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Augentrost - Kräutersteckbrief

Augentrost - Merkmale, Anbau und Verwendung

Botanischer Name: Euphrasia officinalis

Der gemeine Augentrost, der in alten Büchern über Heilpflanzen manchmal auch Augenkraut oder Augustinuskraut genannt wird, ist eine altbewährtes Heilkraut. Wie es der Name schon erahnen lässt, wurde und wird der Augentrost bereits seit dem Mittelalter bei vielerlei Augenbeschwerden und Augenkrankheiten eingesetzt.

Pflanzenmerkmale und Systematik des gemeinen Augentrosts

Herkunft und Vorkommen des Augentrosts

Der Augentrost ist in den Ländern Mitteleuropas, Westeuropas und in einigen Teilen Südeuropas heimisch. Er ist bevorzugt in Hochgebirgslagen zwischen 2000 und 2400 Metern anzutreffen. Der gemeine Augentrost wird heute in einigen Gärten kultiviert und als Zierpflanze verwendet.

Systematik des gemeinen Augentrosts

Der gemeine Augentrost gehört zur Familie der Sommerwurzgewächse (Orobanchaceae ) sowie zur Ordnung der Lippenblüterartigen (Lamiales). Letzteres wird durch die zweigeteilte, lippenartige Blüte deutlich. Kräuter, die zur gleichen Familie gehören, sind u.a. der Zahntrost oder der Klappertopf. Die Gattung Augentrost zählt derzeit 12 Arten. Der hier beschriebene gemeine Augentrost kann sich regional noch in einige Unterarten aufteilen.

Merkmale des Augentrosts

Die klar krautige Pflanze erreicht je nach Standort- und Bodenbedingungen Wuchshöhen zwischen 10 und 30 cm. Der gemeine Augentrost ist ein klassischer Halbschmarotzer, der sich durch Nährsalze und Wasser von den benachbarten Pflanzen, meistens Gräser, versorgt. Das Kraut verfügt hierfür über so genannte Saugwurzeln. Der Augentrost ist dennoch in der Lage selbständig Photosynthese zu betreiben und Nährstoffe zu assimilieren. Die Pflanze ist einjährig.

Die kleinen, eher hellgrünen Blätter des Augentrosts sind elliptisch geformt und am Rand etwas gezackt. Die Unterseite der Blätter ist genau wie die Sprossachse der Pflanze kurz und dicht mit Drüsenhaaren besetzt, die besonders nachts aktiv sind.

Die Blüten des gemeinen Augentrosts sind wohl das charakteristischste Merkmal der Pflanze. Die zweilippige Blüte ist grundsätzlich weiß und verfügt in der Regel über violette Adern. Die unteren Blütenblätter zeigen einen auffallenden gelben Fleck auf. Die gesamte Zeichnung der Blüte ist mit etwas Phantasie wie ein Auge gezeichnet, was der Pflanze letztlich auch ihren Namen gegeben hat. Der gemeine Augentrost blüht von etwa Anfang Juli bis Mitte September.

Nach der Blüte bildet der Augentrost bis etwa Mitte Oktober flache Kapselfrüchte aus, die in zwei Klappen unterteilt sind. Jede Kapsel enthält mehrere Samen.



Augentrost aussäen und pflanzen

Bei der Aussaat von Augentrost ist stets zu beachten, dass das Kraut ein Halbschmarotzer ist und auf andere Pflanzen, allem voran Gräser, angewiesen ist. Im eigenen Garten lässt sich Augentrost gut in Kombination mit bestehenden Grasflächen einarbeiten. In bestehende Grasschichten, müssen die Stellen vorher etwas aufgelockert werden. Auch ist es möglich, ein kleines Areal zu schaffen, wo einfache Grassorten zusammen mit dem Augentrost wachsen können. Eine Alternative ist zudem die Anpflanzung von Grassamen und Augentrostsamen in etwas größeren Schalen.

Der gemeine Augentrost ist ein Lichtkeimer. Die Samen sollten daher nur leicht in den Boden eingedrückt und nicht eingearbeitet werden, da sonst die Keimung ausbleibt. Außerdem ist die Pflanze ein Kaltkeimer. Die beste Zeit zur Aussaat sind die mittleren Herbstmonate (Mitte Oktober bis Anfang November) oder die frühen Frühjahrsmonate (Ende März, Anfang April).

Die Standortbedingungen des gemeinen Augentrosts müssen eher anspruchslos sein. Er wächst in der Natur auf Magerwiesen. Diese enthalten nur wenig Nährstoffe, sind meist sehr locker bis sandig und damit gut durchlässig. Für die Anpflanzung verwenden Sie am besten nur schwach gedüngte Blumenerde (z.B. Aufzuchterde). Diese sollten Sie zudem im Verhältnis 1:2 mit Sand oder falls möglich mit gröberen Bestandteilen wie Bims oder Lava (Körnung 1-3mm oder 2-6mm) mischen.

Der Augentrost sowie die umgebenden Gräser sollten nicht gedüngt werden. Die Pflanze reagiert sehr sensibel auf ein Übermaß an Nährstoffen und stirbt bei zuviel Stress ab.

Der gemeine Augentrost und dessen Verwendung

Der Augentrost findet ausschließlich als Heilkraut Verwendung.

Der Augentrost als Heilkraut

Geschichtlich ist der Augentrost etwa seit dem späten Mittelalter bekannt. In den antiken Ländern Griechenland, Rom und Ägypten ist der Augentrost als Pflanze nicht überliefert, da er in diesen Ländern schlichtweg nicht vorkam. Erwähnt wurde der gemeine Augentrost jedoch in einem als Hortus Sanitatis (Gart der Gesundheit) bezeichnetem Heilpflanzenbuch des späten 15. Jahrhunderts (Mainz 1485). In diesem für seine Zeit sehr bekanntem Werk, wurde der Augentrost als Augenmittel beschrieben, welches die klar und schön macht.



Erwähnung des Augentrosts im Buch Hortus Sanitatis

Das Kraut des Augentrosts wurde in späteren Erwähnungen jedoch für eine ganze Reihe an Augenbeschwerden eingesetzt. Hierzu zählten allgemeine Augenschwäche, Minderung der Sehkraft bei älteren Leuten oder allgemeine Augenbeschwerden, die der italienische Arzt und Botaniker Pietro Andrea Mattioli in seinem Kräuterbuch aus dem Jahre 1595 erwähnte. Er empfahl das Kraut pur zu essen oder pulverisiert zu den Speisen zu geben. Auch wurde erwähnt, dass das Kraut zerstoßen wurde und über die Augen gelegt wurde.

Augentrost wurde jedoch nicht nur bei Augenkrankheiten angewendet, sondern auch bei Erkältungsbeschwerden und Verdauungsstörungen. In der älteren Heilmedizin, teilweise auch noch heute wird Augentrost auch gegen Heuschnupfen verwendet. Tatsächlich können die im Augentrost enthaltenden Bitterstoffe (Glykoside) die Verdauung anregen und leichte Magen-Darm-Beschwerden lindern. Auch wird davon berichtet, dass das Kraut entzündungshemmend und schmerzlindern wirken soll.

Heute wird der Augentrost in der Homoöopathie, in der Naturmedizin, in der traditionellen chinesischen Medizin aber auch vereinzelt in der konventionellen Schulmedizin angewendet. Meist kommen Tees, Kompressen oder Augenbäder zur Anwendung. Für die Herstellung von Kompressen oder Augenspülungen werden wenige Mengen Augentrost mit Wasser vermischt, kurz aufgekocht und für kurze Zeit ziehen gelassen. Die Tücher werden dann in den Tee gegeben, etwas ausgewrungen und schließlich auf die Augen gelegt. Zur Herstellung dieser Tees wird fast ausschließlich das Kraut und niemals die Wurzel verwendet.

Augentrost wird mitunter in speziellen Augenlösungen oder Augentropfen verwendet. Diese sollen vor allem überanstrengte Augen beruhigen und die Beschwerden bei juckenden oder tränenden Augen lindern.

Augentrost kommt auch in der naturheilkundlichen Tiermedizin zum Einsatz. Gereizte Augen, die z.B. durch kleinere Insekten verursacht werden und übermäßigen Tränenfluss hervorrufen, sollen mit Augentrosttropfen oder Wickel behandelt werden können.

Bei der Herstellung eigener Augentrostmedikamente ist stets zu beachten, dass die Auszüge, Augenbäder und alle weiteren Anwendungen am Auge stets keimfrei sein müssen. Eine strikte Hygiene ist also erforderlich, um eventuelle Folgekrankheiten durch Keime zu verhindern. Bei Unkenntnis wird immer empfohlen Sachverständige (Ärzte, Apotheker etc.) zu befragen.

Augentrost kaufen - Was gibt es zu beachten?

Erwachsene bzw. ausgewachsene Pflanzen wird man aufgrund der Natur der Pflanze nirgendwo finden. Viel wahrscheinlicher ist daher, die Anzucht über Samen zu versuchen, da eine Reihe an Saatguthersteller Augentrost in ihren Sortimenten führen. Der Augentrost wird meist unter der Unterart Euphrasia officinalis ssp. rostkoviana angeboten, der auch die jeweiligen gewünschten Inhaltsstoffe in medizinischer Hinsicht enthalten.

Einige Händler bieten auch geschnittenes und getrocknetes Augentrostkraut zur Herstellung eigener Tees und Tinkturen an. Augentrost lässt sich durchaus getrocknet verwenden. Achten Sie jedoch darauf, dass die Behälter oder Verpackungen luftdicht und bestenfalls aromaversiegelt sind. 100 Gramm der getrockneten Kräuter kosten zwischen 3,50 und 7,00 EUR.

Augentrost bzw. Augentrostextrakt ist ansonsten in vielen Pflegeprodukten enthalten, die übermüdete oder strapazierte Augen bzw. die Bindehaut regenerieren sollen. Das Angebot reicht von Gelees über Tropfen bis hin zur Pflegecreme. Das Preissegment variiert hier je nach Marke und weiterer Zusammensetzung sehr stark.

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