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Bedeutende Kräuterbücher im Mittelalter

Viele unserer Kräuter, die wir auch heute noch gegen allerlei Beschwerden oder auch zum Würzen von Speisen verzehren, waren bereits seit der Antike bekannt. Schon zu jener Zeit haben bekannte Philosophen, Naturforscher und Ärzte zahlreiche Aufzeichnungen verfasst, die für viele Ärzte, Klostermediziner oder Biologen im Mittelalter eine Grundlage boten. Im Mittelalter wurden zahlreiche Kräuterbücher geschrieben, die im Grunde das Wissen der Antike, aber auch das aktuelle Wissen jener Zeit enthielten. Interessant ist in jenem Fall, wie fortschrittlich teilweise die Ärzte, Botaniker und Naturforscher in der Antike bzw. im frühen Mittelalter bereits waren. Eine große Errungenschaft war es daher, das unterschiedliche Wissen, was die verschiedenen Völker und Personen zu dieser Zeit hatten, zusammenzutragen.

Liber de cultura hortum

Das Werk Liber de cultura hortum heißt zu Deutsch etwa „Buch über die Kulturen der Gärten“. Es wurde 827 in Form eines Lehrgedichts von einem Mönch namens Walahfrid Strabo verfasst. Strabo war ein Benediktermönch, Dichter und Botaniker und wurde auf Grund eines Unfalls nur 40 Jahre alt.

In seinem Werk wurden 23 Heilpflanzen in Versform inklusive Anwendungshinweise vorgestellt. Unter diesen Kräutern waren u.a. Salbei, Weinraute, Wermut, Liebstöckel, Kerbel, Schlafmohn, Odermennig, Katzenminze oder Heilziest. Bemerkenswert war die gewählte Dichtform, die auch eine gewisse Form von Anmut enthält. Das Buch ist komplett, wie üblich zu jener Zeit, in lateinischer Sprache verfasst.

Das Buch wurde im Jahr 1510 von Joachim Vadian, einem Schweizer Humanisten und Mediziner, unter dem Namen Hortulus verlegt.

Physica und de Plantis – Hildegard von Bingen

Hildegard von Bingen war wohl eine der bedeutendsten Personen im Mittelalter, die sich als Klostermedizinerin und Universalgelehrte einen großen Namen gemacht hat. Sie hat mehrere Werke verfasst, die vor allem die Themen Religion, Humanismus, Naturkunde und Heilkunde behandelten. Eines ihrer wichtigsten und heute noch zum großen Teil überlieferten Werke war die Physica. Dieses Werk bestand neun Büchern, die im Grunde sämtliche Lebensformen und Erscheinungsformen der Natur abbildeten, darunter Elemente, Bäume, Steine, Fische, Vögel, Tiere, Reptilien, Metalle und eben die Pflanzen.

Im Buch de plantis, welches übersetzt „Über die Pflanzen“ bedeutet, hat sie im ausführlichen Maße, die meisten ihrer Zeit bekannten Pflanzen und Kräuter beschrieben. Zudem trennte die Äbtissin die Kräuter in Genusskräuter und Heilkräuter. Beispielsweise hat sie im besonderen Maße die Alraune erwähnt, eine sehr giftige Pflanze, die im Mittelalter jedoch einen hohen mystischen Wert hatte. Diese hatte Hildegard als ein wenig wässrig und aus der Erde stammend beschrieben, die dem Menschen ähnlich ist.

Insgesamt bestand das Werk de plantis aus 173 Pflanzenkapitel. Da der Buchdruck zu der Zeit noch nicht erfunden war, sind sämtliche Werke in mühevoller Handarbeit entstanden. Über die Entstehung des Werkes ist recht wenig bekannt. Sicher scheint jedoch, dass Hildegard von Bingen tatkräftige Unterstützung durch ihren Sekretär Volmar hatte. Dieser war sowohl mit der Übersetzung vom Deutschen ins Lateinische, sowie mit der Niederschrift des Werkes vertraut.

Auszüge der lateinischen Ausgabe des Buches de plantis sowie von Physica im Allgemeinen finden Sie auf der Seite der Hochschule Augsburg.

Gart der Gesundheit oder Hortus Sanitatis

Das Kräuterbuch Gart der Gesundheit war wohl das erste gedruckte Kräuterbuch, nachdem Johannes Gutenberg gegen 1450 den Buchdruck mit beweglichen Lettern erfunden hatte. Das Buch beschreibt die meisten zu dieser Zeit bekannten Heilkräuter. Die Beschreibungen sind Zusammenstellungen von der Antike bis zum Mittelalter und umfassten Pflanzenmerkmale, Anwendungsgebiete, Heilwirkungen und zum Teil auch Hinweise auf frühere Gelehrte. Das Werk umfasst etwa 520 Seiten in denen etwa 400 Kräuter vorgestellt werden.

An dem Buch waren der ehemalige Mainzer Domherr und Politiker Bernhard von Breidenbach sowie ein ehemalige Mitarbeiter Johannes Gutenbergs mit dem Namen Peter Schöffer. Von Breidenbach war für die Finanzierung des Werkes zuständig, wohingegen Schöffer mit dem Druck des Buches beauftragt war. Verfasser bzw. Autor des Buches war Johannes Wonnecke von Kaub, der ein bekannter Arzt und Botaniker seiner Zeit war. Wonnecke war seiner Zeit auch erzbischöflicher Leibarzt. Für die Erstellung des Buches wurden vermutlich mehr als 15 Jahre benötigt, bis es letztendlich 1485 fertig gestellt wurde. Allein mehrere Jahre wurden für die Erstellung der zahlreichen Illustrationen benötigt, an die der Graphiker und Maler Erhard Reuwich beteiligt war.

Für die textliche Erstellung von Gart der Gesundheit hatte von Breidenbach mehrere Werke des Mittelalters mit einfließen lassen. Ebenso wurde mit dem Werk Canon medicinae ein Großteil der arabischen Medizin und Kräuterkunde erfasst. Der Canon Medicinae galt als eines der grundlegendsten Werke des Mittelalters und hatte sich mit mehreren medizinischen Bereichen (z.B. Chirurgie, Arzneimittelkunde) auseinandergesetzt. Ein weiteres bekanntes Werk, welches als Textquelle verwendet wurde, war das Circa instans. Das Werk ist im 11. Jahrhundert in Salerno (Italien) entstanden und enthielt Abhandlungen von etwa 270 Pflanzen. Im gleichen Jahrhundert wurde ein weiteres bedeutendes Buch mit dem Namen Macer floridus abgehandelt. Das Buch wurde von einem Mönch namens Odo Magdunensis verfasst und galt zur damaligen Zeit als ein Standardwerk der Kräuterheilkunde.




Das Kräuterbuch ist vollständig im Originalzustand erhalten und kann als Scan betrachtet und auch heruntergeladen werden. Durch die häufige Vermischung von Latein und Deutsch, sowie der sehr schwerfälligen Schreibweise zu dieser Zeit, wird man als ungeübter Leser oder ungeübte Leserin durchaus etwas Zeit mitbringen müssen. Hier geht es zum Gart der Gesundheit

Das kreutterbuch von Pietro Andrea Mattioli und Joachim Camerarius

Eigentlich war es Pietro Andrea Mattioli, der die Grundlage des später von Joachim Camerarius übersetzten und erweiterten Kräuterbuchs bildete. Das Buch mit dem deutschen Namen „Kreutterbuch Deß Hochgelehrten unnd weitberühmten Herrn D. Petri Andreae Matthioli“ wurde 1554 in einer lateinischen sowie italienischen Fassung fertig gestellt. Der von Mattioli gewählte Originaltitel lautete „Commentarrii in ses libros Pedacii Dioscoridis“. Dieser Originaltitel gibt einen guten Hinweis auf die Zusammenstellungen sowie den Inhalt des Werkes. Dort wird zuletzt der Name Dioscurides erwähnt. Dioscurides war ein griechischer Militärarzt im 1 Jahrhundert und gleichzeitig der bekannteste Pharmakologe seiner Zeit. Er verfasste ein Heilbuch mit Namen De materia medica, welches übersetzt „Über Heilmittel“ bedeutet. In diesem Buch wurden über 1000 Heilmittel erwähnt, darunter 813 pflanzliche.

Mattioli, der im Übrigen Arzt, Botaniker und Adliger war, hatte die Werke des Dioscurides schließlich übersetzt und mit eigenen Kommentaren versehen. Durch die Unterstützung der Habsburger, konnte die Finanzierung dieses gewaltigen Arbeitsaufwands sichergestellt werden. Das Werk wurde mit insgesamt 563 Holzschnitten illustriert. Das Werk Mattiolis war ein überaus großer Erfolg, welches bis 1563 vermutlich über 32.000 mal verkauft worden ist.

Joachim Camerarius hat nach dem Tod Mattiolis dessen Kräuterbuch ergänzt und sowohl inhaltlich als auch die Abbildungen betreffend erweitert. Camerarius ist in Nürnberg geboren und war wie Mattioli ein anerkannter Arzt und Botaniker.



Das Buch kann kostenlos im betrachtet werden. Hier geht es zum Buch von Mattioli und Camerarius.


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