Erdrauch

Fumaria officinalis
Erdrauch - Pflanze

Wenn man in der Natur eine Pflanze mit dekorativen, purpurnen, kleinen Blüten sieht, könnte es sich um den Erdrauch handeln. Doch die Schönheit trügt. Erdrauch oder Fumaria officinalis bildet eine Fülle an giftigen Alkaloiden. Essbar ist die Pflanze daher nicht. Allerdings wird die zu den Mohngewächsen zählende Pflanze in der Naturheilkunde schon seit vielen Jahren verwendet. Dort wird sie vor allem bei Beschwerden der Gallenwege und bei Magenkrämpfen eingesetzt. Die enthaltenen Alkaloide haben nämlich eine krampflösende und gallenflussregulierende Wirkung.

Steckbrief von Erdrauch
Botanischer NameFumaria officinalis
PflanzenfamilieMohngewächse
Weitere NamenBlausporn, Grindkraut, Rauchkraut
Aussaatzeit / PflanzzeitApril - Mai
BlütezeitJuni - September
ErntezeitJuli - Oktober
Standortsonnig bis halbschattig; nährstoffreiche und durchlässige Böden
Verwendung als HeilkrautSchuppenflechte, Ekzeme, Gallenstörungen, Gallenkoliken, Verdauungsbeschwerden, Magenkrämpfe
Verwendung als Gewürzkrautkeine Verwendung

Vorkommen und Systematik des Gewöhnlichen Erdrauchs

Woher stammt Erdrauch und wo kommt er vor

Man weiß nicht genau, wo der Erdrauch eigentlich herkommt. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet reicht heute jedoch nördlichen Mittelmeergebiet bis nach Mittel- und Westeuropa. Da er nur wenig Ansprüche hat und standorttolerant ist, gibt es kaum ein Kontinent, wo Erdrauch nicht verwildert vorkommt. Häufig findet man ihn beispielsweise in Nord- wie Südamerika, in Nordafrika und in den asiatischen Ländern. Weniger häufig kommt er in den Tropen und Subtropen vor.

Da Erdrauch nährstoffreiche Plätze liebt, findet man ihn oft an Schuttplätzen, im Brach- und Ödland oder an Randflächen landwirtschaftlicher Felder. Gelegentlich kann man den Fumaria officinalis auch an aufgegebenen Gartenbauanstalten finden.

Erdrauch in der Botanik - Systematik und Name

Der Echte oder Gewöhnliche Erdrauch wird aufgrund seiner kropfähnlichen Blüten auch Taubenkropf genannt. Botaniker verwenden den wissenschaftlichen Namen Fumaria officinalis. Im Wort Fumaria steckt das Wort Rauch oder Feuer bereits drin.

Das Aussehen lässt es zwar nicht vermuten, aber tatsächlich ist der Erdrauch ein Mohngewächs. Er ist daher verwandt mit bekannten Wildkräutern wie dem Klatschmohn (Papaver rhoeas) oder dem Kalifornischen Goldmohn (Eschscholzia californica).

Es gibt jedoch noch deutlich mehr bekannte Erdraucharten. Botaniker kennen heute etwa 50 Arten. Die Gattung der Erdrauchgewächse (Fumaria) umfasst etwa 50 Arten. Ein naher Verwandter der ebenfalls bei uns heimisch ist, ist der Dunkle Erdrauch.

Was für eine Pflanze ist Erdrauch und woran erkennt man ihn?

Man erkennt es schon von Weitem: Der Gewöhnliche Erdrauch sieht sehr filigran aus und ist eine typisch krautige Pflanze. Sie wächst nur einjährig und wird meist nicht größer als 50 Zentimeter. Im Boden bildet Fumaria officinalis flache Wurzeln aus, die sehr dünn sind und eine weißliche bis hellbraune Farbe haben. Wurzelhaare sind nicht vorhanden.

Wie sehen die Blätter vom Erdrauch aus?

Die Blätter des Gewöhnlichen Erdrauchs sind meist graugrüne bis bläulich-grüne gefärbt. Diese interessante Färbung ist wohl auch der Grund für seinen Namen. Die Blätter erinnern an einen Zustand, der wie leicht angeräuchert aussieht.

Die Blätter sind auffällig gefiedert und haben einen glatten und deutlichen gerundeten Blattrand. Die Erdrauchblätter wachsen immer wechselständig am kantigen und ebenfalls grau- bis blaugrünen Stängel.

Blatt vom Gemeinen Erdrauch
Die gefiederten und blaugrünen Blätter des Gemeinen Erdrauchs (Fumaria officinalis

Wie sehen die Blüten vom Erdrauch aus?

Erst ab Mitte Juni steckt der Erdrauch seine ganze Kraft in die Blütenbildung. Dann kommen allmählich die ansehlichen blauroten, rosa oder purpurgefärbten Blüten zum Vorschein, die traubig wachsen. Die Blütezeit kann bis Ende August andauern. Erdrauchblüten sind immer zwittrig und können eine Länge von bis zu einem Zentimeter erreichen. Die Spitze der Blütekrone ist immer etwas dunkler gefärbt.

Blüte vom Echten Erdrauch
Bis zu 40 Einzelblüten bildet der Gewöhnliche Erdrauch aus.

Früchte und Samen des Gewöhnlichen Erdrauchs

Wenn die Insekten ihre Arbeit getan und die Blüten befruchtet haben, bilden sich ab September bis zu 3 Millimeter lange Nussfrüchte aus. Die Früchte, die immer nur einen einzigen Samen enthalten, sind deutlich gekerbt.

Tipps zum Anbau von Erdrauch im Garten und auf dem Balkon

Dank seiner leuchtenden und schön gefärbten Blüten eignet sich Erdrauch auch als Zierpflanze im Garten oder auf dem Balkon. Der Anbau ist auch ökologisch sinnvoll, da viele Insekten wie Bienen, Schmetterlinge aber auch Käfer Gefallen an der Pflanze finden. Während die Pflege des Mohngewächses kein Problem darstellt, kann die Aussaat jedoch zum Geduldsspiel werden.

An welchem Standort fühlt sich Erdrauch wohl?

Eine schöne sonnige Lage im Garten oder eine Südlage auf dem Balkon liebt Erdrauch am meisten. Mit halbschattige Standorten kommt er allerdings auch zurecht. Allerdings wächst sie dann meist etwas kleiner.

Für optimales Wachstum gönnt man der Pflanze am besten einen nährstoffreich, humosen und gut durchlässigen Boden. Für Balkongärtner ist eine hochwertige Universalerde eine gute Wahl.

Was ist bei der Aussaat zu beachten?

Die dunkelbraunen Samen können im Frühjahr ab April direkt ins Gartenbeet oder in einen breiten Blumentopf gestreut werden. Eine Vorkultur ist nicht notwendig und auch nicht zu empfehlen. Wichtig ist, dass die Samen drei bis fünf Zentimeter in die Erde gedrückt werden müssen. Erdrauch ist nämlich ein Dunkelkeimer, so dass die Samen mit Licht nicht in Berühung kommen dürfen.

Ein Pflanzabstand zwischen den einzelnen von mindestens 20 Zentimeter sollte man einhalten, da sich die Pflanzen im schlimmsten Fall gegenseitig in ihrem Wachstum negativ beeinflussen. Damit die Samen zu keimen beginnen, brauchen sie Temperaturen zwischen 10 °C erreicht wird. Etwas Geduld ist angebracht. Es ist nicht unüblich, dass bis zu 30 Tage vergehen können, bis die ersten Keimlinge aus der Erde herausschießen.

Hinweis: Es ist durchaus möglich, dass einige Samen nicht aufgehen. Das ist leider normal für den Gewöhnlichen Erdrauch. Es kann sogar vorkommen, dass diese Samen dann erst im Folgejahr zu keimen beginnen.

Erdrauch kann man in gut in Töpfen halten

Da die Pflanze nur flach wurzelt kann man sie problemlos in einem Topf anbauen. Optimal sind Töpfe, die wenigstens 10 Zentimeter tief sind. Sie können gerne aber etwas breiter sein, damit sich die Pflanze seitlich ausbreiten kann.

Muss man Erdrauch düngen?

Wächst das Mohngewächs in einem nährstoffreichen Boden braucht man sich um eine zusätzliche Düngung nicht weiter kümmern. Bei Topfkulturen kann das allerdings anders aussehen, da Nährstoffe beim Gießen ausgewaschen werden. Wächst Dein Erdrauch im Garten und möchtest Du ihn im nächsten Jahr an der selben Stelle anbauen, ist etwas Dünger nicht verkehrt. Kompost ist völlig ausreichend, insofern Du welchen hast. Ansonsten tut es auch ein hochwertige organischer Dünge oder wenige Gaben Düngepellets.

Wie oft muss Erdrauch gegossen werden?

Erdrauch ist nicht sonderlich durstig, freut sich aber trotzdem über gelegentlich Wassergaben. Das Mohngewächs kann kurzfristige Durststrecken aber problemlos überstehen. Im Garten benötigt Erdrauch keine Sonderbehandlung. Die Pflanzen können ganz normal mitgegossen werden. Bei länger anhaltenden Heißphasen kann es jedoch förderlich sein, die Erdrauchpflanzen in den Abendstunden zu bewässern.

Ist die Pflanze anfällig gegenüber Schädlingen und Krankheiten?

Erdrauch hat viele Inhaltsstoffe, die vielen bekannten Schädlinge nicht schmecken. Manchmal können allerdings trotzdem schwarze Blattläuse auftreten, die aber meist kein Problem sind. Bei ungünstigen Standortbedingungen oder gröberen Pflegefehlern kann Falscher Mehltau entstehen. Die zeigen sich an der Blattunterseite meist in Form von gelblich-grauen bis bläulichgrauen Belegen. Ursache sind meist zu geringe Pflanzabstände oder zu viel Feuchtigkeit.

Überwinterung

Der Gemeine Erdrauch ist eine einjährige Pflanze, weswegen Überwinterungsmaßnahmen nicht erforderlich sind.

Verwendung von Erdrauch

Erdrauch als Küchenkraut

Erdrauch findet in der Küche keine Verwendung. Alle Pflanzenteile sind durch die Alkaloide giftig und somit nicht essbar.

Echter Erdrauch als Heilkraut

Erdrauch hat eine lange Tradition als Heilpflanze. Die Pflanze wurde bereits seit der Antike verwendet. In den letzten Jahren wurde der Erdrauch intensiver untersucht, so dass auch die wissenschaftliche Medizin teils auf Erdrauchpräparate zurückgreift. Das Haupteinsatzgebiet der Heilpflanze sind vor allem funktionale Beschwerden des Verdauungsapparates.

In Kräuterbüchern des Mittelalters wurde der Erdrauch bereits intensiv beschrieben. Die Pflanze kam sowohl für innerliche als auch äußerliche Beschwerden zum Einsatz. Empfohlen wurde Erdrauch u.a. bei Verstopfung der Leber, als galletreibendes Mittel sowie bei Durchfall. Hauptsächlich wurden Teeaufgüsse beschrieben, die zum Teil mit anderen Heilkräutern wie dem Natternkopf zubereitet wurden. Äußerlich wurden Erdrauchdarreichungen u.a. für klare Augen sowie bei Krätze verwendet.

Erdrauch im alten Kräuterbuch
Beschreibung des Erdrauchs als Heilpflanze im Kräuterbuch von P. A. Mattioli

Heilkundlich werden vorrangig die Erdrauchblätter verwendet. Diese sind am wissenschaftlich auch am besten untersucht und enthalten ein breites Spektrum an interessanten Inhaltsstoffen. Vorrangig enthält Erdrauch Alkaloide, Flavonoide, verschiedene Phenolsäuren sowie vereinzelte Bitterstoffe und Schleimstoffe. Die Synergie aller Wirkstoffe begründet folgende Wirkungen auf den menschlichen Organismus:

  • gallenflussregulierend
  • krampflösend
  • leicht schmerzlindernd
  • übelkeitsmindernd
  • entzündungshemmend
  • stoffwechselfördernd

Erdrauch wird heute vor allem bei Verdauungsbeschwerden sowie bei Störungen des Gallenflusses verwendet. Weitere Anwendungen sind die Behandlung von teils chronischen Hauterkrankungen. Zusammenfassend werden Erdrauchpräparate für die folgenden Krankheiten und Beschwerden verwendet:

  • Schuppenflechte (Psoriasis)
  • Hautekzeme
  • Gallengangsstörungen
  • Verdauungsbeschwerden
  • Galenkoliken
  • Magen-Darm-Krämpfe

Die Anwendung bei Schuppenflechte ist noch nicht lange bekannt. Gesichert ist, dass die in den Blättern enthaltenen Fumarsäureester regulierend auf bestimmte Lymphozyten (weiße Blutkörperchen) wirken. Vor allem die so genannten TH1 Helferzellen, ein bestimmter Lymphozyttyp, werden bei Schuppenflechte in großer Menge gebildet. Erdrauchextrakte, die reich an Fumarsäureester sind, können regulierend auf die Menge der TH1 Zellen wirken, so dass typische Symptome bei Psiorasis deutlich gemildert werden können. Da die im Erdrauch enthaltende Fumarsäure jedoch nur begrenzt bioverfügbar ist, ist nicht gesichert, inwiefern Erdrauch bei Schuppenflechte helfen kann.

Die gebräuchlichste Darreichungsform ist die Zubereitung eines Erdrauchtees. Für einen Heißwasseraufguss werden maximal 2 Teelöffel der getrockneten Droge mit 250 ml heißem Wasser übergossen. Der Tee sollte etwa 6 bis 8 Minuten ziehen. Pro Tag sollten ca. zwei bis drei Tassen des Aufgusses getrunken werden. Neben Tee gibt es auch Presssäfte, Kapseln und Tinkturen, die in der Naturheilkunde Verwendung finden.

Neben der inneren Anwendung als Tee kann Erdrauch auch äußerlich angewendet werden. Hierzu kann ein Umschlag aus einem Erdrauchsud direkt auf Ekzeme oder kleinere Wunden gelegt werden. Allerdings sollten offene Wunden nicht mit einem Umschlag versorgt werden, da meist eine sterile Umgebung nicht sichergestellt werden kann und somit Entzündungen der Haut die Folge sein können [4].

Nebenwirkungen: Bei sachgemäßer Anwendung sind nur selten Nebenwirkungen zu erwarten. Bei übermäßiger Anwendung können die in der Pflanze enthaltenen Alkaloide Bauchschmerzen und Übelkeit auslösen.

Erdrauch kaufen - Was gibt es zu beachten?

Erdrauch wird vorrangig als Heilpflanze verwendet, so dass vor allem getrocknete Kräuter im Handel angeboten werden.

Gärtner, die die Pflanze gern im Garten auf den Balkon anbauen möchten, dürften vor allem im Onlinehandel bei speziellen Samenhändler (z.B. Rühlemanns, Templiner Kräutergarten) fündig werden. Frischpflanzen werden nur äußerst selten angeboten. Gelegentlich kann man auf saisonalen Stauden- oder Pflanzenmärkten fündig werden.

Getrocknete Erdrauchblätter bieten relativ viele Händler an. Die Preise variieren recht stark zwischen 3 und 8 EUR pro 100 Gramm. Die Qualität variiert recht stark. Vor allem bei sehr günstigen Produken finden sich häufig geschnittene Stängel mit in der Verpackung. Vor allem für die heilkundliche Zwecke sollten jedoch ausschließlich zerkleinerte Blätter enthalten sein.

Literaturhinweise und weiterführende Quellen

  1. Orhan, I. E. et al. (2012): Antioxidant and hepatoprotective activity appraisal of four selectedFumariaspecies and their total phenol and flavonoid quantities. In: Experimental and Toxicologic Pathology, Vol. 64, S. 205-209, https://doi.org/10.1016/j.etp.2010.08.007
  2. Khamtache-Abderrahim, S. et al. (2016): Isoquinoline alkaloid fractions ofFumaria officinalis: Characterization and evaluation of their antioxidant and antibacterial activities. In: Industrial Crops and Products, Vol. 94, S. 1001-1008, https://doi.org/10.1016/j.indcrop.2016.09.016
  3. Europäische Arzneimittel-Agentur (2011): Assessment report on Fumaria officinalis L., herba
  4. The Scientific Foundation for Herbal Medicinal Products (2018): Fumariae herba. ESCOP Monographie

Wichtiger Hinweis:
Die hier vorgestellten medizinischen Inhalte geben lediglich einen Überblick über die medizinische Nutzung und wurden auf Grundlage aktueller Studien erstellt. Sie stellen keine Empfehlung zur Anwendung dar und können einen Arzt oder Ärztin nicht ersetzen. Fragen Sie bei unklaren Beschwerden oder ernsthafte Erkrankungen immer einen Arzt oder Apotheker.

       

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