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Giersch

Giersch (Aegopodium podagraria) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Kaum ein anderes Kraut ist in Gärten so unbeliebt wie Giersch. Dabei kann Geißfuß bzw. Podagrakraut wie Giersch auch genannt wird, viel mehr als wuchern. Rohköstler und Freunde von Wildkräutern schwören auf Giersch als schmackhafter Nährstofflieferant in Salaten oder als Alternative zu Spinat. Giersch ist jedoch auch eine traditionelle Heilpflanze.

Pflanzenmerkmale und Systematik des Gierschs

Bereits im botanischen Namen Aegopodium podagraria versteckt sich ein Hinweis auf das Aussehen dieser Pflanze. Übersetzt wird der aus dem Griechischen stammende Name mit „Ziegenfluß“, weil das Strauchende mit seiner dreiblättrigen Gestalt an die Füße von Ziegen erinnert.

Botanisch zählt der Giersch zu den Doldenblütlern und ist damit u.a. mit Kräutern wie Dill oder Kümmel verwandt. Zur Gattung Giersch ist mit 7 Arten recht klein. Von diesen 7 Arten kommt allein der uns bekannte Giersch (Aegopodium podagraria) in Europa vor. In der Natur ist der Giersch recht häufig anzutreffen. Bevorzugt besiedelt er feuchte Laub- und Mischwälder, Parkanlagen, Gärten und Wegränder.

Giersch ist durch seine markanten Blätter und durch den charakteristischen Pflanzenbau recht einfach zu erkennen. Das Kraut hat einfache, große und zackig gegliederte Blätter. Die Sproßachsen (Stängel) sind kantig und innen hohl. Die Blütenstände des Gierschs erinnern an Wilde Möhre, die zur selben Pflanzenfamilie gehört. Die weißen bis leicht rötlichen Blüten sind in so genannten Dolden vergemeinschaftet. Der Giersch blüht in der Regel zwischen Mai und September und bildet kleine und glatte Früchte aus, die wie Kümmel aussehen.



Giersch aussäen und pflanzen

Die Aussaat von Giersch will gut überlegt sein. Giersch zählt zu den Pflanzen – ähnlich wie Bärlauch, die sich schnell und unkontrolliert vermehren. Entschließt man sich dennoch dazu, ist die Anpflanzung über Senker am einfachsten. Wenn man vermeiden möchte, dass der heimische Garten nur von Giersch beheimatet wird, empfiehlt es sich, Giersch in einem großen Kübel heranzuziehen. Dank der interessanten Blätter, der weißen auffälligen Doldenblüte und einer Wuchshöhe von bis zu einem Meter ist Giersch optisch ein imposanter Hingucker.

Giersch lässt sich auch durch Samen aufziehen. Zum Aussäen kann zwischen Frühjahr und Herbst erfolgen. Die Aussaat sollte in eher nährstoffarmen Erden oder Böden vorgenommen werden. Da der Giersch ein Lichtkeimer ist, sollten die Samen nur leicht angedrückt und keinesfalls mit Erde bedeckt werden. Sobald die Keimlinge erscheinen, ist es wichtig die Erde stets feucht, aber nicht zu nass zu halten.

Was den Standort betrifft, ist Giersch anspruchslos. Am besten wächst die Pflanze jedoch in stickstoffreichen, humosen Böden an feuchten, schattigen Stellen. Entsprechend häufig findet man Giersch deshalb in der freien Natur in Wäldern.

Giersch ist ein robustes Kraut und verlangt nicht viel Pflege. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass man Giersch nicht so leicht wieder los wird. Man hat wenig Erfolg, Giersch zu bekämpfen, indem einfach das Blattgrün entfernt wird. Auch das Zerhacken der Wurzeln verspricht keine langfristige Aussicht auf Erfolg. Lediglich das penible Entfernen aller Wurzelteile aus der Erde macht dem Giersch den Garaus.

Giersch und dessen Verwendung

Giersch ist nicht nur ein wunderbarer Lieferant von blutbildendem Eisen und wertvollem Vitamin C, in der Vergangenheit kam Giersch auch als Heilkraut zum Einsatz.

Giersch in der Küche

Giersch ist unter Liebhabern von Wildkräutern und Wildgemüse sehr beliebt. Gegessen werden in der Zeit des Erscheinens vom ersten Blattgrün bis hinein in den Sommer die frischen, kleinen Blätter. Giersch hat eine pikante Note, die vor allem in Sommersalaten ihren interessanten Geschmack entfaltet.

Mit dem Alter der Blätter wird der Geschmack intensiver und strenger, weshalb ältere Gierschblätter in Form von Tee Einsatz finden oder gekocht als Spinatalternative zubereitet werden. Allerdings sollten die Stiele der Gierschpflanze vor dem Kochen bzw. der Zubereitung entfernt werden, da in diesen Pflanzenteilen die Konzentration an Kumarin am höchsten ist, was zu einem bitteren Geschmack führt.

Giersch wird als Wildgemüse auch häufig in Kombination mit Brennnesseln und Löwenzahn gegessen. Die Pflanzen können in dem Fall als Salat oder, was meist häufiger passiert, als Suppe oder als Cremesuppe zubereitet werden. In Verbindung mit Brot sollen Cremesuppen als sehr delikat gelten.

Giersch als Heilkraut

In alten Kräuterbücher und Nachschlagewerken zur Naturheilkunde wird Giersch als Zipperleinkraut beschrieben. Zipperleinkraut deshalb, weil Giersch gegen viele Volkskrankheiten, insbesondere gegen Rheuma und Gicht, helfen soll - auch wenn Giersch in der Medizin heute vernachlässigt wird, da viele Studien die Wirksamkeit von Giersch gegen die genannten Leiden häufig nicht bestätigen konnten. Der hohe Kaliumgehalt von Giersch unterschützt die Entwässerung und Ausscheidung von Harnsäure im Körper, wodurch das Kraut häufig auch zur Vorbeugung von Blasenentzündungen empfohlen wird.

Grundsätzlich gilt Giersch aufgrund seines hohen Vitamin C und Eisengehalts als sehr gesund und wird daher gern im Frühjahr als Zutat für Smoothies oder Gemüse genutzt. In Verbindung mit Brennessel soll er helfen, u.a. Beschwerden bei Frühjahrsmüdigkeit zu lindern.

Einige neuere Studien ( Prior et al.) konnten jedoch feststellen, dass der Stoff Falcarindiol im Giersch enthalten ist. Dieser Inhaltsstoff hat eine antifungizide Wirkung. Falcarindiol ist ein so genanntes Polyacetylen, dessen medinzische Verwertung aktuell noch diskutiert wird. Das Falcarindiol ist leicht giftig und vorzugsweise an den Wurzeln zu finden. Für den Menschen ist der Genuss von Giersch allerdings kein Problem.

Verwechslungsgefahr beim Sammeln – Giersch vom Bärenklau unterscheiden

Wer Giersch sammeln und für den Eigenbedarf nutzen möchte, sollte vorher klären, ob es sich auch tatsächlich um das Kraut handelt. Einige Bärenklau-Gewächse sehen dem Giersch auf dem ersten Blick sehr ähnlich. Bärenklau ist giftig und kann bereits bei Berührungen eine so genannte Photodermatitis auslösen. Giersch lässt sich leicht durch seine Blattform unterscheiden. Bärenklau hat gefiederte bis geschwungene Blätter, wohingegen sich der Giersch mit seinen gezackten und meist kleineren Blättern deutlich unterscheiden. Der Wiesen-Bärenklau ist gegenüber dem Riesen-Bärenklau deutlich ungiftiger und wird im jungen Zustand sogar als Wildkraut geschätzt. Der Riesen-Bärenklau enthält jedoch deutlich mehr Fucocumarine und kann entschieden mehr Verletzungen und Vergiftungen hervorrufen, als sein kleinerer Verwandter.



Giersch kaufen - Was gibt es zu beachten?

Wie weiter oben beschrieben, ist Giersch eine sehr ausdauernde Pflanze, die binnen kürzester Zeit große Teile von Gärten oder Wiesen überwuchert. Im Handel findet man aufgrund des meist negativen Rufes nur selten Pflanzen, Gierschsamen werden vereinzelt im Onlinehandel zu sehr günstigen Preisen angeboten. Am einfachsten ist Zucht über Ableger. Das Angebot an Mitteln zur Bekämpfung von Giersch ist meist größer, als Gierschprodukte selbst.

Bildnachweise:
mittleres Bild: Luise / pixelio.de

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