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Arnika

Arnika - Merkmale, Anbau und Verwendung

Botanischer Name: Arnica montana

Foto der Echten ArnikaDie Echte Arnika gilt heute als eines der besten alternativen Heilkräuter bei schlecht heilenden Wunden und äußeren Verletzungen. In der Schulmedizin wird Arnica montana häufig vor und nach operativen Eingriffen verabreicht und erzielt bei der Wundheilung damit gute Ergebnisse. Aufgrund ihrer hervorragenden Heilwirkungen ist die Arnika in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet fast ausgestorben, weswegen sie heute streng geschützt ist.

Pflanzenmerkmale und Systematik der Arnika

Herkunft und Vorkommen der Arnika

Die Arnika, die in einigen Regionen noch unter Ihrem alten Namen, Bergwohlverleih bekannt ist, kommt heute vor allem in Nord- und Südeuropa vor. Teilweise ist die Pflanze jedoch auch in einigen osteuropäischen Ländern bzw. in der Balkanregion zu finden. Sie besiedelt vor allem kalkarme Landschaften, die ein gewisses Säuremilieu aufweisen (z.B. Nadelwälder, Moorgebiete). Arnika ist häufiger in Berg- und Hügelgebieten anzutreffen, als im Flachland. Sie kann Höhen bis etwa 2.300 Meter besiedeln.

Die Wildbestände der Pflanze sind in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten stark zurückgegangen, weswegen Arnika heute in vielen europäischen Ländern eine streng geschützte Art ist.

Systematik von Arnica montana

Die Echte Arnika (Arnica montana) ist ein typischer Vertreter der Korbblütler (Asteraceae). Sie ist verwandt mit typischen Heilkräutern wie der Ringelblume, dem Alant oder dem Löwenzahn. Für die Gattung Arnika (Arnica) sind heute 31 verschiedene Arnikaarten bekannt, wobei die echte Arnika oder Bergwohlverleih die bedeutendste Art ist. In höheren Berglagen ist die schmalblättrige Arnika (Arnica angustifolia) noch von Bedeutung. Einige Gärtner dürften die so genannte Chamisso-Arnika oder amerikanische Arnika (Arnica chamissionis) kennen, die vor allem als Zierpflanze angebaut wird.

Synonyme Namen der Echten Arnika sind neben Bergwohlverleih noch Bergarnika, Fallkraut, Engelskraut oder Wolfsauge.

Merkmale von Arnika

Arnika ist eine charakteristisch krautige und mehrjährige Pflanze, die Höhen zwischen 20 und 60 cm erreichen kann. Im Boden bildet die Arnika zylindrische, dunkelbraune bis fast schwarze Rhizome aus, die als Überdauerungs- sowie Reproduktionsorgane dienen und durchaus einige Meter lang sein können. Neben den Rhizomen befindet sich in der Wurzelzone ein feines dichtes Wurzelwerk bestehend aus zahlreichen Wurzelhaaren.

Die Blätter der Echten Arnika sind hellgrün gefärbt und zeigen meist eine eiförmige bis lanzettliche Form. Die Blattränder sind rund. Die Oberfläche der Arnikablätter ist sporadisch bis vollständig behaart. Die oberen Blätter sind meist etwas spitzer zulaufend als die unteren Blätter. Meist formen zwei Blätter eine Blattrosette. Häufig sind die unteren Blätter (Grundblätter) der Arnika leicht gezähnt und sind gewellt. Auffällig sind die Blattnerven der Pflanze, die stets senkrecht von oben nach unten verlaufen.


Blätter der Arnika (Arnica montana)

Die lanzettlichen saftig-grünen Blätter von Arnica montana

Zur Blütezeit, die häufig zwischen Mai bis Anfang September zu erwarten ist, erscheinen die gelben Korbblüten, die einen Durchmesser von bis zu 9 Zentimetern erreichen können. Jede Blüte besteht aus leuchtend gelben bis leicht orangefarbenen Zungenblüten sowie aus den in der Mitte befindlichen honiggelben Scheibenblüten. Jede Pflanze kann bis zu drei Blüten tragen, wobei häufig auch nur eine Blüte ausgebildet wird.


Blüte der Arnika (Arnica montana)

Die gelben Korbblüten der Arnika

Im Anschluss an die Blütezeit, bilden sich die bestielten Früchte (Achänen) aus, die einen weißen Schirm (Pappus) tragen. Von der Mitte der Frucht gehen die schwarzen, langgestielten Samen aus. Arnika wird aufgrund des Fruchttyps vorwiegend durch Wind ausgebreitet.


Samen der Echten Arnika(Arnica montana)

Fast schwarze Arnikasamen mit weißlichem Pappus

Arnika – Anbau und Pflege

Standort: In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet besiedelt die Arnika vor allem sonnige Standorte, wobei auch halbschattige Standorte toleriert werden. Sie benötigt zwingend kalkarmen Boden, der saure bis maximal fast neutrale pH-Werte aufweist. Auf kalkhaltigen Böden würde die Pflanze aufgrund ihrer Wurzelphysiologie schlichtweg verhungern. Hilfreich sind frische, gut durchlässige und nährstoffarme Böden.

Aussaat: Die Aussaat von Arnikasamen muss zwingend in sauren Anzuchterden vorgenommen werden. Hier eignen sich Rhododendron- oder Moorbooterde am besten, die vorsichtshalber noch mit etwas Sand gemischt werden sollte. Die beste Aussaatzeit im Freiland sind die Monate Ende März bis Mitte Mai. Die Samen der Pflanze dürfen nur leicht angedrückt werden. Arnika ist ein Lichtkeimer! Im Freiland sollte ein Pflanzabstand von mindestens 25 bis 30 cm je Pflanze eingehalten werden, da es sonst zu Nährstoffkonkurrenz kommen kann. Eine Vorkultur der Pflanze ist möglich, aber nicht zwingend erforderlich. Die jungen Pflanzen sollten dann Ende Mai ins Freiland oder in einen größeren Topf umgepflanzt werden.

Düngung: Arnika ist eine sehr robuste Pflanze, die mit verhältnismäßig wenigen Nährstoffen auskommt. Wächst die Arnika in einem typischen Gartenboden sind meist keine zusätzlichen Düngergaben notwendig. Problematisch sind überdüngte Gartenböden, die zum Verbrennen der Wurzeln neigen.

Gießen: Die Arnika ist an trockenere Standorte angepasst und muss im Freiland nicht regelmäßig gegossen werden. An aufeinanderfolgenden heißen Tagen ohne nennenswerten Niederschlag sollten die Pflanzen jedoch in den Abendstunden ausgiebig gegossen werden.

Überwinterung: Bei der Arnika handelt es sich um eine winterfeste Pflanze. Die Überwinterung der Pflanze übernehmen die Rhizome im Boden, die als Überdauerungsorgane dienen. Die oberflächlichen Pflanzenbestandteile sterben zum Winter hin ab und treiben im Frühjahr wieder aus.

Krankheiten und Schädlinge: Häufige Schädlinge der Echten Arnika sind verschiedene Läuse

Ernte: Je nachdem für welche Anwendung die Mariendistel angebaut wird, können die Blüten, die Blätter, die Wurzeln und die Früchte verwendet werden. Bei sollten erst im zweiten Jahr nach dem Anbau gewonnen werden.

Verwendung von Arnika

Arnika in der Küche

In der Küche findet Arnika keine Verwendung. Dies liegt in erster Linie daran, dass sowohl Blätter als auch Blüten keinen nennenswerten Geschmack aufweisen und einige Inhaltsstoffe der Pflanze Verdauungsbeschwerden bereiten könnten.

Arnika als Heilkraut

Arnika zählt heute mit zu den besten Heilkräuter gegen verschiedene Hauterkrankungen sowie zur Linderung rheumatischer Beschwerden. Sie wurde im Jahr 2001 als Arzneipflanze des Jahres gekürt und gilt als wissenschaftlich sehr gut untersucht.

Inwiefern die Arnika bereits im Altertum und im Mittelalter verwendet wurde, lässt sich heute nicht mit Gewissheit sagen. In den Kräuterbüchern des Mittelalters finden sich keine oder falls nur sehr widersprüchliche Beschreibungen. Eine gewisse Bekanntheit erhielt die Echte Arnika erst Anfang bis Mitte des 17. Jahrhunderts. Erste Beschreibungen fanden sich im neuen Kräuterbuch (allerdings erst in einer späteren Ausgabe) von Jacob Theodor, besser bekannt als Tabernaemontanus, der bereits Wickel aus Arnika gegen Quetschungen beschrieb.

Erst im mittleren und späten 19. Jahrhundert, war Arnika eine so beliebte Arzneipflanze, dass viele Naturbestände schnell abgeernet wurden. Vor allem in den Bergregionen, wo die Pflanze als Bergwohlverleih bekannt war, konnten sich die Bestände in vielen Fällen kaum noch erholen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Arnika erwerbsmäßig angebaut, um den riesigen Bedarf der Arzneipflanze gut decken zu können.


Arnica montana - altes Kräuterbuch

Darstellung der Arnika im alten Kräuterbuch (Köhlers Medizinalpflanzen von 1886)

Arnika enthält viele heilkundlich interessante Inhaltsstoffe, wie z.B. ätherische Öle, Bitterstoffe, Flavonoide und Cumarine. Diese Stoffe sowie ihre synergetischen Effekte haben folgende Wirkungen auf unseren Organismus:

  • entzündungshemmend
  • juckreizlindernd
  • schmerzlindernd
  • durchblutungsfördernd
  • antibakteriell
  • antifungid / antimykotisch
  • antiödematös (wirkt Schwellungen entgegen)

Die Heilwirkungen der Echten Arnika werden in der Naturheilkunde als auch in der Schulmedizin für folgende Beschwerden und Erkrankungen genutzt:

  • Furunkel
  • Wundrose (Erysipel)
  • Phlegmone
  • Insektenstiche
  • Karpaltunnelsyndrom
  • rheumatische Gelenkbeschwerden
  • Muskelschmerzen
  • Schleimbeutelentzündungen
  • Arthritis
  • Quetschungen und Zerrungen
  • Prellungen
  • schlecht heilende Wunden
  • beschleunigte Wundheilung nach Kaiserschnitt
  • Blutergüsse
  • Rachenentzündung
  • Angina pectoris

Einige aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen konnten zeigen, dass die Einnahme von Arnikatinkturen das Enzym Acetylcholinesterase hemmen kann, wodurch diese für die Behandlung von Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen möglicherweise interessant sein können [1].

In vielen Krankenhäusern wird Arnika homöopathisch nach Operationen eingesetzt. Bekannte Beispiele sind Kaiserschnittwunden oder andere chirurgische Eingriffe. Es gibt bereits Untersuchungen, die darauf hinweisen, dass homöopathische Arnikaextrakte mit der Verdünnung D4 einer Behandlung mit dem üblichen Diclofenac in nichts nachstehen. Darüber hinaus sind bei der Gabe von Arnikamitteln weniger Nebenwirkungen zu erwarten als Diclofenac [2].

Es gibt mehrere Wege, Arnika darzureichen. Die üblichsten Formen die Heilpflanze anzuwenden sind:

  • Tinkturen
  • Aufgüsse für Umschläge
  • Arnikaöl
  • Salbe
  • Globuli

Arnikaauflagen und -umschläge werden als Hausmittel traditionell bei vielen äußeren Beschwerden verwendet. Typische Beschwerden sind Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Prellungen, Schwellungen oder klassische Sportverletzungen wie Muskelzerrungen oder Bänderbeschwerden. Wichtig ist, dass die jeweiligen Hautpartien um den Anwendungsbereich nicht beeinträchtigt sind. Die Umschläge werden häufig mit verdünnten Tinkturen hergestellt. Unverdünnt sollten Arnikatinkturen nur unter vorheriger ärztlicher Beratung erfolgen, da sonst bei längerer Anwendung Hautbeschwerden mit Quaddelbildung auftreten können.

Neben Arnikatinkturen werden auch Arnikasalben zur Behandlung von Muskel- und Gelenkschmerzen, bei eingequetschten Nerven (z.B. Ischiasnerven) sowie bei festgestelltem Rheuma häufig verwendet. Die Salben lassen sich bei langfristiger Anwendung meist besser verarbeiten.

Recht verbreitet sind homöopathische Medikamente in Form von Globuli. Die Anwendungsbreite der Arnikaglobuli geht hier von prä- und postoperativen chirurgischen Eingriffen bis hin als Hausmittel bei Spontanverletzungen wie Prellungen, Quetschungen oder Insektenstichen. Sind Operationswunden zu erwarten oder vorhanden (z. B. Kaiserschnitt, Zahnextraktionen, allgemeine operative Eingriffe) können vor und nach dem Eingriff Globuli mit höheren Potenzen (z.B . C30) verabreicht werden. Als Hausmittel werden in der Regel niedrigere Potenzen (ab D30) verwendet.


Arnikaglobulis als Naturheilmittel

Arnika spielt in der Homöopathie eine große Rolle (Foto: Björn Wylezich/fotolia.com)

Auch in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) findet die Arnika Verwendung. Das Kraut hat wärmende Eigenschaften und wirkt vor allem auf die Organsyteme Herz und Lunge. Es wird beschrieben, dass Arnika das Blut bewegt und das Herz-Yang sowie Herz-Qi stimuliert werden. Arnika wird in der TCM vor allem bei Herzbeschwerden (Herzinsuffizienz, niedrigem und hohem Blutdruck) sowie bei Lungenbeschwerden (Asthma, Keuchhusten) verwendet.

Nebenwirkungen: Im Vergleich zu vielen anderen Schmerz- und Wunheilungsmitteln gilt Arnika als gut verträglich. Dennoch können bei längerer Anwendung Hautbeschwerden auftreten. Dies ist vor allem bei Umschlägen mit Arnikatinkturen oder -aufgüssen zu beobachten. Sowie Hautreaktionen oder Hautschädigungen auftreten, ist die Behandlung sofort einzustellen und ein Arzt zu konsultieren. Bei innerer Anwendung können Durchfälle oder sogar Herzrhytmusstörungen auftreten, weswegen die Einnahme von Arnikatees nicht mehr empfohlen wird. Bei homöopathischen Anwendungen sind diese Reaktionen in der Regel nicht zu erwarten. Bei bekannten Allergien gegen Korbblütler können bei der Verwendung von Salben und Tinkturen typische Hautausschläge auftreten (Kontakdermatitis). Die Anwendung ist dann mit einem Arzt oder Apotheker abzusprechen.

Arnika kaufen - Was gibt es zu beachten?

Die Echte Arnika erfreut sich in der Naturheilkunde einer großen Nachfrage. Es gibt mittlerweile eine breite Palette an unterschiedlichen Arnikaprodukten, die in erster Linie der Behandlung stumpfer bzw. äußerer Verletzungen dienen. Einige Gärtner versuchen sich auch am Anbau des hübschen Korbblütlers, wobei die Beschaffung von Samen nicht immer leicht ist.

Wer die Echte Arnika im Garten anbauen möchte, wird in den meisten Fällen auf eigene Anzucht durch Samen setzen müssen. Einige wenige Hersteller bieten Saatgut zu recht hohen Preisen an. Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass einiges an Erfahrung benötigt wird, um die Echte Arnika zu kultivieren. Eine Alternative zur Arnika (Arnica montana) ist die amerikanische Arnika (Arnica chamissonis), die deutliche leichter zu kultivieren ist, als die Echte Arnika. Diese kann auch als Heilkraut verwendet werden und kann gelegentlich auch als Frischpflanze bezogen werden.

Zur Behandlung rheumatischer Erkrankungen sowie gegen Muskel- und Gelenkschmerzen werden in erster Linie Arnikatinkturen und Arnikasalben verwendet. Soll die Anwendung einfach und kontrolliert erfolgen, sollte Arnikasalbe verwendet werden, sie ist schlicht besser zu handhaben. Die Preise für 100 Gramm liegen hier zwischen 5 und 10 EUR, je nachdem, welche Trägerstoffe verwendet werden und ob die Arnika aus kontrolliertem biologischem Anbau stammt. Arnikatinkturen bzw. Arnikaessenzen können verwendet werden, wenn wohltuende Wickel oder Umschläge hergestellt werden sollen. Sie werden meist verwendet, wenn Operationswunden versorgt werden sollen. Bitte sprechen Sie mit einem Arzt oder Apotheker, bevor Sie eigene Wickel herstellen.

Bei spontanen Verletzungen und Unfällen sowie vor und nach chirurgischen Eingriffen werden häufig auch Arnikaglobuli verwendet. Die kleinen Kügelchen sind in unterschiedlichen Potenzen erhältlich. Potenzen wie Arnica C30 werden häufig vor bestehenden Operationen eingenommen, beispielsweise auch vor Zahnextraktionen. Bei spontanen kleineren Verletzungen, Sportverletzungen oder stumpfen Verletzungen können die Potenzen ab D6 verwendet werden. Arnikakügelchen liegen für 10 Gramm meist um die 8 bis 10 EUR.

Literaturhinweise

  • [1] Zheleva-Dimitrova, D. und Balabanova, V. (2012): Antioxidant and acetylcholinesterase inhibitory potential of Arnica montana cultivated in Bulgaria. In: Turkish Journal of Biology, Vol. 36, S. 732-737, doi: 10.3906/biy-1204-70
  • [2] Karow, J. H. et al. (2008): Efficacy of Arnica montana D4 for Healing of Wounds After Hallux Valgus Surgery Compared to Diclofenac. In: The Journal of Alternative and Complementary Medicine, Vol. 14, Nr. 1, S. 17-25, doi: 10.1089/acm.2007.0560