. Die Blätter des eher unscheinbare Lippenblütlers enthalten viele ätherische Öle sowie einige Saponine, die eine entspannende und beruhigende Wirkung haben.

Die häufigste Anwendungsart des wichtigen Heilkrauts ist der Melissentee. Doch auch als Zutat für Kräuterbäder oder in Form von Melissenöl bei der Aromatherapie lässt sich die Pflanze einsetzen. Melisse hilft besonders nach stressigen Tagen, bei stressbedingten Magen- und Darmproblemen, leichten Schlafstörungen und bei Konzentrationsstörungen.

Melisse wird häufig zusammen mit Baldrian und Passionsblume bei Schlafstörungen oder zur Förderung der Entspannung eingesetzt.

Passionsblume

Die Passionsblume, insbesondere die in den USA beheimatete Art Passiflora incarnata, erlangte in den letzten Jahren zunehmend Bekanntheit als Heilpflanze. In der amerikanischen Volksheilkunde werden Tees aus den Blättern der Pflanze vor allem bei nervöser Unruhe, Schlaflosigkeit und hysterischer Angst getrunken.

Passionsblume bei nervöser Unruhe

Passionsblume wird oft Teemischungen beigefügt, die gegen nervöser Unruhe und Stress helfen sollen (Quelle: LuckyRiga / fotolia.com)

Ob und inwiefern Passionsblume tatsächlich eine Wirkung hat, wird wissenschaftlich noch erforscht. Einige Wissenschaftler konnten bereits in Erfahrung bringen, dass die Pflanze zahlreiche Flavonoide, Phytosterine sowie einige Alkaloide enthält, die womöglich eine direkte Wirkung auf den GABA-Rezeptor ausübt. Unter GABA-Rezeptoren werden Eiweiße in unseren Nervenzellen zusammengefasst, die vor allem als Botenstoffe fungieren. Die Menge an GABA-Rezeptoren entscheidet u.a. darüber, ob in unserem Gehirn eine Erregung oder Dämpfung stattfindet. Vor allem Stresszustände sorgen dafür, dass das Gleichgewicht dieser Eiweiße gestört wird. Einige Stoffe der Passionsblume können womöglich daran ansetzen und direkt eine Wirkreaktion auf den GABA-Rezeptor hervorrufen.

Passionsblume wird daher v.a. als Naturheilmittel bei Angststörungen, gestörte Aufgeregtheit, nervöse Unruhezustände sowie als sanftes Beruhigungsmittel eingesetzt. Dargereicht wird das Heilkraut v.a. als Tee sowie mitunter auch in Form von Dragees. Viele Tees enthalten neben Passionsblume noch Melisse und Hopfen.

Taigawurzel

Auch wenn sie in unseren Breiten noch nicht allzu bekannt ist, stellt die Taigawurzel dennoch eine sehr interessante Heilpflanze dar. Die Pflanze mit dem exotischem Namen wächst von West- bis nach Ostasien und ist entfernt mit dem echten Ginseng verwandt.

Die in der Taigawurzel enthaltende Stoffgruppe der Eleutheroside haben auf unseren Organismus eine adaptogene, stimulierende und leicht leistungssteigernde Wirkung. Die Taigawurzel wird heute vor allem bei Konzentrationsstörungen, häufigem Stress, Müdigkeit, abnehmende Belastbarkeit und allgemeinen Erschöpfungszuständen verwendet. Interessanterweise sind einige Inhaltsstoffe der Pflanze sogar imstande, bestimmte Giftstoffe in ihrer Wirksamkeit zu hemmen.

Menschen die an Bluthochdruck leiden, sollten die Anwendung mit Taigawurzel zunächst mit einem Arzt besprechen. Selten zählen Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Magen-Darm-Beschwerden oder ein erhöhter Puls zu den Nebenwirkungen.


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