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Kräuter und ihre Inhaltsstoffe - Ein Überblick

Von vielen Kräutern ist bekannt, dass Sie eine mehr oder weniger große Heilkraft haben. Die meisten der uns heute bekannten Heilkräuter waren bereits in der Antike oder im Mittelalter zuverlässige Begleiter in der medizinischen Versorgung. Die Heilwirkung der Kräuter hängt dabei immer auch davon ab, welche Inhaltsstoffe in der jeweiligen Pflanze enthalten ist. Auch die Art der Inhaltsstoffe entscheidend grundlegend, für welche Beschwerden oder Leiden ein Kraut eingesetzt werden kann. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Inhaltsstoffe und deren Gruppe vor.

Was sind Inhaltsstoffe und warum werden sie gebildet?

Pflanzen bilden eine ganze Vielfalt verschiedener Inhaltsstoffe, die sie selbst entweder für die Verbreitung oder für ihren Schutz benötigen. Im botanischen Sinne ist die Bezeichnung sekundäre Pflanzenstoffe die eigentlich korrektere Bezeichnung. Diese Stoffe spielen keine Rolle für den eigenen Stoffwechsel der Pflanze und werden in der Tat nur gebildet, um die Pflanze vor schädlichen Umweltfaktoren oder vor Schadtieren zu schützen. Auch benötigt die Pflanze einige Inhaltsstoffe, um die Pflanze bei der Selbstheilung oder Wundheilung vor Infektionskrankheiten durch Viren, Pilze oder Bakterien zu schützen. Viele dieser Inhaltsstoffe sind dabei auch giftig oder reizend.

In der Volksmedizin sind vor allem auch die Inhaltsstoffe für uns Menschen relevant, die für viele Insekten giftig sind oder die die Pflanze produziert, um Bakterien, Pilze oder Viren abzuhalten. Viele dieser Stoffe sind in hohen Dosen auch für uns Menschen giftig, so dass die Einhaltung der richtigen Dosis darüber entscheidet, ob ein Stoff als Arznei gilt. Bei vielen Gewürzkräutern sind es ebenfalls solche sekundären Pflanzenstoffe, die den spezifischen Geschmack eines Krauts ausmachen.


Thymol und Menthol sind die bekanntesten Inhaltsstoffe

Inhaltsstoffgruppen

Ätherische Öle

Als ätherische Öle werden Pflanzeninhaltsstoffe bezeichnet, die einen für die jeweilige Pflanze typischen Geruch ausströmen. Ätherische Öle bilden im chemischen Sinne keine eigene Gruppe. Der Begriff umfasst lediglich eine Vielzahl verschiedener chemischer Gruppen. Zu solchen bekannten Gruppen zählen z.B. die Terpene (Monoterpene, Sesquiterpene, Triterpene), die für die medizinische Anwendung von großer Bedeutung sind. Die meisten Kräuter enthalten ätherische Öle, die aus Monoterpenen aufgebaut sind.

Tabelle 1: Ätherische Öle und deren medizinische Verwendung

StoffGruppeVerwendungVorkommen
CampherMonoterpeneRheuma, Erkältungen, DesinfektionKampferlorbeer, Rosmarin, Salbei
1,8-CineolMonoterpenebei AtemwegserkrankungenBasilikum, Lorbeer, Salbei, Thymian
CitralMonoterpeneDuft- und AromastoffZitronenverbene, Zitronenmelisse
LimonenMonoterpenepot. Tumorhemmend, antikanzerogenDill, Koriander, Kümmel, Orangen, Zitronen
MentholMonoterpeneErkältung, MigräneAckerminze, Pfefferminze
TaraxasterolTriterpenegegen SchwellungenLöwenzahn, Bocksbart

Gerbstoffe

Gerbstoffe sind pflanzliche Sekundärprodukte, die in sehr vielen Pflanzen und natürlich auch Kräutern enthalten sind. Ihre Haupteigenschaft ist, dass sie adstringierend wirken, d.h. dass sich ein Gerbstoff mit einem körpereigenen Eiweiß verbindet und dieses Eiweiß dadurch verändert. Heilkundlich wird diese Eigenschaft dazu verwendet, dass Gewebe und Schleimhäute zusammengezogen werden und so z.B. bei der Wundheilung und bei entzündlichen Prozessen unterstützten können. Viele Gerbstoffe haben eine schmerzlindernde Wirkung. Reichliche Gerbstoffe enthalten z.B. Weintrauben, aber auch bekannte Kräuter wie Kamille, Schafgarbe oder der Blutwurz.

Gerbstoffe werden unterschieden in so genannte Catechingerbstoffe und Tanningerbstoffe. Bei den Catechingerbstoffen werden wasserunlösliche Komplexe gebildet, die unspaltbar sind. Sie sind meist bei bestimmten Früchten (z.B. Heidelbeere) oder im grünen Tee anzufinden. Medizinisch finden sie Anwendung gegen Durchfallerkrankungen oder bei Schleimhautentzündungen (z.B. im Mund-Rachen-Raum). Die Tanningerbstoffe bilden hochmolekulare Komplexe, die im Gegensatz zu den Catechingerbstoffen spaltbar sind. Hierzu zählen im weiteren Sinne Stoffe wie Gallotannine (bestehend aus der Gallussäure) sowie die Ellagitannine. Letztere finden sich in Kräutern wie dem Frauenmantel oder im Mädesüß und haben dort vor allem antioxidative Eigenschaften.

Häufig wird noch eine weitere Gruppe, nämlich die Lamiaceengerbstoffe dazugerechnet. Diese Gerbstoffe finden sich fast ausschließlich bei Lippenblütlern. Ein bekannter Vertreter dieser Gerbstoffgruppe ist die Rosmarinsäure, die antivirale, antibakterielle und antioxidative Eigenschaften besitzt. Neben Rosmarin kommt die Rosmarinsäure auch in vielen anderen Kräutern, wie z.B. Thymian, Salbei oder Borretsch vor.

Glykoside

Als Glykoside werden eine ganze Vielzahl chemischer Verbindungen bezeichnet, die innerhalb ihrer Struktur Zuckermoleküle eingebaut haben. Weiterhin verfügen die Glykoside über eine so genannte Nicht-Zuckerverbindung, die als Aglykon bezeichnet wird. Der jeweilige Aglykonteil hat dabei einen sehr großen Anteil daran, wie ein Stoff wirkt. Pflanzen produzieren meist eine Vielzahl unterschiedlicher Glykoside, die meist zur Speicherung oder zum Transport von Stoffen sowie Abwehr von Erregern und zur Selbstheilung dienen.

Da die Glykoside eine sehr große Gruppe darstellt, ist die Bildung von Untergruppen notwendig. Zu den Glykosiden zählen u.a. die Flavonoide, die herzwirksamen Glykoside, die Iridoidglykoside, die Saponine sowie die Senfölglykoside. Glykoside sind für medizinische Anwendungen hochinteressant und werden folglich auch für Vielzahl unterschiedlicher Medikamente verwendet.

Flavonoide

Als Flavonoide wird eine Stoffgruppe bezeichnet, die in Pflanzen vor allem für Bildung von Farbstoffen verantwortlich ist. Diese Stoffe sind in der gesamten Pflanzenwelt weit verbreitet. Viele Flavonoide sind medizinisch von hoher Relevanz, da sie unter anderem antientzündliche und antikanzerogene Eigenschaften aufweisen. Auch ist von einigen Flavonoiden bekannt, dass sie kreislaufstärkend und durchblutungsfördernd sind.

Die Flavonoide werden noch einmal in mehrere Untergruppen aufgeteilt. Hier sind vor allem die Flavone, die Flavane, die Isoflavone und die Anthocyane von besonderer Bedeutung.

Flavone

Flavone sind in einigen Pflanzen produzierte chemische Stoffe, die zur Gruppe der Flavonoide zählen. Sie gelten als gelbe Pflanzenfarbstoffe. Kräuter, die reichlich Flavone beinhalten, sind die Schafgarbe, die Ringelblume oder die Kamille. In mehreren Studien konnte nachgewiesen werden, dass Flavone eine starke Spasmolysewirkung aufweisen und somit für krampflösende Medikamente verwendet werden. Häufig werden Sie bei Erkrankungen bzw. Beschwerden im Magen-Darm-Trakt eingesetzt. Darüber hinaus wirken sie blutdrucksenkend, gefäßerweiternd und mitunter harntreibend.

Besonders hohe Bedeutung genießt das Flavon Luteolin, welches in Kräutern wie Petersilie, Wau, Ginster, Kamille, Pfefferminze, Perilla und Rosmarin vorkommt. Luteolin gilt als antioxidativ und entzündungshemmend und soll das Immunsystem stärken. Ebenfalls von hoher Bedeutung ist das Flavon Apigenin. Dieser ebenfalls gelbe Pflanzenfarbstoff hat u.a. teilweise krebshemmende Eigenschaften (mit Ausnahme bei Brustkrebs) und wirkt antientzündlich. Apigenin kommt wesentlich in den Kräutern Kamille, Petersilie, Salbei, Rosmarin, Augentrost und Estragon vor.

Flavonole

Unter den Flavonolen befinden sich eine ganze Reihe medizinisch hochinteressanter Stoffe. Flavonole sind ebenfalls sekundäre Pflanzenstoffe, die gelbfärbende Eigenschaften haben. Bekannte Vertreter sind das Quercetin, Rutin, Myricetin, Galangin und Kaempferol. Quercetin gilt als das am häufigsten vorkommende Flavonol und hat antientzündliche, neuroaktive, antikanzerogene und antioxidative Eigenschaften. Es findet sich sowohl in Kräutern wie Ringelblume, Johanniskraut, Schnittlauch oder der bitteren Schleifenblume, als auch in Zwiebeln oder Äpfeln. In Studien konnte die Aufnahme und Verstoffwechselung (Bioverfügbarkeit) von Quercetinen ohne Zuckermolekül (aglykone Form) nachgewiesen werden, wohingegen quercetinidentische Stoffe mit Zuckermolekül (Glykosid) nicht bis sehr gering bioverfügbar sind. Medizinisch relevant ist daher vor allem die aglykone Form.

Flavanole (Flavane)

Ein bekanntes Flavanol ist u.a. das Catechin (hydriertes Flavon), das u.a. im grünen Tee, im Wundklee oder im Blutwurz vorkommt.

Isoflavone

Auch die Isoflavone sind in den allermeisten Fällen gelbe Pflanzenfarbstoffe, die jedoch eine wichtige Funktion in der Abwehr von pflanzlichen Krankheitserregern haben. Isoflavone kommen reichlich in der Sojabohne sowie in Kräutern wie Rotklee vor. Die im Rotklee beispielsweise relevanten Isoflavone sind Biochanin A, Genistein und Formononetin.

Isoflavone werden aufgrund ihrer Fähigkeit an Östrogenandockstellen (Rezeptoren) zu binden auch als Phytoöstrogene bezeichnet. Isoflavone sind in der Lage, die Wucherung von Krebszellen (Proliferation) zu hemmen. Weitere Anwendungsfelder dieser Stoffgruppe liegt in der Behandlung von Altersbeschwerden. In der Wissenschaft wird der Nutzen der Isoflavone teils recht kontrovers diskutiert. Das liegt zum großen Anteil daran, dass einige Studien zwar positive Effekte in der Behandlung und Prävention von Tumoren aufzeigen konnten, andere Studien hingegen einen tumorfördernden Effekt beobachteten. Diejenigen Studien, die einen tumorfördernden Effekt aufzeigten, haben die Isoflavone nur direkt betrachtet (ohne die Nahrstöffverbund zu betrachten). Außerdem wurden teils sehr hohe Dosen verwendet, die mit der normalen Nahrungsaufnahme nicht erreicht werden können. Relevant ist jedoch, dass asiatische Frauen, die bekanntlich viel Soja konsumieren, ein deutlich geringeres Risiko haben an Brustkrebs zu erkranken.

Chalkone

Flavonoide werden chemisch über mehrere Zwischenschritte gebildet und bilden somit auch mehrere Zwischenprodukte. Eines dieser Zwischenprodukte sind die Chalkone, die als erstes Glied während der Entstehung der Flavonoide zu bezeichnen sind.

Medizinisch könnten Chalkone eine große Bedeutung haben. Untersuchungen an Inhaltsstoffen der Ashitaba-Pflanze konnten feststellen, dass die dort enthaltenden Chalkone antibakteriell, antiviral, antithrombotisch und sogar antikanzerogen sind. Leider ist die wissenschaftliche Forschung in den deutschsprachigen Ländern in punkto Chalkone noch nicht weit fortgeschritten.

Flavonolignane

Die Untergruppe der Flavonolignane ist eine Besonderheit. Sie bestehen sowohl aus verschiedenen Flavonoiden sowie aus einem Lignan. Lignane sind u.a. Stoffe, die beruhigende und sedative Wirkung entfalten und meist zu den Phytoöstrogenen zählen. Einige Flavonolignane wie das Silymarin, das ausschließlich in der Mariendistel zu finden ist, haben leberschützende und entgiftende Eigenschaften.

Saponine

Saponine werden umgangssprachlich auch als Seifenstoffe bezeichnet. Sie können sowohl zur Gruppe der Glykoside, als auch zur Gruppe der Triterpene zählen (ätherische Öle). Sämtliche Saponine sind in der Lage in Verbindung mit Wasser Schaum zu erzeugen, wodurch die sich verbindenden Stoffe eine größere Oberfläche haben. In einigen Bioläden werden daher auch pflanzliche Alternativen zu Waschmittel angeboten (z.B. Waschnüsse).

Medizinisch spielen die Saponine vor allem bei der Aufnahme bzw. Bindung anderer Stoffe eine große Bedeutung. Einige Saponine haben eine entzündungshemmende, antivirale, antifungizide und antikanzerogene Wirkung. Letztere beruht darauf, dass das Wachstum von Krebszellen durch die Bindung von Gallensäuren gehemmt wird. Ebenfalls können Saponine das Immunsystem stärken und den Cholesterinspiegel senken.

Saponine kommen im Pflanzenreich recht häufig vor. Kräuter und Pflanzen, die hohe Anteile an Saponinen aufweisen sind u.a. der Nieswurz, das gewöhnliche Seifenkraut, Efeu, Fingerhut oder der Ginseng.

Eine Besonderheit nehmen einige asiatische Kräuter wie der Jiaogulan ein. Diese beliebte Heilpflanze enthält mehr als 80 verschiedene Saponine, die in diesem Fall Gypenoside genannt werden.

Bitterstoffe

Die Bitterstoffe stellen eine sehr wichtige Gruppe wirksamer Inhaltsstoffe dar, die für ein breites Spektrum an medizinischen Anwendungen dienlich sind. Die medizinische Bedeutung bitter schmeckende Pflanzen oder Pflanzenteile waren bereits im Altertum sowie im Mittelalter bekannt. Bitter schmeckende Kräuter wie Tausendgüldenkraut, Wermut, Enzian, Schafgarbe, Spitzwegerich oder Wegwarte sind einige Beispiele, wurden damals wie heute mit teilweise beachtlichem Erfolg eingesetzt.

Bitterstoffe lassen sich definieren, in dem darunter alle chemischen Verbindungen gefasst werden, die bitter schmecken und in der Lage sind, die Magen- und Gallensaftsekretation sowie die Darmperistaltik anzuregen. Bitterstoffe lassen sich nicht einheitlich als Stoffgruppe eingrenzen. Viele der wirksamen Bitterstoffe stammen daher aus den vorher beschriebenen Gruppen. Viele Vertreter sind in der Gruppe der Glykoside anzutreffen oder sind Bestandteil ätherischer Öle (z.B. Mono- und Sesquiterpene).

Zur Klassifizierung der Bitterkeit wird der so genannte Bitterwert herangezogen. Der Bitterwert wird bestimmt in dem der pure Extrakt mit 1 Liter Wasser verglichen wird. Wenn ein Kraut den Bitterwert von 1000 aufweist, bedeutet dies nichts anderes, als das 1 g des Krauts oder Extrakts in 1000 ml Wasser noch als bitterer Stoff wahrnehmbar ist. Der bitterste derzeit bekannte Stoff ist das Amarogentin, welches im Enzian bzw. der Enzianwurzel gebildet wird. Dessen Bitterwert liegt bei etwa 58.000.000.

Pflanzen produzieren diese Bitterstoffe in erster Linie zur Abwehr von Fressfeinden. In der Heilkunde werden Bitterstoffe vor allem bei Magen-Darm-Beschwerden (Völlegefühl, Verstopfung, Gastritis, Appetitlosigkeit), bei Beschwerden der Leber und Galle sowie bei der Unterstützung bzw. Stärkung von Herz und Kreislauf. Eine Vielzahl unterschiedlicher Kräuter sind u.a. Bestandteil des so genannten Schwedenbitters.

Salicyl-Verbindungen

Salicylverbindungen, v.a. die Salicylsäure gehören chemisch zu den Phenolen und spielen vor allem bei Schmerzlinderung und bei der Bekämpfung von Entzündungen eine große Rolle. Es treten jedoch auch Salicylverbindungen auf, die an Zucker gebunden sind und folglich den Glykosiden zugehörig sind. Letztere werden zur Gruppe der Salicylate zusammengefasst. Salicylverbindungen finden sich in größeren Mengen vor allem bei Weiden, bei dem diese Verbindungen sogar Bestandteil des botanischen Namen (Salix) sind. Ferner gibt es einige Kräuter wie Mädesüß, Teufelskralle, Pfefferminze und einige Veilchen, die in nennenswerten Mengen Salicylverbindungen bzw. Salicylsäure enthalten.

Tabelle 2: Salicylgehalte ausgewählter Pflanzen und Kräuter

PflanzeBestandteilGehalt [mg/100gr]
BasilikumPulver3,4
Dillfrische Blätter6,9
DillPulver94,4
KardamomPulver7,7
Korianderfrische Blätter0,2
OreganoPulver66,0
Petersiliefrische Blätter0,1
Pfefferminzefrische Blätter9,4
RosmarinPulver68,0
SalbeiBlätter, getrocknet21,7
ThymianBlätter, getrocknet183,0

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