Logo Kräuterbuch

Wilde Möhre - Kräutersteckbrief

Wilde Möhre - Merkmale, Anbau und Verwendung

Botanischer Name: Daucus carota subsp. carota

Die Wilde Möhre ist die ursprüngliche Art der heute bekannten roten Möhre. Erst durch die Züchtung der in Europa heimischen Wilden Möhre mit der violettfarbenen afghanischen Wildmöhre und der südeuropäischen Möhre ging die heutige Kulturmohrrübe hervor. Namensgebend für Möhren ist die sog. Möhrenblüte oder Mohrenblüte – ein auffälliger dunkler violettblauer bis schwarzer Punkt im Zentrum der weißen Blütendolde der Wilden Möhre.

Pflanzenmerkmale und Systematik der Wilden Möhre

Herkunft und Vorkommen der Wilden Möhre

Die wilde Möhre (Daucus carota subsp. carota) ist in Europa, im Norden Afrikas und in der Türkei recht häufig anzutreffen. Dadurch, dass die wilde Möhre relativ anspruchslos ist, findet man sie auf vielen Standorten, darunter offene Wiesen, Brachflächen, Ruderalstandorte sowie in nährstoffreichen Staudenfluren. Wo die Pflanze auftritt, tritt sie meist in großer Gesellschaft auf. Die wilde Möhre stammt vermutlich aus Vorderasien.


Systematik der Wilden Möhre

In systematischer Hinsicht gehört die wilde Möhre zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae) und ist damit mit anderen Kräutern wie dem Anis, dem Dill oder dem Kümmel verwandt. Die Gattung Möhren (Daucus) besteht etwa aus 20 derzeit bekannten Arten, wovon die Art Daucus carota wohl zu den bedeutendsten gehört. Diese unterteilt sich noch einmal in mehrere Unterarten. Neben der wilden Möhre (Daucus carota subsp. carota) zählen hier noch die bekannte Gartenmöhre (Daucus carota subsp. sativus), die vermutlich eine Kreuzung aus der wilden Möhre und der in Südeuropa vorkommenden Riesenmöhre (Daucus carota subsp. maximus) ist. Möglicherweise spielt bei der Züchtung der Gartenmöhre (Karotte) auch die Schwarzmöhre eine Rolle (Daucus carota subsp. afghanicus).

Merkmale der Wilden Möhre

Die wilde Möhre ist eine zweijährige und stark krautige Pflanze, die Wuchshöhen von bis zu 1,40 Meter erreichen kann. Die Wuchshöhe ist jedoch meist kleiner, zwischen 50 und 100 cm und wird stark vom Nährstoffangebot und der Konkurrenz beeinflusst. Die Pflanze bildet die so genannten Wurzelrüben aus, die zum Teil aus der Hauptwurzel bestehen. Im Gegensatz zur Gartenmöhre sind die Wurzeln der wilden Möhre eher bleich.

Die Blätter der wilden Möhre sind charakteristisch gefiedert, relativ zierlich und zwei- bis dreifach gefiedert. Im ersten Jahr werden so genannte Grundblätter ausgebildet, die meist ein- bis dreifach gefiedert sind und in der Regel größer als der Stiel sind Der Stiel bzw. die Sprossachse weist eine starke Behaarung auf.

Die Blütezeit der Wilden Möhre kann recht langdauernd sein und kann, je nach Wetter- und Standortbedingungen, zwischen Mitte Mai bis Ende August andauern. Die wilde Möhre bildet einen doppeldoldigen Blütenstand mit meist weißen Blüten aus. Besonders charakteristisch ist, dass die Blütendolde in der Mitte einen aus Anthocyanen bestehenden Punkt (Anthocyanpunkt) in der Mitte ausbilden, der auch als Möhrenblüte bezeichnet wird. Zur Zeit der Fruchtreife bildet die Pflanze hakelige Samen (sog. Doppelachänen) aus.




Wilde Möhren aussäen und pflanzen

Wilde Möhren gehören oftmals zum Bild von Wildwiesen, aber auch auf Ruderalflächen, Weiden, Schotterflächen und Magerwiesen findet man die Wildpflanze.

Die Ansprüche, die die Pflanzen an ihren Standort stellen, sind vergleichsweise gering. Wilde Möhren bevorzugen sonnige Plätze mit nährstoffreichen, kalk- und sandreichen Böden, die leicht trocken sind.

Die Wilde Möhre ist ein Kaltkeimer; die optimale Zeit, um mit der Aussaat zu beginnen, ist das zeitige Frühjahr (März, April) sowie der einsetzende Herbst ab September. Damit das Keimen der Samen auch gelingt, sind Temperaturen um die 5 °C notwendig. Für die Aufzucht auf der Fensterbank/im Haus werden die Samen für etwa eine Woche im Kühlschrank gelagert und anschließend auf die Erde gestreut und vorsichtig angedrückt. In der Regel ist eine Fensterbankaufzucht jedoch nicht nötig, da die Pflanzen gut mit den äußeren Bedingungen zu recht kommen.

Während der Keimzeit sollten die Erde gleichmäßig feucht, aber nicht nass gehalten werden. Gleiches gilt für die Zeit des Wachstums. Dünger benötigt die Wilde Möhre nicht zwingend, allenfalls wird im Frühjahr vor der Vegetationsperiode gedüngt. Ausnahme bilden karge, nährstoffarme Standorte. In der Regel genügt hier jedoch die Düngung mit etwas Kompost oder organischem Dünger.

Da Wilde Möhren zu den zweijährigen Pflanzen zählen, weisen sie einen anderen Rhythmus auf, was die Blüte und Samenbildung betrifft. Im ersten Jahr nach der Aussaat bilden sich zunächst lediglich die Blätter und die Pfahlwurzel. Erst im zweiten Jahr zeigen sich die weißen Blütendolden, aus denen schließlich während der Fruchtreife die Samen heranreifen.

Wilde Möhren und deren Verwendung

Wilde Möhren als Lebensmittel findet man in Supermärkten nicht. Anders als in der Vergangenheit, als die Wilde Möhre häufiger gegessen wurde.

Wilde Möhren in der Küche

Die wilde Möhre steht heute nur selten auf den Speiseplan, was wohl vorrangig ihrer Beschaffung geschuldet ist. Die uns bekannten Karotten haben heute einen weitaus höheren Stellenwert als die wilde Möhre, weswegen letztere wirtschaftlich nahezu unbedeutend sind. Rote Kulturmöhren sind wesentlich leichter zu beschaffen als Wilde Möhren.

Trotzdem schwören vor allem Rohköstler und Personen, die sich mit Wildkräutern intensiver befassen, auf Wilde Möhren. Neben der unterirdisch wachsenden Möhre werden auch die Samen und Blätter gegessen. Der Geschmack der Wilden Möhre ist durchaus mit dem roter Möhren zu vergleichen, wenn auch etwas milder. Wenn man die Wilde Möhre essen möchte, sollte die Ernte zu dem Zeitpunkt erfolgen, an dem noch keine Blüte ausgebildet wird. Im ersten Jahr ist die Möhre noch angenehm bissfest, im zweiten Jahr setzt mit der Blütenbildung die Verholzung der Möhre ein. Zusätzlich wird sie schärfer und pikanter im Geschmack. Farblich erinnert die Frucht der Wilden Möhre an Petersilienwurzeln.

Begibt man sich auf die Suche nach wildwachsenden Wilden Möhren bspw. auf Wiesen besteht die Gefahr, dass die Wilde Möhre mit anderen weißen Doldenblütlern verwechselt werden kann. Allen voran Giersch sowie der giftigen Hundspetersilie, de ebenfalls giftigen Gefleckten Schierling und Bärenklau. Auf den ersten Blick ähneln sich alle, dass die Verwechslung naheliegt. Allerdings gibt es zwei Kriterien, welche die Bestimmung erleichtern. Zum einen der Duft: Wilde Möhren verströmen beim Zerreiben der Blätter einen intensiven, authentischen Duft nach Möhren. Auch die Blüten duften möhrenartig. Die Giftpflanzen Gefleckter Schierling und Hundspetersilie hingegen riechen streng ammoniakartig nach Urin. Zum anderen gibt ein Merkmal der Blüte Aufschluss über die Echtheit der Wilden Möhren: der Anthocyanpunkt bzw. die Möhrenblüte. Zentral in der weißen Blüte befindet sich bei den weiblichen Pflanzen eine kleine, aber dennoch gut sichtbare Blüte von fast schwarzer Farbe. Keine der anderen, oben genannten Pflanzen weist dieses Pflanzenmerkmal auf.

Wilde Möhre als Heilkraut

Im Altertum galt die Wilde Möhre als ein beliebtes Aphrodisiakum, wurde aber auch bei Menstruationsproblemen und als Wurmkur bei Menschen eingesetzt. Weitere beliebte und häufige Anwendungsgebiete waren die Behandlung von Geschwüren, Brandwunden und Frostbeulen.

Im Kräuterbuch von P. A. Matthioli wird die wilde Möhre (dort als „gelbe Mören“ bezeichnet) vor allem zur Behandlung von Magenbeschwerden, Blähungen und Gallensteinen empfohlen.



Nachgewiesen wurde der Wilden Möhre in der Jetztzeit eine harndurchspülende Wirkung und einen positiven Effekt auf die Regulation des Blutzuckers sowie auf die Bekämpfung von Durchfall – letzteres ist begründet durch das in der Wilden Möhre enthaltene Pektin. Hierzu kann die Möhre entweder roh oder gegart gegessen werden. Zur Behandlung eines entwässernden Tee zur Durchspülung der Harnwege kommen die Samen der Wilden Möhre zum Einsatz.

Weitere bekannte Anwendungsmöglichkeiten der wilden Möhre liegen in der Behandlung von Konzentrationsstörungen und leichter Depressionen. Die in der Naturheilkunde verwendeten Heilkräuter werden als Herba dauci carotae bezeichnet. Zur Anwendung

Wilde Möhre kaufen - Was gibt es zu beachten?

Wilde Möhren gibt es im Handel so gut wie nicht zu kaufen. Liebhaber von wilden Möhren müssen daher die Pflanzen selbst in der Natur ernten oder im eigenen Garten anbauen. Einige Anbieter von Wildkräutersamen führen die wilde Möhre in ihren Sortimenten. Die Preise für das Saatgut sind in der Regel sehr erschwinglich.

Testen Sie Ihr Kräuterwissen

Kräuterquiz spielen