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Ehrenpreis

Ehrenpreis (Veronica officinalis) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Foto vom Ehrenpreis (Veronica officinalis)Der Ehrenpreis dürfte vielen als zierliches und schön anzusehendes Wildkraut ein Begriff sein. Seine volkstümlichen Namen Allerweltsheil oder Wundheilkraut verraten schon, dass die Pflanze als Heilkraut Verwendung findet. Allerdings war die medizinische Bedeutung des Ehrenpreises im Mittelalter deutlich höher als heute, wo sie meist nur noch bei Husten oder bei chronischen Hautleiden genutzt wird.

Steckbrief von Ehrenpreis
Botanischer NameVeronica officinalis
PflanzenfamilieWegerichgewächse
Weitere NamenAllerweltsheil, Veronika, Grindheil, Wundheilkraut
Aussaatzeit / PflanzzeitMärz - Mai
BlütezeitJuli - September
ErntezeitMai - Juni
Standortsonnig und windgeschützt; nährstoffreiche und lehmhaltige Böden
Verwendung als HeilkrautBronchitis, Erkältung, Rheuma, Gicht, Schuppenflechte, Neurodermitis
Verwendung als GewürzkrautWildkräutersalate

Inhaltsverzeichnis

  1. Pflanzenmerkmale und Systematik von Ehrenpreis
    1. Herkunft und Vorkommen von Ehrenpreis
    2. Systematik von Veronica officinalis
    3. Merkmale von Ehrenpreis
  2. Echter Ehrenpreis – Aussaat, Anbau und Pflege
  3. Verwendung von Ehrenpreis
    1. Ehrenpreis als Küchenkraut
    2. Ehrenpreis als Heilkraut
  4. Ehrenpreis kaufen – Was ist zu beachten?

Pflanzenmerkmale und Systematik von Ehrenpreis

Herkunft und Vorkommen von Ehrenpreis

Die genaue Herkunft des Ehrenpreises kann nicht genau bestimmt werden. Sicher ist jedoch, dass das Ursprungsgebiet der Pflanze zwischen dem östlichen Europa und Westasien liegt. Der Ehrenpreis ist heute mit Ausnahme des nördlichen Skandinaviens in nahezu allen europäischen Ländern wild zu finden. Im Zuge der Kolonialisierung konnte sich der Ehrenpreis zudem in vielen Gebieten Nordamerikas ausbreiten.

In der Natur lässt sich der echte Ehrenpreis vor allem an Wegrändern, an trockenen Wiesen, auf Waldlichtungen sowie auf ausgedehnten Heideflächen finden. Auch in einigen Hochgebirgslagen der Alpen und im Kaukasus kann die Pflanze in Höhenlagen bis zu 2000 Meter angetroffen werden.

Systematik von Veronica officinalis

In der botanischen Einordnung gehört der echte Ehrenpreis (Veronica officinalis) zur Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae). Die Pflanze ist damit direkt mit anderen wichtigen Heilkräutern wie dem Breitwegerich oder dem Spitzwegerich verwandt. Die Gattung Ehrenpreis (Veronica) zählt weltweit mehr als 350 Arten. Viele Ehrenpreisarten sind in Europa und Asien beheimatet, wobei jedoch auch einige Arten in abgelegenen Regionen wie Neuseeland und Australien vorkommen.

Neben dem echten Ehrenpreis, der in der Volksmedizin noch eine gewisse Bedeutung hat, kommen in Mitteleuropa noch weitere Ehrenpreisarten vor. Besonders hervorzuheben sind hierbei die folgenden Pflanzen:

  • Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys)
  • Persischer Ehrenpreis (Veronica persica)
  • großer Ehrenpreis (Veronica teucrium)
  • Efeu-Ehrenpreis (Veronica hederifolia)
  • Flacher Ehrenpreis (Veronica prostata)
  • Ähriger Ehrenpreis (Veronica spicata)
  • Langblättriger Ehrenpreis (Veronica longifolia)

Gamander-Ehrenpreis
Der Gamander-EHrenpreis ist ebenfalls weit in Mitteleuropa verbreitet

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die Gattung Ehrenpreis früher zur Familie der Braunwurzgewächse gezählt wurde. Untersuchungen der Gen- und Molkekularstruktur des Ehrenpreises konnten jedoch eindeutig einen Bezug zur Familie der Wegerichgewächse herstellen.

Der echte Ehrenpreis wird je nach Region auch heute noch unterschiedlich bezeichnet. So findet man u.a. noch die Namen Allerweltsheil, Wundheilkraut, Veronika, Grindheil oder auch Männertreu. Die Bezeichnung Männertreu ist jedoch etwas unglücklich, da auch die Lobelienart Lobelia erinus als solche bezeichnet wird.

Merkmale von Ehrenpreis

Der echte Ehrenpreis ist eine typische krautige und mehrjährige Pflanze. Sie erreicht Wuchshöhen bis zu 30 cm, meist wächst sie jedoch mit etwa 15 bis 20 cm deutlich kleiner. Das bekannte Wildkraut verfügt über einen kriechenden Wurzelstock mit hellbrauner Farbe, der gleichzeitig als Überwinterungsorgan dient.

Ehrenpreis bildet grünlich-graue bis nahezu silberfarbene Blätter aus, die auffällig behaart und relativ breit sind. Ihre Form lässt sich als elliptisch bis eiförmig beschreiben, wobei die Blattränder leicht gesägt sind. Die Blätter sind vom Stängel aus betrachtet gegenständig angeordnet. Der Stängel ist wie die Blätter weich behaart. Sind die Pflanzen noch recht jung liegen die Stängel meist auf dem Boden.

Die Blütezeit des echten Ehrenpreises wird meist zwischen Anfang Juli bis Mitte September erwartet. Dann bildet die Pflanze ihre schönen violetten, hellblauen oder selten weißen Blüten aus. Die Blüten selbst sind traubig in einem Blütenstand angeordnet und meist nur im oberen Drittel zu finden. Jede Blüten von Veronica officinalis besteht aus vier Kelchblättern, die jeweils einen glatten Rand aufweisen.

Blüte vom Ehrenpreis
Typische Blüten des echten Ehrenpreis

Zur Zeit der Fruchtreife bilden sich aus den ansehnlichen Blüten dreieckige bis fast herzförmige Kapselfrüchte, die eine leicht bräunliche Färbung aufweist. Jede Frucht enthält mehrere Samen.

Echter Ehrenpreis – Aussaat, Anbau und Pflege

Aufgrund seiner Blütenpracht ist der Ehrenpreis auch bei vielen Gärtnern beliebt, die der Pflanze gern einen Platz im Beet oder im Kübel einräumen. Der Anbau ist grundsätzlich nicht schwer, obgleich einige Anforderungen an den Standort zu beachten sind. Einmal angepflanzt, ist Veronica officinalis sehr pflegeleicht.

Standort: Für den Anbau wählt man am besten einen sonnigen bis halbschattigen Platz, wobei sonnige und windgeschützte Standorte bevorzugt werden. Am besten gedeiht der Ehrenpreis auf leicht sauren, nährstoffreichen und leicht lehmigen Böden. Stehen eher sandige Böden zur Verfügung, so empfiehlt den Platz mit reichlich Kompost oder Bentonit (Tonmineral) zu vermischen.

Aussaat: Die beste Aussaatzeit sind die Monate März bis Mitte Mai. Die Samen des echten Ehrenpreises können direkt ins Freiland ausgesät werden. Bei der Aussaat sollte ein Pflanzabstand von mindestens 20 bis 25 cm eingehalten werden, da Ehrenpreis meist kleine Teppiche bildet. Die Pflanze ist Lichtkeimer, daher sollten die Samen nur flach angedrückt werden. Der Aussaatstandort sollte immer leicht feucht aber niemals vollkommen nass sein. Auch ein Austrocknen des Substrats ist zu vermeiden. In der Regel erscheinen die ersten Keimlinge nach 12 bis 30 Tagen. Je kälter es ist, umso länger dauert die Keimung. Ein Anbau auf Balkon oder Terrasse ist problemlos möglich. Als Substrat kann hier eine handelsübliche Kräutererde oder Mutterboden mit 50 Prozent Kompost verwendet werden.

Düngung: Wächst der Ehrenpreis in einem nährstoffreichen Boden, so ist eine Düngung in der Regel nicht notwendig. Bei sandigen Substraten sowie bei Topf- und Kübelkultur kann eine kleine Gabe Dünger vor der Blütezeit notwendig werden. Auf mineralische Dünger (z.B. Blaukorn) sollte dringend verzichtet werden, da diese zu nährstoffreich und häufig zu salzhaltig sind. Organische Dünger wie Kompost, Rinderdung oder organische Fertigdünger sind hier optimal.

Gießen: Die Erde sollte immer leicht feucht gehalten werden. Kurzfristige Trockenperioden übersteht der Ehrenpreis zwar, sollten aber nach Möglichkeit vermieden werden. Dauerhaftes Gießen, zu nasse Erde oder sogar Staunässe sind jedoch zu vermeiden. Hier besteht das Risiko, dass die Wurzeln faulen oder Schädlinge sich an der Pflanze bedienen.

Überwinterung: Der echte Ehrenpreis ist frosttolerant und winterhart. Die oberirdischen Pflanzenteile sterben zum Herbst hin ab. Aus dem Wurzelstock erscheinen dann im Folgejahr zum Frühling wieder neue Triebe. Es sind keine Maßnahmen zur Überwinterung notwendig.

Ernte: Will man den Ehrenpreis für heilkundliche Zwecke gebrauchen, so sollte das Kraut vor der Blütezeit (bis Ende Juni) geerntet werden. Das Kraut selbst sollte ausschließlich im Schatten getrocknet werden (siehe hierzu auch der Artikel Kräuter trocknen).

Verwendung von Ehrenpreis

Ehrenpreis als Küchenkraut

In der Küche gilt der Ehrenpreis nicht als sonderlich beliebt. Die oberirdischen Pflanzenteile sind zwar grundsätzlich essbar, haben jedoch einen recht bitteren und wenig aromatischen Geschmack. Einige Wildkräuterliebhaber nutzen Ehrenpreis als Beigabe zu Salaten oder Wildkräutersmoothies. Meist werden dann die Blüten oder jungen Blätter verarbeitet. Grundsätzlich sind die Blätter als auch die Blüten reich an Vitaminen und Eisen.

Ehrenpreis als Heilkraut

Der Ehrenpreis galt im Mittelalter als nützliches Heilkraut gegen zahlreiche Beschwerden. Heute ist der Naturheilkunde das Kraut zwar bekannt und wird gelegentlich auch verwendet, allerdings gibt es meist deutlich bessere Heilpflanzen für die jeweilige Therapie.

Im Mittelalter wurde Ehrenpreis innerlich meist bei Erkrankungen der Lunge und Bronchien, bei Epilepsie, bei eitrigen Geschwüren, bei Leber- und Milzbeschwerdenoder zur Behandlung von inneren Vergiftungen verwendet. Äußerlich wurde es bei Wunden oder bei Insektenstichen verwendet. Man kann zusammenfassen, dass der Ehrenpreis zu jener Zeit fast ein universelles und vor allem sehr beliebtes Heilkraut gewesen ist. In älteren Kräuterbüchern (z.B. P. A. Matthioli, Hieronymus Bock) wurden dem Ehrenpreis meist mehrere Seiten mit zahlreichen Rezepten und Therapievorschlägen gewidmet. Dargereicht wurde das Kraut meist in Form von Aufgüssen, Ehrenpreiswein oder Essig.

Ehrenpreis als Heilkraut im alten Kräuterbuch
Ehrenpreis als Heilkraut: Auszug aus dem Kräuterbuch von Hieronymus Bock (16. Jahrhundert)

Auch bis tief in die Neuzeit (Anfang 20. Jahrhundert) herein, war der Ehrenpreis ein hochgelobtes Heilkraut. So empfahl beispielsweise der Pfarrer Kneipp das Kraut gegen Epilepsie, Husten und Gicht.

In der heutigen Zeit wird der Ehrenpreis nur noch gelegentlich in der Naturheilkunde verwendet. Die in der Pflanze enthaltenden Flavonoide, Gerb- und Bitterstoffe sowie der auch im Spitzwegerich enthaltende Stoff Aucubin erlauben zwar durchaus eine Anwendung als Heilkraut, allerdings lassen sich viele andere Heilpflanzen meist spezieller und gezielter einsetzen. In vielen modernden Phytotherapiebüchern wird der Ehrenpreis nur noch selten oder wenn, dann am Rande erwähnt. Eine Ausnahme spielen Erkältungskrankheiten, bei dem die Inhaltsstoffe des Ehrenpreises unter anderem bei trockenem Husten eine gute Hilfe sein können.

Verwendung findet der Ehrenpreis vor allem bei:

  • Beschwerden der Bronchien und Lunge
  • leichte Leberbeschwerden
  • Hautbeschwerden (u.a. Schuppenflechte, Neurodermitis)
  • Erkältung
  • Rheuma
  • Gicht
  • nervöse Unruhezustände
  • Harnbeschwerden

Wenn Ehrenpreis als Heilkraut genutzt wird, so wird die Pflanze zumeist als Tee aufbereitet. Für einen Ehrenpreistee werden 2 bis 3 Teelöffel getrocknetes Kraut mit 250 ml heißem Wasser übergossen. Der Aufguss sollte etwa 8 bis 10 Minuten ziehen und etwas abkühlen, bevor er in kleinen Schlückchen getrunken wird. Der Tee wird am besten dreimal täglich nach den Mahlzeiten getrunken.

Der Teeauszug wird gelegentlich auch für chronische Hautbeschwerden wie z.B. Schuppenflechte verwendet. Den Aufguss wird dann in ein Mulltuch getränkt und als Umschlag für die jeweilige erkrankte Zone verwendet. Gegen Schuppenflechte gibt es auch Empfehlungen einen Tee aus Ehrenpreis mit weiteren Kräutern wie Brennnessel, Ringelblume, Schafgarbe und Schöllkraut herzustellen und etwa 1 bis 1,5 Liter täglich davon zu trinken. Da Schöllkraut jedoch bei zu hohen Dosierungen akute Leberentzündungen hervorrufen kann, sollte die Anwendung zunächst mit einem Arzt oder Apotheker besprochen werden.

In der Homöopathie wird Ehrenpreis bei chronischer Bronchitis, Asthma, chronischen Hauterkrankungen, Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und Nachtschweiß verwendet. Dargereicht werden die Ehrenpreispräparate sowohl als Globuli oder als Dilution.

Möglicherweise können Extrakte von Veronica officinalis wirksam gegen Lungenentzündungen sein. Eine Studie aus dem Jahr 2013 konnte entzündungshemmende Eigenschaften an Lungenzellen in einem so genannten in-vitro Verfahren zeigen. Um einen tatsächlichen Effekt für den menschlichen Organismus beurteilen zu können, sind jedoch weitere Untersuchungen notwendig [1].

Als Hausmittel wird Ehrenpreis heute gelegentlich noch gegen Rheuma verwendet. Es gibt Hinweise darauf, dass die entzündungshemmenden und antioxidativen Wirkungen einiger Inhaltsstoffe (darunter Phytosterole, Cumarinsäuren und beta-Sitosterol), tatsächlich einen lindernden Effekt auf rheumatische Beschwerden ausübt [2].

Nebenwirkungen: Es sind keinerlei negative Wirkungen durch die Einnahme von Ehrenpreis bekannt. Da es nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen auf die Wirkung bestimmter Risikogruppen gibt, wird empfohlen Ehrenkraut nicht während der Schwangerschaft oder Stillzeit zu verwenden.

Ehrenpreis kaufen – Was ist zu beachten?

Als recht beliebter Bodendecker ist der Ehrenpreis recht häufig in Pflanzencentern, Baumärkten, Blumenläden oder auch im Onlinehandel erhältlich. Wird auch darauf abgezielt die Pflanze für heilkundliche Zwecke zu verwenden, so sollte jedoch auch sichergestellt werden, dass es sich um den echten Ehrenpreis (Veronica officinalis) handelt. Häufig werden nämlich auch andere Veronikaarten wie der persische Ehrenpreis angeboten.

Beim Kauf frischer Ehrenpreispflanzen ist darauf zu achten, dass die Erde im Topf nicht vollständig nass ist. Ansonsten sind die Pflanzen recht widerstandsfähig, so dass nur selten Kranheiten zu beklagen sind.

Will man den echten Ehrenpreis im Garten oder auf dem Balkon aussäen, so empfiehlt sich meist der Kauf über einen Onlinehändler. Viele bekannte Saatguthersteller bieten leider meist nur andere Ehrenpreisarten an.

Möchte man einen Ehrenpreistee zubereiten, ohne sich um den Anbau der Pflanze kümmern zu müssen, so bieten viele Onlinehändler auch getrocknetes und bereits geschnittenes Ehrenpreiskraut an. Die Preise variieren je nach Anbaubedingung und halten sich mit etwa 2,50 bis 4,50 EUR je 100 Gramm im Rahmen.

Literaturnachweise:

  • [1]: Gründemann, C. et al. (2013): Traditionally used Veronica officinalis inhibits proinflammatory mediators via the NF-κB signalling pathway in a human lung cell line. In: Journal of Ethnopharmacology, Vol. 145, S. 118-126, doi:10.1016/j.jep.2012.10.039
  • [2]: Mocan, A. et al. (2015):Phytochemical Characterization of Veronica officinalis L., V. teucrium L. and V. orchidea Crantz from Romania and Their Antioxidant and Antimicrobial Properties. In: International Journal of Molecular Sciences, Vol. 16, S.21109-21127, doi:10.3390/ijms160921109
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