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Erdrauch

Erdrauch (Fumaria officinalis) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Foto vom Gewöhnlichen ErdrauchDer Erdrauch (Fumaria officinalis) dürfte vielen eher unbekannt sein. In der Naturheilkunde wird die zu den Mohngewächsen gehörende Pflanze seit vielen Jahren gegen Beschwerden der Gallenwege sowie bei Magenkrämpfen eingesetzt. Die im Erdrauch enthaltenen Alkaloide haben eine krampflösende und gallenflussregulierende Wirkung.

Pflanzenmerkmale und Systematik des Gewöhnlichen Erdrauchs

Herkunft und Vorkommen des Gewöhnlichen Erdrauchs

Das ursprüngliche Herkunftsgebiet des Erdrauchs kann nicht genau eingegrenzt werden. Gesichert ist allerdings, dass die Pflanze im nördlichen Mittelmeergebiet wie auch in Mittel- und Westeuropa zu Hause ist. Der Erdrauch hat eine hohe ökologische Toleranz und ist daher heute fast weltweit verbreitet. Er tritt wild sowohl in Nord- wie Südamerika als auch in Nordafrika und Asien auf. In den tropischen Gebieten ist er nur sehr selten anzutreffen.

Erdrauch lässt sich vor allem an nährstoffreicheren Standorten finden. Guten Chancen bieten u.a. Schuttplätze, Brach- und Ödland sowie die Randflächen landwirtschaftlicher Felder. Gelegentlich kann man den Erdrauch auch an aufgegebenen Gartenbauanstalten finden.

Systematik von Fumaria officinalis

Der Gewöhnliche Erdrauch (Fumaria officinalis) gehört zur Familie der Mohngewächse. Gelegentlich wird er auch als Echter oder Gemeiner Erdrauch bezeichnet. Die Pflanze ist direkt verwandt mit anderen Mohnarten wie dem Klatschmohn (Papaver rhoeas) oder dem Kalifornischen Goldmohn (Eschscholzia californica). Die Gattung der Erdrauchgewächse (Fumaria) umfasst etwa 50 Arten.

Merkmale des Erdrauchs

Der Gemeine Erdrauch ist eine typisch krautige Pflanze, die ausschließlich einjährig wächst. Sie erreicht meist Wuchshöhen zwischen 15 und 50 cm und wächst aufrecht. Erdrauch bildet eher flache Wurzeln aus, die meist dünn ausgebildet und von weißlicher bis hellbrauner Farbe sind. Die Wurzeln selbst besitzen meist nur wenige kurze Wurzelhaare.

Die Blätter des Gemeinen Erdrauchs haben eine graugrüne bis bläulich-grüne Färbung, die namensgebend für Pflanze sind. Das leicht gräuliche Färbung wirkt, als würden die Blätter kurz geräuchert worden sind. Die Form der Blätter ist deutlich gefiedert mit glattem bzw. deutlich gerundetem Blattrand. Die Erdrauchblätter wachsen jeweils wechselständig am kantigen und ebenfalls grau- bis blaugrünen Stängel.

Blatt vom Gemeinen Erdrauch
Die gefiederten und blaugrünen Blätter des Gemeinen Erdrauchs (Fumaria officinalis

Die Blütezeit des Echten Erdrauchs ist meist zwischen Mitte Juni bis Anfang September zu erwarten. Dort bildet die zu den Mohngewächsen gehörende Pflanze blaurote, rosa oder purpurne Blüten aus, die jeweils vermehrt an einem traubigen Blütenstand wachsen. Die Erdrauchblüten sind immer zwittrig und können eine Länge von bis zu einem Zentimeter erreichen. Die Spitze der Blütekrone zeigt eine deutlich dunklere Färbung.

Blüte vom Echten Erdrauch
Bis zu 40 Einzelblüten bildet der Gewöhnliche Erdrauch aus.

Nach der Befruchtung der Blüten, die meist durch Insekten erfolgt, bildet sich aus den Blüten bis zu 3 mm lange Nussfrüchte aus. Die Erdrauchfrüchte zeigen eine deutliche Kerbung. Jede Nussfrucht trägt nur einen einzigen Samen.

Erdrauch – Aussaat, Anbau und Pflege

Der Gemeine Erdrauch wird zwar in den meisten Fällen als Heilpflanze verwendet. Einige Gärtner finden jedoch auch Gefallen an den prachtvollen Blüten der Pflanze, weswegen sie gelegentlich auch kultiviert wird. Grundsätzlich ist der Anbau problemlos, jedoch kann die Aussaat mitunter zum Geduldsspiel werden.

Standort: Der Gemeine Erdrauch (Fumaria officinalis) verträgt sowohl sonnige wie auch halbschattige Standorte. Bevorzugt werden allerdings eher sonnige Lagen, die meist ein besseres Wachstum versprechen. Der Boden sollte nährstoffreich, humos und gut durchlässig sein. Da er ein Flachwurzler ist, betrifft dies vor allem den oberen Bereich der Bodenkrume.

Aussaat: Die dunkelbraunen Samen können im Frühjahr ab April direkt ins Freiland gestreut werden. Eine Vorkultur ist nicht notwendig und auch nicht empfohlen. Die Saattiefe solle zwischen 3 bis 5 Zentimeter betragen. Erdrauch ist ein Dunkelkeimer! Der Pflanzabstand zwischen den Erdrauchpflanzen sollte mindestens 20 cm betragen, da sonst zu hohe Nährstoffkonkurrenz auftritt. Bei passender Keimtemperatur, die bei einer Temperatur zwischen 5 und 10 °C erreicht wird, erscheinen nach einer Keimdauer von etwa 20 bis 30 Tagen die ersten Erdrauchpflänzchen. Es ist durchaus möglich, dass ein nicht geringer Anteil des Saatguts nicht aufgeht. Einige der Erdrauchsamen keimen gelegentlich auch erst im Folgejahr.

Erdrauch kann problemlos in Topfkultur gehalten werden. Es genügt hier eine handelsübliche Kräutererde. Da die Pflanze nur flach wurzelt, genügt ein Topf oder Kübel mit maximal 10 cm Tiefe.

Düngen: Steht ein guter nährstoffreicher Boden zur Verfügung, ist eine zusätzliche Düngung meist nicht erforderlich. Soll am gleichen Standort im Folgejahr wieder Erdrauch wachsen, genügen kleinere Gaben an Kompost, der oberflächlich unter die Erde verarbeitet wird. Bei Topfkulturen ist oft vor der Blütezeit ein phosphorhaltiger Dünger notwendig, der je nach Wetterlage gegen Anfang Juni mit dem Gießwasser zugeführt werden kann.

Gießen: Erdrauch hat einen eher mäßigen Wasserbedarf. Die Pflanze hat eine recht hohe Toleranz: Sowohl kurzfristige Trockenphasen als auch Feuchtphasen werden meist problemlos ertragen. Im Garten benötigt Erdrauch keine Sonderbehandlung. Die Pflanzen können ganz normal mitgegossen werden. Bei länger anhaltenden Heißphasen kann es jedoch förderlich sein, die Erdrauchpflanzen in den Abendstunden zu bewässern.

Krankheiten und Schädlinge: Erdrauch ist aufgrund seiner Inhaltsstoffe nur selten Angriffspunkt von schädlichen Insekten. Gelegentlich können Blattläuse auftreten, die in den meisten Fällen jedoch kein Problem darstellen. Bei ungünstigen Standortbedingungen oder gröberen Pflegefehlern kann Falscher Mehltau entstehen. Diese zeigen sich an der Blattunterseite meist in Form von gelblich-grauen bis bläulichgrauen Belegen. Ursache sind meist zu geringe Pflanzabstände oder zu viel Feuchtigkeit.

Überwinterung: Der Gemeine Erdrauch ist eine einjährige Pflanze, weswegen Überwinterungsmaßnahmen nicht erforderlich sind.

Verwendung von Erdrauch

Erdrauch als Küchenkraut

Erdrauch findet in der Küche keine Verwendung.

Echter Erdrauch als Heilkraut

Erdrauch hat eine lange Tradition als Heilpflanze. Die Pflanze wurde bereits seit der Antike verwendet. In den letzten Jahren wurde der Erdrauch intensiver untersucht, so dass auch die wissenschaftliche Medizin teils auf Erdrauchpräparate zurückgreift. Das Haupteinsatzgebiet der Heilpflanze sind vor allem funktionale Beschwerden des Verdauungsapparates.

In Kräuterbüchern des Mittelalters wurde der Erdrauch bereits intensiv beschrieben. Die Pflanze kam sowohl für innerliche als auch äußerliche Beschwerden zum Einsatz. Empfohlen wurde Erdrauch u.a. bei Verstopfung der Leber, als galletreibendes Mittel sowie bei Durchfall. Hauptsächlich wurden Teeaufgüsse beschrieben, die zum Teil mit anderen Heilkräutern wie dem Natternkopf zubereitet wurden. Äußerlich wurden Erdrauchdarreichungen u.a. für klare Augen sowie bei Krätze verwendet.

Erdrauch im alten Kräuterbuch
Beschreibung des Erdrauchs als Heilpflanze im Kräuterbuch von P. A. Matthioli

Heilkundlich werden vorrangig die Erdrauchblätter verwendet. Diese sind am wissenschaftlich auch am besten untersucht und enthalten ein breites Spektrum an interessanten Inhaltsstoffen. Vorrangig enthält Erdrauch Alkaloide, Flavonoide, verschiedene Phenolsäuren sowie vereinzelte Bitterstoffe und Schleimstoffe. Die Synergie aller Wirkstoffe begründet folgende Wirkungen auf den menschlichen Organismus:

  • gallenflussregulierend
  • krampflösend
  • leicht schmerzlindernd
  • übelkeitsmindernd
  • entzündungshemmend
  • stoffwechselfördernd

Erdrauch wird heute vor allem bei Verdauungsbeschwerden sowie bei Störungen des Gallenflusses verwendet. Weitere Anwendungen sind die Behandlung von teils chronischen Hauterkrankungen. Zusammenfassend werden Erdrauchpräparate für die folgenden Krankheiten und Beschwerden verwendet:

  • Schuppenflechte (Psoriasis)
  • Hautekzeme
  • Gallengangsstörungen
  • Verdauungsbeschwerden
  • Galenkoliken
  • Magen-Darm-Krämpfe

Die Anwendung bei Schuppenflechte ist noch nicht lange bekannt. Gesichert ist, dass die in den Blättern enthaltenen Fumarsäureester regulierend auf bestimmte Lymphozyten (weiße Blutkörperchen) wirken. Vor allem die so genannten TH1 Helferzellen, ein bestimmter Lymphozyttyp, werden bei Schuppenflechte in großer Menge gebildet. Erdrauchextrakte, die reich an Fumarsäureester sind, können regulierend auf die Menge der TH1 Zellen wirken, so dass typische Symptome bei Psiorasis deutlich gemildert werden können. Da die im Erdrauch enthaltende Fumarsäure jedoch nur begrenzt bioverfügbar ist, ist nicht gesichert, inwiefern Erdrauch bei Schuppenflechte helfen kann.

Die gebräuchlichste Darreichungsform ist die Zubereitung eines Erdrauchtees. Für einen Heißwasseraufguss werden maximal 2 Teelöffel der getrockneten Droge mit 250 ml heißem Wasser übergossen. Der Tee sollte etwa 6 bis 8 Minuten ziehen. Pro Tag sollten ca. zwei bis drei Tassen des Aufgusses getrunken werden. Neben Tee gibt es auch Presssäfte, Kapseln und Tinkturen, die in der Naturheilkunde Verwendung finden.

Neben der inneren Anwendung als Tee kann Erdrauch auch äußerlich angewendet werden. Hierzu kann ein Umschlag aus einem Erdrauchsud direkt auf Ekzeme oder kleinere Wunden gelegt werden. Allerdings sollten offene Wunden nicht mit einem Umschlag versorgt werden, da meist eine sterile Umgebung nicht sichergestellt werden kann und somit Entzündungen der Haut die Folge sein können.

Nebenwirkungen: Bei sachgemäßer Anwendung sind nur selten Nebenwirkungen zu erwarten. Bei übermäßiger Anwendung können die in der Pflanze enthaltenen Alkaloide Bauchschmerzen und Übelkeit auslösen.

Erdrauch kaufen – Was gibt es zu beachten?

Erdrauch wird vorrangig als Heilpflanze verwendet, so dass vor allem getrocknete Kräuter im Handel angeboten werden.

Gärtner, die die Pflanze gern im Garten auf den Balkon anbauen möchten, dürften vor allem im Onlinehandel bei speziellen Samenhändler (z.B. Rühlemanns, Templiner Kräutergarten) fündig werden. Frischpflanzen werden nur äußerst selten angeboten. Gelegentlich kann man auf saisonalen Stauden- oder Pflanzenmärkten fündig werden.

Getrocknete Erdrauchblätter bieten relativ viele Händler an. Die Preise variieren recht stark zwischen 3 und 8 EUR pro 100 Gramm. Die Qualität variiert recht stark. Vor allem bei sehr günstigen Produken finden sich häufig geschnittene Stängel mit in der Verpackung. Vor allem für die heilkundliche Zwecke sollten jedoch ausschließlich zerkleinerte Blätter enthalten sein.

Literaturhinweise

  • [1]: Orhan, I. E. et al. (2012): Antioxidant and hepatoprotective activity appraisal of four selectedFumariaspecies and their total phenol and flavonoid quantities. In: Experimental and Toxicologic Pathology, Vol. 64, S. 205-209, https://doi.org/10.1016/j.etp.2010.08.007
  • [2]: Khamtache-Abderrahim, S. et al. (2016): Isoquinoline alkaloid fractions ofFumaria officinalis: Characterization and evaluation of their antioxidant and antibacterial activities. In: Industrial Crops and Products, Vol. 94, S. 1001-1008, https://doi.org/10.1016/j.indcrop.2016.09.016
  • [3]: Europäische Arzneimittel-Agentur (2011): Assessment report on Fumaria officinalis L., herba, London.
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