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Artemisien - Besondere Kräuter mit hohem Nutzen

Sie ist artenreich, vielfältig und vor allem für den Menschen nützlich. Die Gattung der Artemisien enthält knapp 500 verschiedene Pflanzenarten, die weltweit verbreitet sind. Zu ihr gehören wichtige Kräuter wie Beifuß, Eberraute, Estragon oder Wermut, die sowohl in der Medizin als auch in der Küche kaum wegzudenken sind.

Ein Überblick über wichtige Artemisien

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht: Die Gattung Artemisia gehört zur großen Pflanzenfamilie der Korbblütler. Botaniker gehen heute davon aus, dass es um die 500 Arten geben dürfte, von denen jedoch nicht alle vollständig untersucht wurden.

Übersicht Pflanzen Artemisia

Übersicht bekannter Pflanzen der Gattung Artemisia

Viele Artemisien stammen ursprünglich aus dem osteuropäischen und westasiatischen Raum und haben sich im Laufe der Zeit sowohl in Richtung China und Amerika als auch in Richtung Europa ausgebreitet. Kräuter dieser Gattung sind damit, mit Ausnahme von Australien und der Antarktis, heute auf jedem Kontinent zu finden. Jedoch liegt der Schwerpunkt deutlich auf der nördlichen Halbkugel.

Übersicht über bekannte Artemisien
PflanzeBotanischer NameVorkommenVerwendung
Beifuß, EinjährigerArtemisia annuaOst- und Südasien, selten als Neophyt in Mitteleuropaals Gewürzkraut für Suppen und Wildgerichte, als Heilkraut gegen Fieber und womöglich Malaria
Beifuß, GewöhnlicherArtemisia vulgarisEuropa, Asien, Wegränder, Brachflächen, heimischals Gewürzkraut für Wildgerichte, deftige Pfannengerichte, Saucen; als Heilkraut bei Beschwerden der Verdauung sowie gegen Kopfschmerzen
Beifuß, WeißerArtemisia lactifloraMittel- und Südwestchina, nicht heimischals Gewürzkraut für Süßspeisen, Fisch und Reis; als Heilkraut gegen Bronchitis, Ekzemen und Leberstörungen
Edelraute, EchteArtemisia umbelliformisin Gebirgen (Alpen, Karpaten), karge Böden, teils heimischals Gewürzkraut für Spirituosen; als Heilkraut gegen Fieber, Lungenerkrankungen und Verdauungsstörungen
EstragonArtemisia dracunculusSüdost- und Osteuropa, bei uns selten als Neophytals Gewürzkraut für Saucen, Eierspeisen, Kartoffelgerichte, Fisch; als Heilkraut kaum Verwendung
Feld-BeifußArtemisia campestrisEuropa, Nordamerika, heimisch auf trockenen Bödenals Gewürzkraut für fettreiche Speisen, Wildgerichte und Saucen; als Heilpflanze gegen Gelenkschmerzen und Wurmbefall sowie zur Wundheilung
EberrauteArtemisia abrotanumSüdosteuropa, Osteuropa, nicht heimischals Gewürz- und Küchenkraut für Getränke, Saucen und fettreiche Speisen; als Heilkraut gegen Erkältungen
Moxakraut, chinesischesArtemisia capillarisChina, Südasien, nicht heimischals Heilkraut in der TCM gegen Appetitlosigkeit, Harnwegsinfekte und Verdauungsstörungen
Silber-WermutArtemisia ludovicianaNordamerika, Mittelamerika, nicht heimischals Gewürz- und Küchenkraut deftige Fleischgerichte und Süßspeisen (Konfekt); als Heilkraut gegen Störungen der Galle, Menstruationsbeschwerden und Fieber
Wermut, GemeinerArtemisia absinthiumOsteuropa, Mitteleuropa, Neophytals Gewürz- und Küchenkraut für Spirituosen (Absinth), Speiseöle, Fleischgerichte, fettreiches Essen; als Heilkraut gegen Störungen der Verdauung und Appetitlosigkeit

Woher kommt der Gattungsname Artemisia?

Namensgeber dieser besonderen Pflanzengattung war die griechische Göttin Artemis, die als Göttin der Jagd, der Geburt, des Mondes und des Waldes verehrt wurde. Zu jener Zeit galt das Wermutkraut aufgrund seiner silbrigen und pfeilartigen Blätter als heilig. Da das Wermutkraut als Leitart dieser Gattung gilt, wurden alle Pflanzen dieser Gattung mit dem Namen Artemisia bezeichnet.

Den Namen vergeben hat der schwedische Biologe Carl von Linné, der im 18. Jahrhundert einer der wichtigsten botanischen Forscher seiner Zeit war.

Gewöhnlicher Beifuß

Oft wird der Gewöhnliche Beifuß (Artemisia vulgaris) schlicht als Gewürzbeifuß bezeichnet. Die Blütentriebe dieser recht unscheinbaren Pflanze werden zur Winterzeit gern als Gewürz für Wildgerichte verwendet. Es ist in unseren Breiten wohl die bekannteste wild vorkommenden Artemisie.

Beifuß Artemisia
Die unscheinbare Blüten des Gewöhnlichen Beifußes (Artemisia vulgaris können oft wild bei uns gefunden werden
Beifuß – Zusammenfassung
Blätterlanzettliche bis stachelige Form mit dezenter Blattbehaarung, können bis 10 cm lang werden
BlütezeitJuni bis Ende September
Blütengraugrüne, gelbe bis zartrosane kleine Blüten, die stets in einer Traube angeordnet sind
Standortnährstoffreiche, kalkhaltige und gut durchlässige Böden. Bevorzugt sonnige, toleriert aber auch halbschattige Lagen.
Verwendete PflanzenteileBlütentriebe, Blüten, Blätter

Eberraute

Die Eberraute (Artemisia abrotanum) ist bei uns oft auch als Colastrauch, Stabwurz oder Colakraut bekannt. Letzteres wird einem klar, wenn man an Teilen der Pflanze reibt. Dann verströmt die Artemisie nämlich einen colaähnlichen, aromatischen und sehr angenehmen Duft. Die Eberraute ist als Gewürz zwar etwas in Vergessenheit geraten, wird aber gern als Gewürz für Getränke, Wildgerichte und deftige Pfannengerichte genutzt.

Eberraute – Zusammenfassung
Blätter und Stängelgefiederte bis leicht geschlitzte Form mit dezenter Blattbehaarung auf der Unterseite, Stängel verholzen in der Regel
BlütezeitMitte Juli bis Ende September
Blütenweiße bis gelbe kleine Blüten (ca. 5 mm), die in einer ährenartigen Traube angeordnet sind
Standortnährstoffreiche, kalkhaltige und gut durchlässige Böden. Bevorzugt vollsonnige bis sonnige Lagen.
Verwendete Pflanzenteilevorwiegend Blätter

Estragon

Der Estragon (Artemisia dracunculus) zählt zu unseren beliebtesten Küchenkräutern. Er wird vorwiegend als Gewürzkraut genutzt und gibt u.a. Fischgerichten, Kartoffelgerichten, Suppen, Eierspeisen und Meeresfrüchten einen unverwechselbaren Geschmack. Die Artemisie gibt es in drei Unterarten: Dem Russischen, dem Deutschen und dem Französischen Estragon. Während die ersten beiden eher mild sind, wird Letzterer bevorzugt in der Küche eingesetzt.

Estragon Artemisia
Der Estragon (Artemisia dracunculus) ist eine der wenigen Artemisien, die keine gefiederten Blätter entwickeln
Estragon – Zusammenfassung
Blätter und Stängelschmal und spitz zulaufende Blätter und bis zu 3,5 cm lang; Stängel verholzt nicht
BlütezeitMai bis Juli
Blütengelbe kleine Korbblüten in rispenähnlichen Blütenständen, blühen bei uns nur selten
Standortsonnige Lagen, feuchte, humose und nährstoffreiche Standorte
Verwendete Pflanzenteileausschließlich Blätter

Wermut

Wer das Wermutkraut einmal roh probiert hat, wird sich an den bitteren Geschmack immer erinnern. Die Blätter und Blüten enthalten hohe Anteile an Bitterstoffen, die u.a. die verdauungsfördernden Wirkungen der Pflanze erklären. Die Blätter sind eine wichtige Zutaten für bekannte Spirituosen wie Absinth, Vermouth oder Martini.

Wermut Artemisia
Der Wermut (Artemisia absinthium) ist der König unter den Artemisien
Wermut – Zusammenfassung
Blättergefiederte und meist kurzgestielte Blätter mit dichter Blattbehaarung, untere Blätter sind größere als die obersten
BlütezeitJuli bis Ende September
Blütengelbe Bläten in astigen Rispen, Kelchblätter behaart
Standortvollsonnige bis sonnige Lagen, vorrangig auf nährstoffarmen, durchlässigen und kalkhaltigen Böden
Verwendete PflanzenteileBlätter, selten Blüten

Merkmale der Gattung Artemisia

Pflanzen der Gattung Artemisia zeigen bestimmte gemeinsame Merkmale, die eine Zuordnung zu dieser Gattung ermöglichen. Solche Merkmale können chemischer aber auch rein botanischer Natur sein.

Inhaltsstoffe

Artemisien enthalten oft, aber nicht immer, bestimmte sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, die eine bestimmte Wirkung im tierischen oder menschlichen Organismus ausüben. Artemisien, wie auch alle anderen Pflanzen, bilden diese Stoffe u.a. zur Abwehr von Fressfeinden oder zum Schutz vor Bakterien oder anderen Pflanzenpathogenen.

Häufige Inhaltsstoffe, die in nahezu allen Artemisien vorkommen sind:

  • Artemisinin: hat womöglich einen signifikanten Effekt auf Malariaviren und ist daher wertvolles Objekt wissenschaftlicher Untersuchungen. In hohen Anteilen kommt er lediglich im Einjährigen Beifuß (Artemisia annua) vor. Andere Artemisien enthalten jedoch oft auch Spuren dieses Stoffes.
  • Esculetin: zählt zu den Cumarinen und zeigt in Laborversuchen entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften. Es findet sich in höheren Anteilen u.a. im Gewürzbeifuß (Artemisia vulgaris) aber auch im Estragon oder der Eberraute.
  • Stigmasterol: zählt zu den Phytosterolen und ist für seine cholesterinsenkenden und antioxidativen Wirkungen bekannt. Es ist in nahezu allen bekannten Artemisia-Arten nachgewiesen worden.
  • Thujon: hat eine antibakterielle, krampflösende und stimulierende Wirkung, ist aber auch ein starkes Nervengift. In höheren Anteilen ist es im Wermut enthalten, findet sich jedoch in geringen Anteilen auch im Gewürzbeifuß.

Pflanzenmerkmale

Die einzelnen Arten der Gattung Artemisa lassen sich zwar meistens gut unterscheiden. Dennoch haben alle Artemisien ganz spezielle Merkmale, die für alle Pflanzen dieser Gattung gelten. Das betrifft sowohl die gemeinsame Merkmale an Blätter sowie an den Reproduktionsorganen.

  • Blätter: Alle Blätter stehen sich stets wechselständig gegenüber. Die meisten Artemisien haben außerdem mehr oder weniger gefiederte Blätter
  • Blüten:Die Blüten von Artemisien sind immer in traubigen oder rispigen Blütenständen angeordnet. Die kleinen Korbblüten sind in der Regel nie größer als 6 mm.
  • Früchte: Die Fruchtform bei Artemisien sind immer einsamige Schließfrüchte, so genannte Achänen. Im Gegensatz zu vielen anderen Korbblütlern fehlt jedoch ein Flugschirmchen (Pappus)

         

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