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Unterschied zwischen Orientalisches Zackenschötchen und Barbarakraut

  • Frage vom: 10.05.2017 10:03
  • gestellt von Lutz N.
  • Kategorie: Wildkräuter

Lieber Herr Purle,
ich hege da so einen leisen Verdacht.

Es heißt, das Barbarakraut sei weit verbreitet und omnipräsent...

...aber fast immer, wenn ich mir ein solches vermeintliches "Barbarakraut" dann einmal näher angeschaut habe bzw. mir jemand ebenjenes bei Kräuterwanderungen o.ä. zeigte, handelte es sich (spätestens nach der Samenschotenbildung ziemlich eindeutig) um das Orientalische
Zackenschötchen aka die "Türkische Rauke".
Könnte es also sein, dass das vermutete Massenvorkommen des Barbarakrauts
auf dieser Verwechslung beruht ?

hg

Lutz N.


Hallo Herr Neitzert, vielen Dank für Ihre Frage.

Grundsätzlich ähneln sich Barbarakraut und Zackenschötchen, vor allem im Blütenbereich. Beide haben gelbe Kelchblätter und Rispen als Blütenstände. Da beide Kräuter zu den Kreuzblütlern gehören, ist eine Unterscheidung für das ungeübte Auge tatsächlich etwas schwierig, zumal sich das Orientalische Zackenschötchen (Bunias orientalis) tatsächlich deutlich in Mitteleuropa ausbreitet.

Deutliche Unterscheidungsmerkmale sind die Blätter und die von Ihnen bereits angesprochenen Früchte. Die Blätter des Barbarakrauts sind eher glattrandig und leicht eiförmig. Außerdem sind die Blätter segmentiert, d.h. der untere Teil der Blätter erscheint, als wären kleinere Nebenblätter vorhanden. Die Blätter des orientalischen Zackenschötchen sind deutlich größer, stark gesägt und laufen spitz zu.

Zur Fruchtreife lassen sich beide tatsächlich beide gut bestimmen. Während die Winterkresse eher längliche Schoten ausbilden, sind die Schoten des Zackenschötchens ballonförmig mit einem leichten Zipfel am oberen Ende.

Ihre Frage, ob das Massenvorkommen des Barbarakrauts auf einer Verwechslung beruht, kann ich verneinen. Das Zackenschötchen ist bereits eine invasive Pflanze (wie viele Kreuzblütler), die sich bevorzugt im südlichen Teil Deutschlands ausbreitet. Dort ist das Kraut tatsächlich in großen Beständen zu finden und wird mitunter sogar bekämpft. Das Barbarakraut ist jedoch ebenfalls in großen Beständen zu finden. Es ist sogar denkbar, dass sich das Zackenschötchen und das Barbarakraut ein Habitat teilen.

Fazit Ihrer Frage: Es gibt durchaus größere Bestände des orientalischen Zuckerschötchens in Deutschland, weswegen es gut sein kann, dass diese Art bei Ihnen gehäuft vorkommt. Neben diesem Vorkommen, ist das Barbarakraut dennoch eine in Mitteleuropa weit verbreitete Art. Beide Arten neigen zur invasiven Ausbreitung, insofern die ökologischen Rahmenbedingungen gegeben sind.

Viele Grüße!

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