Logo Kräuterbuch

Johanniskraut

Johanniskraut (Hypericum perforatum) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Foto vom Johanniskraut

Das Echte Johanniskraut, seltener auch als Tüpfel-Hartheu bezeichnet, zählt zu den in der Volksheilkunde häufig verwendeten Heilkräutern. Bereits in den religiösen Riten der Antike war dem Kraut eine große Bedeutung zugetragen worden. Sein Name hängt mit dem Johannistag zusammen, da die Pflanze um diesen Tag herum in der Blüte steht.

Pflanzenmerkmale und Systematik des Johanniskraut

Vorkommen und Herkunft von Johanneskraut

Johanneskräuter finden sich auf vielen Teilen der Erde. Sie sind sowohl in extremen, teils lebensfeindlichen Regionen wie Wüsten oder arktischen Tundren als auch in den Tropen oder Subtropen auffindbar. Das bei uns vorkommende Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist vor allem in der gemäßigten Klimazone von Europa bis weit nach Asien anzutreffen. Besiedelt werden vor allem Brachflächen, nährstoffarme Wiesen, Waldrändern, Waldlichtungen und Wege.

Systematik von Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Das Echte Johanniskraut gehört zur Familie der Johanniskrautgewächse, die mit etwa 560 Arten recht übersichtlich ist. Neben dem Echten Johanniskraut kommen bei uns außerdem das Schöne Johanniskraut (Hypericum pulchrum) sowie das Geflügelte Johanniskraut (Hypericum tetrapterum) vor. Letzte finden jedoch keine Verwendung als Heilpflanze.

Das Echte Johanniskraut kann unter sich noch in verschiedene Unterarten untergegliedert, die sich jeweils geringfügig in der Entwicklung der Blätter und Blüten unterscheidet. Bekannte Unterarten sind u.a.

  • Breitblättriges Johanneskraut (Hypericum perforatum ssp. latifolium)
  • Kleinblättriges Johanneskraut (Hypericum perforatum ssp. microphyllum)
  • Gewöhnliches Johanneskraut (Hypericum perforatum ssp. perforatum)
  • Schmalblättigres Johanneskraut (Hypericum perforatum ssp. angustifolium)

Merkmale des Johanniskrauts

Beim Echten Johanniskraut handelt es sich um eine mehrjährige bzw. ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 50 cm bis zu einem Meter erreichen kann. Die Pflanze bildet zum Teil recht tiefe und verästelte Wurzeln aus, die bis zu 60 cm in den Boden reichen können.

Die Blätter sehen länglich und leicht oval aus und gegenständig angeordnet. Die etwa 2 bis 4 cm groß werdenden Johanniskrautblätter enthalten zahlreiche Öldrüsen. Die markanten dunklen Punkte auf den Blättern sind so genannte Ölbehälter, die als Speicherorgan die ätherischen Öle des Johanniskrauts beinhalten. Sowohl die Blätter als auch die Stengel sind unbehaart.

Die Blütezeit des Johanniskrauts ist zwischen Juni und September zu erwarten. Die kleinen Blüten sind goldgelb und zu sogenannten Trugdolden zusammengeschlossen. Auch die Johanniskrautblüten enthalten wie die Blätter eine Vielzahl an Öldrüsen, die allerdings hier eher rötlich aussehen. Markant sind die Staubblätter, die weit über den Blütenkelch als Strahlen herausragen. Die Blüten erscheinen in der Regel zur Zeit der Sommersonnenwende.

Blüte vom Echten Johanniskraut
Die charakteristischen gelben Blüten des Echten Johanniskrauts (Hypericum perforatum)

Nach der Blüte entwickeln sich zur Fruchtreife bis zu 1 cm große Kapselfrüchte, die die etwa 1 - 1,5 mm langen Samen enthalten.

Johanniskraut aussäen und pflanzen

Der echte Johanniskraut ist ein in unseren Breiten häufig vorkommendes Wildkraut. Aufgrund der Heilwirkung aber auch aufgrund der unverwechselbaren Blütenpracht wird das Echte Johanniskraut neben einigen anderen Johanniskrautarten gelegentlich im Garten oder auf dem Balkon kultiviert.

Standort: Als Pflanze die ein hohes ökologisches Toleranzpotenzial aufweist, besiedelt das Echte Johanniskraut sowohl sonnige als auch halbschattige Standorte. Die Böden oder die Erde können mager bis fruchtbar sein. Wichtig ist jedoch, dass der Boden durchlässig und gut belüftet ist. Soll er auf lehmigen Standorten angebaut werden, empfiehlt es sich den Boden mit einigen Gaben Quarzsand oder Zuschlagstoffen wie Perlite oder Vermiculit zu lockern. Johanniskraut toleriert neutrale bis leicht saure Böden. Sollten die Böden sauer sein (pH-Wert unter 5,5) empfiehlt es sich die Stellen, wo das Kraut wachsen soll, etwas zu kalken.

Aussaat und Anbau: Das echte Johanniskraut ist ein Lichtkeimer. Die Aussaat kann als Vorzucht in Schalen oder direkt im Freien vorgenommen werden, wobei die Aussaat im Freiland in der Regel bevorzugt wird. Die Johanneskrautsamen können zwischen März und April ausgesät werden. Das Saatgut wird dabei nur leicht auf die Erde oder den Boden angedrückt. Wird das Kraut in Schalen vorgezogen, kann die Pflanze pikiert werden sobald die ersten richtigen Blätter sichtbar werden. Es wird empfohlen die Johanniskrautsamen bereits im späten Oktober oder im frühen März auszusäen. Beim Anbau von Johanniskraut darauf achten, dass nicht mehr als 10 Pflanzen pro m² wachsen.

Düngung: Das Echte Johanneskraut ist ein typischer Schwachzehrer, der nur sehr geringe Ansprüche an die Nährstoffversorgung stellt. Wächst das Kraut in handelsüblicher Kräutererde oder in einem gut bewirtschafteten Gartenboden, sind meist keine zusätzlichen Düngergaben erforderlich.

Gießen: Besondere Beachtung in punkto Wasserversorgung braucht das Johanniskraut nicht. Kürzere Trockenphasen mit hohen Temperaturen werden in der Regel gut vertragen. Bei längeren Hitzephasen (länger als eine Woche) sollte die Fläche jedoch kräftig gegossen werden.

Ernte: Wird Johanniskraut als Nutzpflanze angebaut, können sowohl die Blätter, die Triebe als auch die Blüten verwendet werden. Typische Erntezeit ist die gesamte Blütephase der Pflanze.

Johanniskrautblüten im Garten
Johanniskraut lässt sich im Garten einfach kultivieren

Johanniskraut und dessen Verwendung

Das Echte Johanniskraut ist ein lang bekanntes und auch heute noch häufig verwendetes Heilkraut.

Johanniskraut in der Küche

In der Küche bzw. als Würzkraut hat Johanniskraut kaum Bedeutung. Gelegentlich findet es Verwendung für Fischmarinaden. Der Geschmack wird als sehr bitter beschrieben.

Johanniskraut als Heilkraut

Die Nutzung von Johanniskraut als Heilpflanze geht bis in die Antike zurück. Vor allem als Wundheilmittel fand es breite Anwendung, woher auch sein heutiger synonymer Name Wundkraut herstammen dürfte. In alten Kräuterbüchern (z.B. Matthiolus, Leonhardt Fuchs) wurde das Johanniskraut für zahlreiche weitere Erkrankungen empfohlen. Beispielsweise nutzte man die Samen des Krauts bei inneren Blutungen oder Blasensteinen. Ein Wickel aus in Rotwein gesiedetes Kraut wurde genutzt, um Verstopfungen und andere Verdauungsbeschwerden zu behandeln.

Darstellung von Johanniskraut im alten Kräuterbuch
Beschreibung des Echten Johanniskrauts (hier als Hartheu) im Kräuterbuch von P. A. Matthioli

Auch für einige äußere Beschwerden wurde das Johanniskraut empfohlen. So wurden die Blätter beispielsweise gedörrt und pulverisiert, um Hautfäule und Geschwüre zu bekämpfen. Wer an Zittrigkeit und müden Glieder litt, dem sollte es helfen, wenn er das Johanniskraut auf Beine und Arme verrieb.

Viele der historisch verwendeten Behandlungen finden heute kaum noch Beachtung. Dies liegt einerseits daran, dass die Wirkung des Krauts für einige dieser Beschwerden in Frage gestellt wird. Andererseits gibt es für jene Fälle meist auch deutlich bessere Heilkräuter. Dennoch ist das Johanniskraut auch heute noch eine recht vielseitig einsetzbare Heilpflanze, die im Alltag vor allem bei folgenden Krankheiten und Beschwerden genutzt wird:

  • Stress
  • leichten Depressionen
  • nervösen Unruhezuständen
  • Wundbehandlung
  • Verbrennungswunden
  • trockene Haut
  • Schwellungen
  • Gicht
  • Gastritis

Einige Quellen berichten zudem, dass Johanniskraut antibakteriell und antiviral wirkt. In einigen Studien wird aufgeführt, dass das im Johanniskraut enthaltende Hypericin in so genannten in-vitro-Versuchen tatsächlich Viren inaktiviert hat (zur Zusammenfassung der Studie in Englisch). Inwieweit diese Erkenntnisse eine therapeutische Anwendung ermöglichen, muss jedoch noch geklärt werden.

Das heutige Hauptanwendungsgebiet ist die Behandlung leichter depressiver Verstimmungen bzw. Depressionen. Zahlreiche klinische Studien konnten bereits einen Nachweis erbringen, dass die Einnahme von Johanniskrautpräparaten eine deutliche Verbesserung der Betroffenen nach sich zog. Für eine effektive Behandlung sollten jedoch eher Kapseln oder Tabletten mit Johanniskrautextrakten eingenommen werden, da die Menge der Wirkstoffe im Tee in der Regel nicht ausreicht, um eine Wirkung zu erzielen. Um eine Besserung der Beschwerden zu erzielen, müssen die Präparate jedoch mehrere Wochen eingenommen werden.

In älteren Bücher der Naturmedizin waren Darreichungen in Form von Johanniskrautschnäpsen bzw. Johanniskrautlikören gebräuchlich. Hierfür werden Johanniskrautblüten mit Alkohol und einer Zuckerwasserlösung versetzt. Der Schnaps kann dann äußerlich bei Schwellungen, Gicht oder nach Verbrennungen angewendet werden. Innerlich soll er bei kleineren psychischen Beschwerden (leichte Depressionen, nervöse Unruhe), Schlafstörungen, und Verdauungsbeschwerden helfen. Verantwortlich für die angstlösende und antidepressive Wirkung ist der Inhaltsstoff Hyperforin.

Bei der Anwendung von Johanniskrautprodukten für medizinische Zwecke sollte eine Überdosierung mit diesen vermieden werden. Bei äußeren und inneren Anwendungen kann das echte Johanniskraut phytotoxisch wirken, wodurch vor allem die Haut sich durch eine gesteigerte Lichtempfindlichkeit bemerkbar macht. Das kann dazu führen, dass vor allem hellhäutige Menschen starke Hautreaktionen und Hautirritationen bekommen. Diese sollten es daher vermeiden, lange der Sonne ausgesetzt zu sein. Weitere Informationen zu den Wechselwirkungen und Nebenwirkungen von Johanniskraut, finden sie auf der Seite von phytodoc.de

Johanniskraut-Tee

Johanniskraut wird häufig als Tee konsumiert. Es soll bei vielen psychischen Verstimmungen wie Depressionen oder Unruhezustände helfen. Johanniskrauttee wird aber auch für Beschwerden wie Magenverstimmungen oder Gastritis empfohlen, wobei anzumerken ist, dass andere Magenkräuter eher verwendet werden sollten.

Für den Tee können sowohl die Blüten als auch die Blätter verwendet werden. Johanniskrauttee hat einen recht angenehmen Geschmack, wobei die grünen Blätter etwas frischer schmecken und die Blüten etwas intensiver. Für die Zubereitung des Tees können etwa 1 bis 2 gehäufte Teelöffel Blüten oder Blätter pro großer Tasse verwendet werden. Johanniskrauttee kann sowohl als Kaltwasserauszug aber auch heiß verzehrt werden. Werden Blätter verwendet, reicht es aus den Tee etwa 3 bis 4 Minuten ziehen zu lassen. Bei den Blüten sollte es mit etwa 10 Minuten etwas länger sein. Das Teesieb oder der Teebeutel sollte nach spätestens 10 Minuten entfernt werden, da sonst bestimmte Inhaltsstoffe nicht mehr wirken bzw. Wechselwirkungen stattfinden könnten. Pro Tag sollen nicht mehr als 2 bis 3 Tassen über den Tag verteilt getrunken werden.

Um eine positive Wirkung gegenüber nervösen Unruhezuständen zu erreichen, müssen Johanniskrautzubereitungen meistens über mehrere Wochen eingenommen werden.

Johanniskraut kaufen - Was gibt es zu beachten?

Johanniskraut lässt sich auf vielen Wegen beschaffen. Da das Kraut mittlerweile ein beliebtes Heilkraut ist, findet man die Pflanzen mitunter auch in Pflanzen- oder auf Staudenmärkten. Gelegentlich bieten auch Supermärkte Johanniskraut als Zierpflanze an. Beim Kauf von Pflanzen sollte darauf geachtet werden, dass die Erde nicht allzu feucht ist. Insofern das Johanniskraut auch für die Verwendung als Heilkraut in Frage kommen soll, wird empfohlen genau auf den botanischen Namen zu achten. Häufig werden auch andere Pflanzen aus der Gattung der Johanniskräuter verkauft, die jedoch nichts mit dem echten Johanniskraut (Hypericum perforatum) zu tun haben. Hierzu zählen die Kräuter mit dem Namen: Hypericum calycinum (Großkelchiges Johanniskraut), Hypericum polyphyllum (Griechisches Johanniskraut) und Hypericum tetrapterum (Geflügeltes Johanniskraut)

Die Pflanze gibt es auch getrocknet als lose Kräuter zu kaufen. Gute Produkte enthalten meist sowohl Blätter als auch die Blüten. Die losen Kräuter werden meist für Teemischungen verwendet. Einige Hersteller bieten auch bereits fertige Teebeutel an in geeigneten Portionen an. Wer zum ersten Mal Johanniskraut nimmt und sich unsicher in der Abschätzung der Menge bzw. Dosis ist, sollte auf die fertigen Teebeutel zugreifen. Die Preise sind hier sehr unterschiedlich und schwanken zwischen 3, 00 und 5 EUR für 10 Teebeutel. Der Kauf von losen Johanniskrautblättern ist auf Dauer in jedem Fall günstiger und liegt bei 1,50 bis 6 EUR für 100 Gramm. Die höheren Preise beziehen sich meist auf Kräuter, die kontrolliert biologisch angebaut wurden.

Zu Johanniskraut-Dragees und Pillen können wir leider keine Angaben machen, da uns die Produktionsweise und verwendeten Ausgangsstoffe unbekannt sind.

Bildnachweise:
Oberes Bild: Katharina Wieland Müller / pixelio.de
Unteres Bild: SueSchi / pixelio.de

Unsere aktuelle Kräuterbuch-Empfehlung

Heilkräuterbuch zum Nachschlagen von Apotheker M. Pahlow Das große Buch der Heilpflanzen: Gesund durch die Heilkräfte der Natur
Eines der besten Übersichtswerke über Heilpflanzen und deren Anwendungen. Auf über 500 Seiten werden mehr als 400 einheimische und fremdländische Heilpflanzen erklärt.

Details zum Buch
angeboten bei Amazon

Testen Sie Ihr Kräuterwissen

Kräuterquiz spielen


Fragen Sie den Kräuterexperten

Kräuterexperte