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Blutwurz

Blutwurz (Potentilla erecta) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Der Blutwurz, der häufig auch als Tormentill bezeichnet wird, ist eine sehr alte Heilfplanze, die für zahlreiche Beschwerden verwendet werden kann. Die Wurzeln des Blutwurzes werden bei Zahn- und Rachenentzündungen, bei Durchfallerkrankungen oder zur Wundheilung verwendet. Für Genießer gibt es jedoch auch eine als Blutwurz-Likör bekannte Spirituose.

Merkmale und Systematik vom Blutwurz (Tormentill)

Herkunft und Vorkommen des Blutwurzes

Der Blutwurz ist nahezu in ganz Europa verbreitet. Die berühmte Heilpflanze ist daher sowohl in den Ländern Skandinaviens als auch in den südeuropäischen Ländern (Portugal, Spanien, Italien) anzutreffen. Darüber hinaus ist die auch als Tomentill bezeichnete Pflanze in einigen nordasiatischen Ländern sowie in Grönland zu finden. Blutwurz wächst vor allem auf Heiden, nährstoffarmen Wiesen, an lichten Waldböschungen und Waldrändern

Systematik vom Blutwurz

Blutwurz (Potentilla erecta) gehört zur artenreichen Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Zu dieser Pflanzenfamilie gehören u.a. auch andere bekannte Heilkräuter wie der Odermennig, der Frauenmantel oder das Mädesüß. Im engeren Sinne zählt Blutwurz zur Gattung der Fingerkräuter (Potentilla), welche etwa 400 bis 500 Arten umfasst.

Synonyme Namen des Blutwurzes sind Tormentill, Tormentillwurzel, Rotwurz oder aufrechtes Fingerkraut.

Merkmale von Blutwurz bzw. Tormentill

Beim Blutwurz handelt es sich um eine ausdauernde bzw. mehrjährige Pflanze. Sie ist mit 10 bis maximal 40 cm Wuchshöhe eine typisch krautige Pflanze. Charakteristisch für den Tormentill sind seine ausgedehnten bräunlichen und verholzten Wurzelstöcke, die hier als Rhizom (Überdauerungsorgan) bezeichnet werden. Diese Rhizome können unter Umständen einen Durchmesser von bis zu 4 cm haben. Beim Aufschneiden des Wurzelstocks verändert sich das weiße Wurzelfleisch in eine rötliche Farbe, die letztendlich namensgebend für die Pflanze ist.

Die Blätter des Tormentills müssen in Rosettenblätter und Stängelblätter untergliedert werden. Die in der Blattrosette sitzenden Blätter sind stark gezähnt. Die am Stängel sitzenden Blätter hingegen sind meist etwas filigraner und sehen fächerförmig angeordnet aus. Alle Blätter des Blutwurzes weisen eine eher dunkelgrüne Färbung auf. Sowohl die Stängel als auch die Blätter weisen eine intensive Behaarung auf. Die Stängel sind leicht rötlich bis rotbraun gefärbt.

Die leuchtend gelben Blüten des Blutwurzes wachsen an den Blattachseln (Nodien) heran. Die Blütezeit ist häufig lang andauernd und ist meist zwischen Ende Mai bis Ende Oktober zu erwarten. Der Durchmesser einer einzelnen Blüte beträgt nur selten mehr als einen Zentimeter. Die Blütenform erscheint leicht herzförmig. Die Färbung der Blüten ist im oberen Bereich meist gelb und geht zum Blütengrund in ein Orange über.

Blüte vom Blutwurz
Die leuchtend gelben Blüten des Blutwurzes zeigen immer vier Kronblätter

Im Anschluss an die Blütezeit entwickeln sich im Zuge der Fruchtreife kleine Nussfrüchte, die die hellbraunen und leicht ründlichen Samen enthalten.

Blutwurz - Anbau, Aussaat und Pflege

Blutwurz spielt als Zierpflanze keine große Rolle und wird nur verhälntismäßig selten angebaut. Meist findet sich der Blutwurz in Gärten, die einen eigenen Heilpflanzenbereich oder einen ausgeprägten Steingarten haben.

Standort: Der Anbau von Blutwurz ist nicht sonderlich schwierig. Als Standortbedingungen gelten vollsonnige bis sonnige Standorte mit eher trockenen, sandigen, durchlässigen und nährstoffarmen Böden als optimal. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass der Boden bzw. die Erde einen möglichst niedrigen pH-Wert (unter 6) hat. Lehmige Gartenböden, kalkhaltige Erden sowie handelsübliche Blumenerden sind für die Kultivierung des Tormentills nicht zu empfehlen und sollten mit Sand durchmischt werden.

Aussaat: In unseren Breiten kann Blutwurz direkt ins Freiland oder alternativ auf dem Balkon ausgesät werden. Optimal für die Direktsaat von Tormentill sind die Zeiten September bis Mitte März. Eine Vorkultur ist allerdings auch möglich und sollte zwischen Anfang Februar und Ende März durchgeführt werden. Damit die Samen beginnen zu keimen, muss eine kalte Umgebung mit Temperaturen zwischen +4 °C und -4 °C vorliegen. Blutwurzsamen sind Kaltkeimer! Bei der Aussaat der Blutwurzsamen sollte auf einem Pflanzabstand von mindestens 25 x 25 cm geachtet werden.

Überwinterung: Blutwurz gilt als winterharte Pflanze und benötigt keine besondere Behandlung an kalten Tagen. Die oberirdischen Pflanzenteile sterben zum Spätherbst ab. Die Pflanze selbst überdauert in Form ihres Wurzelstocks, die im botanischen Sinne jedoch Rhizome sind. Eigentlich handelt es sich bei Rhizomen nämlich um eine ins Erdreich verlängerte Sproßachse, die mit dem Wurzelsystem nichts oder nur wenig zu tun hat.

Gießen: In puncto Wasserversorgung ist der Blutwurz ein angepasster Trockenspezialist. Er benötigt nur wenig Wasser und sollte folglich auch nicht regelmäßíg gegossen werden. Ausnahmen bilden sehr heiße Tage sowie kultivierte Pflanzen auf dem Balkon. Wächst der Blutwurz in kleinen Töpfen, sollte in den Sommermonaten wenigstens einmal pro Woche gegossen werden.

Düngung: Der Blutwurz ist ein Überlebenskünstler unter den Heilpflanzen und braucht nur verhältnismäßig wenig Nährstoffe. Im Gartenbeet sollte im ersten Jahr nicht oder nur sehr wenig gedüngt werden (höchstens mit Kompost). Im Folgejahr kann man einmalig in den Frühjahrsmonaten einige kleine Gaben leichte organische Dünger (Düngerpellets, verdünnte Kräuterjauche) untermischen.

Ernte: Vom Blutwurz werden ausschließlich die Rhizome (Wurzelstock) geerntet. Diese können ab dem zweiten Wuchsjahr ausgegraben werden. Die darüber- und darunterhängenden Wurzeln sollten entfernt werden. Optimaler Zeitpunkt zum Ernten der Blutwurzrhizome sind die Monate Oktober und November.

Blutwurz und seine Verwendung

Der Blutwurz wird heute in erster Linie als Heilkraut verwendet. In der Küche bzw. als Genussmittel ist heute meist nur noch Blutwurzlikör bekannt.

Blutwurz in der Küche

Blutwurz ist in der Küche heute nahezu bedeutungslos. Im frühen Mittelalter wurde die Wurzel des Krauts jedoch u.a. für einige Süßspeisen verwendet. Matthioli publizierte ein Rezept für Blutwurz, indem Tormentillpulver mit zerstoßenem Muskat, Eigelb und Hafermehl vermischt und zu Kuchen geformt wurden.

Die einzige bedeutende Verwendung des Krauts bzw. der Wurzel heutzutage ist die Herstellung von Blutwurzschnaps. Hierfür werden neben Blutwurzpulver meist noch Nelken, Kandiszucker, Zimt und Kardamom beigemengt. Als Grundlage dient in der Regel ein guter Wodka.

Blutwurz als Heilkraut

Der Blutwurz ist heute in der Phytomedizin bzw. in der alternativen Heilkunde ein sehr beliebtes Heilkraut. Die Wurzeln des Heilkrauts und deren Heilwirkung war jedoch bereits in der Antike bekannt.

Der Blutwurz ist in der Heilkunde des Mittelalters ein wichtiger Bestandteil gewesen und wurde für zahlreiche Beschwerden verwendet. In nahezu allen alten Kräuterbüchern finden sich zahlreiche Anwendungsvorschläge und Rezepturen. Damals wie heute lag der Fokus auf Nutzung der Tormentillwurzel.

In den Kräuterbüchern von Matthioli und Leonard Fuchs wurden die Wurzeln des Blutwurzes u.a. gegen die Pest, bei Schwierigkeiten des Harndrangs, zur Vermeidung frühzeitiger Geburten, gegen Scharlach und gegen Fieber verwendet. Äußerlich wurde der Blutwurz hauptsächlich zur Blutstillung genutzt, was auch seinen Namen begründen dürfte. Ferner wurde das berühmte Heilkraut bei Menstruationsschwierigkeiten, zur Wundheilung und bei nicht näher bezeichneten Augenproblemen verwendet. Blutwurz wurde entweder als Saft, als Kuchen (Tormentillkuchen), in Wein gesotten und als Tormentilltee verabreicht. Auch Anwendungen von Blutwurz mit Sauerampfer waren wohl häufig.

Heilwirkung von Blutwurz
Beschreibung der Heilwirkung des Blutwurzes im mittelalterlichen Kräuterbuch

Dem Tormentill kommt auch heute noch eine große Bedeutung in der alternativen Medizin bzw. in der Volksheilkunde zu. Es existieren zahlreiche Hausmittel, die vor allem bei Beschwerden im Rachen- und Mundraum zum Einsatz kommen. Besondere Beachtung finden die in der Wurzel erhaltenen Gerbstoffe (sog. Catechingerbstoffe) sowie die Flavonoide. Aufgrund der enthaltenden Inhaltsstoffe hat der Blutwurz folgende Heilwirkungen:

  • antibakteriell
  • adstringierend (zusammenziehend)
  • schmerzlindernd
  • immunstimulierend
  • antiallergisch
  • blutstillend

Diese Wirkungen erlauben eine recht vielseitige Anwendung in der Pflanzenheilkunde. Blutwurz bzw. Tormentill wird heute in vielen Teilen der Welt für zahlreiche Krankheiten und Beschwerden eingesetzt. Zu diesen zählen u.a.

  • Zahnfleischentzündungen
  • Schleimhautreizungen
  • Entzündungen und Schmerzen im Mund- und Rachenraum
  • Mandelentzündung
  • Magen- und Darmbeschwerden
  • Hämorrhoiden
  • Wundheilung
  • Verbrennungswunden
  • Reisekrankheit
  • Blähungen

Verabreicht werden kann der Blutwurz als Tee, als Tinktur oder als Pulverdroge. Medizinisch von Interesse sind ausschließlich die Wurzeln der Pflanze. Die Wurzeldroge wird im heilkundlichen Bereich als Rhizoma oder Radix Tormentillae bezeichnet.

Für einen Blutwurztee (Menge: 250 ml) werden 1 bis 1,5 Teelöffel Wurzelpulver benötigt, die mit kochend heißem Wasser übergossen werden. Der Tee sollte für etwa 8 bis 10 Minuten ziehen, bevor er in kleineren Schlücken getrunken wird. Bei Beschwerden im Mund- und Rachenraum genügt es, wenn der Blutwurztee als Mundspülung verwendet wird, d.h. dass ein Gurgeln des Tees in dem Fall ausreicht.

Als bequeme Alternative zum Tee kann auch auf eine Blutwurztinktur zurückgegriffen werden, die in den meisten Apotheken sowie vielen Onlinegeschäften erhältlich sind. Die korrekte Bezeichnung dieser Tinktur lautet Tinctura Tormentillae.

Bei der Anwendung einer Behandlung mit Blutwurz sollte die Tagesdosis 4 bis 6 Gramm täglich nicht überschreiten. Eine Behandlung mit Blutwurz sollte nicht länger als zwei Wochen durchgeführt werden.

Der Blutwurz ist eine der Hauptzutaten für die als Schwedenkräuter oder Schwedenbitter bezeichneten Naturheilmittel.

Im Gegensatz zu vielen anderen bekannten Heilkräutern, existieren nur vereinzelte klinische Studien zum Einsatz von Blutwurz. Dies ist daher bedauerlich, da die Verwendung von Tormentillwurzeln eine schonende Behandlung vieler Krankheiten bedeuten kann, die auch für den schulmedizinischen Bereich eine wichtige Rolle spielen kann. Es bleibt daher zu hoffen, dass der Blutwurz in Zukunft eine größere Beachtung finden wird.

Hinweis: Blutwurz kann bei Überdosierung zu Magenbeschwerden führen. Es sollten daher immer nur die empfohlenen Verzehrmengen eingehalten werden. Ursache sind die hohen Gerbstoffgehalte. Besteht Unsicherheit in der Behandlung sollte ein Arzt oder Heilpraktiker befragt werden. Sollten Durchfallerscheinungen auftreten, die länger als zwei Tage andauern, ist umgehend ein Arzt zu konsultieren!

Blutwurz kaufen - Was gibt es zu beachten?

Der Handel bietet mittlerweile eine Vielzahl unterschiedlicher Blutwurz-Produkte an. Die Palette reicht von Saatgut über verschiedene Arzneipräparate wie Kapseln, Blutwurz-Tinkturen oder getrockneten und geschnittenen Tormentillwurzeln. Frische Pflanzen werden nur äußerst selten angeboten und sind wenn, dann nur in ausgewählten Pflanzencentern oder im Onlinehandel erhältlich.

Blutwurzsamen gibt es in zahlreichen Onlineshops und Marktplätzen zu relativ günstigen Preisen zu bekommen. Da die Samen recht unproblematisch zu lagern sind, gibt es hier nicht sonderlich viel zu beachten.

Für die Anwendung von Blutwurz als Heilpflanze stehen u.a. geschnittene Blutwurzprodukte zur Verfügung, mit der die Zubereitung eigener Heiltees möglich ist. Daneben gibt es auch fertige Tinkturen, Gurgellösungen oder spezielle Teemischungen zu erwerben.

Für die Zubereitung von Blutwurz-Likör gibt es in Kräuterfachgeschäften spezielle Ansatzmischungen zu kaufen, durch die sich relativ einfach eigene Spirituosen aus Tormentill herstellen lassen. Die Mischungen sind zwar meist relativ teuer, dafür aber recht ergiebig.

Beim Kauf von Blutwurz-Produkten gibt es eine Verwechslungsgefahr mit dem kanadischen Blutwurz, die durch den botanischen Namen Sanguinaria canadensis beschrieben wird. Auch diese gilt als Heilpflanze. Dieser Blutwurz wird jedoch meist im Bereich von Schmerztherapien und Erkältungskrankheiten verwendet.

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