Gelber Steinklee

Melilotus officinalis

Foto vom Gelben SteinkleeDer Gelbe oder Echte Steinklee (Melilotus officinalis) ist ein bekanntes einheimisches Wildkraut. Die intensiv duftende Pflanze kann in der Küche als süßlich-aromatisches Gewürz für Getränke oder Desserts verwendet werden. In der Naturheilkunde wird der Hülsenfrüchtler hingegen seit vielen Jahren bei Gelenkbeschwerden, Geschwüren und Entzündungen verwendet.

Das Wichtigste zum Gelben Steinklee zusammengefasst

  • Der Gelbe Steinklee zählt zur Familie der Hülsenfrüchtler und ist ein relativ häufig vorkommendes einheimisches Wildkraut
  • Die Pflanze bildet gelbe Blüten, die einen feinen, aromatischen und süßlichen Duft haben
  • Blätter und Blüten des Gelben Steinklees können in der Küche als Gewürz u.a. für Desserts, Getränke und Liköre verwendet werden
  • Steinklee ist eine anerkannte Heilpflanze und wird gegen Geschwüre, Gelenkbeschwerden, Hamörrhoiden und Entzündungen verwendet
  • Zu finden ist der Echte Steinklee vor allem auf lehmigen Böden, die eher nährstoffarm und leicht kalkhaltig sind
  • Melilotus officinalis ist eine wertvolle Insektenpflanze

Gelber Steinklee erkennen und bestimmen - Merkmale

Gelber Steinklee ist eine zweijährige, selten einjährige und typisch krautige Pflanze. Sie erreicht Wuchshöhen von bis zu 160 cm, erreicht meist aber nur Höhen zwischen 40 und 100 cm. Das Wildkraut hat einen aufsteigenden, aufrechten und verzweigenden Wuchs.

Bestandteile vom Gelben Steinklee - Bestimmung
Zeichnung des Echten Steinklees mit den einzelnen Pflanzenbestandteilen

Die Eigenschaften und Merkmale des Ackersenfs zusammengefasst:

Wuchshöhe40 bis 150 cm
Wuchsformaufrecht und verzweigt
Lebensdauerzweijährig
BlütezeitMai bis Juli
WurzelPfahlwurzel
Geruchangenehmer, süßlicher Duft

Blätter und Stängel

Die Blätter sind immer dreiteilig und stehen sich immer wechselständig am Stängel gegenüber. Die Blattlänge beträgt bis zu zwei Zentimeter, die Blattbreite bis zu 80 Zentimeter. Die Form der Blätter ist länglich und verkehrt-eiförmig bis verkehrt-lanzettlich. Der Blattrand ist fein gesägt. Während die Endblätter immer einen kurzen Blattstiel bilden, sind die Seitenblätter nahezu ungestielt.

Blätter vom Gelben Steinklee
Die leicht gesägten Steinkleeblätter sind immer dreiteilig

Die Stängel sind leicht gefurcht, kahl und viereckig. Selten sind die Steinkleestängel im unteren Bereich mit hellroten Rippen ausgestattet.

Blüten

Die Blütezeit des Steinklees beginnt meist Mitte Mai und dauert bis in den Juli hinein. In diesem Zeitraum bildet das Kleegewächs immer wieder gelbe, fast lippige Blüten, die in einem traubigen Blütenstand angeordnet sind. Die Blüten sind immer zwittrig und fünfzählig. Die Blütenkrone selbst erreich meist Längen von bis zu 7 Millimeter.

Blüten vom Gelben Steinklee
Die gelben Blüten von Melilotus officinalis wachsen in einer Traube

Die Blüten bilden sich am Blütenstiel meist von unten nach oben. So ist es oft möglich, dass im mittleren und unteren Teil vollständig entwickelte Blüten sitzen, während oben noch vollkommen unreife Blüten sich ausbilden. Steinkleeblüten sind meist etwas hängend angeordnet. Eine vollständig ausgebildete Blüte ist meist zwischen 7 und 9 mm lang und hat einen angenehmen, leicht süßlichen Duft.

Nahaufnahme einer Gelben Steinkleeblüte
Nahaufnahme einer Gelben Steinkleeblüte

Wurzel

Im Boden bildet Steinklee bis zu 100 cm tiefe Pfahlwurzeln, die bräunlich gefärbt sind und meist schief wachsen. An der Oberfläche bilden die Wurzeln kleine cremeweiße Wurzelknöllchen, in denen v.a. Stickstoff durch Bakterien gespeichert wird.

Früchte und Samen

Die Fruchtreife setzt ab August ein. Dort bilden sich aus den Blüten schnabelförmige Hülsenfrüchte, die bis zu 5 mm lang werden. Jede Frucht bildet ein bis zwei hellbraune und nierenförmigen Samen mit deutlichen Querrippen aus. Eine einzelne Steinkleepflanze kann bis zu 2000 Samen bilden.

Vorkommen und Systematik von Gelber Steinklee

Herkunft und Vorkommen von Gelber Steinklee

Der Gewöhnliche Steinklee ist ein einheimisches Wildkraut, dessen natürliches Verbreitungsgebiet von Mitteleuropa bis nach Zentralasien reicht. Die Pflanze ist heute zudem weit auf dem nordamerikanischen Kontinent verbreitet, wo sie als Futterpflanze und als Gründüngungspflanze eingeschleppt wurde.

Typische Vorkommen des Gelben Steinklees sind Brachflächen und Ödland, Straßenränder, Wiesen und Orte mit lehmhaltigen Böden und Bahndämme.

Systematik von Melilotus officinalis

Der Gewöhnliche oder Gelbe Steinklee (Melilotus officinalis) zählt zur Pflanzenfamilie der Hülsenfrüchtler und ist verwandt mit Pflanzen wie dem Rotklee oder der Dornigen Hauhechel. Gelber Steinklee zählt zur Gattung Melilotus (Steinkleepflanzen), die etwa 20 bekannten Arten umfasst. Bekannt sind ebenfalls der Weiße Steinklee (Melilotus albus) sowie der Kleinblütige Steinklee (Melilotus indicus), die auch bei uns als einheimische Wildkräuter gelten.

Synonym wird die Pflanze auch als Echter Steinklee oder Honigklee bezeichnet.

Verwendung von Gelber Steinklee

Verwendung als Küchenkraut

Gewöhnlicher Steinklee ist ein essbares Wildkraut, allerdings gibt es beim Verzehr einiges zu beachten. Steinklee sollte nur in geringen Mengen für Speisen zubereitet werden, da alle Pflanzenteilen Cumarin enthalten. Frische Blätter und Blüten sind gegenüber dem getrockneten Kraut bekömmlicher, da das bedenkliche Cumarin erst beim Trocknen gebildet wird.

Steinklee enthält Cumarine, die in höheren Mengen Kopfschmerzen verursachen können. Daher sollten immer nur kleine Mengen verzehrt werden.

Der Geschmack von Gelbem Steinklee kann als leicht süßlich, vanillig und markant beschrieben werden. Beim Zerkauen der Blätter entsteht ein Aroma das deutlich an Waldmeister erinnert. Beim Trocknen wird der Geschmack etwas intensiver, aber auch etwas bitterer.

In der Küche kann Gelber Steinklee v.a. für Süßspeisen wie Marmeladen oder Milchreis, erfrischende Getränke, Frischkäse und Quarkgerichte oder für Spirituosen wie Kräuterliköre oder Kräuterweine verwendet werden.

Vom Steinklee können nahezu alle Bestandteile gegessen werden:

  • Blüten und Blätter sind sehr geschmacksintensiv und können von Ende Mai bis Ende Juni geerntet werden. Für ein bestmögliches Aroma, werden Steinkleeblüten und -blätter etwa ein bis zwei Tage angewelkt bzw. vorgetrocknet.
  • Samen können ab August gesammelt werden und haben ein leicht nussig aromatisches Aroma. Sie eignen sich für leckere Brotaufstriche (z.B. auf Nussbasis) oder für Frischkäse und Kräuterquark. Auch diese sollten nur sparsam verwendet werden.

Rezeptidee: Steinklee-Erdbeer-Marmelade

Steinklee ist ein hervorragendes Gewürz zum Verfeinern von Marmeladen und Konfitüren. Gut eignen sich Obstsorten wie Erdbeeren, Kirschen, Johannisbeeren, Aprikosen oder Pfirsiche. Die Zutaten für eine Steinklee-Erdbeer-Marmelade sind überschaubar. Benötigt werden:

  • 1 kg Erdbeeren
  • 500 Gramm Gelierzucker
  • 1 Limette
  • 3 Esslöffel angetrockneter Steinklee (Blüten und Blätter)

Erdbeeren und Zucker werden zunächst für 10 Minuten eingekocht. Etwa 1 bis 2 Minuten vorher werden der Limettensaft (alternativ Zitrone) und der Steinklee hinzugefügt. Die Marmelade wird dann am besten mit einem Pürierstab zerkleinert und schließlich in Gläser abgefüllt.

Verwendung als Heilpflanze

Sowohl der Weiße als auch der Gelbe Steinklee wurden als Heilpflanzen bereits im Mittelalter verwendet. Beide Kleegewächse sind in den meisten bekannten älteren Kräuterwerken (u.a. P.A. Matthioli, L. Fuchs) teils ausführlich beschrieben. Innerlich wurde Steinkleewein mit Honig gegen innere Geschwüre und Oberbauchschmerzen eingenommen.

Äußerlich hat man Steinklee ähnliche verwendet wie Kamille. Beispielsweise wurden Steinkleeumschläge und -tücher gegen entzündete Augen genutzt. Saft aus Steinkleeblüten hingegen nutzte man tröpfchenweise bei Ohrenschmerzen. Umschläge aus Steinkleewein wurden zusammen mit dem Mehl von Leinsamen bereits früher gegen Hämorrhoiden und Hitzegeschwüre zubereitet.

Beschreibung von Echter Steinklee im alten Kräuterbuch
Beschreibung von Steinklee im Kräuterbuch von Matthioli

In der heutigen Medizin kennt man ziemlich genau die Zusammensetzung der einzelnen Bestandteile bzw. Inhaltsstoffe des Gelben Steinklees. Die Pflanze gilt insgesamt als wissenschaftlich gut untersucht.

Inhaltsstoffe von Melilotus officinalis Die oberen Pflanzenteile enthalten u.a. Monosaccharide wie Mannopyranose und Rhamnopyranasol sowie Salicylsäuren, Schleimstoffe, Gerbstoffe wie Kaffeesäure, Cumarine und Betain. Außerdem enthalten vor allem die Blätter Flavonoide. Hier sind v.a. Luteolin und Quercetin in höheren Anteilen enthalten [1].

Die verschiedenen Inhaltsstoffe bieten ein recht vielfältiges Wirkungsspektrum. In der wissenschaftlichen Literatur wird Melilotus officinalis mit folgenden Wirkungen beschrieben:

  • antioxidativ
  • entzündungshemmend
  • tumorhemmend (in Laborversuchen)
  • Anregung der Lymphtätigkeit
  • krampflösend
  • durchblutungsfördernd

In der Naturheilkunde wird Gelber Steinklee u.a. bei folgenden Erkrankungen oder Beschwerden verwendet [2]:

  • Prellungen
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Wadenkrämpfe
  • Verstauchungen
  • Lymph- und Venenstauung und Lipödem
  • Brustdrüsenschwellung
  • Hämorrhoiden

Hauptsächliches Anwendungsgebiet des Gelben Steinklees sind entzündliche und schmerzhafte Knochen- und Gelenkbeschwerden sowie Hämorrhoiden. Diese Anwendungen sind von der Kommission E anerkannt. Gebräuchliche Darreichungsformen sind u.a. Steinkleetees, Mullkompressen und so genannte Kataplasmen.

Nebenwirkungen und Anwendungsbeschränkungen: Da die Pflanze im getrockneten Zustand Cumarine enthält, sollte getrockneter Steinklee ausschließlich über den Fachhandel bezogen werden. Diese Präparate sind in der Regel cumarinreduziert und enthalten zudem entsprechende Dosierungshinweise. Gelber Steinklee wird meist gut vertragen. In seltenen Fällen können Kopfschmerzen auftreten.

Gelber Steinklee pflegen und pflanzen - Anbau und Kultivierung

Gelber Steinklee lässt sich im Garten recht einfach anpflanzen. Allerdings sollte beachtet werden, dass sich der Hülsenfrüchtler schnell ausbreitet und vermehren kann.

Anbauhinweise auf einen Blick:

  • Standort: Gelber Steinklee wächst vor allem auf lehmhaltigen Böden, toleriert jedoch auch leicht sandige Böden. Wichtig ist das der Boden relativ nährstoffarm und kalkhaltig ist und etwas Feuchtigkeit speichern kann. Bevorzugt werden sonnige Lagen.
  • Aussaat: Der beste Zeitpunkt für die Aussaat von Steinkleesamen sind die Monate April bis Mai. Bei der Aussaat darf die Erde nicht zu nass sein. Die Samen dürfen nur oberflächennah ausgebracht werden, da die Pflanze ein Lichtkeimer ist.
  • Pflanzorte: Echter Steinklee wird am besten im Garten direkt im Freiland angepflanzt oder ausgesät, da die Pflanze recht tief wurzelt. Eine Kultivierung auf dem Balkon ist zwar möglich, allerdings sollte tiefe Töpfe oder tiefgreifende Balkonhochbeete verwendet werden.
  • Düngung: Da Melilotus officinalis Wurzelknöllchen mit stickstoffbindenden Bakterien bildet, ist eine Düngung nicht notwendig. Die Pflanze ist ein Spezialist für nährstoffarme Standorte.
  • Gießen: Gelber Steinklee hat einen moderaten Wasserbedarf und sollte mäßig feucht gehalten werden. Kürzere Trockenperioden hält die Pflanze in der Regel problemlos aus.

Ökologie

Für die Natur ist der Gelbe Steinklee eine sehr wertvolle Pflanze, die viele Insekten anzieht. Sie wird sowohl von langzüngigen und kurzzüngigen Bienen angeflogen und zudem von Fliegen, Schwebfliegen sowie Schmetterlingen bestäubt. Ab Mitte Juni können zudem oft verschiedene Wanzen und Käfer an dem Hülsenfrüchtler beobachtet werden, die sowohl Nahrung aber auch Schutz in der Pflanze suchen.

Lebensraum vom Steinklee
Typischer Lebensraum vom Steinklee: Die Stadt

Der Gelbe Steinklee ist oftmals ein Kulturbegleiter und eines der häufigeren Wildkräuter in Städten und Siedlungen.

Echter Steinklee, auch Honigklee genannt, ist eine Zeigerpflanze für nährstoffarme Standorte. Sie bevorzugt zudem Kalkböden und mag trockene Zonen lieber als feuchte. Sie wird in der Landwirtschaft zur Gründüngung eingesetzt und reichert nach und nach Stickstoff in den Boden an. Hierfür nutzt sie unter anderem die Wurzelknöllchen auf dem stickstoffbindenden Bakterien sitzen.

Weiterführende Literatur und verwendete Quellen

  1. Liu, Y-T. et al. (2018): Chemical Constituents and Antioxidant, Anti-Inflammatory and Anti-Tumor Activities of Melilotus officinalis (Linn.) Pall. In: Molecules, Vol. 23, doi: 10.3390/molecules23020271
  2. Bühring, U. (2014): Praxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunde. ISBN: 3830477503.
  3. Bull, I. I. (2013): Untersuchungen zum Anbau und zur Verwertung von Steinklee. Dissertation. Uni Rostock.

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